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Inhalt
I. Einleitung Seite 03
II. Qualitative Forschung 04
III. Das narrative Interview 07
IV. Der Ablauf des narrativen Interviews 09
V. Die Aufarbeitung des narrativen Interviews 11
VI. Die Auswertung eines Datentextes 13
VII. Schlussbemerkung 17
VIII. Anmerkungen 18
IX. Weiterführende Literatur 19
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I. Einleitung
Meine erste Erfahrung mit sozialwissenschaftlichen Forschungsmethoden machte ich bereits während meines Sozialwesenstudiums 1995. In einem Seminar mit dem Thema “Neue familiale Lebensformen - sozialwissenschaftliche Fallanalysen” sollten wir Studenten anhand des “narrativen Interviews” die soziale Wirklichkeit von Personen kennen lernen, die eben in den unterschiedlichsten familialen Lebensformen leben. Ich entschied mich für das Auswertungsbeispiel “Biologische und soziale schwule Väter” und konnte über das “Schwulenreferat” einen geeigneten Probanten kennen lernen, der selbst Sozialpädagoge ist und auch ohne langes Zögern seine Mitarbeit zusagte.
In dieser Hausarbeit möchte ich nun auf diesem Interview aufbauen. Ein großes Problem war für mich dabei die Suche nach geeigneter Literatur, obwohl von Fritz Schütze und anderen viele Beiträge zu diesem Thema veröffentlicht wurden und in der Bibliothek auch ausleihbar sind. Meine Unerfahrenheit mit der Suche nach Literatur und die Tatsache, dass unter dem Begriff “narratives Interview” und unter dem Name “Schütze” nur eine geringe Anzahl von Beiträgen zu finden waren, sorgten dafür, dass ich nicht alle Informationsquellen nutzte und mein Referat nur die wesentlichen Merkmale dieser Forschungsmethode aufgriff. Ich habe das Thema also neu überarbeitet und hoffe, mit dieser Arbeit, einen besseren Überblick über diese Forschungsmethode geben zu können.
Über eine Einführung in “Qualitative Forschungsmethoden” werde ich mich nun auf das “Narrative Interview” zuarbeiten und anhand meines Auswertungsbeispiels auf einige Details und abschließend auf meine Erfahrungen mit dieser Interviewtechnik eingehen.
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II. Qualitative Forschung
Bei qualitativen Forschungsmethoden wird die Kommunikation des Forschers mit den Beteiligten zum Bestandteil der Erkenntnis, statt sie als Störung auszuschließen. Seine Handlungen und Beobachtungen werden wie Eindrücke, Irritationen und Gefühle zu Daten, die in die Interpretationen einfließen und dokumentiert werden. 1
Die Verwendung der qualitativen Forschungsmethoden hat in der Psychologie und den Sozialwissenschaften eine ziemlich lange Tradition. Bis 1941 spielten biographische Methoden und Fallanalysen eine zentrale Rolle. Danach wurden überwiegend quantitative Methoden bevorzugt. In den 60er Jahren gewannen sie wieder an Bedeutung und lebten auf. In den 70ern wurden sie nach Deutschland importiert und entwickelten sich selbstständig weiter. Anfang der 80er Jahre erlebte die qualitative Forschung einen kräftigen Schub. Ausgelöst wurde er durch die Methoden des “Narrativen Interviews” von Fritz Schütze (1977) und der “Objektiven Hermeneutik” von Oevermann (1979). Dieser Entwicklung eigener Methoden folgte die Zeit der Konsolidierung und der entsprechenden Verfahrensfragen, welche bis heute andauert. 2
Interviews spielen in der qualitativen Sozialforschung eine zentrale Rolle. Verschiedene Interviewtechniken geben auf unterschiedliche Weisen Gelegenheit einen raschen Zugang zum Forschungsfeld und den interessierenden Personen. Das gewonnene Datenmaterial gibt einen guten Überblick über Biografie, Weltsicht, Erfahrung und die Kontakte der befragten Personen.
