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Motive zur aktiven Kolonialpolitik

Title: Motive zur aktiven Kolonialpolitik

Term Paper (Advanced seminar) , 2004 , 30 Pages , Grade: 2

Autor:in: Marcel Kreykenbohm (Author)

History of Germany - 1848, Empire, Imperialism
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Die Ausarbeitung soll nicht die Frage nach dem Verlauf oder den Folgen dieser Politik behandeln. Im Vordergrund stehen die Voraussetzungen und Motive die diese Politik ermöglichten bzw, erforderten. Welche außen-, bzw. innenpolitischen Faktoren veranlassten Bismarck zu einem Paradigmenwechsel in der Kolonialfrage? Muss Bismarck in Folge dieses Politikwechsels die Rolle eines autonom handelnden, „diktatorischen“3 Entscheidungsträgers zugeschrieben werden, wodurch das frühe parlamentarische System des Reiches zur Kanzlerdiktatur reduziert wäre? Oder hat sich der Reichskanzler entgegen seiner häufig bekundeten Überzeugung gar bereitwillig den Zwängen einer politischen Öffentlichkeit gebeugt? Die Historische Forschung hat hier einige Motivansätze hervorgebracht, die das Bismarckbild und die Bismarck-Ära nachhaltig beeinflußt haben. Vor allem werden hier Wehlers „pragmatischer Imperialismus“4 und der durch Riehls „Kronprinzen-These“5 untermauerte Motivansatz einer anglophoben Prinzipienpolitik angeführt. Diese und andere scheinbar unversöhnlichen Ansätze arbeiten mit unterschiedlichen Gewichtungen einzelner Aspekte und verleiten teils zu „dubiosen monokausalen“6 Geschichtsbetrachtungen, die der Komplexität der Sache nicht gerecht werden. Riehl spricht für den Zeitraum von Ende 1883 bis Mitte 1885 von der „chronologische[n] Parallelität der Handlungsstränge“7, womit bereits angedeutet ist, dass die Motivsuche zu Bismarcks Kolonialpolitik die Begegnung mit einigen Bündeln an Zusammenhängen nicht ausspart. Zudem können diese Zusammenhänge nicht ausschließlich auf die Person des Reichskanzlers bezogen sein. Damit sollen zu Beginn hagiographischen Tendenzen, die Bismarck zum Übermenschen einer ganzen Ära und Nation stilisieren, in den Bereich des Mythenhaften verwiesen werden. Diese Arbeit will vielmehr die verschiedenen ernstzunehmenden Zusammenhänge im Rahmen ihrer Möglichkeiten nachzeichnen und, sofern möglich, zusammenführen.

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Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Der Paradigmenwechsel: Vom „Informal Empire“ zur Reichsschutzpolitik

2.1. Die Politik der „Offenen Tür“

2.2. Expansionistischer Interventionsstaat – Exportfördermaßnahmen und Samoavorlage

2.3. Die Samoavorlage von 1880

2.4. Das Gesuch von Adolf Lüderitz um Schutzgewährung

3. Kolonialpolitische Erwartungen – Innenpolitische Zwänge

3.1. Wirtschaftliche Depression seit 1873

3.2. Expansionsagitation und die Kolonialvereine

3.3. Expansionsagitation und die Rolle der Presse

4. „Der Primat der Außenpolitik“

4.1. Bismarcks Außenpolitik in den Kolonialjahren 1884/85

4.2. Freihandelszone und Kongo-Konferenz

4.3. Die deutsch-französische Haltung in der Ägyptenfrage

4.4. Dreikaiserbündnis und russische Prinzipienpolitik

4.4.1. Rußland, Battenbergheirat und Finanzanleihen

4.5. Die „neuen“ Beziehungen zur englischen Kolonialmacht

5. Kronprinzenthese

5.1. Befürchtungen um ein deutsches „Kabinett Gladstone“

5.2. Linksliberalismus und Herbstwahlen 1884

6. Schluß

6.1. Zusammenfassung

6.2. Fazit

Zielsetzung und thematische Schwerpunkte

Die vorliegende Arbeit untersucht die Voraussetzungen und Motive, die Bismarck zu einem Paradigmenwechsel in der Kolonialfrage in den Jahren 1884/85 veranlassten, wobei die komplexe Verflechtung von außen- und innenpolitischen Faktoren sowie der Einfluss der öffentlichen Meinung im Fokus stehen.

  • Wirtschaftliche Bedingungen und die Rolle des Protektionismus
  • Einfluss der Expansionsagitation und kolonialfreundlicher Gruppierungen
  • Bismarcks außenpolitischer Gesamtentwurf und das Bündnissystem
  • Innenpolitische Kalküle im Kontext des deutschen Liberalismus und Kronprinzenpaares

Auszug aus dem Buch

2.4. Das Gesuch von Adolf Lüderitz um Schutzgewährung

Die Berliner Reichsleitung stellte mit ihrer Erklärung vom 24. April 1884 die Landerwerbungen in Südwestafrika, namentlich Angra Pequena, des Bremer Kaufmanns Adolf Lüderitz, unter den Schutz des Reiches. Aus diesem Reichsschutz sollte das spätere Deutsch-Südwestafrika erwachsen. Lüderitz hatte seit 1882 vergeblich eine solche Zusage angemahnt. An das Auswärtige Amt und die zuständigen Referenten waren aus der Reichsleitung bisher Weisungen ergangen, kolonialpolitische Fragen nicht auf die Agenda zu setzen und Anfragen diesbezüglich unberücksichtigt zu lassen.

