Filmförderung in Luxemburg und in Deutschland: II
Ein Systemvergleich auf der Ebene der Wirtschaftsförderung
4. FILMFÖRDERUNG IN DEUTSCHLAND 31
4.1 Hintergründe der Filmförderung in Deutschland 31
4.2 Förderung auf Bundesebene 32
4.2.1 Ziele der Bundesförderung 32
4.2.2 Strategien der Bundesförderung 33
4.2.3 Arten der Förderung 33
4.3 Förderung auf Länderebene 37
4.3.1 Überblick über die Länderförderung 37
4.3.2 Förderung in Nordrhein-Westfalen 37
4.3.3 Förderung in Bayern 41
4.3.4 Förderung in Berlin-Brandenburg 45
4.4 Förderung auf der kommunalen Ebene 49
4.5 Ergebnisse der Filmförderung in Deutschland 51
5. VERGLEICH DER SYSTEME DER LUXEMBURGISCHEN UND
DER DEUTSCHEN FILMFÖRDERUNG 53
5.1 Vergleich auf der Ebene einzelner Systemelemente der Filmförderung 53
5.1.1 Vergleich der Potentiale für die Entwicklung der Filmwirtschaft 53
5.1.2 Ziele der Filmförderung in Luxemburg und Deutschland 55
5.1.3 Vergleich der Strategien der wirtschaftlichen Filmförderung 56
5.1.4 Vergleich der Maßnahmen und Instrumente der Filmförderung 57
5.2 Vergleich auf der Systemebene 59
5.2.1 Stimmigkeit des luxemburgischen Systems der Filmförderung 59
5.2.2 Stimmigkeit des deutschen Systems der Filmförderung 61
5.2.3 Kosten und Nutzen der Filmförderung in Luxemburg und
Deutschland im Vergleich 63
5.2.4 Schwächen und Stärken der Systeme der Filmförderung im Vergleich 66
5.3 Entwicklungsperspektiven für die Filmförderung
in Luxemburg und in Deutschland 68
5.3.1 Filmförderung in Luxemburg und Deutschland:
Entwicklungschancen und risiken 68
5.3.2 Hinweise zur Verbesserung der Filmförderung in Luxemburg und in Deutschland 70
III Filmförderung in Luxemburg und in Deutschland:
Ein Systemvergleich auf der Ebene der Wirtschaftsförderung
6. FAZIT 73
Anhang
A. Ergebnisprotokoll eines Gesprächs mit Herrn Guy Daleiden, Managing Director, Fonds
National de Soutien à la Production Audiovisuelle (FONSPA) 74
B. Ergebnisprotokoll eines Gesprächs mit Herrn Joy Hoffmann, Head of Film
Department, CNA 80
C. Literaturverzeichnis 82
Filmförderung in Luxemburg und in Deutschland: IV
Ein Systemvergleich auf der Ebene der Wirtschaftsförderung
ABBILDUNGSVERZEICHNIS
Abb 1: Vergleich der Systeme der Filmförderung aus der Sicht der Wirtschaftsförderung 3
Abb 2: Vergleich der Filmförderung auf der Ebene der Systemelemente 4
Abb 3: Vergleich der Filmförderung auf der Systemebene 4
Abb 4: System der allgemeinen Wirtschaftsförderung 9
Abb 5: System der Filmförderung als Spezialfall der Wirtschaftsförderung 13
Abb 6: Arten der Filmförderung 16
TABELLENVERZEICHNIS
Tab 1: Die Förderung der Koproduktionen im Rahmen der Eurimage in 1989 2002 17
Tab 2: Projektentwicklungsförderung in Rahmen der MEDIA Plus im Jahr 2003 19
Tab 3: Selektive Förderung von Filmen und Filmwirtschaft 1999 2003 in Euro 27
Tab 4: Selektive Förderung von Filmen 1999 2003 nach Anzahl der Filme 27
Tab 5: Durchschnittliche selektive Förderung einzelner Filme 1999 2003 27
Tab 6: Produktionskosten und Zertifikate über Investitionen
im audiovisuellen Bereich 1999 2000 29
Tab 7: Begünstigung luxemburgischer Produzenten durch Eurimages 29
Tab 8: Filmförderung der Filmförderanstalt (FFA) in Mio Euro 35
Tab 9: Filmförderung der Bundesbeauftragten für Kultur und Medien (BKM) in Mio Euro 36
Tab 10: Arten der finanziellen Filmförderung in Nordrhein-Westfalen 39
Tab 11: Filmförderung der Filmstiftung Nordrhein-Westfalen GmbH in Mio Euro 40
Tab 12: Arten der finanziellen Filmförderung in Bayern 42
Tab 13: Filmförderung des FFF Bayern in Mio Euro 43
Tab 14: Arten der finanziellen Filmförderung in Berlin-Brandenburg 47
Tab 15: Filmförderung der Filmboard Medienboard Berlin-Brandenburg GmbH in Mio Euro 48
Tab 16: Marktanteil deutscher Filme im Fünfjahresvergleich 1999 bis 2003 52
Tab 17: Unternehmen und Beschäftigte in der Filmbranche 54
1
Filmförderung in Luxemburg und in Deutschland:
Ein Systemvergleich auf der Ebene der Wirtschaftsförderung
1. EINLEITUNG
1.1 Ausgangssituation
Die öffentliche Förderung des Films und der Filmbranche in Europa, als „...ein Versuch, eine eigene, lebensfähige Filmindustrie zu schaffen“ 1 , hat ihre Wurzeln bereits in den 50er Jahren des letzten Jahrhunderts. Über Jahre hinweg hat die Filmwirtschaft in Europa, ein Sektor der euro- päischen audiovisuellen Industrie, eine starke Förderabhängigkeit entwickelt. Nach einer weit verbreiteten Meinung verdankt der nationale europäische Film seinen Bestand der öffentlichen Förderung: "If there is no public support system, the national cinema industry disappears." 2 Die Gegner der Filmförderung behaupten, die Filmförderung sei ein „Krisenkind des deutschen Films.“ 3 Es wird vorgeworfen, dass die Förderung meist nach dem Gießkannenprinzip funktio- niert und in der Konsequenz, „...Projekte gefördert werden, die kein zahlender Zuschauer sehen wolle und ...viel zu viele, viel zu kleine und viel zu ärmliche Filme entstünden.“ 4 Laut wird die Befürchtung ausgesprochen, dass auf diesem Wege „...der europäische Film zu Tode gefördert (würde).“ 5 Mehrheitlich ist die Politik und die Branche der Meinung, dass „...der Film nicht ausschließlich den Regeln des freien Marktes überlassen werden (darf), sondern mit einem spezifischen Instru- mentarium geschützt und gefördert werden (muß).“ 6
1.2 Problemstellung
Immer mehr europäische Staaten, unter ihnen mittlerweile auch kleinere Staaten wie Irland oder Luxemburg, haben in den letzten zwei Jahrzehnten begonnen, sich als Filmstandorte zu profi- lieren und den Film als Förderobjekt entdeckt. 7 Zahlreiche neue Förderinstitutionen wurden zum Zweck der Förderung nationaler Filme und der Filmwirtschaft gegründet und mit üppigen, kon- tinuierlich wachsenden Budgets ausgestattet. In Europa ist „...ein regelrechter Förderungs- wettbewerb entstanden.“ 8
1
vgl. Becker, Jürgen, Aktuelle Probleme der Filmförderung: VII. Münchener Symposium zum Film- und Medienrecht am 2. Juli 1993, Baden-Baden (Nomos Verlagsgesellschaft) 1994, 13.
