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Die Karrieren von EU-Politikern. Zwischen supranationalem Anspruch und nationaler Biographie

Title: Die Karrieren von EU-Politikern. Zwischen supranationalem Anspruch und nationaler Biographie

Doctoral Thesis / Dissertation , 2015 , 308 Pages , Grade: cum laude

Autor:in: Adrian Haack (Author)

Politics - Topic: European Union
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Summary Excerpt Details

Wie hat sich die Europäische Integration auf das politische Personal der EU ausgewirkt? Gibt es eine Art europäischen Politikertypus? Oder wirken in den supranationalen Organen 28 nationale Delegationen?

Die vorliegende Dissertation vergleicht die Karriereverläufe von nationalen und EU-Politikern und geht der Frage nach, ob sich Merkmale ausmachen lassen, die Europapolitiker unabhängig von ihrer nationalen Herkunft gemeinsam haben. Es wird untersucht, inwiefern sich die Zusammenarbeit von EU-Politikern in einem supranationalen Organ auf ihr Rollenverständnis und ihre Loyalität gegenüber den nationalen Parteien auswirkt. Eine qualitative Untersuchung gibt Aufschluss darüber, ob sich eine Art „europäisches Amtsverständnis“ etabliert hat.

Die Rekrutierungsmuster und Biographien nationaler Politiker sind bereits Gegenstand politikwissenschaftlicher Forschung. Die Betrachtung findet im Kontext des jeweiligen politischen Systems, in das diese Personen eingebunden sind, statt. Die Europäische Union stellt ein politisches System eigener Art dar, das in seiner relativ kurzen Geschichte eine bemerkenswerte Evolution durchlaufen hat und von dessen Zukunft es die unterschiedlichsten Vorstellungen gibt. Letztlich hatte die Europäische Integration schon immer einen supranationalen Anspruch, der weit über die üblichen Formen internati-onaler Zusammenarbeit hinausgeht. Es stellt sich die Frage, ob sich dieser Integrationsprozess auch auf das politische Personal der EU ausgewirkt hat.

