Inhaltsverzeichnis
Einleitung 3
1. Was für uns Erwachsene Tod und Sterben bedeutet 4
1.1 Ängste pflastern unseren Weg 6
1.2 Trauer und ihre Phasen 7
2. Erste Gedanken und Konfrontation mit Tod und Sterben bei Kindern 8
2.1 Tod des Lieblingstieres 10
2.2 Wenn Menschen sterben 12
2.3 Tod eines Elternteils und die Trauerarbeit der Kinder 14
2.4 Der eigene Tod bei Kindern 16
3. Kinderbücher und ihre Rolle 17
3.1 Das Bilderbuch 18
3.2 Kinderbücher im Vergleich 19
3.2.1 Der alte Bär muss Abschied nehmen 22
3.2.2 Hat Oma Flügel? 23
4. Zusammenfassung und Schlusswort 24
Literaturverzeichnis 26
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Einleitung
„Und ich sah und siehe: ein fahles Roß; und der darauf saß, hatte den Namen `der Tod´; und das Totenreich war sein Gefolge“. 1 Eine Sichtweise vom Tod, wie sie die Bibel zitiert. Eltern handeln in ihrer Erziehung mit dem Vorsatz, die Kinder glücklich zu machen und diese mit einem Lachen im Gesicht voller Lebensfreude in ihrer Nähe zu haben. In dieser Lebensphase der Neugierde und des Lernens bei jungen Menschen spielt der Erwachsene weniger mit dem Gedanken, seinem Sprössling über Tod und Sterben zu berichten. Der Tod wird „totgeschwiegen“. Aber gerade in der Kindheit kann dieses Thema schon von großer Bedeutung und Wichtigkeit sein. Denn früher oder später wird sich jeder Mensch damit auseinander setzen müssen. In früheren Zeiten, noch vor wenigen Jahrzehnten, wurden die Menschen zu Hause gepflegt, versorgt und starben auch in den eigenen vier Wänden. Sie wurden dort aufbewahrt und betrauert. Doch so nah erleben die Kinder den Tod in der heutigen Zeit nicht mehr. 2 So kommen wir nun auf mein zu behandelndes Thema, „Wie Kinder den Tod verstehen und ihn bewältigen“, bezogen auf heute. Um zu einem zuverlässigen Ergebnis zu kommen und die Erwartungen die das Thema in sich birgt zu erfüllen, gehe ich mit zwei Fragen im Hinterkopf durch meine Ausarbeitung:“Tod und Sterben, wie gehen Kinder mit dem Thema um und wie wird dieses in Kinderbüchern dargestellt?“.
Im ersten, allgemeineren Teil meiner Hausarbeit werde ich Tod und Sterben genauer definieren und die emotionalen Aspekte, welche diese Thematik begleiten, hierzu mit einbringen: Ängste, Trauer, Zweifel. Zu diesem Punkt finde ich unter anderem die Bücher „Tod - die andere Seite des Lebens“ herausgegeben von Peter Musall und „Tod und Sterben“, geschrieben unter weiteren Autoren von Horst Georg Pöhlmann, angebracht. Erfahrungen und Meinungen von Tod und Sterben bieten eine gute Bearbeitung der Unterthemen zu diesem ersten Teil der Arbeit. Ebenfalls werde ich aus Barbara Leisners Werk „Abschied nehmen“ besonders zu Trauerphasen und Trauerbewältigung herausinterpretieren.
Im zweiten Punkt beschreibe ich die ersten Überlegungen über Tod und Sterben bei Kindern. Auseinandersetzung mit dem Tod beim Haustier angefangen, hin zur Bewältigung von Ängsten und Trauer gegenüber sterbenden oder toten bekannten und verwandten Menschen. Außerdem werden Gefühle und Gedanken über den
