Vorwort - I - Vorwort
Anlass dieser Diplomarbeit sind die sich grundsätzlich verändernden politischen und wirtschaftlichen Rahmenbedingungen im heutigen Europa. Im Zuge der bereits beschlossenen Erweiterung der Europäischen Union im Mai 2004 und weiterer Erweiterungsrunden um die Staaten Osteuropas muss ein Umdenken in den multinationalen Unternehmen innerhalb der bisherigen Geschäftspolitik erfolgen. Diese Arbeit stellt mit ihrer aktuellen Brisanz einen wissenschaftlichen Beitrag mit erheblicher Praxisrelevanz für die hiesigen Unternehmen dar. Abgerundet wird dies durch eine an entsprechenden Stellen geeignete theoretische Fundierung. Gleichwohl kann diese Arbeit nur einen begrenzten Einblick in die Komplexität der Thematik gewähren. Das ist insbesondere mit der Fülle von Informationen verbunden, die eine Investitionsentscheidung beeinflussen. Daher ist es erforderlich, sich auf die Verwertung wesentlicher Informationen zu beschränken. Durch die zum großen Teil analysierende Vorgehensweise hat die Verarbeitung statistischer Daten einen besonderen Stellenwert. Speziell der Transition Report der European Bank of Reconstruction and Development liefert dazu eine Vielzahl von Informationen. Darauf aufbauend können gute Erkenntnisse über die Bedingungen in den osteuropäischen Transformationsländern gewonnen und schließlich
Investitionsentscheidungshilfen abgeleitet werden.
Inhaltsverzeichnis - II -
Inhaltsverzeichnis
VORWORT I
INHALTSVERZEICHNIS....................................................................................... II II
ABBILDUNGSVERZEICHNIS IV
TABELLENVERZEICHNIS V V
ABKÜRZUNGSVERZEICHNIS VI
1 EINLEITUNG 1
2 CHARAKTERISTIKA, ABGRENZUNG UND BEGRIFF DER
TRANSFORMATIONSLÄNDER 2
3 DIREKTINVESTITIONEN 4
3.1 BEGRIFF UND ABGRENZUNG VON DIREKTINVESTITIONEN 4
3.2 DIREKTINVESTITIONEN VS. HANDEL UND KOOPERATIONEN
ERKLÄRUNGSANSÄTZE 5
3.2.1 Volkswirtschaftlicher Ansatz 5
3.2.2 Betriebswirtschaftlicher Ansatz 6
3.2.2.1 Kostenansatz 6
3.2.2.2 Dunnings OLI-Ansatz 8
3.3 BEWERTUNG VON AUSLANDSDIREKTINVESTITIONEN 9
4 UNTERSUCHUNG DER RAHMENBEDINGUNGEN 12
4.1 EINFLUSSFAKTOR STEUERN 12
4.2 POLITISCH-RECHTLICHE RAHMENBEDINGUNGEN 13
4.2.1 Politische Ausgangslage 13
4.2.2 Privateigentum 16
4.2.3 Korruption, Verbrechen 18
4.2.4 Wettbewerb 22
4.2.5 Der Finanzsektor 24
4.2.6 Infrastruktur 26
4.2.6.1 Der Energiesektor 27
4.2.6.2 Der Verkehrssektor 28
4.2.6.3 Der Telekommunikationssektor 28
4.3 SOZIOÖKONOMISCHE RAHMENBEDINGUNGEN 30
4.3.1 Einkommen und Löhne 30
4.3.2 Wirtschaftswachstum 32
4.3.3 Einkommensverteilung 34
4.3.4 Bildung und Gesundheit 34
4.4 EINFLUSSFAKTOR WÄHRUNG 36
5 RISIKOANALYSE 38
5.1 EINFLUSSFAKTOR LÄNDERSPEZIFISCHES RISIKO 38
5.2 RATINGS VON MOODY’S, STANDARD POOR’S UND FITCH 39
5.3 EUROMONEY 40
Inhaltsverzeichnis - III -
5.4 AKTIENMARKTANALYSE 42
6 DIREKTINVESTITIONSFLÜSSE, RENDITE UND RISIKO 45
7 SPEZIELLE FINANZIERUNGSMÖGLICHKEITEN 51
7.1 PHARE 51
7.2 TACIS 52
7.3 ISPA 53
7.4 CARDS 53
7.5 LEISTUNGEN DER KFW 54
8 ZUSAMMENFASSUNG 55
LITERATURVERZEICHNIS VII
ANHANG VI
Abbildungsverzeichnis - IV
Abbildungsverzeichnis
ABBILDUNG 1 INTERNATIONALISIERUNGSSTRATEGIEN 8
ABBILDUNG 2 ANTEIL DES PRIVATSEKTORS AM GDP 16
ABBILDUNG 3 ANTEIL DES PRIVATSEKTORS AM GDP IM VERGLEICH 18
ABBILDUNG 4 ANTEIL DER KOSTEN DURCH VERBRECHEN AM UMSATZ 22
ABBILDUNG 5 ENTWICKLUNG DER WETTBEWERBSPOLITIK 23