Interviews werden im allgemeinen auf Tonband aufgezeichnet und bedürfen unterschiedlicher Auswertungsverfahren. Der Interviewer muss sich daher, trotz des leichten Zugangs zum Datenmaterial, bereits im Vorfeld mit einem entsprechenden Auswertungsverfahren auseinandersetzen.
Es werden in diesem Sinne zwei Kategorien von Interviews unterschieden. Das eine sind “Leitfaden-Interviews” und das andere “Erzählgenerierende Interviews”. Natürlich sind die Unterscheidungsmerkmale relativ grob gefasst, da manche Interviewarten nicht eindeutig zuortbar sind und unterschiedliche Bezeichnungen für ähnliche Verfahren genutzt werden.
Im allgemeinen werden die Interviewtypen folgendermaßen unterschieden:
1 Flick, S. 15f
2 Flick, S. 18
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Leitfadeninterviews (halbstandardisiertes Interview)
• “fokussiertes Interview” (Merton & Kendall 1984)
• “problemzentriertes Interview” (Witzel 1982)
• “Dilemma-Interview” oder “semi-strukturelles Interview” (Aufenanger 1991)
• “Dialogkonsens-Verfahren” - verschiedene Techniken zur Erforschung subjektiver Theorien (Marsal)
• Verfahren der Erziehungswissenschaftlichen Forschung (König 1995)
• Struktur-Lege-Techniken
-“Repertory Grid Methodik” oder “Netzinterview” (Fromm 1995)
-Interview- und Legetechnik zur Rekonstruktion kognitiver Handlungsstrukturen “Ilkha” (Dann & Barth 1995)
• “Konstrukt-Interview” (König 1990)
Erzählgenerierende Interviews
• “narratives Interview” (Schütze 1983 und Herrmann 1991)
• “episodisches Interview (Flick 1995)
• “ero-epische Gespräche (Girtler 1995) 3
Interviews sind ein wichtiger Bestandteil der sozialwissenschaftlichen Biografieforschung, welche vom Interesse am Lebenszyklus von Alters- (“Kohorten”) und Personengruppen mit bestimmten gemeinsamen sozialen Merkmalen (“soziale Aggregate”) geprägt ist. Individuelle Lebensschicksale sind aber trotzdem innerhalb soziologischer Theoriebildung nicht unwichtig, da negative Ereignisverkettungen die Identität des Biografieträgers direkt angreifen. Hier wäre wichtig, wie dieser Träger diese Ereignisverkettung erfährt und theoretisch verarbeitet. Grundlage dafür ist die These Schützes, dass es auch hier Prozessstrukturen gibt, die “im Prinzip, in allen Lebensläufen anzutreffen sind” und in Form von systematischen Kombinationen, gesellschaftliche Relevanz besitzen. Diese Erfahrung ist hier aber nicht im Zusammenhang mit persönlichen Interpretationen des Biografieträgers zu sehen, sondern mit der Frage, wie sich die Lebensgeschichte faktisch ereignet hat und der Zusammenhang zwischen der eigenen Interpretation und der Lebensgeschichte zu sehen ist. So werden Interpretationen erst dann interessant, wenn sie Lebensabläufe direkt beeinflusst haben, und z.B. für “illusionäre Lebensorientierung” sorgen. Für
3 Friebertshäuser, S. 371ff
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Schütze ist die Lebensgeschichte eine sequentiell geordnete Aufschichtung größerer und kleinerer in sich sequentiell geordnete Prozessstrukturen. Im Wechsel dieser Strukturen, innerhalb der fortschreitenden Lebenszeit, kommt es dann auch oft zum Wechsel der jeweiligen Gesamtdeutung der Lebensgeschichte. 4
4 Schütze, S. 284
Arbeit zitieren:
M.A. Christian Bruno von Klobuczynski, 1999, Sozialwissenschaftliche Forschungsmethoden - Das narrative Interview nach Fritz Schütze, München, GRIN Verlag GmbH
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