1 Apok 6,8 Satz 1: Die Jerusalemer Bibel, S. 1783, Verlag Herder Freiburg im Breisgau 1968
2 Vgl. Angermayr C./ Dr.med. Larisch K. 05.2004: Todesfälle - wie kann ich Kinder einbeziehen?
http://www.netdoktor.de/ratschlaege/baby_und_kind/todesfaelle.htm, Stand: 14.07.2004
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eigenen Tod bei Kindern dargestellt. Was geht hierbei in den kleinen Köpfen vor? Dafür halte ich neben den vorher genannten Büchern noch weitere Literatur zur Abhandlung dieser Aspekte für angemessen. Unter anderem das Buch „Kinder begegnen dem Tod“ von Marielene Leist und Elisabeth Kübler-Ross´ Werk „Kinder und Tod“ halte ich zur Bearbeitung der Arbeit für erwähnenswert. Im dritten Hauptpunkt werde ich die Rolle, Geeignetheit und Altersentsprechung von Bilder-, Märchen- bzw. Lesebüchern bezogen auf die Thematik darstellen, außerdem zwei Kinderbücher, Mans Gharton´s „Hat Oma Flügel?“ und „Der alte Bär muss Abschied nehmen“ von Udo Weigelt und Christina Kadmon, vergleichen. Daraus ergibt sich die Frage:„Wie gut kommen diese Bücher, welche sich mit Tod und Sterben befassen, bei Kindern an und wie wirken sich die Bilder und Texte auf diese aus?“. Zur Bearbeitung von diesem dritten Punkt in meiner Arbeit verwende ich unter anderem das Buch „Musst du auch sterben“ von Christoph Scheilke und Friedrich Schweitzer. Mit dem Werk „Kinderbücher im Unterricht der Grundschule” von Michael Sahr und Monika Born werde ich das Zusammentragen dieser unterschiedlichen Literatur zur Behandlung des dritten Kapitels ergänzen. Ich habe diesen Aspekt als letzten Gliederungspunkt vorgesehen, da sich der Leser schon durch vorherige Beiträge ein Bild von meinem Thema machen konnte und dem ersten Teil der daraus entstandenen Fragestellung:„Tod und Sterben, wie gehen Kinder mit dem Thema um?“. In diesem dritten Kapitel wird der zweite Teil meiner Fragestellung erörtert: „Wie wird diese Thematik in Kinderbüchern behandelt?“.
1. Was für uns Erwachsene Tod und Sterben bedeutet
Die Geburt ist der Anfang vom Ende. So wird in unserer Gesellschaft häufig über Geburt und Tod geredet. Etwas wird anfangen, um auch irgendwann wieder aufzuhören. Es wird verstanden, dass dies der Lauf des Lebens ist, der Lauf eines jeden Lebens. Und jeder Mensch muss es dennoch anders, für sich verarbeiten und akzeptieren. Meistens wird eine tiefer gehende Betroffenheit vermieden, bis zu dem Augenblick, in dem ein besonderer Mensch von uns gegangen ist. Gedanken über Tod und Sterben kommen verstärkt auf. Hier beginnt die wirkliche Auseinandersetzung mit dem Sterben und der anderen Seite des Lebens. 3 Mit dem Wort „Sterben“ assoziieren die Menschen Leid und Schmerz. Ein Dahinscheiden des menschlichen Körpers, wenn die Zeit gekommen ist und die physische Verfassung
3 Vgl. Musall P. (Hrsg) 1985: Tod - die andere Seite des Lebens, Hark H.: Unsere Träume von Toten, S. 79,
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des Menschen an die Grenzen geht. Ein langsamer Vorgang, bei dem sich der Mensch schleichend in Richtung Tod begibt. Viele Menschen wünschen sich um das Sterben herum zu kommen, besonders Alte oder Menschen mit einer tödlichen Krankheit. Sie erhoffen für sich den qualvollen Sterbeprozess auszulassen um einen „plötzlich“ eintretenden Tod zu erreichen. Wie beispielsweise bei einem schweren Unfall oder beim Tod durch Herzinfarkt. Im Gegensatz zur heutigen Zeit waren die Menschen im Mittelalter anders eingestellt. Sie beteten darum, keinen plötzlichen Tod zu erleiden, um sich auf das Ende vorbereiten und es bewusst erleben zu können. Doch am Tod kommt keiner vorbei. Er wird als tatsächliches Ende des irdischen Lebens gesehen. 4 Organe sind nun mehr ohne Funktion, der Blutkreislauf hat aufgehört zu zirkulieren, der Pulsschlag ist nicht mehr zu spüren. Mit dem letzten Atemzug erlischt das Lebenslicht. 5 Der Tod wird meist als rein körperlicher Tod geschildert, wobei in einigen Glaubensformen die Seele erhalten bleibt. Verschiedenste Religionen haben unterschiedlichste Ansichten über diesen Vorgang, bei dem die Seele und ihre Wanderung oder der Übergang ins neue Leben als das wirklich herausragende Ereignis beim Tode gesehen wird. 6 Eine leere, leblose Hülle wird auf Erden zurückgelassen. Hierzu kann im „Alten Testament“ des christlichen Glaubens nachgelesen werden: „Im Schweiße deines Angesichtes sollst du dein Brot essen, bis du zum Erdboden zurückkehrst, von dem du genommen bist. Denn Staub bist du, und zum Staub mußt(!) du zurückkehren“. 7 Ernst Lange spricht in seinem Bericht „Nur noch ein Jahr zu leben“ vom Sinn des Sterbens, der für ihn im Leben liegt. An das Christentum angelehnt liegt der Sinn in der Auferstehung, in der Überwindung des Sterbens und in der Aufhebung durch das Leben. Der Name Gottes gilt hier als „Protest“ gegen den Tod. 8 Doch das, was bei uns Menschen in erster Linie untrennbar mit Tod und Sterben in Zusammenhang steht, sind die emotionalen Gesichtspunkte beim Verlust einer liebenden Person. Was wird in uns ausgelöst, wenn ein Leben aufhört zu existieren und welche Fragen kommen auf? In den folgenden beiden Punkten werden diese Aspekte bestimmt.