ABBILDUNG 6 BEWERTUNG DES FINANZSEKTORS 25
ABBILDUNG 7 ENTWICKLUNG DER INFRASTRUKTUR 27
ABBILDUNG 8 HAUPTTELEFONANSCHLÜSSE 29
ABBILDUNG 9 GDP PRO KOPF UND DURCHSCHNITTLICHER JAHRESLOHN 31
ABBILDUNG 10 GDP-WACHSTUMSRATEN VON 1999 2004 32
ABBILDUNG 11 GESAMTRISIKO VON NATIONALEN UND INTERNATIONALEN
PORTFOLIOS 39
ABBILDUNG 12 VERGLEICH DER RISIKOANALYSEINSTRUMENTE 44
ABBILDUNG 13 RENDITE-RISIKO DIAGRAMM 45
ABBILDUNG 14 MODIFIZIERTES RENDITE-RISIKO DIAGRAMM 48
ABBILDUNG 15 NETTO-AUSLANDSDIREKTINVESTITIONSZUFLÜSSE 49
TabellenverzeichnisAAAAAAA V
Tabellenverzeichnis
TABELLE 1 STRATEGIEN DES WACHSTUMS 4
TABELLE 2 BEURTEILUNG DER POLITISCH-RECHTLICHEN LAGE 19
TABELLE 3 HÄUFIGKEIT UND AUSMAß DER BESTECHUNG 20
TABELLE 4 DAUER ZUM ERREICHEN DES DURCHSCHNITTSEINKOMMENS IN
DER EMU 33
TABELLE 5 GDP PRO KOPF VOR UND NACH KAUFKRAFTPARITÄT, GDP
UND HDI-RANG 35
TABELLE 6 METHODEN ZUR BEURTEILUNG VON DIREKTINVESTITIONEN 37
TABELLE 7 LÄNDERRATINGS IM VERGLEICH 40
TABELLE 8 KENNZAHLEN DER AKTIENINDIZES 42
TABELLE 9 AGGREGIERTE STANDORTBEWERTUNG 47
Abkürzungsverzeichnis - VI - Abkürzungsverzeichnis
CARDS Community Assistance for Reconstruction, Democratisation and Stabilisation CEB Central Eastern Europe and Baltics (Kroatien, Tschechien, Estland, Ungarn, Lettland, Litauen, Polen, Slowakei, Slowenien) CEE(C) Central and Eastern Europe(an) (Countries) CEFTA Central European Free Trade Association CIS Commonwelth of Independent States (u.a. Russland, Ukraine) EBRD European Bank of Reconstruction and Development EMU European Monetary Union EU Europäische Union FDI Foreign Direct Investment GDP Gross Domestic Product (Bruttoinlandsprodukt) HDI Human Development Index HDRO Human Development Report Office IOSCO International Organisation of Securities Comission ISPA Instrument for Structural Policies for Pre-Accession KfW Kreditanstalt für Wiederaufbau KMU Kleine und Mittlere Unternehmen MNU Multinationale(s) Unternehmen OECD Organisation of Economic Cooperation and Development PHARE Poland and Hungary Action for Restructuring of the Economy PPP Purchasing Power Parity S & P Standard and Poor’s SEE South Eastern Europe (u.a. Bulgarien, Rumänien) TACIS Technical Assistance to the Commomwelth of Independent States TAIEX Technical Assistance for Information Exchange
1 Einleitung - 1 -
1 Einleitung
Die Thematik der Arbeit befasst sich mit den besonderen Bedingungen und Merkmalen, die es bei Direktinvestitionen in den osteuropäischen Transformationsländern zu berücksichtigen gilt. Um einem strukturierten Verlauf zu verfolgen, scheint es zunächst sinnvoll, die Transformationsländer zu definieren und abzugrenzen. Dem wird im zweiten Teil der Arbeit nachgekommen. Das dritte Kapitel befasst sich mit der Definition, der Abgrenzung und Besonderheiten der Bewertung von Auslandsdirektinvestitionen, bevor im Hauptteil der Arbeit (Kapitel 4 und 5) eine umfangreiche Analyse einiger osteuropäischer Transformationsländer anhand von ausgewählten Merkmalen erfolgt. Anschließend werden in Abschnitt 6 die Ergebnisse der Analyse komprimiert und Zusammenhänge zwischen ihnen und den tatsächlichen Investitionsströmen betrachtet sowie Schlussfolgerungen gezogen. Um der Komplexität der Problematik gerecht zu werden, wird dann im siebten Teil auf besondere Finanzierungsmöglichkeiten von Investitionen in den osteuropäischen Staaten in gebotener Kürze eingegangen.
