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Die demokratische Entwicklung in der Adenauer-Ära

Title: Die demokratische Entwicklung in der Adenauer-Ära

Seminar Paper , 2004 , 17 Pages , Grade: 2+

Autor:in: Samuel Greef (Author)

History of Germany - Postwar Period, Cold War
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Deutschland nach dem zweiten Weltkrieg zu Beginn einer neuen Ära: „Die herrschende Klasse hat, als einzige, das deutsche Desaster, für das sie verantwortlich ist, ungebrochen überstanden. Ihr Kern ist unversehrt: Finanz- und Industriekapital, Ministerial-und Justiz-Bürokratie, Kirche und Generalität haben die Kontinuität ihres Personals gesichert und ihre alten Machtpositionen neu gefestigt. (...) Der Preis für ihr Überleben war das Grundgesetz. Unter dem Druck der Alliierten hat das deutsche Kapital die Spielregeln der formalen Demokratie akzeptieren müssen. Innerlich hat es sich mit dieser Auflage niemals abgefunden. (...) die herrschende Klasse in Deutschland [hat] die Verfassung immer nur als lästiges Provisorium betrachtet (...) Ihre plötzliche Bekehrung zur Demokratie war nie ernst gemeint.“ 2

Dieses und auch das folgende Zitat von Hans Magnus Enzensberger 3 stehen hier stellvertretend auch für die Meinungen und Vorbehalte anderer Zeitgenossen, vor allem vieler linker Intellektueller, über die Ausprägung demokratischer Staatlichkeit in der jungen Bundesrepublik Deutschland unter dem ersten Bundeskanzler Konrad Adenauer 4 .

„Ist das westliche Deutschland faschistisch, präfaschistisch, neofaschistisch oder faschistoid? Die wackeligen Wörter verraten, daß darüber keine Klarheit herrscht. (...) Dieser neue Faschismus ist keine Drohung, er ist längst Wirklichkeit; es ist ein alltäglicher, einhäusiger, verinnerlichter, institutionell gesicherter und maskierter Faschismus.“ 5

Diese kritische Sicht auf die demokratische Entwicklung, scheint auf den ersten Blick nicht völlig unbegründet zu sein. Auch heute noch gibt es unterschiedliche Ansichten über diese Thematik, und
die Adenauer-Ära gehört zu den umkämpftesten und umstrittensten Perioden in der Geschichte der Bundesrepublik. 6 Aus diesem Grund wird im folgenden, anhand eines Auszuges aus dem Text „Humanismus heute in der Bundesrepublik“ des Psychologen Alexander Mitscherlich 7 aus dem Jahr 1962, versucht, zu verdeutlichen, warum die Entwicklung in dieser Zeit so kritisch gesehen wurde bzw. wird und ob diese Sicht auf die Ära Adenauer objektiv, realistisch durchdacht ist oder vorwiegend subjektive Ansichten zum Ausdruck bringt. Es wird außerdem die Frage zu erörtern sein, ob die Entwicklung, so wie sie im Endeffekt stattgefunden hat, sogar nötig war, weil nur so „die politischen, wirtschaftlichen und kulturellen Grundlagen
geschaffen worden [sind], auf denen die Bundesrepublik auch heute noch steht.“

Excerpt


Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Hauptteil

2.1 Restauration

2.2 Der politische Diskurs

2.3 Die Parteien

2.4 Der Kanzler

3. Fazit

4. Anhang

4.1 Literaturverzeichnis

Zielsetzung und Themen

Die vorliegende Arbeit untersucht die demokratische Entwicklung der frühen Bundesrepublik unter Konrad Adenauer kritisch. Anhand von Alexander Mitscherlichs Thesen wird analysiert, ob die damalige Kritik an restaurativen Tendenzen, dem politischen Diskurs und der Machtstellung des Kanzlers objektiv begründet war oder subjektive Vorbehalte widerspiegelte.

  • Kritische Analyse der Adenauer-Ära durch den Psychologen Alexander Mitscherlich
  • Rolle von Restauration und personeller Kontinuität in der Nachkriegszeit
  • Funktionsweise des politischen Diskurses und der parlamentarischen Opposition
  • Machtkonzentration und Kanzlerdemokratie in der jungen Bundesrepublik

Auszug aus dem Buch

2.4 Der Kanzler

Die Stellung von Bundeskanzler Konrad Adenauer war entscheidend für die Entwicklung in den ersten vierzehn Jahren der jungen Bundesrepublik. Nicht umsonst spricht man von der Adenauer-Ära. Wie wir im vorhergehenden Kapitel gesehen haben, machte Alexander Mitscherlich die Parteien dafür mitverantwortlich, dass es Konrad Adenauer möglich war eine so herausragende, autoritäre Machtstellung aufzubauen. Da sie ihr Hauptaugenmerk darauf richteten, ihre Macht gegenüber der Gegnerpartei zu mehren, verausgabten sie sich in Territorialkämpfen, die es dem taktisch souveränen Regierungschef de facto ermöglichten alleine mit den Interessengruppen zu regieren.