4 Vgl. Pöhlmann H. G. u.a.1985: Tod und Sterben, S. 49/50, Gütersloher Verlagshaus Gerd Mohn, 3. Auflage
5 Vgl. Leisner B. 1998: Abschied nehmen, S. 15, Verlag Herder, Freiburg im Breisgau
6 Vgl. Alexander von Humboldt-Schule, betreuende Lehrkraft: Hörsch U. 03.2001: Der Umgang mit dem Tod in
verschiedenen Religionen, http://www.rpi-loccum.de/wett/beitr/tod1.html, Stand: 26.07.04
7 Gen 3,19: Die Jerusalemer Bibel, S.15, Verlag Herder Freiburg im Breisgau 1968
8 Vgl. Musall P. (Hrsg) 1985: Tod - die andere Seite des Lebens, Lange E.: Nur noch ein Jahr zu leben, S. 17,
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1.1 Ängste pflastern unseren Weg
Angst hat eine lebenserhaltende Funktion, eine Schutzfunktion. Die Angst hilft im Leben, um eine bedrohliche Situation richtig einschätzen zu können. 9 Wenn ein Mensch stirbt, sind es nicht nur die äußeren Einflüsse, die erleichternd oder erschwerend zum Tod beitragen, sondern vor allem charakterliche Eigenschaften bestimmen das S terben. Als Beispiel solche Menschen, die durch zwanghafte Veranlagung Angst vor dem Sterben und dem Eintritt des Todes haben. Sie halten krampfhaft an ihrem Leben fest und können sich einfach nicht davon trennen. Sie können nicht loslassen, da ihnen das Vertrauen ins Ungewisse fehlt und lassen ihre Gedanken nicht mehr zur Ruhe kommen. 10 Diese Angst vor dem eigenen Tod macht sich unter anderem durch Gefühle, wie vergessen zu werden oder nicht mehr auf Erden vorhanden sein, bemerkbar. Der Sinn von Leben und Tod wird angezweifelt. Den Menschen kommen Gedanken wie Auslöschung oder Sünde und Bestrafung. Die Angst vor Leid und Schmerz kommt auf. Der Ekel vor dem Skelettiertwerden durch gefräßige Würmer und Verrottung kommt ihnen in den Sinn. Aber auch den geliebten Menschen Schmerzen zu bereiten kann eine qualvolle Überlegung vor dem eigenen Tod sein. Das Sterben eines anderen, nahe stehenden Menschen löst in uns ebenfalls eine Form, eine andere Erscheinungsart von Angst aus. So bringt sie Gedanken und Emotionen mit sich, wie Einsamkeit, Verlust und Trennung von einem geliebten Menschen, eine bedeutende Person nie wieder zu sehen. Die Vorstellung, das Leben jetzt ohne Unterstützung des Freundes, Bekannten oder Verwandten meistern zu müssen, macht den Menschen Kummer. Eine Trostlosigkeit breitet sich aus. 11 Doch am meisten beschäftigt uns Menschen die Frage: Wo geht es nur hin, wenn der Tod überwunden wurde? Himmel und Hölle kommen in Betracht. Auch das Fegefeuer wird bedacht. Verschiedene Religionen, so auch der Buddhismus im „Nirvana“, sehen das Erreichen des Heils in der Wiedergeburt als den Sinn des Todes. Der Glaube und die Religion machen uns Mut, erfüllen das Leben mit Hoffnung und mildern somit unsere Ängste. Doch Restzweifel bleiben bestehen, Ängste bleiben erhalten. 12 Mit der Vorstellung, nun einen nahe stehenden Menschen
9 Vgl. Rogge J.-U. 2002: Geschichten gegen Ängste, S. 76/77, Rowohlt Taschenbuch Verlag GmbH, Reinbek
bei Hamburg
10 Vgl. Pöhlmann H. G. /Lindner R. 3. Auflage 1985: Tod und Sterben, S. 73, Gütersloher Verlagshaus Gerd
Mohn, 3. Auflage
11 Vgl. Leist M. 1979: Kinder begegnen dem Tod, S. 18, Gütersloher Verlagshaus Gerd Mohn
12 Vgl. Alexander von Humboldt-Schule, betreuende Lehrkraft: Hörsch U. 03.2001: Der Umgang mit dem Tod
in verschiedenen Religionen, http://www.rpi-loccum.de/wett/beitr/tod1.html , Stand: 26.07.04
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verloren zu haben, beginnt die Trauerarbeit. Welche Phasen macht der Mensch in dieser Situation durch? Diese Thematik wird im nächsten Punkt präziser erläutert.