2
Gordon, Michael, Filmfinanzierung in Europa, Wien (Michael Gordon Verlag) 1994, 103.
3
Becker, Jürgen, Aktuelle Probleme der Filmförderung: VII. Münchener Symposium zum Film- und Medienrecht am 2. Juli 1993, Baden-Baden (Nomos Verlagsgesellschaft) 1994, 13.
4
Becker, Jürgen, Aktuelle Probleme der Filmförderung: VII. Münchener Symposium zum Film- und Medienrecht am 2. Juli 1993, Baden-Baden (Nomos Verlagsgesellschaft) 1994, 13-14.
5
Becker, Jürgen, Aktuelle Probleme der Filmförderung: VII. Münchener Symposium zum Film- und Medienrecht am 2. Juli 1993, Baden-Baden (Nomos Verlagsgesellschaft) 1994, 13-14.
6
Becker, Jürgen, Aktuelle Probleme der Filmförderung: VII. Münchener Symposium zum Film- und Medienrecht am 2. Juli 1993, Baden-Baden (Nomos Verlagsgesellschaft) 1994, 13.
7
vgl. Kreile, Johannes/Breistroff, Guy, Filmförderung in Luxemburg unter steuerlichen, arbeitsrechtlichen und urheberrechtlichen Gesichtspunkten, in : Zeitschrift für Urheber- und Medienrecht (2/2001), 94.
8
Gordon, Michael, Kosten und Nutzen wirtschaftlicher Filmförderung, Schriftenreihe zur Film-, Fernseh-, und Multimediaproduktion, Bd.11, Potsdam (Verlag für Berlin-Brandenburg) 1. Auflage 1998, 15.
2
Filmförderung in Luxemburg und in Deutschland:
Ein Systemvergleich auf der Ebene der Wirtschaftsförderung Als Ergebnis dieser Bestrebungen haben sich in Europa im letzten Vierteljahrhundert mehrere verschiedene Fördersysteme herausgebildet. Sie unterscheiden sich durch ihre Ausrichtung und Schwerpunktsetzung. Vor diesem Hintergrund stellt sich die Frage nach der Wirksamkeit und ökonomischen Rechtfertigung dieser Systeme aus der Sicht der Wirtschaftsförderung.
1.3 Zielsetzung
Im Mittelpunkt der vorliegenden Arbeit steht eine nähere Betrachtung und Analyse der Film- förderung am Beispiel der Filmförderungssysteme von zwei ausgewählten europäischen Län- dern, Luxemburg und Deutschland. Luxemburg repräsentiert beispielhaft die Förderung der Filmwirtschaft in einem kleinen europäischen Land, Deutschland steht dagegen für die Förderung in einem größeren föderalen Staat.
Im Rahmen dieser Arbeit soll ein umfassender ökonomischer Vergleich der beiden Systeme der Filmförderung hinsichtlich ihrer Stärken und Schwächen, Chancen und Risiken erfolgen. Die dieser Arbeit zugrundeliegende Ziele sind folgende:
▪ Darstellung bzw. Beschreibung eines jeden der beiden ausgewählten Förderungssysteme hin- sichtlich ihrer Aufgaben, Zielsetzungen, Restriktionen und Ergebnissen (deskriptives Ziel), ▪ Analyse, Vergleich und Bewertung der beiden Fördersysteme aus der Sicht der Wirtschafts- förderung (analytisches Ziel), ▪ Hinweise für Verbesserungen auf der Basis der in der vorausgehenden Phase durchgeführten Analyse und Bewertung der beiden Fördersysteme (präskriptives Ziel).
1.4 Methodik und Vorgehensweise
Im Fokus dieser Arbeit ist, wie bereits im Titel angedeutet, der Vergleich der Systeme der Film- förderung in Luxemburg und in Deutschland auf der Ebene der Wirtschaftsförderung. Der Ver- gleich der Systeme der Filmförderung kann demnach nicht umfassend erfolgen, sondern es sind die aus Sicht der Wirtschaftsförderung relevanten Aspekte herauszufiltern.
Auf den ersten Blick ist allerdings nicht ersichtlich, welche Aspekte der Filmförderung einen Beitrag im Sinne der Wirtschaftsförderung darstellen und welche nicht. Eine als kulturell be- zeichnete Förderung kann unter dem Gesichtspunkt der Wirtschaftsförderung relevant sein – und eine kulturelle Förderung ungerechtfertigt als „wirtschaftlich“ dargestellt werden.
3
Filmförderung in Luxemburg und in Deutschland:
Ein Systemvergleich auf der Ebene der Wirtschaftsförderung Die Entwicklung eines passenden Filters wäre aufwendig – und würde doch mit hoher Wahr- scheinlichkeit nicht zu eindeutigen Ergebnissen führen. 9 Daher wurde in dieser Arbeit ein ande- rer Weg beschritten.
Das System der Wirtschaftsförderung, dessen Teilsystem die wirtschaftliche Filmförderung ist, wird als Vergleichsmaßstab eingeführt. Konkret wird im Rahmen dieser Arbeit nicht nur ein Vergleich zwischen dem luxemburgischen und dem deutschen System der Filmförderung vor- genommen, sondern gleichzeitig erfolgt jeweils ein Abgleich mit dem System der „Wirtschafts- förderung“, das eine feste Bezugsgröße (oder „Referenz“) im Rahmen der gesamten Arbeit dar- stellt, vorgenommen. Folgend ist diese Methodik schematisch dargestellt:
Abb.1: Vergleich der Systeme der Filmförderung aus der Sicht der Wirtschaftsförderung. Im einzelnen wird wie folgt vorgegangen:
▪ Das System der Wirtschaftsförderung wird auf der Grundlage der in Deutschland und Luxemburg häufig genannten Ziele, Strategien sowie Instrumente und Maßnahmen beschrieben.
