Neue Strategien im internationalen Beschaffungsmanagement
Inhalt
Abbildungsverzeichnis. 3
Abkürzungsverzeichnis. 3
1. Einleitung 4
2. Neue Organisationsstrategien für die Beschaffung. 4
2.1 Global Sourcing 5
2.2 Zentraler und dezentraler Einkauf im internationalen Kontext 6
2.3 Outsourcing von Beschaffungsaufgaben 7
3. Supply Chain Management aus Sicht der Beschaffung 9
3.1 Supply Chain Management (SCM) 9
3.2 Collaborative Supply Chain Management (CSCM) 10
3.3. Supplier Relationship Management (SRM) 12
3.4 Logistik als Teil internationaler Beschaffung. 13
4. Einflüsse von E-Business auf die Beschaffung. 15
4.1 Grundzüge des E-Procurement-Konzepts. 16
4.2 Online-Kataloge 16
4.3 Online Marktplätze 18
4.4 Vorbehalte gegen E-Procurement 20
5. Herausforderung der internationalen Beschaffung in Deutschland 20
5.1 Im Unternehmen 20
5.2 Für den Einkäufer. 22
6. Fazit und Handlungsempfehlungen 23
Anhang 25
A. Zentrale und dezentrale Beschaffung. 25
B. Outsourcing im Sinne der Make-or-Buy-Entscheidungen des Einkaufs 26
C. ABC-Analyse als Grundlage von Einkaufsentscheidungen. 28
D. Ursprünge des Supply Chain Management. 29
E. Extranet. 30
Literaturverzeichnis 31
Florian Kleemann, 2004 2
Neue Strategien im internationalen Beschaffungsmanagement
Abbildungsverzeichnis
Abbildung 1: Aufgaben im Beschaffungsmanagement 5
Abbildung 2: Lieferantenstamm in Pyramidenform (Keiretsu) 11
Abbildung 3: Der Supplier Relationship Managment-Prozess 13
Abbildung 4: Logistik Konzepte von 1946 bis heute 14
Abbildung 5: Vorteile von E-Procurement 16
Abbildung 6: Sparpotenziale bei Bestellvorgängen durch E-Procurement 17
Abbildung 7: Anteil von Unternehmen die aus Niedrigkostenländern beziehen, 22
Abbildung 8: Muldtidimensionale Anforderungen an den modernen Einkäufer 23
Abbildung 9: Einflussfaktoren des Zentralisierungsgrads 26
Abbildung 10: Anteile der C-Teile in der Beschaffung. 29
Abbildung 11: Die Zusammenhänge der Supply Chain 30
Abkürzungsverzeichnis
3PL Third party logistics
4PL Fourth party logistics
B2B Business-to-Business
bspw. beispielsweise
CPFR Collaborative Planning, Forecasting and Replenishment
CRM Customer Relationship Management
CSCM Collaborative Supply Chain Management
d.h. das heißt
ECR Efficient Consumer Response
ERP Enterprise Ressource Planning
F&E Forschung & Entwicklung
GS Global Sourcing
IPO International Procurement Offices
MRP Material Requirements Planning
RFID Radio Frequency Identification
SCM Supply Chain Management
SRM Supplier Relationship Management
z.B. zum Beispiel
z.T. zum Teil
Florian Kleemann, 2004 3
Neue Strategien im internationalen Beschaffungsmanagement
1. Einleitung
Die Bedeutung eines effizienten Beschaffungswesens für den Erfolg einer Unternehmung wurde und wird z.T. noch heute stark unterschätzt. Doch gerade in Zeiten von wirtschaftlicher Unsicherheit geprägter Absatzmärkte und zunehmendem Globalisierungsdruck scheinen sich immer mehr Unternehmen verstärkt dem Einkauf als maßgeblichem Instrument für die erfolgreiche Unternehmensführung zuzuwenden.
Nicht zuletzt mit dem Aufkommen neuer Kommunikationstechnologien, allen voran dem Internet, entstanden viele neue Strategien und Konzepte, die die Abwicklung der Beschaffung vereinfachen. Es waren aber nicht nur die Einkaufsprozesse, die sich veränderten, sondern auch der Fokus der Tätigkeitsfelder, die sich zunehmend internationaler zusammensetzen.
