Inhaltsverzeichnis
Einleitung 3
1. Definition des Wohnzimmers 4
1.1 Größe 4
1.2 Einrichtung 6
1.3 Funktion 8
2. Historische Wohnformen 9
2.1 Bäuerliche Lebensweise 10
2.2 Lebensweise der Handwerker 11
2.3 Heimarbeiterhaushalt 12
2.4 Bürgerlicher Haushalt 12
2.5 Proletarierhaushalt 13
3. Von der guten Stube zum Wohnzimmer 14
Fazit 16
Literaturverzeichnis 18
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Einleitung Der Mensch verbringt die meiste Zeit seines Lebens im Arbeits- und Wohnbe- reich (vgl. Deutscher Werkbund 1979: 5). Unter Wohnung wird „die Summe von Räumen, welche die Führung eines Haushaltes ermöglichen soll“ verstanden, dabei ist das bedeutendste Kennzeichen einer Wohnung die „Abgeschlossenheit“ (Rughöft 1992: 20). So sind Wohnungen immer baulich getrennt und separat zugänglich von anderen Wohnungen (vgl. ebd.). Seit jeher hat sich der Mensch Behausungen geschaffen, um sich vor klimatischen Einflüssen zu schützen (Fla- de/Roth 1987: 14). Er kann dort ungestört schlafen, essen, Kinder aufziehen usw. Gleichzeitig ermöglicht die Wohnung aber auch eine Abgrenzung. Das heißt, der Mensch kann sich jederzeit zurückziehen und vor zuviel Nähe zu ande- ren bewa hren (vgl. ebd.). Dieses Bedürfnis nach Privatsphäre hat sich erst im Laufe des letzten Jahrhunderts herausgebildet, da man früher mit viel mehr Men- schen unter einem Dach gelebt hat und die Bautechniken noch nicht so ausge- reift waren. Heutige Kommunikations- und Unterhaltungsmöglichkeiten wie Tele- fon, I nternet, Kino und Fernsehen gab es damals noch nicht und aus diesem Grund besuchten sich die Leute einfach öfter, vor allem auch ohne Vorankündi- gung und waren gezwungen war, sich gegenseitig selbst zu unte rhalten.
Durch die Trennung von Wohn- und Arbeitsplatz wurde es dem Menschen er- möglicht, sich abseits von seinem Beruf einen Ort zur Selbstdarstellung zu schaffen. So kann er sich in seiner Wohnung selbst verwirklichen, wie es im Beruf nicht immer möglich ist (vgl. Deutscher Werkbund 1979: 5). Das Wohn- zimmer spielt dabei eine besondere Rolle, da es der Raum ist, in dem man Be- such empfängt und sich somit dort am besten darstellen kann. Diese Arbeit be- schäftigt sich mit der Entwicklung des Wohnzimmers seit seiner Entstehung im
19. Jahrhundert bis heute. Es wird untersucht, ob es sich bei unserem heutigen
Wohnzimmer tatsächlich um ein Gemeinschaftszimmer handelt, dass von der ganzen Familie genutzt wird oder ob es sich zur „Guten Stube“ von früher ent- wickelt hat, die für Kinder verboten ist und nur zu „besonderen Anlässen“ ge- nutzt wird. Dabei werde ich zunächst definieren, was in der Wohnsoziologie unter dem Begriff Wohnzimmer verstanden wird (1.) und auf die Größe (1.1), die Einrichtung (1.2) und die Funktion (1.3) dieses Raumes eingehen. Im zwei- ten Punkt beschreibe ich historische Wohnformen von Bauern (2.1), Handwer- kern (2.2), dem Bürgertum (2.3) und dem Proletariat (2.4), aus denen sich un-
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sere heutige Wohnweise entwickelt hat. Danach werde ich untersuchen, welche Gemeinsamkeiten und Unterschiede es zwischen der „Guten Stube“ von da- mals und dem he utigen Wohnzimmer gibt (3.). Zum Schluss werde ich ein Fazit ziehen, inwieweit sich die Entwicklung des Wohnzimmers auf seine Bewohner auswirkt und was zukünftig noch geändert werden sollte.