▪ Die wirtschaftliche Filmförderung wird im nächsten Schritt in dieses allgemeine System der Wirtschaftsförderung eingeordnet.
▪ Die Filmförderung auf europäischer Ebene, die die nationale Filmförderung ergänzt, wird dargestellt.
▪ Die Fördersysteme von Deutschland, einem föderalen Staat, und Luxemburg, einem kleinen Land, werden repräsentativ für die Fördersysteme in Europa untersucht.
9
Die Schwierigkeiten des „Filterns“ wird jedem Internet-Nutzer tagtäglich bei der Durchsicht seiner E-Mail bewußt, egal ob er
einen Spam-Filter zur Hilfe nimmt oder nicht.
4 Filmförderung in Luxemburg und in Deutschland:
Ein Systemvergleich auf der Ebene der Wirtschaftsförderung Nach dieser „deskriptiven“ Bestandsaufnahme werden die Filmfördersysteme in Luxemburg und Deutschland auf der Grundlage der bereits dargestellten Methodik analysiert. Dabei erfolgt zu- nächst eine Analyse auf der Ebene einzelner Elemente der Filmförderungssysteme. Filmförderung Luxemburg Filmförderung Deutschland
Abb. 2: Vergleich der Filmförderung auf der Ebene der Systemelemente
Anschließend werden die Gesamtsysteme miteinander verglichen, wobei hier die Stimmigkeit jedes einzelnen Systems im Fokus der analytischen Betrachtung steht.
Filmförderung Luxemburg Filmförderung Deutschland
Abb. 3: Vergleich der Filmförderung auf der Systemebene
Das erste Ergebnis dieser Arbeit ist eine Beschreibung der Stärken und Schwächen beider För- derungssysteme.
Im letzten, präskriptiven Teil werden die Chancen und Risiken der Filmförderung in beiden Ländern aus Sicht der politischen Entscheidungsträger dargestellt. Diese Sichtweise eröffnet ein weites Feld von Handlungsoptionen. In diesem Sinne werden abschließend auch Hinweise zur Verbesserung der Systeme der Filmförderung in Luxemburg und Deutschland als Input für wei- tergehende Untersuchungen und Diskussionen gegeben.
5
Filmförderung in Luxemburg und in Deutschland:
Ein Systemvergleich auf der Ebene der Wirtschaftsförderung
1.5 Begriffsabgrenzungen
Zur Vermeidung von Mißverständnisse bei einer Vielzahl der in der vorliegenden Arbeit ver- wendeten Begriffen werden diese definiert.
Unter Wirtschaftsförderung werden Maßnahmen von öffentlichen Körperschaften zur Förde- rung der wirtschaftlichen Entwicklung verstanden. Neben der finanziellen Förderung gehören dazu auch Leistungen wie beispielsweise Flächenbereitstellung, Infrastrukturentwicklung, Bera- tung, Schulung, Vermittlung mit dem Ziel der Verbesserung der nationalen, regionalen oder kommunalen Wirtschaftsstruktur. 10
Filmförderung ist in Rahmen dieser Arbeit als eine wirtschaftliche Förderung der Filmpro- duktion „...durch staatliche Subventionen, Schutzbestimmungen und Selbsthilfemaßnahmen“ 11 zu verstehen. Die Filmförderung des Fernsehens wird hier ausgelassen, da sie nicht als Instru- ment staatlicher Filmpolitik gilt.
Als Subventionen werden in Anlehnung an den Subventionsbericht der Bundesregierung alle Anpassungs-, Erhaltungs-, Produktivitätshilfen an private Unternehmen und Wirtschaftszweige in Form von Finanzhilfen oder Steuervergünstigungen bezeichnet. 12
Filmproduktion umfaßt „...die Tätigkeiten von der ersten Planung eines Filmvorhabens bis zur Montage des fertigen Filmstreifens bzw. zur Anfertigung der Kopien und ihrer Übergabe an den Verleih...“ 13 .
Film wird hier generell als der programmfüllende Spielfilm, der in der Regel mit der Absicht einer Kinoauswertung produziert wird, aufgefaßt. 14 Allerdings legen einige Förderinstitutionen einen erweiterten Begriff des Films zugrunde und beziehen auch die Filmarten (Kurzfilme, Serie, Fernsehfilm, etc.) ein. Nicht in jedem betrachteten Fall der Filmförderung war eine Aussonderung dieser anderen Filmarten möglich.
10 vgl. Hadeler, Thorsten/ Arentzen, Ute, Wirtschaftsförderung, in: Gabler Wirtschaftslexikon, Wiesbaden (Gabler) 15. Aufl. 2000, 3512.
11 vgl. Jarothe, Sabine, Die Filmpolitik der Europäischen Union im Spannungsfeld zwischen nationaler staatlicher Förderung und US-amerikanischer Mediendominanz, Diss., Universität Hamburg, 1997, in: Europäische Hochschulschriften: Reihe Politikwissenschaft, Bd. 347, Frankfurt am Main, etc. (Peter Lang) 1998, 55.
12 vgl. Bundesministerium der Finanzen (Hrsg.), Neunzehnter Subventionsbericht, Bericht der Bundesregierung über die Entwicklung der Finanzhilfen des Bundes und der Steuervergünstigungen für die Jahre 2002 - 2004, Berlin 2003, 15, in: http://www.bundesfinanzministerium.de/Anlage21194/Broschuere_Subventionsbericht_gesamt.pdf, Oktober 2003, abgerufen am 08.05.2004.
13 Thiermeyer, Michael, Internationalisierung von Film und Filmwirtschaft, in: Medien in Geschichte und Gegenwart; Bd.2, Köln, etc. (Böhlau Verlag) 1994, 27.
14 vgl. Jarothe, Sabine, Die Filmpolitik der Europäischen Union im Spannungsfeld zwischen nationaler staatlicher Förderung und US-amerikanischer Mediendominanz, Diss., Universität Hamburg, 1997, in: Europäische Hochschulschriften: Reihe Politikwissenschaft, Bd. 347, Frankfurt am Main, etc. (Peter Lang) 1998, 18.