2 Charakteristika, Abgrenzung und Begriff der Transformationsländer - 2 -
2 Charakteristika, Abgrenzung und Begriff der
Transformationsländer
Das Thema der Arbeit befasst sich mit den Transformationsländern Osteuropas. Es ist sinnvoll, zunächst die spezifischen Charakteristika der Transformationsländer herauszuarbeiten, sie von den entwickelten Ländern auf der einen Seite und den Entwicklungsländern auf der anderen Seite abzugrenzen und sie dann zu definieren.
Im allgemeinen Verständnis sind Transformationsländer solche Länder, die durch politische und ökonomische Entwicklung den Status der Entwicklungsländer verlassen und in einem beschleunigten Prozess das Niveau der entwickelten Länder anstreben. Dieser Anpassungsprozeß kann graduell, also Schritt für Schritt, oder in Form eines sogenannten „Big Bang“ vonstatten gehen. 1 Bezeichnend für den Umbruch a la Big Bang sind eine rasche Liberalisierung der Preise und des Handels und eine Privatisierungswelle. Die Konsequenzen waren anfänglich ein Einbruch der wirtschaftlichen Aktivitäten, hervorgerufen durch die Unbrauchbarkeit eines großen Teils des Kapitalstocks und hohe Inflationsraten bis hin zu Hyperinflation. Doch auch diejenigen Länder, die eine langsame Anpassung wählten, konnten sich oft jenen negativen Konsequenzen nicht erwehren.
Typische Charakteristika von allen Transformationsländern sind starke Distorsionen durch Preisbindungen und Subventionen, ein unausgeprägtes Bankensystem, eine schwache Währung, Barterhandel, niedrige Löhne, der Mangel an modernem Kapital und unzureichende Managementerfahrung in der Führung von marktwirtschaftlich orientierten Unternehmen. Dies sind Kennzeichen, wie sie auch in Entwicklungsländern vorzufinden sind. Im Unterschied zu ihnen besitzen die Transformationsländer aber in ausgewählten Sektoren ein relativ hohes technologisches Niveau, z.B. in der Weltraumforschung. Die Rechtssicherheit ist weitestgehend gewährleistet, auch wenn das System nicht unbedingt rechtstaatlich ist, und die Einkommen sind gleichmäßiger verteilt. Im Vergleich zu den
1 Mehr zum Umbruch in Osteuropa bei Androsch, H., 1996 und Kolodko, G. W., 2002
2 Charakteristika, Abgrenzung und Begriff der Transformationsländer - 3 -
entwickelten Ländern liegt das Einkommensniveau in den Transformationsländern noch deutlich unter deren. Nach den Kriterien der Weltbank können die Transformationsländer den „Lower Middle Income Countries“ 1 und den „Upper Middle Income Countries“ 2 zugerechnet werden. Die entwickelten Länder können hingegen in die Klasse der „High Income Countries“ 3 eingeteilt werden. Unter Berücksichtigung der angeführten Punkte sind die neuen Bundesländer für sich betrachtet faktisch auch ein Transformationsland. Eine geografische Abgrenzung der in dieser Arbeit relevanten Länder ist hingegen einfacher. Als osteuropäische Länder werden in dieser Arbeit Länder Europas bezeichnet, die östlich der Grenzen Deutschlands, Österreichs und Italiens liegen, auch wenn andere Quellen oft von den Mittel- und Osteuropäischen Staaten sprechen. Welche Länder nun im einzelnen zu den Transformationsländern Osteuropas zählen, ist im Anhang (S. XV) ersichtlich.