1. Definition des Wohnzimmers
Das Wohnzimmer ist zusammen mit dem Essplatz der Raum in der Wohnung, der der Gemeinschaft, also hauptsächlich Familienaktivitäten, dienen soll. Im Gegensatz zum Kinderzimmer und Elternschlafzimmer, die als Individualräume bezeichnet werden und in denen sich selten die ganze Familie aufhält und die man auch Besuchern größtenteils vorenthält (vgl. Flade/Roth 1987: 58). All die Dinge, die an Arbeit erinnern oder Lärm und Schmutz hervorrufen, versucht man deshalb, draußen zu halten, damit der Geselligkeit, aber auch der Selbst- darstellung vor Gästen nichts im Wege steht (vgl. Hä ußermann/Siebel 1996: 16). Aus diesem Grund ist das Wohnzimmer nach Ausstattung, Größe und La- ge meist der beste Raum in der ganzen Wohnung. Leider spiegelt er aber auch die Rangfolge der Familienmitglieder und die Nutzungen in der modernen Woh- nung von heute wider (vgl. ebd.). Denn oftmals ist das Wohnzimmer nur theore- tisch ein Familienzimmer, das den ganzen Tag über leer steht, weil es für die Kinder allein verboten ist (Sack 1980: 15). Nur abends hält sich die ganze Fami- lie dort auf, aber auch nur, um gemeinsam fernzusehen, statt sich wirklich mit- einander zu beschäftigen. Besuch bekommen Familien oder ältere Menschen heutzutage immer seltener im Vergleich zu früher. Höchstens nachmittags kommen andere Eltern mit ihren Kindern zum Spielen vorbei und in Wohnge- meinschaften herrscht teilweise auch ein stä ndiges Kommen und Gehen.
1.1 Größe
Gewöhnlich ist das Wohnzimmer der größte Raum der ganzen Wohnung. In Mietwohnungen und Eigenheimen nimmt das Wohnzimmer bis zu einem Drittel der Gesamtwohnfläche ein (vgl. Häußermann/Siebel 1996: 51). Generell schwankt die Größe zwischen 20 und 50 Quadratmetern (vgl. Peel 1980: 11). Das Wohnzimmer ist auch „der einzige Raum, für den die DIN 18011 ‚Stellflä- chen, Abstände und Bewegungsflächen im Wohnungsbau’ nur eine Mindest-
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größe“ von 20 Quadratmetern, bei einem zusätzlichen Essplatz 18 Quadratme- ter, aber keine Höchstgröße festlegt (Hä ußermann/Siebel 1996: 16).
In den letzten Jahren wurden die Wohnungen vom Grundriss her immer größer, meistens zugunsten des Wohnzimmers (vgl. Häußermann/Siebel 1996: 51). Da es, wie oben bereits erwähnt, tagsüber vorwiegend völlig leer steht, ist diese Entwicklung, besonders Kindern gegenüber sehr schade. Denn für das Kinder- zimmer wird nach wie vor eine Größe von acht bis zwölf Quadratmetern bei teilweise doppelter Belegung des Raumes als ausreichend angesehen (vgl. Deutscher Werkbund 1979: 84). Doch diesen Trend kann man sehr weit zu- rückverfolgen. Bereits im 18. Jahrhundert, als in den Großstädten Wohnungsnot herrschte, hatten einige mehrköpfige Familien in einer Zweizimmerwohnung einen Raum, die so genannte gute Stube, der nur zu besonderen Anlässen wie Weihnachten und Familienfesten genutzt wurde. Die Familie wohnte und schlief dann in dem anderen Raum eng zusammen (vgl. Andritzky/Selle 1979: 288). Heute geht der Luxus der Größe des Wohnraumes auf Kosten der Kinder. Um dieser Entwicklung, dass die Wohnfläche stark unproportional zum tatsächli- chen Bedarf an Raum unter den Familienmitgliedern aufgeteilt wird, entgegen- zuwirken, könnte man entweder die Räume tauschen (vgl. Deutscher Werkbund 1979: 84). So dass Kinderzimmer und Küche, die sowieso viel mehr genutzt werden von einem größeren Grundriss profitieren und das Wohnzimmer seinem zeitlichen Nutzen nach kleiner wird. In diesem Fall müsste man natürlich auch auf ein Stück Repräsentation verzichten, denn das Vorurteil, je größer eine Wohnung ist, desto größer muss auch das Wohnzimmer sein, ist immer noch weit verbreitet (vgl. Sack 1980: 15). Oder man richtet dem Kind im Wohnzimmer eine eigene Spielecke ein, dann wäre es auch ständig in der Nähe seiner Be- zugspersonen. Da Erwachsene allerdings sehr darauf bedacht sind, dass es im Wohnzimmer sauber und ordentlich ist und Kinder nun einmal beim Spielen nicht auf s o etwas achten, würde auch diese Änderung einen Verlust der Selbstdarstellung bedeuten (vgl. Rughöft 1992: 96). Da Besucher dann sehen würden, dass in diesem Raum Menschen miteinander leben und nicht alles per- fekt ist.
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Sara Walden, 2004, "Immer rein in die gute Stube" - Die Entwicklung des Wohnzimmers vom 19. Jahrhundert bis heute, Munich, GRIN Publishing GmbH
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