Global Sourcing, Strategic Purchasing oder E- Procurement sind hierbei gängige Schlagwörter, die dieser Veränderung im Bereich des Einkaufs Rechnung tragen. Darüber hinaus wird die Beschaffung im zunehmenden Maße als Teil einer bis zum Endkunden reichenden Wertschöpfungskette gesehen, wie die Ansätze des Supply Chain Management zeigen.
Ziel dieser Arbeit ist es, die neuen Strategien im Beschaffungsmanagement zu vorzustellen, deren Bedeutung für Unternehmen zu analysieren und mögliche Weiterentwicklungen aufzuzeigen.
2. Neue Organisationsstrategien für die Beschaffung
Der Einkaufsprozess kann generell in zwei Kernaufgaben unterteilt werden. Zum einen dem operativen Beschaffungsvorgang, dem Procurement, wo ausgelöst durch die Bedarfsmeldung aus einer Abteilung des Unternehmens die Beschaffung des benötigten Artikels erfolgt, zum anderen der strategische Teil, der die Bezugsquellen festlegt, auch Sourcing genannt. Weiterhin sind die Logistik sowie das Rechnungswesen betroffen, für die sich aus der Aktivität des Einkaufs resultierend, administrative Aufgaben ergeben, wie das folgende Schaubild zeigt.
© Florian Kleemann, 2004 Seite 4
Neue Strategien im internationalen Beschaffungsmanagement
In den letzten Jahren hat sich das Aufgabengebiet des Einkaufs, wie in 1. beschrieben, stark verändert bzw. erweitert. Im Zuge dessen sind in den letzten Jahren neue Organisationskonzepte für den Einkauf entstanden, worauf im Folgenden eingegangen werden soll.
2.1 Global Sourcing
Oftmals wird unter GS die „systematische Ausdehnung der Beschaffungspolitik unter strategischer Ausrichtung auf internationale Beschaffungsquellen“ 2 verstanden, also die internationale Ausrichtung des Einkaufs.
Allerdings bezeichnet GS nicht einfach nur, dass ein Unternehmen bei ausländischen Lieferanten einkauft, sondern vielmehr, dass es sich strategisch (z.B.: mittels vorheriger Potenzialanalyse, Testprojekten, Festlegung einer Strategie) auf internationale Beschaffungsmärkte einstellt, und auch entsprechende Ressourcen bereitstellt, d.h. die Einführung des GS als Investition betrachtet, und nicht als bloße Maßnahme des Einkaufs.
Auf der anderen Seite ist GS nicht zwingend mit dem Einrichten internationaler Standorte (z.B.: IPOs) verbunden, gerade die neuen IT-Konzepte des E-Procurement und die verbesserten Möglichkeiten einer internationalen Logistik erlauben eine internationale Beschaffungsstrategie, ohne weltweite Standorte zu benötigen. Was aber dennoch für den Aufbau eines globalen Netzwerks spricht, wird in diesem und Abschnitt 2.2 näher behandelt.
Ziel des GS ist nicht immer nur das nächst liegende Interesse der Kostensenkung im Einkauf durch geringere Einstandspreise bspw. in Niedriglohnländern, sondern auch Absatz- bzw. Standortpolitische Maßnahmen, wie die Erschließung neuer Märkte. So bietet es sich z.B. für Automobilunternehmen an, einen Teil ihres Bedarfs in China zu decken, um eventuell anfal-
1 Quelle:
2 Sundorf, Skript zur Vorlesung „Strategic Procurement Management“ © Florian Kleemann, 2004 Seite 5
Neue Strategien im internationalen Beschaffungsmanagement
lende Einfuhrzölle für importierte Fahrzeuge zu senken („Local Content“). Auch könnte es von Interesse sein, die Beschaffung nah an Bezugsquellen anzusiedeln, um bei Innovationen einen schnellen Zugriff auf diese Quellen zu erhalten. Technologiezentren wie das Silicon Valley können hierbei als Beispiel angesehen werden. Dabei ist zu berücksichtigen, dass die Beschaffung in einer bestimmten Region gleichzeitig oft der Erfüllung mehrerer Ziele dienen kann, was bei der Potentialanalyse vor der Einführung von Global Sourcing berücksichtigt werden sollte.