Die Deutsche Bank versteht unter Transformationsländern die „Länder Mittel- und Osteuropas und Zentralasiens, die seit dem Ende der achtziger und dem Beginn der neunziger Jahre einen ökonomisch und politisch radikalen Wechsel ihrer Wirtschafts- und Gesellschaftsordnung eingeleitet haben... Das Erscheinungsbild der Transformationsländer hat sich in den vergangenen Jahren nicht nur entscheidend verändert, sondern gestaltet sich von Land zu Land sehr unterschiedlich.“ (Deutsche Bank, Außenwirtschaftsalphabet, 1998).
Diese von Land zu Land sehr unterschiedlichen Entwicklungen machen es unabdingbar, das relevante Zahlenmaterial auch nach Ländern getrennt zu erfassen. Dem Umfang soll mit der Betrachtung einiger ausgewählter Länder begegnet werden. Den Schwerpunkt bilden in dieser Arbeit folgende osteuropäische Transformationsländer: Bulgarien, Kroatien, Tschechien, Estland, Ungarn, Lettland, Litauen, Polen, Rumänien, Russland, Slowakei, Slowenien und die Ukraine.
1 Einkommen pro Person zwischen 2 $ und 10 $ pro Tag
2 Einkommen pro Person zwischen 10 $ und 30 $ pro Tag
3 Einkommen pro Person über 30 $ pro Tag
3 Direktinvestitionen - 4 -
3 Direktinvestitionen
3.1 Begriff und Abgrenzung von Direktinvestitionen
Ziel dieses Abschnittes ist es, zu verdeutlichen, was sich hinter dem Begriff der Direktinvestitionen verbirgt und wie sie sich von anderen
Internationalisierungsstrategien abgrenzen lassen.
Direktinvestitionen sind eine von drei grundsätzlichen Möglichkeiten eines Unternehmens, sich international zu betätigen. Der Drang zur Internationalisierung ist hauptsächlich mit dem zunehmenden Wettbewerbsdruck zu begründen. Er wird durch eine immer höhere Informationstransparenz und dem anhaltenden Globalisierungsprozess nachdrücklich forciert. Zur Erhaltung der
Konkurrenzfähigkeit in einem derartig dynamischen Umfeld ist insbesondere Wachstum erforderlich. Dazu können grundsätzlich 4 verschiedene Strategien gefahren werden, wie Tab. 1 zeigt.
Scheiden die Strategien der Marktdurchdringung und Produktentwicklung aus, lässt sich Wachstum also nur noch durch die Eroberung neuer Märkte generieren. Wird der Wachstum ins Ausland angestrebt, kann dies auf drei grundsätzliche Weisen geschehen:
3 Direktinvestitionen - 5 -
1. über Exporte ins Ausland
2. über verschiedene Kooperationsformen 1 mit ausländischen Unternehmen
3. über Direktinvestitionen im Ausland.
Die Frage, unter welchen Bedingungen welche Strategie vorteilhaft ist, soll im nächsten Abschnitt beantwortet werden.
Definitorisch sind Direktinvestitionen langfristige Kapitalanlagen im Ausland mit dem Ziel, Erträge zu erwirtschaften und gleichzeitig wirtschaftliche Kontrolle auszuüben. Reine Portfolioanlagen im Ausland zählen im allgemeinen Verständnis nicht zu den Direktinvestitionen. Tätigt ein Unternehmen
Auslandsdirektinvestitionen, ist es also in mehreren Ländern mit eigenen Produktionsstätten und/oder Vertriebssystemen nachhaltig vertreten, dann wird es als multinationales Unternehmen bezeichnet. Nach Boll gehen multinationale Unternehmen aus Direktinvestitionen hervor (Vgl. Broll, 1996, S. 438).
