Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
2 Die konventionelle Bibliothek
3 Die digitale Bibliothek
3.1 Definitionen
3.2. Digitale Dokumente
3.2.1 Referenzwerke
3.2.2 Primäre Textveröffentlichungen
3.2.3 Druckbare Nicht-Text-Dokumente
3.2.4 Nicht-druckbare Dokumente
3.3 Aufgaben digitaler Bibliotheken
3.3.1 Sicht heutiger Bibliotheksnutzer
3.3.2 Sicht der wissenschaftlichen Forschung
3.3.3 Marktwirtschaftliche Sicht
3.4 Dienstleistungen digitaler Bibliotheken
4 Der Wandel im Bibliothekswesen
5 Traditionelle versus digitale Bibliotheken
6 Die Zukunft digitaler Bibliotheken
7 Fazit
Literaturverzeichnis
Quellenangaben
1 Einleitung
Das Leitbild der Wissens- und Informationsgesellschaft spielt in einem Hochtechnologieland wie Deutschland eine immer größer werdende Rolle. Heutzutage gilt Wissen als entscheidender Wirtschaftsfaktor im internationalen Wettbewerb. In der Wirtschaftswissenschaft ist mittlerweile sogar davon die Rede, Wissen, - neben den Primärgütern Rohstoffe, Produkte und Dienstleistungen -, als den Produktionsfaktor einer vierten Phase der Wirtschaftsentwicklung anzuerkennen. 1 Aus diesem Grund ist die Wissensversorgung der Gesellschaft von zentraler Bedeutung. Hierbei werden, neben dem Bildungssystem, Bibliotheken als Verantwortungsträger angesehen. Aufgrund der hohen Anzahl von Wissenschaftlern steht der Menschheit so viel Wissen zur Verfügung wie nie zuvor. Gleichzeitig steigt die Informationsflut mit der sich ständig weiterentwickelnden Kommunikationstechnologie an. Wir werden tagtäglich mit Information, vor allem aus den Neuen Medien, wie dem Internet, regelrecht überflutet.
Um diese Menge an Information darstellen, speichern und übertragen zu können, ist der Wandel von der konventionellen Bibliothek, die sich analoger Medien bedient, zu der digitalen Bibliothek, die elektronische Medien verwendet, unabdingbar. In der vorliegenden Arbeit soll nun untersucht werden, welche Chancen und Risiken die Zukunft für digitale Bibliotheken mit sich bringt.
2 Die traditionelle Bibliothek
Einen Großteil unseres Wissens beziehen wir aus Büchern, Lexika und Zeitschriften. Die Bibliothek (griech. biblos Buch) ist der Ort, an dem wir diese Datenträger aufbewahren. 2 Wie eingangs erwähnt, konzentrieren sich traditionelle Bibliotheken auf sogenannte analoge Datenträger. Darunter versteht man sowohl Papierdokumente, als auch Mikrofilme und Audio- und Videoaufzeichnungen.
Für seine Suche nach Buchtiteln oder Veröffentlichungen in Zeitschriften verwendete der frühe Nutzer der klassischen Leih- oder Präsenzbibliothek die Zettelkästen. Diese Form der Suchhilfe existiert zwar nach wie vor, wurde aber überwiegend von elektronischen Katalogen (OPACs: Online Public Access Catalog) abgelöst.
1 Vgl. Endres, A.; Fellner, D.W. : Digitale Bibliotheken, Heidelberg 2000, S. 437f. 2 Vgl. ebenda, S. 4
1
Das Hauptmerkmal von traditionellen Bibliotheken ist jedoch, dass ihr gesamter Bücherbestand in physikalischer Form vorliegt.
Im folgenden sollen einige Probleme konventioneller Bibliotheken aufgezeigt werden 3 .
• Da die Anzahl an Büchern fortwährend zunimmt, steht immer weniger Lagerraum zur Verfügung. Eine mögliche Lösung, einen Teil des Bestandes auszulagern, wird durch die Tatsache eingeschränkt, dass der Ausleihvorgang verzögert wird und zusätzliche Kosten entstehen.
• Ein erhebliches Problem ist der Säurefraß, der vor allem bei Büchern auftritt, die zwischen 1850 und 1950 gedruckt wurden. Sanierungsverfahren gibt es, sie sind aber sehr aufwendig.
• Konventionelle Bibliotheken legen Wert darauf, möglichst wenige Kopien, dafür aber möglichst viele unterschiedliche Bücher in ihrem Bestand zu führen. Das Problem, dass alle Kopien entliehen sind, tritt speziell in Hochschulbibliotheken auf, etwa wenn ein bestimmtes Thema von mehreren Studenten behandelt wird.