Ein Beispiel für die Umsetzung einer GS-Strategie ist das Automobilunternehmen Audi. Es hat nicht nur den Fokus des Einkauf im Stammhaus auf internationale Bezugsquellen erweitert, sondern auch weltweit IPOs (z.B. in Südafrika) eingerichtet, die neue Lieferanten finden, entwickeln und betreuen sollen, und zusätzlich eine Steuerungsabteilung (International Purchasing Projects) installiert, die die Arbeit der im GS involvierten Abteilungen zielführend steuern soll 3 .
Allerdings bringt die Internationalisierung der Beschaffung nicht nur Vorteile, sondern birgt auch eine Vielzahl von Risiken. Neben Fragen nach politischer und rechtlicher Stabilität in neuen Märkten sind hierbei vor allem das Versorgungs- und das Qualitätsrisiko von Interesse. Bei Ersterem sollte der erhöhte Logistikaufwand bei der Überwindung größerer Distanzen betrachtet werden, während beim zweiten das Risiko von unterschiedlichem Qualitätsverständnis in verschiedenen Ländern mit der möglichen Folge von Qualitätsproblemen besteht.
Sollte sich ein Unternehmen für die Einführung von GS entscheiden, ist nicht nur wichtig, involvierte Risiken zu bewerten und weiterzuverfolgen, sondern auch sicherzustellen, dass das GS als strategische Komponente der Unternehmensführung betrachtet und entsprechend behandelt wird. So sollte bedacht werden, dass vor dem Realisieren eventueller Kostenvorteile die Bereitstellung von finanziellen und humanen Ressourcen steht, die möglichst durch eine Einbindung in die Gesamtplanung des Unternehmens abgesichert werden sollte 4 .
2.2 Zentraler und dezentraler Einkauf im internationalen Kontext
Eine genaue begriffliche Abgrenzung zwischen zentralem und dezentralem Einkauf findet sich in Anlage A. Im folgenden Abschnitt soll erklärt werden wie sich diese Unterscheidung im Lichte der Internationalisierung des Einkaufs zeigt.
3 Praktikum des Verfassers im Bereich der Audi AG, Ingolstadt, 07/2001-08/2001
4 Vgl. Boutellier (Beschaffung), S.31 © Florian Kleemann, 2004 Seite 6
Neue Strategien im internationalen Beschaffungsmanagement
Die Unterscheidung kann, bezüglich der Nähe zum Bedarfsträger, grundsätzlich auch auf das GS angewendet werden. Weltweite Produktionsstrategien zum Beispiel, wie sie von großen Automobilunternehmen verfolgt werden, erfordern von sich aus eine teilweise Dezentralisierung des Einkaufs. So werden oftmals bestimmte Fahrzeugmodelle nur an einem Standort produziert (z.B. BMW 1er-Reihe/Leipzig), was zum einen die Synergieeffekte mit anderen Standorten minimiert, zum anderen aber spezialisiertes Wissen über nur am Standort verwendete Artikel erfordert.
Aber auch andere Arten der (De-)Zentralisierung in der Beschaffung werden in der Praxis angewendet. Der Lebensmittelkonzern Danone unterscheidet dabei das „Strategic Sourcing“, das zentral, am Hauptsitz des Unternehmens die Informationsbeschaffung und -analyse relevanter Beschaffungsmärkte (z.B. Preisentwicklung auf dem Rohstoffmarkt Papier/pappe) übernimmt, während die lokalen, dezentralen Einkäufer unter Nutzung dieser Informationen den Einkauf in ihren verantwortlichen Regionen übernehmen 5 . Eine andere Form der (De-)Zentralisierung wird bei der Firma Siemens in der Region Skandinavien angewendet 6 . Hier wird allerdings nicht nach der anfordernden Funktion (z.B. Produktion), sondern nach den anfordernden Ländern unterschieden. Länderübergreifend benötigte Waren und Dienstleistungen werden dabei zentral gebündelt und beschafft, um z.B. bei Verhandlungen mit Lieferanten Mengeneffekte erzielen zu können. Lokal, also dezentral, werden nur noch länderspezifische Bedarfe abgewickelt.
Die Trennung des zentralen und dezentralen Einkaufs scheint eine zweckmäßige Maßnahme zu sein, um auftretenden Bedarf, auch auf internationaler Ebene, effizienter zu erfüllen. Eine der großen Herausforderungen an die (Neu-)Organisation des globalen Einkaufs, nämlich eine effiziente Trennung operativer und strategischer Aufgaben (siehe Abbildung 1) allerdings wird noch nicht hinreichend gelöst. Deshalb tritt diese Trennung in reiner Form eher selten auf, und wird heutzutage meist mit dem im folgenden Abschnitt behandelten Outsourcing von Beschaffungsaufgaben kombiniert.