6
Filmförderung in Luxemburg und in Deutschland:
Ein Systemvergleich auf der Ebene der Wirtschaftsförderung
2. GRUNDLAGEN
2.1 Wirtschaftsförderung
2.1.1 Begründung für Wirtschaftsförderung
Die Wirtschaftsförderung lässt sich mit den folgenden Konzepten und Ansätzen rechtfertigen:
a) Beim Exportbasis-Konzept werden Güter und Dienstleistungen danach unterteilt, ob sie innerhalb oder außerhalb der Region verkauft werden können. 15 Güter und Dienstleistungen, die außerhalb der Region verkauft bzw. „exportiert“ werden können, werden den „Basic- Aktivitäten“ zugeordnet. Eine steigende regionale Exportnachfrage wirkt sich positiv auf die Entwicklung einer Region aus, da dies einen Einkommenszufluss in die Region bewirkt. 16 Das Exportbasis-Konzept lässt sich auf allen staatlichen und kommunalen Ebenen einsetzen. Entsprechend vielfältig sind auf allen staatlichen Ebenen von der Kommune bis zur Europäi- schen Kommission die Bemühungen, Wettbewerbsvorteile durch eine aktive Wirtschaftsför- derung zu erlangen.
b) Wirtschaftsförderung im Sinne der Strukturpolitik leitet ihre Rechtfertigung dagegen aus dem Versagen des Marktes her. 17 Die unerwünschte Allokation von Ressourcen im markt- wirtschaftlichen Prozess kann sowohl in funktionaler (z.B. zu geringe Innovationsfähigkeit der Wirtschaft 18 ), sektoraler (z.B. Strukturschwäche der Landwirtschaft 19 ) als auch regionaler (z.B. unerwünschte regionale Verteilung der Produktionsfaktoren 20 ) Hinsicht gegeben sein. Wirtschaftsförderung im Sinne einer strukturpolitischen Intervention ist damit grundsätzlich reaktiv. Dies hindert allerdings beispielsweise die Politik keineswegs daran, eine „aktive Strukturpolitik“ 21 oder sogar eine „proaktive Strukturpolitik“ 22 oder „vorausschauende Strukturpolitik“ 23 zu fordern.
15 vgl. Schönbeck, Klaus, Wirtschaftsstruktur und Regionalentwicklung, Theoretische und empirische Befunde für die Bundes- republik Deutschland, in: Institut für Raumplanung (IRPUD), Fakultät für Raumplanung, Universität Dortmund (Hrsg.), Dortmunder Beiträge zur Raumplanung, Bd. 75, Dortmund (IRPUD) 1996, 55.
16 vgl. Schönbeck, Klaus, Wirtschaftsstruktur und Regionalentwicklung, Theoretische und empirische Befunde für die Bundes- republik Deutschland, in: Institut für Raumplanung (IRPUD), Fakultät für Raumplanung, Universität Dortmund (Hrsg.), Dortmunder Beiträge zur Raumplanung, Bd. 75, Dortmund (IRPUD) 1996, 55-56.
17 vgl. Chancen für alle – Das Portal für Reformen in Deutschland, Wirtschaftsförderung, in: http://www.chancenfueralle.de/
18
vgl. Chancen für alle – Das Portal für Reformen in Deutschland, Wirtschaftsförderung, in: http://www.chancenfueralle.de/
19
vgl. Chancen für alle – Das Portal für Reformen in Deutschland, Wirtschaftsförderung, in: http://www.chancenfueralle.de/
20
vgl. Eckey, Hans-Friedrich, Regionale Strukturpolitik, in: Akademie für Raumforschung und Landesplanung (Hrsg.), Hand- wörterbuch der Raumordnung, Hannover (ARL) 1995, 815.
21 vgl. Starbatty, Joachim, Strukturpolitik im Konzept der Sozialen Marktwirtschaft?, Tübinger Diskussionsbeitrag Nr. 153, Dezember 1998, 4-5, in: http://www.uni-tuebingen.de/uni/w04/bibliothek/DiskBeitraege/153.pdf, abgerufen am 09.05.2004. 22 vgl. Duisburger Erklärung, Die Zukunft der europäischen Stahlregionen, beschlossen während der CASTer-Konferenz vom
8. – 10. Oktober 1997, in: http://www.caster-online.net/german/activities/duisburg_ger.doc, abgerufen am 09.05.04 23 vgl. Starbatty, Joachim, Strukturpolitik im Konzept der Sozialen Marktwirtschaft?, Tübinger Diskussionsbeitrag Nr. 153, Dezember 1998, 14-15, in: http://www.uni-tuebingen.de/uni/w04/bibliothek/DiskBeitraege/153.pdf, abgerufen am 09.05.04.
7
Filmförderung in Luxemburg und in Deutschland:
Ein Systemvergleich auf der Ebene der Wirtschaftsförderung
c) Daneben lassen sich zur Begründung der Wirtschaftsförderung noch fiskalische Argumente anführen. Zum einen soll die Wirtschaftsförderung unmittelbar zu höheren Steuereinnahmen führen, 24 zum anderen soll sie im Sinne einer Beschäftigungsförderung einen Beitrag zur Senkung von Ausgaben leisten. 25 In diesem Sinne wird von der Wirtschaftsförderung ein Beitrag zur Verbesserung der Haushaltssituation erwartet.
Einzelne Maßnahmen und Instrumente der Wirtschaftsförderung lassen sich normalerweise nicht eindeutig einem dieser drei Ansätze zuordnen. In der Regel werden Wirtschaftsförderungsmaß- nahmen durch alle denkbaren Argumente gerechtfertigt, d.h. sie werden aus Sicht mehrerer Ansätze als vorteilhaft dargestellt.
2.1.2 Ziele und Strategien der Wirtschaftsförderung
Die Wirtschaftsförderung hat neben ökonomischen auch fiskalische und soziale Ziele. Die öko- nomischen Ziele ergeben sich unmittelbar aus dem Exportbasis-Konzept sowie aus strukturpo- litischen Überlegungen (Korrektur eines bestehenden oder erwarteten Marktversagens). Die fis- kalischen Ziele sind auf eine Verbesserung der Haushaltssituation, d.h. eine Erhöhung der Ein- nahmen und eine Reduzierung der Ausgaben, ausgerichtet. 26 Wirtschaftsförderung im Sinne so- zialer bzw. sozio-ökonomischer Ziele soll insbesondere eine Verbesserung der Beschäftigungs- situation (Schaffung von Arbeitsplätzen) bewirken.
Die Ziele der Wirtschaftsförderung lassen sich am besten durch die sinnvolle Verknüpfung mehrerer Strategien erreichen:
▪ Wachstum Die Wachstumsstrategie orientiert sich in erster Linie an dem bereits vorgestellten Exportbasis-Konzept. Dieses Konzept kommt auch bei der Förderung im Rahmen der Gemeinschaftsaufgabe „Verbesserung der regionalen Wirtschaftsstruktur“ zur Anwendung. 27
▪ Struktur
Die strukturpolitische Strategie ähnelt in ihrer heutigen Ausprägung der Wachstumsstrate-
24 vgl. „Wirtschaftsförderung bringt Steuereinnahmen“, Vier Jahre Wirtschaftsförderung im Kanton Schaffhausen: Wirtschafts- förderer Thomas Holenstein zieht Bilanz, Schaffhauser Nachrichten-Region vom 2. Februar 2001, in: http://www.sh.ch/wf/ Dokumente/medieninfo2Feb2001.htm, abgerufen am 10.05.04.