Excerpt


Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

1.1 Hinleitung

1.2. Erkenntnisinteresse

1.3. Forschungsfeld

1.4. Aufbau und Methodik

2. Die EU zwischen Supranationalismus und Intergouvernementalismus

2.1. Supranationalismus und Intergouvernementalismus als Integrationstheorien der EU

2.2. Das politische System der Europäischen Union

2.2.1. Das Europäische Parlament

2.2.2. Die Europäische Kommission

3. Nationale Rekrutierungsmuster im Vergleich

3.1. Deutschland

3.2. Frankreich

3.3. Spanien

3.4. Polen

3.5. Schweden

3.6. Österreich

4. Karriereverläufe von EU-Politikern

4.1. Ausbildung

4.1.1. Bildungsabschlüsse

4.1.2. Auslandstudium

4.1.3. Hochschulen

4.1.4. Fachliche Ausrichtung

4.2. Vorpolitische Karriere

4.2.1. Rekrutierungssektoren

4.2.2. Tätigkeit mit internationalem Bezug

4.2.3. Tätigkeit innerhalb des politischen Systems der EU

4.2.4. Der Wechsel nach Brüssel

4.3. Zwischenfazit

5. EU-Politiker als Funktionsträger von nationalen und EU-Parteien

5.1. Der kritische Umgang mit politischen Quellen

5.2. Die Rolle politischer Parteien in demokratischen Systemen

5.2.1. Nationale Besonderheiten politischer Parteien

5.2.2. Die Europäische Parteienlandschaft

5.3. EU-Parteien

5.3.1. Die Entwicklung der EU-Parteien

5.3.2. EU-Parteien und Wahlen

5.4 Zwischenfazit

6. EU-Politiker im Spannungsfeld zwischen europäischer und nationaler Partei

6.1. Das supranationale Paradoxon

6.2. Die Mitglieder des Europäischen Parlament zwischen freiem Mandat und nationaler Listenwahl

6.3. Die Mitglieder der Europäischen Kommission zwischen europäischem Auftrag und nationaler Nominierung

6.4. Zwischenfazit

7. Die Selbstwahrnehmung von EU-Politikern

7.1. Die qualitative Herangehensweise

7.1.1. Die Verbindung quantitativer und qualitativer Ansätze zur umfassenden Erschließung eines Forschungsfeldes

7.1.2. Planung und Durchführung der Interviews

7.2. Auswertung

7.2.1. Erste Assoziationen und Annährung an die EU

7.2.2. Die (Wieder-) Kandidatur für das Europäische Parlament

7.2.3. Entscheidungsfindung im Europäischen Parlament

7.2.4. Europapolitischer Grundkonsens

7.2.5. Veränderungen von Sicht- und Arbeitsweise während der Ausübung des EU-Mandats

7.2.6. Zwischen nationalen Partikularinteressen und europäischer Interdependenz

7.2.7. Parlamentarismus sui generis

7.2.8. Das Bewusstsein einer historischen Dimension als Motivation für das politische Tagesgeschäft

7.3. Zwischenfazit

8. Fazit

9. Handlungsoptionen

9.1. Wahlen

9.1.1. EU-weite Wahllisten

9.1.2. Vorzugsstimmenregelung

9.1.3. Grenzübergreifende Direktwahlkreise

9.1.4. Direktwahl des Präsidenten der Europäischen Kommission

9.2. Bildung

9.2.1. EU-Verwaltungshochschule

9.2.2. Europäisch studieren

9.3. Institutionelles System

9.3.1. Transparenzdefizit

9.3.2. Richtlinienkompetenz

9.3.3. Personelle Verbindung der supranationalen Organe – Parlamentarische Kommissare

9.4. Kritik an ‚der‘ politischen Klasse der EU

9.4.1. EU-Politiker ohne EU-Volk

9.4.2. Fluktuation zwischen den politischen Ebenen

9.5 Forschungsausblicke

Zielsetzung & Themen

Die Arbeit untersucht, ob die europäische Integration zur Entstehung eines eigenständigen, supranationalen Politikertyps geführt hat, indem sie Karrieremuster, Rollenverständnis und Selbstwahrnehmung von Mitgliedern des Europäischen Parlaments und der Europäischen Kommission analysiert.

  • Vergleichende Analyse der Rekrutierungsmuster nationaler Politiker in verschiedenen EU-Mitgliedstaaten.
  • Untersuchung der Auswirkungen supranationaler Institutionen auf das Rollenverständnis und die Loyalität der Akteure.
  • Analyse der Rolle politischer Parteien und deren Einfluss auf EU-Politiker.
  • Erforschung der Selbstwahrnehmung und des Amtsverständnisses der Akteure in Brüssel.
  • Ableitung von Handlungsoptionen für die europäische Demokratieentwicklung.

Auszug aus dem Buch

1.1 Hinleitung

Aus geografischer Sicht ist Europa kein Kontinent, sondern 'nur' eine Halbinsel Eurasiens. Im Norden, Westen und Süden ist die Abgrenzung relativ eindeutig, während man über die Grenzen Europas im Osten unterschiedlicher Auffassung sein kann. Von Brest bis Brest zeigen die Kirchtürme dieselbe Uhrzeit. Dass es an der polnisch-weißrussischen Grenze fast zwei Stunden früher dunkel wird als an der französischen Atlantikküste, ist eine Metapher dafür, dass es sich bei der Zusammengehörigkeit um eine bewusste und weniger um eine geografisch bedingte Entscheidung handelt (Dahrendorf, 1995: 157). In keinem Teil der Erde sind so viele unterschiedliche Nationen auf so engem Raum zu finden. Diese enge Nachbarschaft machte schon immer die Vielfalt Europas aus. Die Geschichte keiner Nation lässt sich ohne ihren europäischen Hintergrund erzählen (Toynbee, 1949: 36). Die historischen Prozesse in Europa sind entsprechend immer ein Wechselspiel zwischen den Nationen gewesen, und geschichtsträchtige Ereignisse der einen Nation blieben fast nie ohne Folgen für die andere. Obwohl jede Nation ihre eigene Geschichte schreibt, gibt es zweifellos auch eine europäische Geschichte. Europa ist mehr als die Summe seiner Teile.

Wenn man die Geschichte betrachtet, dann vermag man diese nicht mit den Mitteln der Naturwissenschaften zu erklären. Auf eine Ursache folgt nicht zwangsläufig eine bestimmte Reaktion und es lassen sich - wenn überhaupt - nur Wahrscheinlichkeiten ausmachen, nie aber Gesetzmäßigkeiten. Geschichtsträchtige Prozesse entstehen aus einem Zusammenspiel zwischen der Umwelt und den Menschen. Es gibt Momente in der Geschichte, die Herausforderungen und Chancen darstellen, die das Handeln geschichtsgestaltender Persönlichkeiten erfordern. Auch Europas Geschichte kennt diese Menschen, die sich vor allem als Politiker in der Geschichte Europas verewigt haben. Dies geschah auch durch die Katastrophen und Verbrechen des 20. Jahrhunderts. Es waren diese Trümmer des Zweiten Weltkrieges, aus denen das neue Europa entstand. Allen voran war es die deutsch-französische Erbfeindschaft, die nach den Erfahrungen des Krieges in die deutsch-französische Versöhnung mündete, die die Grundlage der Europäischen Integration bildete.

Zusammenfassung der Kapitel

1. Einleitung: Diese Einleitung führt in die Thematik der europäischen Integration ein und stellt die zentrale Forschungsfrage nach der Existenz eines spezifischen supranationalen Politikertyps.

2. Die EU zwischen Supranationalismus und Intergouvernementalismus: Das Kapitel beschreibt das politische System der EU und die maßgeblichen Integrationstheorien als theoretischen Rahmen.

3. Nationale Rekrutierungsmuster im Vergleich: Hier werden die Rekrutierungsprozesse von Politikern in sechs ausgewählten EU-Ländern verglichen, um Unterschiede und Gemeinsamkeiten aufzuzeigen.