Der bisher ausgeübte „zollpolitische Optimismus“ war verblasst und die „Exportfixiertheit“ in den Kreisen des „Wirtschaftsbürgertums“ nahm zu, was mit dazu geführt haben mag, dass die „ergebene Eingabe“ des Bremer Kaufmanns an das Auswärtige Amt vom 8. April 1884, ihn in seinen „wohlerworbenen Rechten“ bezüglich seiner afrikanischen Besitzungen zu schützen, gut zwei Wochen nach Eingang, positiv beantwortet wurde. Lüderitz selbst, so legte er weiter in dieser Eingabe dar, sah sich durch die „Engländer und Kapländer auf alle mögliche Art und Weise schikaniert.“ Durch den deutschen Reichsschutz hoffte er, seine Geschäftigkeit auf eine neue Grundlage stellen zu können, die schließlich auch der deutschen Exportwirtschaft zugute kommen sollte.

Zusammenfassung der Kapitel

1. Einleitung: Die Einleitung umreißt das Forschungsproblem, hinterfragt den plötzlichen Politikwechsel Bismarcks in der Kolonialfrage und stellt den methodischen Ansatz zur Analyse der Motivvielfalt vor.

2. Der Paradigmenwechsel: Vom „Informal Empire“ zur Reichsschutzpolitik: Dieses Kapitel erläutert den Übergang von informellen Handelsstrukturen hin zur staatlichen Schirmherrschaft anhand konkreter Ereignisse wie der Samoavorlage und dem Fall Lüderitz.

3. Kolonialpolitische Erwartungen – Innenpolitische Zwänge: Hier werden die wirtschaftliche Depression seit 1873 und der Einfluss organisierter Expansionsagitation sowie der Presse als treibende Kräfte des kolonialen Engagements analysiert.

4. „Der Primat der Außenpolitik“: Der Abschnitt betrachtet die Kolonialpolitik als Teil des Bismarcks’schen Bündnissystems, insbesondere in Bezug auf das Verhältnis zu England, Frankreich und Russland.

5. Kronprinzenthese: Dieses Kapitel beleuchtet die innenpolitischen Dimensionen, bei denen die Kolonialpolitik als Instrument gegen den liberalen Einfluss des Kronprinzenpaares genutzt wurde.

6. Schluß: Die Arbeit schließt mit einer zusammenfassenden Bewertung der Motive und weist die Theorie einer rein diktatorischen Entscheidung zugunsten einer komplexen, krisenabhängigen Interessenpolitik zurück.

Schlüsselwörter

Bismarck, Kolonialpolitik, Imperialismus, Außenpolitik, Sozialimperialismus, Innenpolitik, Reichsschutz, Wirtschaftskrise, England, Frankreich, Russland, Kronprinzenthese, Handelsinteressen, Protektionismus

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser Arbeit?

Die Hausarbeit analysiert die Motive hinter dem abrupten Wandel Bismarcks hin zu einer aktiven deutschen Kolonialpolitik in den Jahren 1884/85.

Welche Themenfelder stehen im Zentrum?

Im Zentrum stehen die Wechselwirkungen zwischen wirtschaftlichem Druck, innenpolitischen Machtkalkülen gegenüber Liberalen und dem außenpolitischen Strategieentwurf Bismarcks.

Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?

Das Ziel ist es, die Komplexität der Motive aufzuzeigen und die Frage zu beantworten, ob dieser Politikwechsel einer bewussten Kanzlerdiktatur entsprang oder durch externe Sachzwänge erzwungen wurde.

Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?

Es handelt sich um eine historische Analyse, die auf einer Auswertung von Fachliteratur, zeitgenössischen Quellen und Dokumenten basiert.

Was wird im Hauptteil behandelt?

Der Hauptteil gliedert sich in die Untersuchung wirtschaftlicher Faktoren, der Rolle von Interessengruppen und der Presse sowie der außenpolitischen Einbettung in das europäische Bündnissystem.

Welche Begriffe charakterisieren die Arbeit?

Besonders prägend sind die Konzepte des „Informal Empire“, des „Sozialimperialismus“ sowie die sogenannte „Kronprinzenthese“.

Warum war das Battenberg-Projekt für Bismarck relevant?

Bismarck nutzte den Heiratsplan der Battenberger, um ein diplomatisches Manöver gegen Russland vorzutäuschen und gleichzeitig Spannungen zwischen dem Kronprinzen und England zu schüren.

Welche Bedeutung hatte die „Kongo-Konferenz“?

Sie diente Bismarck als Instrument, um einerseits Handelsinteressen zu sichern und andererseits durch die deutsch-französische Zusammenarbeit ein Gegengewicht zum englischen Einfluss aufzubauen.

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Details

Title
Motive zur aktiven Kolonialpolitik
College
University of Hamburg  (Historisches Seminar)
Course
Hauptseminar: Bismarck
Grade
2
Author
Marcel Kreykenbohm (Author)
Publication Year
2004
Pages
30
Catalog Number
V31670
ISBN (eBook)
9783638325943
ISBN (Book)
9783640522446
Language
German
Tags
Motive Kolonialpolitik Hauptseminar Bismarck
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
Marcel Kreykenbohm (Author), 2004, Motive zur aktiven Kolonialpolitik, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/31670
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