25 vgl. Empter, Stefan/Frick, Frank (Hrsg.), Beschäftigungsorientierte Sozialpolitik in Kommunen, Strategien zur Integration von Sozialhilfeempfängern in das Erwerbsleben, Gütersloh (Verl. Bertelsmann Stiftung) 1999, in: http://www.bik-online.de/ download/beschaeftigung_kommunen.pdf, abgerufen am 10.05.04, 19-22.
26 vgl. Hadeler, Thorsten/ Arentzen, Ute, Wirtschaftsförderung, in: Gabler Wirtschaftslexikon, Wiesbaden (Gabler) 15. Aufl. 2000, 3512.
27 vgl. Einunddreißigster Rahmenplan der Gemeinschaftsaufgabe „Verbesserung der regionalen Wirtschaftsstruktur“ für den Zeitraum 2002 bis 2005, Bundestagsdrucksache 14/8463 vom 06.03.2002, 45, in: http://www.bmvbw.de/Anlage10168/ Rahmenplan-Gemeinschaftsaufgabe-2002-bis-2005.pdf, abgerufen am 10.05.04.
8
Filmförderung in Luxemburg und in Deutschland:
Ein Systemvergleich auf der Ebene der Wirtschaftsförderung gie. 28 Vorausschauend werden „Zukunftsbranchen“ 29 gefördert. In Verbindung mit dem „Clusterkonzept“ 30 wird heutzutage die Entwicklung von „strategischen Clustern“ 31 als eine wichtige strukturpolitische Strategie erachtet.
▪ Erhaltung Die Erhaltungsstrategie ist darauf gerichtet, gefährdete Branchen, Unternehmen bzw. Arbeitsplätze zu erhalten.
▪ Sonstige
Neben diesen allgemeinen Strategien gibt es noch eine Reihe von speziellen Strategien, die auf bestimmte Branchen wie z.B. die Tourismusbranche oder auf Einzelaspekte wie z.B. die Stärkung der „Innovationsfähigkeit“ 32 ausgerichtet sind.
Es sind unzählige Instrumente und Maßnahmen entwickelt worden, um die Strategien best- möglich umzusetzen. Diese lassen sich wie folgt gruppieren:
▪ Die Förderung im engeren Sinne umfasst die finanzielle Förderung von Unternehmen und Existenzgründern in Form von Zuschüssen, zinsvergünstigten Darlehen und steuerlichen Begünstigungen.
▪ Beratung deckt das gesamte Spektrum der individuellen oder gemeinschaftlichen Unter- stützung in Form von Beratung, Orientierung und Coaching ab.
▪ Strukturentwicklung ist in erster Linie auf die Bereitstellung und Verbesserung unter- nehmensrelevanter Infrastruktur sowie auf die gezielte Stärkung der Wirtschaftsstruktur (z.B. Unternehmensansiedlung) ausgerichtet.
▪ Unter Dienstleistungen werden alle Aktionen zugunsten von Unternehmen und Existenz- gründern zusammengefaßt, die nicht unter Beratung fallen.
Auf der folgenden Seite ist das System der Wirtschaftsförderung schematisch dargestellt. Dabei ist zu beachten, dass sowohl bei den Strategien als auch insbesondere bei den Instrumenten und Maßnahmen nur die jeweils bedeutendsten Ausprägungen aufgeführt sind.
28 vgl. Starbatty, Joachim, Strukturpolitik im Konzept der Sozialen Marktwirtschaft?, Tübinger Diskussionsbeitrag Nr. 153, Dezember 1998, 8-10, in: http://www.uni-tuebingen.de/uni/w04/bibliothek/DiskBeitraege/153.pdf, abgerufen am 09.05.04. 29 vgl. z.B. Region Stuttgart: Zukunftsbranchen, in: http://www.region-stuttgart.de/standort/branchen/index.php3, abgerufen am 10.05.04.
30 vgl. Grote-Westrick, Dagmar/Rehfeld, Dieter, Cluster (Standortverbünde) in der Regio Rheinland, Projektbericht des Instituts für Arbeit und Technik 2003-03, Gelsenkirchen (IAT) 2003, 16-19, in: http://www.iatge.de/aktuell/veroeff/2003/ pb2003-
31
vgl. z.B. Region Stuttgart: Zukunftsbranchen, in: http://www.region-stuttgart.de/servicepool/infocenter/
32
vgl. Investitions- und Strukturbank Rheinland-Pfalz, Fonds für Innovation und Beschäftigung Rheinland-Pfalz Unter- nehmensbeteiligungsgesellschaft mbH, in: http://www.isb.rlp.de/Beteiligungen_isb.html, abgerufen am 10.05.04.
9
Filmförderung in Luxemburg und in Deutschland:
Ein Systemvergleich auf der Ebene der Wirtschaftsförderung
Abb.4: System der allgemeinen Wirtschaftsförderung.
10
Filmförderung in Luxemburg und in Deutschland:
Ein Systemvergleich auf der Ebene der Wirtschaftsförderung
2.2 Filmförderung als Spezialfall der Wirtschaftsförderung
2.2.1 Film zwischen Kultur und Wirtschaft
Der Film ist nicht eindeutig der Kultur oder der Wirtschaft zuzuordnen. „Der Film trägt einen Januskopf. Denn er ist zum einem Wirtschaftsfaktor aber zugleich auch ein kulturelles Phäno- men.“ 33
In der Kulturwissenschaft wird der Film als künstlerische Aktion, als sogenannte „Siebte Kunst“ gesehen. „Dem Film wird zudem hinsichtlich des Ausdruckes kultureller Identität eines Landes eine große Bedeutung seitens der Politik beigemessen. Staaten verstehen den Film in der Regel als wichtiger Kulturfaktor, der dazu beiträgt, nationale Kultur zu stiften und zu verbreiten. Be- sonders Kleinstaaten sind auf die Bewahrung ihrer kulturellen Identität durch nationale Film- produktion bedacht. Dabei geht man auf politischer Ebene davon aus, daß die Präsentation von nationale Filmen zu einer von allen geteilten eigenständigen nationalen Identität führt, wobei eine Verbindung zwischen den gezeigten Filmen und dem nationalen Bewußtsein allgemein akzeptiert wird.“ 34
Die kulturelle Bedeutung des Films wird allerdings oft überbewertet. „Because speciality films so eloquently combine communicative and artistic values, their economic character can easily be lost sight of.” 35 Mit der Herstellung der Filme sind zahlreiche wirtschaftliche Effekte verbunden. 36 Das sind „nicht nur Beschäftigungs-, sondern auch Investitions- und natürlich auch erhebliche Steuereffekte.“ 37 Der Film als „ökonomischer Faktor konstituiert einen spezifischen Wirtschaftssektor – die Filmwirtschaft.“ 38 Die Filmwirtschaft ist „ein Teilbereich bzw. Subsystem des gesamten Wirtschaftssystems.“ 39
33 Becker, Jürgen, Aktuelle Probleme der Filmförderung: VII. Münchener Symposium zum Film- und Medienrecht am 2. Juli 1993, Baden-Baden (Nomos Verlagsgesellschaft) 1994, 15.