2.3 Outsourcing von Beschaffungsaufgaben
Während der Einkauf früher im Zuge von „Make-or-Buy“ (Anlage B) selbst für die Entscheidung ob eine Leistung im Unternehmen erbracht oder fremdbezogen wird, ist der Einkauf als Funktionsbereich mittlerweile selbst zentrales Thema des Outsourcing geworden. Die Praxis
5 Gespräch mit Herrn Patric Hohl, Purchasing Director Raws&Packs, Danone GmbH, München
6 Praktikum des Verfassers im Scandinavian Purchasing der Siemens AG, Oslo, Norwegen, 08/2003-01/2004 © Florian Kleemann, 2004 Seite 7
Neue Strategien im internationalen Beschaffungsmanagement
zeigte, dass das Beschaffungsmanagement mit strategischen Aufgaben (z.B. Sourcing, Supply-ChainVerantwortung) sowie den klassischen, operativen Aufgaben zunehmend überfordert war. Die Möglichkeit, operative Beschaffungsvorgänge mittels Einsatz neuer Technologien wie dem Internet wesentlich zu vereinfachen, und z.T. auch ortsunabhängig durchzuführen, brachte die Überlegung auf den Weg, Teile der Beschaffung auszugliedern. Für die Durchführung stehen den Unternehmen heute mehrere Lösungsalternativen offen:
Bei der unternehmensinternen Lösung werden strategische Aspekte an einer zentralen Stelle (womöglich sogar mit eigener Rechtspersönlichkeit) zusammengefasst, die dann für den strategischen Einkauf aller Unternehmenseinheiten verantwortlich ist, die operativen Beschaffungsaufgaben (Bestellung usw.) verbleiben allerdings in den einzelnen Bereichen. Diese Lösung wird traditionell z.B. von Handelsunternehmen wie Spar oder Rewe 7 verwendet. Trotz eigener Rechtspersönlichkeit treten diese so genannten Einkaufsgesellschaften nicht am Markt auf, d.h. dienen nur internen Stellen.
Bei der externen Lösung übergibt die ausgliedernde Unternehmung Teile der Beschaffung komplett an unternehmensfremde Firmen, die diese Aufgaben dann übernehmen. Ein mögliches Anwendungsbeispiel ist das Ausgliedern operativer Vorgänge mit dem Ziel der Prozesskostenersparnis, wie z.B. bei Konzepten des E-Procurement, spezifisch den Katalogen, die in 4.2 näher behandelt werden. Beliebt ist zum Beispiel das Ausgliedern der Beschaffung für so genannte C-Artikel, deren wertmäßiger Anteil am Beschaffungsvolumen oft in keinem Verhältnis zum zugehörigen administrativen Aufwand steht (mehr dazu in Anlage C). Aber auch der gesamte Einkaufsprozess kann ausgegliedert werden, was vor allem für kleinere Unternehmen z.B. bei fehlendem Know-how für bestimmte Materialien neu entwickelter Produkt e zweckmäßig erscheint. Hier könnten auf bestimmte Beschaffungsmärkte spezialisierte Dienstleister einen sinnvollen Beitrag leisten. Lange etabliert dagegen ist das Outsourcing in der Logistik, worauf in Kapitel 4.4 näher eingegangen wird.
In letzter Zeit hat sich auch noch eine dritte Lösung etabliert, eine Mischform zwischen den beiden bereits beschriebenen. Diese Lösung wird vor allem von Konzernen angewendet. Hierbei wird der Einkauf oder Teile davon zusammengefasst, in ein eigenständiges Unternehmen überführt, das seine Leistungen dann nicht nur intern, sondern auch konzernfremden Firmen am Markt anbietet, meist in Kombination mit weiteren Beratungsleistungen. Ein Beispiel hierfür ist die Firma „Siemens Procurement and Logistics Services“ des Siemens-Konzerns, die
7 Vgl. Boutellier (Beschaffung), S.27 © Florian Kleemann, 2004 Seite 8
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Florian C. Kleemann, 2004, Neue Strategien im internationalen Beschaffungsmanagement, München, GRIN Verlag GmbH
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