DIE ERDÖLWIRTSCHAFT VENEZUELAS UND MEXIKOS
Inhaltsübersicht
Einleitung. 3
1 Weltsystemanalyse - Ansatz und grundlegende Konzepte 5
2 Die Weltwirtschaft des Erdöls. Im Fokus: Lateinamerika 11
3 Die Beziehung zwischen Lateinamerika und der Weltwirtschaft des Erdöls 16
4 Lateinamerika im Weltsystem 26
5 Identifikation zentraler Mechanismen. Resümee 30
Literatur 34
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DIE ERDÖLWIRTSCHAFT VENEZUELAS UND MEXIKOS
Inhaltsverzeichnis
Einleitung. 3
1 Weltsystemanalyse - Ansatz und grundlegende Konzepte 5
1.1 Kontext. 5
1.2 Prämissen und Konzeptionen. 6
2 Die Weltwirtschaft des Erdöls. Im Fokus: Lateinamerika 11
2.1 Einführung - Skizze eines Segme nts der Weltwirtschaft des Erdöls 11
2.2 Motive der Inkorporation lateinamerikanischer Regionen. 13
2.3 Das Staatengefüge 14
3 Die Beziehung zwischen Lateinamerika und der Weltwirtschaft des Erdöls 16
3.1 Die Bedeutung des Erdöls im Weltsystem. 16
3.1.1 Mexiko. 17
3.1.2 Venezuela. 19
3.2 Soziale und ökonomische Entwicklungszusammenhänge. 22
3.2.1 Mexiko. 22
3.2.2 Venezuela. 24
4 Lateinamerika im Weltsystem 26
4.1 Einwirkung von Außen und fremde Interessen. 26
4.2 Dependenztheoretische Annäherung 28
5 Identifikation zentraler Mechanismen. Resümee 30
Literatur 34
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EINLEITUNG
Mit der Bezeichnung „Weltwirtschaft des Erdöls“ werden in erster Linie vermutlich Dinge wie die großen Weltrohstoffmärkte, technische Einrichtungen wie bspw. Förderplattformen oder aber auch die berühmtesten Eigentümer - die arabischen Scheichs - assoziiert. Bei genauerer Betrachtung erwacht das Bewusstsein für die Abhängigkeit der gesamten Welt von diesem Rohstoff: Von der einfachen Öllampe bis zu der Fahrt zur Arbeit - alles wäre ohne Erdöl ungleich komplizierter. Stellt man die Frage nach den Quellen des Erdöls, lautet die Antwort in der Regel „aus dem Nahen Osten, Afrika und Lateinamerika“. Hierbei ist also keine Rede von den westlichen Industriestaaten, obwohl diese ohne Zweifel die größten Verbraucher sind. Wie aber kann sich die westliche Welt siche r sein, dass sie ausreichend mit diesem „schwarzen Gold“ versorgt wird?
Um diese Frage zu beantworten, muss man sich den Förderländern widmen, wobei es jedoch nicht reicht, sich mit monetären, auf die Förderung und den Handel bezogenen Aspekten zu befassen. Vielmehr sollte die Erdölwirtschaft in ihrem wirtschaftlichen und sozialen Kontext betrachtet werden. Auffallend ist, dass sich viele Erdölstaaten in einer sehr instabilen Lage befinden. Das Spektrum reicht von einer in Armut lebenden Bevölkerung über di ktatorische Regime bis zum Staatsbankrott. Dies sind politische und soziale Entwicklungen, die insbesondere in den Staaten Lateinamerikas erkennbar sind. Die Hintergründe dieser Entwicklungen stehen hier im Mittelpunkt, so dass in dieser Ausarbeitung eine Annäherung an sie erfolgen soll, wobei der Schwerpunkt der Betrachtung exemplarisch auf den Staaten Mexiko und Venezuela liegt.
Gang der Untersuchung
Zu Beginn der Ausarbeitung werden der theoretische Bezugsrahmen sowie die Perspektive, mittels welcher sich des Themas genähert wird, dargestellt. Entsprechend werden die grundlegenden Konzeptionen und Prämissen des Weltsystemansatzes gemäß Immanuel Wallerstein vorgestellt. In Kapitel zwei wird der behandelte spezifische Ausschnitt der Weltwirtschaft des Erdöls im Kontext des theoretischen Bezugsrahmens einführend vorgestellt, wobei insbesondere die zentralen Elemente, derer die erdölexportierenden Staaten, die Verbrauchsländer und die Unternehmen des behandelten Staatengefüges unter der einführend vorgestellten Perspektive verortet werden.