4. Karriereverläufe von EU-Politikern: Dieser Teil analysiert die Ausbildung und vorpolitischen Werdegänge der EU-Akteure anhand statistischer Daten.

5. EU-Politiker als Funktionsträger von nationalen und EU-Parteien: Das Kapitel untersucht die Rolle politischer Parteien und deren Einfluss auf die Rekrutierung und das Agieren von EU-Politikern.

6. EU-Politiker im Spannungsfeld zwischen europäischer und nationaler Partei: Hier wird das Spannungsfeld zwischen nationaler Loyalität und europäischem Auftrag beleuchtet, insbesondere das "supranationale Paradoxon".

7. Die Selbstwahrnehmung von EU-Politikern: Dieser Abschnitt wertet qualitative Interviews aus, um das Rollenverständnis und die Identität der Akteure in Brüssel zu erfassen.

8. Fazit: Die Ergebnisse der Untersuchung werden zusammengefasst und die zentrale Forschungsfrage beantwortet.

9. Handlungsoptionen: Das letzte Kapitel erarbeitet Vorschläge zur Reform der Wahlverfahren und zur Stärkung der Legitimität und Transparenz im EU-System.

Schlüsselwörter

Europäische Union, Europäische Integration, EU-Politiker, Supranationalismus, Intergouvernementalismus, Politische Klasse, Elitenforschung, Rekrutierung, Biographie, Europäisches Parlament, Europäische Kommission, Parteien, Politische Führung, Europaabgeordnete, Demokratiedefizit.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit grundlegend?

Die Arbeit untersucht, ob und wie der Prozess der europäischen Integration das politische Personal der Europäischen Union geprägt hat. Ziel ist es herauszufinden, ob sich durch die Tätigkeit in supranationalen Organen ein eigener "europäischer Politikertypus" entwickelt hat.

Was sind die zentralen Themenfelder der Studie?

Die Schwerpunkte liegen auf Karrierewegen, Rekrutierungsmustern in verschiedenen Mitgliedstaaten, der Rolle politischer Parteien, dem Spannungsfeld zwischen nationaler Loyalität und europäischer Aufgabe sowie der Eigenwahrnehmung der Politiker.

Was ist das primäre Ziel oder die zentrale Forschungsfrage?

Die zentrale Frage lautet: Hat die Europäische Integration dazu geführt, dass sich eine Art supranationaler bzw. europäischer Politikertypus gebildet hat, der sich in Karrieremustern oder Verhaltensweisen von nationalen Politikern unterscheidet?

Welche wissenschaftlichen Methoden werden angewendet?

Der Autor nutzt methodische Triangulation: Er kombiniert eine quantitative, statistische Auswertung von biographischen Daten mit einer qualitativen Analyse durch Experteninterviews sowie eine vergleichende Literaturrecherche.

Was wird im umfangreichen Hauptteil behandelt?

Der Hauptteil analysiert das politische System der EU, vergleicht nationale Rekrutierungsmuster, untersucht das Verhältnis von nationalen und europäischen Parteien sowie das Handeln von EU-Abgeordneten und Kommissaren im Spannungsfeld zwischen ihren nationalen Wurzeln und ihrem europäischen Mandat.

Welche Schlüsselbegriffe charakterisieren die Arbeit?

Wichtige Begriffe sind Supranationalismus, Intergouvernementalismus, Positionselite, Rekrutierungsmuster, demokratische Legitimität und das "supranationale Paradoxon".

Wie unterscheidet sich der Werdegang eines EU-Politikers von einem rein nationalen Politiker?

Die Untersuchung zeigt, dass es keinen einheitlichen "EU-Karriereweg" gibt, der im Widerspruch zu nationalen Mustern steht. Dennoch zeigen EU-Politiker häufiger eine stärkere internationale Vernetzung und einen akademischen Hintergrund, insbesondere in wirtschaftswissenschaftlichen Bereichen.

Was genau ist das "supranationale Paradoxon"?

Es beschreibt den Zielkonflikt zwischen dem Anspruch einer supranationalen Amtsausübung (Wohl der gesamten Union) und der faktischen Abhängigkeit vom Amtserhalt, der oft von nationalen Regierungen oder Parteien kontrolliert wird.

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Details

Title
Die Karrieren von EU-Politikern. Zwischen supranationalem Anspruch und nationaler Biographie
College
University of Göttingen  (Göttinger Institut für Demokratiewissenschaft)
Grade
cum laude
Author
Adrian Haack (Author)
Publication Year
2015
Pages
308
Catalog Number
V318440
ISBN (eBook)
9783668202856
ISBN (Book)
9783946458913
Language
German
Tags
Europäische Union Politische Karrieren EU-Politiker Supranationalismus Supranationales Paradoxon Europäische Kommission Eurpäisches Parlament EU-Parteien Abstimmungsverhalten Karriereverläufe Narrative Interviewforschung Methoden Triangulation
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
Adrian Haack (Author), 2015, Die Karrieren von EU-Politikern. Zwischen supranationalem Anspruch und nationaler Biographie, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/318440
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