Wegen dieser Machtkonzentration auf die Person des Bundeskanzlers, spricht man auch heute noch von einer Kanzlerdemokratie. In den Augen Mitscherlichs handelt es sich bei der Regierung des „milden Tyrannen“ aber wohl eher um eine Kanzlerdiktatur, wenn er sagt, dass Adenauer seiner Partei die Gesetze des Handelns vorschreibt und sie damit zu einer reinen Gefolgschaftspartei wird. Für ihn wird in der Machtfülle, die Adenauer inne hatte, deutlich, wie wenig das demokratische Prinzip in der jungen Bundesrepublik Fuß fassen konnte.

Zusammenfassung der Kapitel

1. Einleitung: Darstellung der kritischen zeitgenössischen Sichtweise auf die junge Bundesrepublik und Einführung in die Fragestellung der Arbeit.

2. Hauptteil: Detaillierte Untersuchung von Restaurationstendenzen, dem Zustand des politischen Diskurses, der Rolle der Parteien und der Machtstellung Konrad Adenauers.

2.1 Restauration: Analyse der gesellschaftlichen Kontinuität und des Umgangs mit der nationalsozialistischen Vergangenheit sowie deren Bewertung als restaurativ.

2.2 Der politische Diskurs: Untersuchung der parlamentarischen Auseinandersetzung und des Verhältnisses zwischen Regierung und Opposition.

2.3 Die Parteien: Betrachtung der Rolle der Volksparteien CDU und SPD und deren Defizite bei der Erfüllung ihrer demokratischen Aufgaben.

2.4 Der Kanzler: Analyse der Machtkonzentration auf die Person Adenauers und die Einordnung der Kanzlerdemokratie in den verfassungsrechtlichen Rahmen.

3. Fazit: Abschließende Bewertung von Mitscherlichs Kritik und Einordnung der Adenauer-Ära als grundlegende Phase der demokratischen Erfolgsgeschichte.

4. Anhang: Auflistung der verwendeten Literatur und Quellen.

Schlüsselwörter

Adenauer-Ära, Bundesrepublik, Demokratie, Mitscherlich, Restauration, Kanzlerdemokratie, politischer Diskurs, NS-Vergangenheit, Parteien, Opposition, politische Kultur, Vergangenheitsbewältigung, Sontheimer, Parlamentarismus, Machtkonzentration.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es grundsätzlich in dieser Arbeit?

Die Arbeit analysiert die demokratische Entwicklung der frühen Bundesrepublik unter Konrad Adenauer und setzt sich kritisch mit den Vorwürfen des Psychologen Alexander Mitscherlich auseinander.

Welche Themenfelder stehen im Zentrum?

Besonders beleuchtet werden die restaurativen Tendenzen der Nachkriegszeit, der Zustand des politischen Diskurses, die Rolle der politischen Parteien sowie die dominierende Machtstellung des ersten Bundeskanzlers.

Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?

Ziel ist es zu klären, ob die damalige Kritik an einer vermeintlichen demokratischen Schwäche oder Diktatur objektiv haltbar ist oder ob sie eher subjektive Ansichten über den Aufbau der Bundesrepublik widerspiegelt.

Welche wissenschaftliche Methode wurde verwendet?

Es handelt sich um eine quellenkritische Arbeit, die eine Monographie von Kurt Sontheimer als Grundlage nutzt, um Alexander Mitscherlichs Thesen zu interpretieren und historisch einzuordnen.

Was wird im Hauptteil behandelt?

Der Hauptteil gliedert sich in vier Sektionen, die die Gesellschaft, den Diskurs zwischen den Parteien, die Parteien selbst und die Person des Kanzlers als Kernbestandteile des demokratischen Systems untersuchen.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?

Zentrale Begriffe sind Adenauer-Ära, Restauration, Kanzlerdemokratie und die Auseinandersetzung mit der NS-Vergangenheit im demokratischen Prozess.

Wie bewertet der Autor Mitscherlichs Vorwurf der Kanzlerdiktatur?

Der Autor stellt klar, dass Adenauers Machtfülle zwar ausgeprägt war, sich jedoch im Rahmen des Grundgesetzes bewegte und keinesfalls als antidemokratisch oder diktatorisch bezeichnet werden kann.

Welche Rolle spielte die SPD laut dieser Untersuchung?

Die SPD wird als Partei mit einer zeitweise ineffektiven Oppositionsrolle beschrieben, die durch ihr eigenes Verhalten und ihre prinzipielle Verweigerungshaltung gegenüber dem Regierungsblock mitverantwortlich für die Machtkonzentration auf Adenauer war.

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Details

Title
Die demokratische Entwicklung in der Adenauer-Ära
College
University of Kassel
Course
Die Adenauer-Ära
Grade
2+
Author
Samuel Greef (Author)
Publication Year
2004
Pages
17
Catalog Number
V31737
ISBN (eBook)
9783638326469
Language
German
Tags
Entwicklung Adenauer-Ära
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
Samuel Greef (Author), 2004, Die demokratische Entwicklung in der Adenauer-Ära, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/31737
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