1.2 Trauer und ihre Phasen
Das erschreckende Ereignis, einen geliebten Menschen verloren zu haben, kann anfangs nicht gleich realisiert werden. Der Schock sitzt tief und viele Menschen sind lange Zeit nicht in der Lage, sich von ihrem Freund zu trennen. Sie denken ununterbrochen an ihn, eine Überwindung des Verlustes ist noch nicht möglich. Diese Trauerarbeit ist eine Notwendigkeit für den seelischen Zustand des Menschen. Kommt diese zu kurz, sind negative Auswirkungen bis zur neurotischen Depression denkbar. Auch das Erscheinen des Gestorbenen in unseren Träumen gehört zur Bewältigung der Trauer. Es ist eine Form der Verabschiedung. 13 Während der Trauer können auch Schuldgefühle aufkommen. Bestimmte Situationen zwischen dem Verstorbenen und dem Trauernden werden wieder aufgewühlt. Manche Menschen geben sogar sich selbst die Schuld am Tod der Person oder meinen, sie hätten diesen verhindern können, beispielsweise wenn Streitigkeiten nicht richtig beendet wurden. Wut- und Hassgefühle können daraus entstehen, durch offen gebliebene Angelegenheiten oder verdrängtes Leid, das nie wirklich einander vergeben wurde. Doch dies sind normale Gedanken während einer Trauerzeit. Jeder trauert auf seine eigene Art und Weise. Trauerarbeit ist komplizierte psychische Arbeit, die je nach Leid und Intensität der Beziehung unterschiedlich schwer ist und ein bestimmtes Ausmaß an Zeit in Anspruch nimmt. Barbara Leisner spricht in dieser Phase von „Ketten“ oder „Fäden“ als emotionale Bindungen, welche im Leben hin und her gewoben wurden und nach dem Tod plötzlich abgeschnittene, ausgefranste Enden sind. Diese sollten nun wieder abgebunden und verknotet werden. Für die Arbeit muss sich der Mensch einige Zeit nehmen, um seinen Gefühlen und Gedanken nachzugehen und sie zu ordnen. Hier beginnt der Heilungsprozess. 14 Elisabeth Kübler-Ross teilt die Trauer in fünf verschiedene Phasen auf. Am Anfang dominiert die Phase des „Nicht-wahrhaben-Wollens“. Hier wird der Tod des Menschen nicht realisiert. Er wird verleugnet. Die Trauernden haben das Gefühl zu träumen und es besteht noch eine große Hoffnung, den Verstorbenen wieder zu sehen. In der nächsten Phase wird der Betroffene von Emotionen überschüttet. „Zorn und Wut“
13 Vgl. Musall P. (Hrsg) 1985: Tod - die andere Seite des Lebens, Hark H.: Unsere Träume von Toten, S. 71/72,
Burckhardthaus-Laetare Verlag GmbH, Offenbach
14 Vgl. Leisner B. 1998: Abschied nehmen, S. 117-119, Verlag Herder, Freiburg im Breisgau
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Arbeit zitieren:
Jens Gattringer, 2004, Wie Kinder den Tod verstehen und ihn bewältigen, München, GRIN Verlag GmbH
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