34 Jarothe, Sabine, Die Filmpolitik der Europäischen Union im Spannungsfeld zwischen nationaler staatlicher Förderung und US-amerikanischer Mediendominanz, Diss., Universität Hamburg, 1997, in: Europäische Hochschulschriften: Reihe Politik- wissenschaft, Bd. 347, Frankfurt am Main, etc. (Peter Lang) 1998, 25.
35 Rosen, David/ Hamilton, Peter, Off-Hollywood: The Making and Marketing of independent Films, New York (Grove Weidenfeld) 1990, 289.
36 vgl. Böhme, Michael, Wo steht heute die Filmförderung, in: Berg, Jan/Hinckethier, Knut, Filmproduktion, Filmförderung, Filmfinanzierung, in: Sigma- Medienwissenschaft, Bd. 18, Schriften der Gesellschaft für Film- und Fernsehwissenschaft 5, Berlin (edition sigma) 1994, 20.
37 Böhme, Michael, Wo steht heute die Filmförderung, in: Berg, Jan / Hinckethier, Knut, Filmproduktion, Filmförderung, Film- finanzierung, in: Sigma- Medienwissenschaft, Bd. 18, Schriften der Gesellschaft für Film- und Fernsehwissenschaft 5, Berlin (edition sigma) 1994, 21.
38 Becker, Jürgen, Aktuelle Probleme der Filmförderung: VII. Münchener Symposium zum Film- und Medienrecht am 2. Juli 1993, Baden-Baden (Nomos Verlagsgesellschaft) 1994, 13.
39 Becker, Jürgen, Aktuelle Probleme der Filmförderung: VII. Münchener Symposium zum Film- und Medienrecht am 2. Juli 1993, Baden-Baden (Nomos Verlagsgesellschaft) 1994, 13.
11
Filmförderung in Luxemburg und in Deutschland:
Ein Systemvergleich auf der Ebene der Wirtschaftsförderung
2.2.2 Begründung für Filmförderung aus wirtschaftlicher Sicht
Die Filmförderung ist aus wirtschaftlicher Sicht ein Spezialbereich der Wirtschaftsförderung. Sie
ist „...keine verlustreiche Subvention, die aus kulturpolitischer Verantwortung gegeben wird,
sondern eine gezielte Investition in die Kultur, in den Arbeitsmarkt und in die Strukturpolitik, eine Investitionen, die sich außerordentlich schnell positiv rechnet.“ 40 Zur Begründung der
Filmförderung können daher vergleichbare Argumente wie bei der allgemeinen
Wirtschaftsförderung herangezogen werden:
▪ Die Gültigkeit des Exportbasis-Konzepts in Bezug auf die Filmwirtschaft lässt sich am besten mit der Bedeutung Hollywoods als Wirtschaftsstandort 41 belegen. Hollywood ist zu
einem Vorbild für viele Regionen in Europa geworden, „seit die Medienbranche, zu der auch
die Produktion von Kinofilmen gehört, als ein Wirtschaftszweig mit überdurchschnittlichen Wachstumsraten und -chancen gilt.“ 42
▪ Gleichermaßen kann Filmförderung mit strukturpolitischen Argumenten begründet werden.
Marktversagen lässt sich einerseits mit der Besonderheit des Gutes „Film“ und seiner Pro- duktion 43 rechtfertigen, andererseits aber auch mit der tatsächlichen Marktsituation
erklären. 44
Ein Film hat kulturelle Eigenschaften. Ein Film, der für einen großen Kulturkreis interessant
ist, lässt sich besser vermarkten als ein Film für einen kleinen Kulturkreis. Damit sind Produ- zenten in kleinen Kultur- und Sprachräumen in einer unerwünschten Form benachteiligt. 45
Eine alleinige Steuerung über Marktmechanismen könnte zu dem politisch unerwünschten Ergebnis 46 führen, dass keine Filme mehr in und für kleine Kulturräumen produziert werden.
Außerdem gilt die Produktion von Filmen als sehr risikoreich. „In fact, of any 10 major theatrical films produced, on the average 6 of 7 are unprofitable, and one will break even.“ 47
40 Böhme, Michael, Wo steht heute die Filmförderung, in: Berg, Jan/Hinckethier, Knut, Filmproduktion, Filmförderung, Film- finanzierung, in: Sigma- Medienwissenschaft, Bd. 18, Schriften der Gesellschaft für Film- und Fernsehwissenschaft 5, Berlin (edition sigma) 1994, 21.
41 vgl. Jarothe, Sabine, Die Filmpolitik der Europäischen Union im Spannungsfeld zwischen nationaler staatlicher Förderung und US-amerikanischer Mediendominanz, Diss., Universität Hamburg, 1997, in Europäische Hochschulschriften: Reihe Politikwissenschaft, Bd. 347, Frankfurt am Main, etc. (Peter Lang) 1998, 196.
42 Eggers, Dirk, Filmfinanzierung: Grundlagen-Beispiele, in: KulturKommerz, Bd.3, Berlin (Erich Schmidt Verlag) 4. über- arbeitete Auflage 2003, 106.
43 vgl. Thiermeyer, Michael, Internationalisierung von Film und Filmwirtschaft, in: Medien in Geschichte und Gegenwart; Bd.2, Köln, etc. (Böhlau Verlag) 1994, 28-29.
44 vgl. Kreile, Johannes/Breistroff, Guy, Filmförderung in Luxemburg unter steuerlichen, arbeitsrechtlichen und urheberrechtlichen Gesichtspunkten, in : Zeitschrift für Urheber- und Medienrecht (2/2001), 94.
45 vgl. Schaefer, Klaus/Kreile, Johannes/Gerlach, Sascha, Nationale Förderung: Einfluss und Grenzen des europäischen Rechts, in Zeitschrift für Urheber- und Medienrecht (3/2002), 182.