• Zudem stehen traditionelle Bibliotheken einem erheblichen logistischen Problem gegenüber. Es ist sehr zeit- und personalintensiv, neue Bücher zu bestellen, die Lieferung zu prüfen, sie zu katalogisieren und einzuordnen.
Die Lösung dieser Defizite führt fast zwangsläufig zu der Bedeutung digitaler Bibliotheken.
3 Digitale Bibliotheken
Wie bereits angedeutet, sind digitale Bibliotheken in der Lage, die Nachteile von herkömmlichen Bibliotheken zu beseitigen. Darüber hinaus sollte aber betont werden, dass sie sich dabei keineswegs über die traditionelle Form hinwegsetzen; vielmehr werden bestimmte Aufgaben der Bibliothek, vor allem das Sammeln und Verwahren, übernommen. 4 Es kann behauptet werden, dass digitale Bibliotheken die Arbeit der Bibliotheken stark verändert haben, nicht aber die Gründe ihrer Existenz. 5 Bei digitalen Bibliotheken handelt es sich um Sammlungen elektronischer Informationen, die sich im Besitz und unter der Kontrolle einer realen Bibliothek befinden. 6 Über vernetzte Kommunikationswege werden Informationen in verteilten Informationssystemen ganz heterogener Art suchbar und zugänglich gemacht. Die 3 Vgl. hierzu und im Folgenden Endres, A.; Fellner, D.W. : Digitale Bibliotheken, Heidelberg 2000, S. 77f. 4 Vgl. Rusch-Feja, D.: Digital Libraries, in B.I.T. Online, 2-4 , 1999, Kap. 6.0 5 Vgl. ebenda, Kap. 7.0 6 Vgl. ebenda, Kap. 1.4
2
digitale Bibliothek bringt Informationen zu einem Thema zusammen, die vorher nur lokal einsehbar waren. 7
3.1 Definitionen
MATSON/BONSKI verstehen unter dem Begriff „digital library“, „a library that maintains all, or a substantial part, of its collection in computer processible form as an alternative supplement, or complement to the conventional printed and microfilm materials that currently dominate library collections.” 8 In dieser Definition kommt ganz deutlich zum Ausdruck, dass die digitale Bibliothek als eine Ergänzung zur konventionellen Bibliothek angesehen wird.
Für ENDRES/FELLNER ist eine digitale Bibliothek „eine Einrichtung, die über eine geordnete Sammlung von wissens-relevanten Materialien verfügt (...), und die sich moderner Möglichkeiten der Informationstechnik für die Erledigung aller damit zusammenhängender Aufgaben bedient. Sie hat ihren Bestand und, wenn wir zunächst nur an Textmaterial denken, ihre Volltexte elektronisch gespeichert.“ 9
Eine sehr anschauliche Beschreibung findet sich auf dem Server der amerikanischen Kongressbibliothek: „A digital library is an extension of every desktop, classroom or personal library with active links from reading lists, articles, textbooks and term papers.“ 10
Die Systemarchitektur einer digitalen Bibliothek ermöglicht den Zugang zu verschiedenartigen Beständen, auch wenn sie nicht mit demselben Protokoll versehen sind. Dabei ist es unerheblich, ob die Bestände an verschiedensten Orten der Welt und ggf. in verschiedenen Sprachen vorliegen. Hier besteht nach Meinung der Autorin der wesentliche Unterschied zur konventionellen Bibliothek, bei der die Recherche mit Hilfe elektronischer Kataloge nur in vereinzelten, voneinander separierten Beständen statt finden kann. Das Zusammenführen aller relevanten Informationsträger wie Bildmaterial, Klangmaterial und 7 Vgl. Rusch-Feja, D.: Digital Libraries, in B.I.T. Online, 2-4 , 1999, Kap. 1.4 8 Matson, L.D.; Bonski, D. J. : Do Digital Libraries Need Librarians ? in Online, Nov./Dez. 1997, S.88 9 Vgl. Endres, A.; Fellner, D.W. : Digitale Bibliotheken, Heidelberg 2000, S.5 10 http://lcweb2.loc.gov/ammem/dli2/html/lendlp.html,, (Library of Congress, 1999)
3
Quote paper:
Silvie Gerold, 2004, Haben digitale Bibliotheken eine Zukunft?, Munich, GRIN Publishing GmbH
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