Kapitel drei gibt einen Überblick über die historisch relevanten Entwicklungszusammenhänge, anhand welcher die zentralen Leitfragen ansatzweise beantwortet werden sollen. Für die vorliegenden Ausführungen gilt es, jeweils den Zeitraum eines knappen Jahrhunderts in angemessenem Umfang zu untersuchen, wofür die Identifikation spezifischer Phasen der Entwicklung als zweckmäßig erscheint. Um ein tieferes Verständnis der rückblickend erkennbaren Phasen zu ermöglichen, werden diese in
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Kapitel vier in den Kontext spezifischer gesellschaftlicher Charakteristika gestellt. Hierin wird ebenso den mit Lateinamerika verbunden Ansätzen der Dependenz-Theorien Rechnung getragen.
Abschließend wird in Kapitel fünf der Versuch unternommen, die r elevantesten Entstehungszusammenhänge zusammenfassend darzustellen, wobei wiederum Bezug auf die in Kapitel drei identifizierten Phasen genommen wird.
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1 WELTSYSTEMANALYSE - ANSATZ UND GRUNDLEGENDE KONZEPTE
1.1 Kontext
Die hier fokussierten lateinamerikanischen Staaten Venezuela und Mexiko werden hinsichtlich ihrer Entwicklung und Stellung in der Weltwirtschaft des Erdöls untersucht, wobei auf eine Sichtweise zurückgegriffen wird, die grundlegend einer eher an die Weltsystemanalyse angelehnten Perspektive geschuldet ist.
Es geht hier um die Frage, warum diese Staaten, die auf Grund ihrer Ausstattung mit den größten mittel- und südamerikanischen Erdölvorkommen prinzipiell über eine Basis für nationalen Wohlstand verfügen, diesen jedoch nicht - oder zumindest nicht in gesamtwirtschaftlich wirksamer Weisegenerieren konnten (und können). Derartigen Fragestellungen und den möglichen Antworten nähert man sich Wallerstein zufolge nicht, indem Staaten (Gemeinschaften, Territorien u. dgl.) und ihre spezifischen Entwicklungsstadien isoliert untersucht werden. 1 Dies bezieht sich auf die Unterstellung eines gemeinhin gültigen Entwicklungspfades, welchen einzelne Staaten im Zeitablauf beschreiten, so dass ein Vergleich der interessierenden Staaten anhand von Entwicklungsstadien unmittelbar zu den Klassifizierungen eines (ökonomisch) „mehr oder weniger weit entwickelt“ führt. 2
Ein schlichter Vergleich jener Staaten mit entwickelten nordamerikanischen oder europäischen Staaten würde die speziellen (historischen) Entwicklungszusammenhänge, welche in Venezuela und Mexiko identifiziert werden können, nicht angemessen aufzeigen.
Stattdessen sollten die fokussierten Staaten in einen angemessenen Kontext gestellt und ihre Verflechtungen auf unterschiedlichen Ebenen aufgezeigt werden. 3 Durch die identifizierbaren Beziehungen, Wechselwirkungen und Abhängigkeiten innerhalb der Totalität eines umfassenden Systems 4 - der Weltwirtschaft des Erdöls - lässt sich das gegenwärtige Bild dieser lateinamerikanischen Staaten, bezogen auf diesen speziellen ökonomischen Aspekt, im Ansatz nachzeichnen. Dies ist eine Perspektive, ursprünglich von Dependenztheoretikern verfochten, welche das Beziehungsgeflecht aus wohl situierten, entwickelten Staaten und übervorteilten, weniger entwickelten Staaten aufzeigen kann. Während im Rahmen von Imperialismus-Theorien von dem Prozess einer weltweit ungleichen Entwicklung auf Basis von durch Ausbeutung geprägten
1 Wallerstein, Immanuel (1979): Aufstieg und künftiger Niedergang des kapitalistischen Weltsystems. Zur Grundlegung vergleichender Analyse. In Senghaas, Dieter (Hg.): Kapitalistische Weltökonomie. Kontroversen über ihren Ursprung und ihre Entwicklungsdynamik. Frankfurt / Main, S. 33.