46 vgl. Council of Europe, Declaration on Cultural Diversity, adopted by the Committee of Ministers on 7th December 2000 at the 733rd meeting of the Ministers' Deputies, in: http://cm.coe.int/ta/decl/2000/2000dec2.htm, abgerufen am 12.05.04. 47 Börn, Frank, Zur Ökonomie der Filmindustrie, in: KulturKommerz, Bd.1: Zur Ökonomie der Filmindustrie, Hamburg (S+W Steuer- und Wirtschaftsverlag) 1993, 56.
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Filmförderung in Luxemburg und in Deutschland:
Ein Systemvergleich auf der Ebene der Wirtschaftsförderung Obwohl eigentlich ein Bedarf an Filmen vorhanden ist, könnte demnach das hohe Markt- risiko dazu führen, dass zu wenige Filme produziert werden.
Neben diesen theoretisch abgeleiteten Begründungen gibt es außerdem den empirisch ge- stützten Nachweis des Marktversagens. „The movie business is an oligopoly, with the Hol- lywood majors having controlled the marketplace for half a century.” 48 Filmförderung ist in diesem Sinne nicht mehr als die Korrektur einer Marktsituation, die als Marktversagen interpretiert wird.
▪ Auch fiskalische Argumente werden angeführt, um die Filmförderung zu rechtfertigen. So wird gerne argumentiert, dass die Filmwirtschaft einen nicht zu unterschätzenden volkswirt- schaftlichen Beitrag leistet und ein großer Teil der Aufwendungen unmittelbar über Steuern in die Staatskasse zurückfließen. 49 Und „ohne staatliche Hilfe wäre der Film ... nicht mehr lebensfähig“ 50 , d.h. eine ganze Wirtschaftsbranche würde zusammenbrechen. Ebenso wie für die allgemeine Wirtschaftsförderung gibt es damit auch für die Filmförderung viele Rechtfertigungsgründe, wobei eine eindeutige Zuordnung zu einem einzelnen Ansatz nicht immer möglich ist. Angesichts von Förderquoten zwischen 70 bis 100 % 51 muss allerdings kri- tisch nach Angemessenheit und Wirtschaftlichkeit der Förderung gefragt werden. Hierauf wird bei der weiteren Betrachtung und Analyse noch einzugehen sein.
2.2.3 Ziele und Strategien der Filmförderung aus wirtschaftlicher Sicht
Die Ziele der Filmförderung aus wirtschaftlicher Sicht sind identisch mit den bereits vorgestell- ten Zielen der Wirtschaftsförderung. Neben ökonomischen Zielen sind dies auch fiskalische 52 und soziale Ziele.
Genauso wie bei der Wirtschaftsförderung sind auch bei der wirtschaftlichen Filmförderung Ne- benbedingungen zu beachten. Die wichtigste Nebenbedingung der Filmförderung ist die Unter- stützung der kulturellen Ziele. Daher werden Filme, die kulturellen Zielsetzungen widerspre- chen, grundsätzlich nicht gefördert. 53 Die bereits unter „Wirtschaftsförderung“ erwähnten Strate- gien finden sich, wenn auch mit veränderten Akzenten, bei der Filmförderung wieder.
48 Rosen, David/Hamilton, Peter, Off-Hollywood: The Making and Marketing of independent Films, New York (Grove Weidenfeld) 1990, 262.
49 vgl. Botzler, Uli, Filmförderung in Luxemburg, in: Images Dans l’Espace SaarLorLux + Alsace, 2 (printemps), 1999, 10-13. 50 Hundertmarkt, Gisela/ Saul, Louis, Förderung essen Filme auf... Positionen-Situationen-Materialien, München (Ölschläger) 1984, 19.
51 vgl. Hundertmarkt, Gisela/ Saul, Louis, Förderung essen Filme auf... Positionen-Situationen-Materialien, München (Ölschläger) 1984, 19.
52 vgl. Gordon, Michael, Kosten und Nutzen wirtschaftlicher Filmförderung, Schriftenreihe zur Film-, Fernseh-, und Multi- mediaproduktion, Bd.11, Potsdam (Verlag für Berlin-Brandenburg) 1. Auflage 1998, 205.
53 Beispielhaft sind die Förderbeschränkungen in Luxemburg. Law of the 13th December 1988 establishing a temporary fiscal regime specific to audio-visual investment certificates as amended, Article 4.2, Conditions of eligibility of works, in: http://www.filmfund.lu/imperia/md/content/pdf/7.pdf, 2002, abgerufen am 14.04.04.
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Filmförderung in Luxemburg und in Deutschland:
Ein Systemvergleich auf der Ebene der Wirtschaftsförderung
Abb. 5: System der Filmförderung als Spezialfall der Wirtschaftsförderung
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Filmförderung in Luxemburg und in Deutschland:
Ein Systemvergleich auf der Ebene der Wirtschaftsförderung Die Filmförderung ist auf ein besonderes Produkt, den Film, und eine besondere Branche, die Filmwirtschaft, ausgerichtet. Mit der Filmförderung wird damit aus wirtschaftlicher Sicht in erster Linie eine strukturpolitische Strategie verfolgt. Dabei geht es inzwischen immer weniger um das nachträgliche Korrigieren eines Marktversagens, sondern zunehmend um die vorausschauend vorteilhafte Positionierung.
Damit ähnelt die strukturpolitische Strategie inzwischen der Wachstumsstrategie. Filme gehören zu den „Exportgütern“, die für einen überregionalen oder sogar globalen Absatz produziert wer- den. 54 Im Sinne der Exportbasis-Theorie ist es vorteilhaft, solche Branchen anzusiedeln und zu entwickeln, um die eigene Wirtschaftskraft zu stärken. Eine typische Wachstumsstrategie ist die Entwicklung eines Medienclusters durch die gezielte Ansiedlung von Medienunternehmen. 55
Auch die Erhaltungsstrategie der Wirtschaftsförderung findet ihre Entsprechung auf der Ebene der wirtschaftlichen Filmförderung. 56 Ziel ist dabei „die Erhaltung der regionalen Medien- branche, um auch ein eigenständiges kulturelles Medienschaffen (‚Filmkultur‘) zu ermöglichen. Zusatzaufträge für die heimische Medienbranche sollen akquiriert werden, um die Nachfrage- situation für regionale Unternehmen zu stabilisieren.“ 57
Daneben gibt es noch besondere Strategien. Für die Filmförderung sind insbesondere die beiden folgenden Ansätze relevant:
▪ Bei der Tourismusstrategie werden Filme als Werbeträger für den Tourismus eingesetzt. Die Medienproduktion wird in diesem Sinne als Gegenleistung für das „country placement“ sub- ventioniert. 58
▪ Mit der Imagestrategie soll ein ähnlicher Effekt erzielt werden wie bei der Tourismusstrate- gie. Allerdings zielt die Imagestrategie darauf ab, einen Standort als attraktiven Wirtschafts- standort und Wohnort erscheinen zu lassen. 59 Das „city/country placement“ dient in diesem Fall dazu, die Ansiedlung von Unternehmen, die Anwerbung von Fach- und Führungskräften sowie die Durchführung von Großveranstaltungen (z.B. Messen, Kongresse) zu erleichtern.