3.2 Direktinvestitionen vs. Handel und Kooperationen -Erklärungsansätze
3.2.1 Volkswirtschaftlicher Ansatz
Die Analyse der Vorteilhaftigkeit des Handels mit dem Ausland ist Gegenstand der Außenhandelstheorie. Unter den Prämissen vollkommener Konkurrenz, vollständigen Märkten und konstanten Skalenerträgen hat David Ricardo 1817 in seinem Werk „On the Principles of Political Economy and Taxation“ erstmalig gezeigt, dass 2 Länder durch Spezialisierung und Übergang von Autarkie zum Handel Vorteile erzielen können, auch wenn keine absoluten, sondern nur komparative Kosten- bzw. Produktivitätsvorteile vorliegen. In der Praxis ist zu beobachten, dass ein Großteil internationaler Aktivitäten von multinationalen Unternehmen betrieben wird. Und diese gehen, wie oben gezeigt worden ist, aus Auslandsdirektinvestitionen hervor. Zur Entstehung von Direktinvestitionen bzw.
1 weiter zu differenzieren nach ansteigender Macht in Lizenzvertrag, Leasing, Franchise, Kooperation i.e.S., Joint Venture
3 Direktinvestitionen - 6 -
multinationaler Unternehmen haben Elhanan Helpman und Paul Krugman einen sehr fundierten Erklärungsansatz geliefert (Helpman, E. und Krugman, P, 1993, Kap. 6). Die Idee ist, dass die MNU die Vorteile des Handels internalisieren und dabei unternehmensspezifische Wettbewerbsvorteile 1 und Kostenunterschiede bei den Faktoren Arbeit und Kapital - basierend auf Faktorausstattungsunterschieden zwischen den Ländern - ausnutzen. Der volkswirtschaftliche Ansatz soll jetzt durch eine betriebswirtschaftliche Sichtweise abgelöst werden.
3.2.2 Betriebswirtschaftlicher Ansatz
Motive für die Entscheidungen zu Gunsten einer Direktinvestition sind vor allem
in der Sicherung der Rohstoffversorgung, •
in der Ausnutzung niedriger Produktionskosten, •
in der Umgehung von Handelsbarrieren, •
im Ausweichen administrativer Beschränkungen, • in steuerlichen Vorteilen, •
in verbesserten wettbewerbsstrategischen Möglichkeiten und •
in der Minderung von Risiken •
zu sehen. Die Direktinvestitionen vereinen alle diese Motive, während internationaler Handel und internationale Kooperationen nur einen Teil dieser Motive für sich beanspruchen können.
3.2.2.1 Kostenansatz
Ganz entscheidende Informationen zur Beurteilung der Wahl der zu verfolgenden Internationalisierungsstrategie (Export, Kooperation oder Direktinvestition), liefert die Betrachtung der Fixkosten und der variablen Kosten. Im Folgenden soll dies näher erläutert werden.
1 Headquarter Sevices: dazu zählen Forschung und Entwicklung, technologisches Know-How und Ähnliches
3 Direktinvestitionen - 7 -
Wird neben der Produktion im Inland Handel mit dem Ausland betrieben, entstehen nur sehr geringe zusätzliche fixe Kosten. Der Aufbau von eigenen Vertriebswegen ist in der Regel nicht erforderlich. Auf der anderen Seite verursacht die Exportstrategie sehr hohe variable Kosten in Form von Transportkosten, logistischen Kosten und Zöllen 1 .
Kooperationsstrategien verursachen je nach Form der Kooperation unterschiedliche aber dennoch vergleichsweise höhere Fixkosten, insbesondere in Form von Abhängigkeitskosten. Vertragliche Beziehungen rufen einen erhöhten Koordinations-und Kontrollaufwand hervor. Kontrollkosten fallen an, um zu überprüfen ob und in wie weit die vertraglich geregelten Vereinbarungen eingehalten werden. Die variablen Kosten bei einer Kooperation liegen deutlich unter denen der Exportstrategie, da beispielsweise keine Transportkosten und auch keine Zölle zu Buche schlagen.
Der Fixkostenblock bei Auslandsdirektinvestitionen umfasst neben den Koordinations- und Kontrollkosten in großem Ausmaß die Kosten zum Aufbau der ausländischen Tochter, unabhängig davon, ob dies durch eine selbständige Errichtung oder durch Übernahme der Tochter geschieht. Der variable Kostenanteil kann geringer als beim Eingehen von Kooperationen mit ausländischen Unternehmen eingestuft werden (Vgl. Blattner, S.192 ff.).