2 Angelehnt an: Hopkins, Terence K. / Wallerstein, Immanuel et al.: World-System Analysis. Theory and Methodology. 2. Aufl. Beverly Hills: Sage Publications, 1982. S. 10f.
3 Der gemeinte, zu schaffende Kontext sollte sozioökonomische, politische sowie generell historisch relevante Ebenen der Entwicklung der Staaten berücksichtigen und diese in ihrer Wechselwirkung mit relevanten anderen Staaten (oder anders: Gesellschaften) untersuchen. 4 Vgl. Wallerstein (1979): 34.
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Beziehungen zwischen entwickelten und unterentwickelten Staaten ausgegangen wird 5 , soll hier auch auf Mechanismen in den relativ weniger entwickelten Staaten eingegangen werden. So kann den in diesem Ausschnitt der Weltwirtschaft (des Erdöls) vorhandenen Ungleichheiten sowie deren scheinbar beständiger Reproduktion der Charakter einer per se existenten Gegebenheit genommen werden. Stattdessen lassen sich die mit dem Rohstoff Erdöl verbundenen Entwicklungen zum einen auf die Eingebundenheit in die Weltwirtschaft des Erdöls sowie auf bestimmte nationale Spezifika zurückführen.
Die oben angedeutete Kritik des „Blickwinkels“ bezieht sich auf die paradigmatische Prämisse einer Perspektive, unter welcher einzelne „Gesellschaften“, i. d. R. gleichgesetzt mit Nationalstaaten wie sie auf der Landkarte identifiziert werden können, als relativ autonome Untersuchungseinheiten betrachtet werden. Diese autonomen Gesellschaften entwickeln sich gemäß dieser Prämisse in Relation zueinander entlang grundlegend ähnlicher Entwicklungspfade, mit Unterschieden lediglich in den Zeitpunkten des Aufkommens und der Geschwindigkeit bestimmter Entwicklungsphasen. So entwickelte u. a. Walt Rostow eine Stufentheorie der Entwicklung. Rostow geht davon aus, dass die Entwicklung Europas analog zu der in Entwicklungsländern verlaufen ist. Jedoch erfolgte das Durchlaufen dieser Etappen 6 in unterschiedlicher Geschwindigkeit. Begründet wird diese These mit dem Fehlen einer modernisierungswilligen Elite als Vorraussetzung für diese Entwicklung.
Anstelle dieser auf einzelne Untersuchungseinheiten abstellenden Perspektive kann auf eine, u. a. von Immanuel Wallerstein und Terence K. Hopkins 7 vorgestellte, alternative Perspektive rekurriert werden: „[...] an alternative premise, and on ist basis an alternative perspective for studying modern social change, which we refer to here as the ‚world-system’ perspective [...].“ (Hopkins / Wallerstein (1982): 42. Herv. d. Verf.)
Diese Perspektive und die damit verbundenen grundlegenden Konzeptionen werden im Folgenden grundlegend erläutert, da sie im Gang der Untersuchung den theoretischen Bezugsrahmen darstellen.
1.2 Prämissen und Konzeptionen
Weltsystem Perspektive. Der Ansatz dieser Perspektive zur Betrachtung und theoretischen Handhabung sozialen Wandels ist, dass Bezug genommen wird auf eine konkrete Welt, welche als raum-zeitliches Ganzes, wobei der Raum über das Ausmaß der Arbeitsteilung und die Zeit über die
5 „It implied that a single basic set of general economic processes underlies the world’s uneven development.” Ebd. 6 Herkenrath, Mark: Transnationale Konzerne im Weltsystem. Wiesbaden: Westdeutscher Verlag, 2003. S. 46. 7 Z.B. in Hopkins, Terence K. / Wallerstein, Immanuel et al.: World-System Analysis. Theory and Methodology. 2. Aufl. Beverly Hills: Sage Publications, 1982.
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Arbeit zitieren:
Florian Lüdeke, Benjamin Hellmold, 2004, Eingliederung erdölexportierender Länder in die Weltwirtschaft des Erdöls: Lateinamerika. Sozialer Wandel im Kontext der Erdölwirtschaft Venezuelas und Mexikos, München, GRIN Verlag GmbH
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