54 vgl. „Ich bin kein Ideologe“, Der kalifornische Gouverneur Arnold Schwarzenegger über seinen Führungsstil und seine poli- tischen Absichten, Interview mit Arnold Schwarzenegger, geführt durch Matthias Hohensee, in: Wirtschaftswoche Nr. 23 vom 27.05.05, 32-34.
55 vgl. Gordon, Michael, Kosten und Nutzen wirtschaftlicher Filmförderung, Schriftenreihe zur Film-, Fernseh-, und Multi- mediaproduktion, Bd.11, Potsdam (Verlag für Berlin-Brandenburg) 1. Auflage 1998, 206.
56 bei Gordon irreführenderweise als „Kulturstrategie“ bezeichnet; vgl. Gordon, Michael, Kosten und Nutzen wirtschaftlicher Filmförderung, Schriftenreihe zur Film-, Fernseh-, und Multimediaproduktion, Bd.11, Potsdam (Verlag für Berlin- Brandenburg) 1. Auflage 1998, 206.
57 Gordon, Michael, Kosten und Nutzen wirtschaftlicher Filmförderung, Schriftenreihe zur Film-, Fernseh-, und Multimedia- produktion, Bd.11, Potsdam (Verlag für Berlin-Brandenburg) 1. Auflage 1998, 206.
58 vgl. Gordon, Michael, Kosten und Nutzen wirtschaftlicher Filmförderung, Schriftenreihe zur Film-, Fernseh-, und Multi- mediaproduktion, Bd.11, Potsdam (Verlag für Berlin-Brandenburg) 1. Auflage 1998, 206.
59 vgl. Kotler, Philip/Haider, Donald/Rein, Irving, Standort-Marketing, Wie Städte, Regionen und Länder gezielt Investitionen, Industrien und Tourismus anziehen, deutsch von Ilse Davis Schauer, Düsseldorf, Wien, New York, Moskau (ECON Verlang) 1994, 55.
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Filmförderung in Luxemburg und in Deutschland:
Ein Systemvergleich auf der Ebene der Wirtschaftsförderung
2.2.4 Arten der Filmförderung
Die Arten der Filmförderung lassen sich nach verschiedenen Kriterien unterteilen. Die Filmförderung im engeren Sinne läßt sich grundsätzlich nach den Merkmalen „Stufe der Filmwirtschaft“, „Finanzierungsinstrument“, „Finanzierungsmechanismus“, „Vergabeverfahren“ und „Förderebene“ gliedern.
▪ Je nach der geförderten „Stufe der Filmwirtschaft“ wird zwischen den Drehbuch-, Projektentwicklungs-, Herstellungs-, Verleih-, Vertrieb-, Abspiel- und Exportförderung unterschieden, wobei der Schwerpunkt auf der Produktionsförderung liegt. „Die essentielle Wirkung der Filmförderung zeigt sich [jedoch] am stärksten und offensichtlichsten im Distributionsbereich und nicht im Produktionssektor, obwohl letzterer das wesentliche Ziel staatlicher Förderung ist.“ 60
▪ Zuschüsse, steuerliche Anreize, geldwerte Leistungen und Umlagen beschreiben die Formen der Filmförderung nach dem Merkmal „Finanzierungsinstrument“.
▪ Der „Finanzierungsmechanismus“ zeigt an, ob die Förderung direkt oder indirekt wirkt. Als direkte Filmförderung werden die direkten Finanzhilfen an die Unternehmen der Filmwirt- schaft bezeichnet. Die direkten Hilfen werden als bedingt rückzahlbare Darlehen oder als Zu- schüsse gewährt. 61 Die Maßnahmen in Form von geldwerten Leistungen oder Einnahmever- zicht des Staates werden dagegen zur indirekten Förderung gezählt.
▪ Auch nach dem „Vergabeverfahren“ lässt sich Filmförderung gliedern. Wird die Förderung automatisch aufgrund einer nachgewiesenen, vom Antragsteller erbrachten Leistung (beispielsweise ein Referenzfilm) vergeben, spricht man von automatischer bzw. Referenzförderung, 62 im anderen Fall liegt selektive bzw. Projektförderung vor, die generell auf der Basis subjektiv empfundener oder am Markt ermittelter Verdienste gewährt wird. 63
▪ Beim Merkmal „Förderebene“ wird zwischen der europäischen, nationalen, und regionalen Filmförderung unterschieden. In Europa existieren diese Arten der Filmförderung parallel und können miteinander kombiniert werden.
60 Thiermeyer, Michael, Internationalisierung von Film und Filmwirtschaft, in: Medien in Geschichte und Gegenwart; Bd.2, Köln, etc. (Böhlau Verlag) 1994, 30.
61 vgl. Orf, Ewald, Stiefkind Export, in: Hundertmarkt, Gisela/Saul, Louis, Förderung essen Filme auf... Positionen-Situationen- Materialien, München (Ölschläger) 1984, 88.
62 vgl. Hollstein, Kristina, Filmwirtschaft und Filmförderung in Deutschland und Frankreich: ein landeskundlicher Vergleich, Diss. Universität Saarbrücken, Potsdam (Verlag für Berlin-Brandenburg) 1. Auflage 1996, 17.
63 vgl. Brown, Charles, The Future of Film and TV Funding. Confrontation or collaboration? London (FT Telecoms & Media Publishing) 1996, 22.
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Filmförderung in Luxemburg und in Deutschland:
Ein Systemvergleich auf der Ebene der Wirtschaftsförderung
Abb. 6: Arten der Filmförderung
2.3 Europäische Filmförderung
2.3.1 Förderung auf der Ebene des Europarates
Der Europarat, auch „Europa der 45“ genannt, leitet seine Zuständigkeit im Bereich der Kultur aus dem „Europäischen Kulturabkommen“ vom 19.12.1954 ab. 64 Mit dem „Europäischen Über- einkommen über die Gemeinschaftsproduktion von Kinofilmen“ wurde die europäische Zu- sammenarbeit im Bereich der Filmförderung und insbesondere das Programm Eurimages ver- traglich abgesichert. 65 „Eurimages is the Council of Europe fund for the co-production, distribution and exhibition of European cinematographic works. Set up in 1988 as a Partial Agreement it currently has 30
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