Universität Karlsruhe (TH)
Institut für Literaturwissenschaft
Hauptseminar: Faust -Texte
SS 2000
Paul Valéry
"Mon Faust" (Ébauches):
"Lust, la demoiselle de cristal."
Christine Schwall
Germanistik (HF)/Biologie (HF); LA
6. Semester
Inhalt:
1. Einleitung
2. Kurzbiographie
3. "Mein Faust" (Fragmente) Lust. Das Fräulein von Kristall. Komödie
3.1 Entstehung
3.2 Inhalt
3.3 Bezüge
3.4 Gattung
3.5 Die Komödie des Geistes
3.6 Die Konzeption des Bösen in "Lust"
3.7 Das Problem der Liebe und der Augenblick höchster Daseinserfüllung
4. Schluß
5. Literaturangaben
1.Einleitung
Die vorliegende Arbeit hat eine Analyse von Paul Valérys erstem Faustfragment: "Lust. Das Fräulein von Kristall. Komödie." zum Inhalt. Um den Zugang zu Valérys Werk zu erleichtern, wird zuerst kurz seine Konzeption der "Comédie Intelectuelle" erläutert.
Im Interpretationsteil wird besonders auf das Problem des Bösen in der Neuzeit, auf den "faustischen Augenblick" und auf Liebesproblematik in Valérys "Mon Faust" eingegangen. Es soll gezeigt werden, daß Valéry zwar auf Grundkomponenten des Faustmythos, insbesondere des Goetheschen Faust , zurückgegriffen hat, daß er die übernommenen Motive jedoch in einen völlig neuen, durchaus originalen inneren Zusammenhang gebracht hat.
An die Interpretation schließt sich ein kurzer Schluß an, der zeigen soll, wie unterschiedlich "Mon Faust" von den Kritikern beurteilt wird.
2.Kurzbiographie
Paul Ambroise Valéry wurde am 30. Oktober 1871 in Sète, Frankreich, geboren und starb am 20. Juli 1945 in Paris. Er studierte Jura und war sein Leben lang mit André Gide befreundet. Als Dichter setzte er die große Tradition der französischen Symbolisten fort und war vor allem Stephane Mallarmé verpflichtet, dessen Schüler er war.
Nach einer zwanzigjährigen Pause, in der er sich vornehmlich mit philosophischen und mathematischen Studien beschäftigte, wandte er sich erst 1917 wieder der Dichtung zu," [...] für die ein von klassizistischer Formenstrenge getragener und in äußerster geistiger Selbstdisziplin zu einer Poésie pure sublimierter Symbolismus kennzeichnend ist." Zahlreiche seiner Essays beschäftigen sich mit der Analyse des künstlerischen Bewußtseins und dem Problem der Dichtung.
1925 wurde Paul Valéry Mitglied der Académie Français und 1937 Professor für Poetik am Collège de France, außerdem war er langjähriger Vorsitzender des PEN-Clubs. Zu seinen bekanntesten Werken zählen u.a. die Gedichtsammlung "Charmes", der Prosazyklus "Monsieur Teste" und die zwei dramatischen Skizzen "Mon Faust". Er selbst betrachtete die erst postum veröffentlichten, 27000 Seiten umfassenden "Cahiers" als den wichtigsten Teil seines Werkes.
Paul Valéry zählt heute zu den bedeutendsten französischen Schriftstellern und Dichtern des 20. Jahrhunderts. Aufgrund der thematischen Vielschichtigkeit und Formenvielfalt seiner Werke, gilt er als Repräsentant der klassischen Moderne.
3. "Mein Faust" (Fragmente) Lust. Das Fräulein von Kristall. Komödie
3.1 Entstehung
1932 wurde Paul Valéry anlässlich des hundertjährigen Todesjahres Goethes aufgefordert, in der Sorbonne einen Vortrag über den deutschen Dichter zu halten. Diese Gedenkrede stellte für Valéry den ersten Anstoß zu einer eigenen Beschäftigung mit dem Faustthema dar.
Den Entschluß, einen eigenen "Faust" zu schreiben, faßte er, wie er später erzählte, 1935. Die Schwierigkeiten eines solchen Unterfangens wurden ihm sehr schnell bewußt, und so schrieb er im Vorwort zu A. Fabre-Luce´s "Discours de Méphisto":
Der Schatten eines Planes, einen Dritten Faust zu schreiben, hat mehr als einmal meinen Geist heimgesucht oder versucht. Ich habe einige Züge notiert, einige Möglichkeiten ins Auge gefaßt. Doch bis jetzt bin ich nicht hinausgekommen über zögernde Versuche und die Scheu vor einer Arbeit, die einem gewaltig, ja ungeheuerlich vorkommen muß: Der Gebrauch der französischen Sprache und der Name Goethes sind nicht die kleinsten Hindernisse, vor denen man bei der Erwägung eines solchen Planes zurückschreckt.
Mit der Zeit häuften sich die Entwürfe zu seinem "Faust" zwar, doch mit der Niederschrift des eigentlichen Werkes begann er erst 1940 in Dinard, wohin er sich mit seiner Frau beim Herannahen der deutschen Truppen zurückgezogen hatte.
Zunächst entstanden die beiden ersten Akte der Komödie "Lust. Das Fräulein von Kristall" und der erste Akt und das Zwischenspiel der Zauberposse "Der Einsame oder die Verfluchungen des Universums".
Beide Fragmente erschienen bereits im Mai 1941 unter dem Titel "Études pour ‚Mon Faust′" im Verlag Les Cent-Une, Paris. Das um den dritten Akt der Komödie Lust ergänzte Werk wurde Anfang 1945 unter dem endgültigen Titel "‚Mon Faust′ (Ébauches)" veröffentlicht. Nach dem Tod Valérys wurde im Gallimard-Verlag eine textgleiche Ausgabe in höherer Auflage publiziert, die inzwischen vielfach aufgelegt worden ist.
Bis zu seinem Tode konnte Valéry drei der geplanten vier Akte von "Lust" und einen der geplanten zwei Akte des "Einsamen", einschließlich des Zwischenspiels, beenden.
Mittlerweile wurden, neben den schon zu Lebzeiten des Autors veröffentlichten Fragmenten, noch zahlreiche Entwürfe zum vierten Akt von "Lust" und zum zweiten Akt des "Einsamen" herausgegeben.
[...]
Arbeit zitieren:
Christine Schwall, 2000, Paul Valèry - Mon Faust, München, GRIN Verlag GmbH
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