Dementsprechend kann geschlussfolgert werden, dass mit zunehmender Absatzmenge die Exportstrategie von der Kooperationsstrategie und diese bei weiter steigender Absatzmenge von der Direktinvestitionsstrategie dominiert wird. Nachstehende Abb. stellt den geschilderten Zusammenhang grafisch dar. Zu sehen sind die Kostenverläufe der drei alternativen Strategien unter Berücksichtigung ihrer fixen und variablen Komponenten. Die gestrichelte Kurve stellt dabei den Kostenverlauf einer Exportstrategie dar, die gepunktete Kurve repräsentiert den Kostenverlauf infolge einer Kooperation mit einem ausländischen Unternehmen und die durchgezogene Linie beschreibt den Kostenverlauf einer
1 Zölle sind Kosten von Marktunvollkommenheiten (Vgl. Broll, 1993b, S. 56)
3 Direktinvestitionen - 8 -
Auslandsdirektinvestition. Mit den kritischen Absatzmengen x und x können
1 krit 2 krit
Sektoren gebildet werden, für die jeweils eine der drei Strategiealternativen vorteilhaft sind.
Nach Dunnings OLI-Ansatz müssen folgende Bedingungen erfüllt sein, damit ein Unternehmen Direktinvestitionen tätigt:
1. Ownership-Specific Advantages
2. Location-Specific Advantages
3. Internalisation Incentive Advantages
Ein Unternehmen muss zum einen über unternehmensspezifische
Wettbewerbsvorteile gegenüber den Konkurrenten im Ausland verfügen. Diese
3 Direktinvestitionen - 9 -
gehen aus besonderen Fähigkeiten und Eigenschaften des Unternehmens hervor 1 . Sie sind daher standortunabhängig und weitestgehend immateriell, wie z.B. technisches Know-how, der Markenname und Patente. Darüber hinaus muss das Unternehmen Vorteile in der Internalisierung 2 gegenüber einer Externalisierung 3 sehen. Hierzu zählen vor allem Kostenersparnisse infolge von Größendegressionseffekten, z.B. im Bereich der Forschung und Entwicklung, aber auch die Ersparnis solcher Kosten (Opportunitätskosten), die zur Absicherung von Währungsrisiken auf Future- und Terminmärkten entstehen würden. Sind diese beiden Bedingungen erfüllt, dann müssen der unternehmensspezifische Wettbewerbsvorteil und der
Internalisierungsvorteil durch einen oder mehrere Standortvorteile verwertet werden (Vgl. Dunning, 1979, S. 275). Derartige Standortvorteile können die Nähe zum Absatz- und/oder Beschaffungsmarkt oder günstige Produktionsfaktoren sein. 4
3.3 Bewertung von Auslandsdirektinvestitionen
Da sich bei der Bewertung von Auslandsdirektinvestitionen gegenüber Inlandsinvestitionen Unterschiede hervortun, soll an dieser Stelle auf die Besonderheiten eingegangen werden. Dazu wird eine allgemeine schrittweise Vorgehensweise bei internationalen Investitionsentscheidungen, wie sie Gann vorschlägt, vorangestellt (Vgl. Gann, J. 1996, S.337 ff):
1. Identifizierung, Vorauswahl und Aufbau von Investitionsobjekten
2. Bewertung der Auslandsdirektinvestitionen
3. Erstellung eines Finanzierungskonzeptes
4. Erforschung der Auswirkungen von möglichen Wechselkursänderungen und Entwurf eines Konzeptes zum Management des Wechselkursrisikos
5. Analyse der Interaktionen zwischen Investitionsentscheidungen, Finanzierungsentscheidungen und Währungsmanagement
1 vergleichbar mit den Headquarter Services (Helpman, E., Krugman, P., 1993, S. 228 ff)
2 eigene Produktion im Ausland durch ein Tochterunternehmen
3 Exporte oder Kooperationen
4 Eine detaillierte Übersicht und Systematisierung zu den OLI-Standortfaktoren liefert Dunning (Dunning, 1981, S. 80 f).
Quote paper:
Marko Zell, 2004, Analyse der besonderen Bedingungen und Merkmale von Direktinvestitionen in Transformationsländern Osteuropas, Munich, GRIN Publishing GmbH
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