Inhaltsverzeichnis
Abk ürzungsverzeichnis 4
Abbildungen. 5
1 Einleitung 6
2 Die Rolle von Prognosen bei Bundestagswahlen. 6
2.1 Begriffsdefinitionen. 6
2.1.1 Prognose 6
2.1.2 Umfrage 6
2.1.3 Hochrechnung und amtliches Endergebnis 9
2.2 Einfluss von Umfrageergebnissen. 9
2.2.1 Manipulation durch veröffentlichte Umfrageergebnisse? 9
2.2.2 Einfluss auf Wahlentscheidung 10
2.2.3 Einfluss auf Wahlbeteiligung 11
2.2.4 Einflüsse auf Bundestagswahlkampf 2002. 12
3 Prognosen und Ursachen im Bundestagswahlkampf 2002 14
3.1 Hinleitung 14
3.2 Konzeption der Inhaltsanalyse 15
3.3 Hypothesen. 15
3.4 Operationalisierung 17
3.4.1 Medienauswahl. 17
3.4.2 Zeitraum und Stichprobe 18
3.4.3 Analyseeinheit 18
3.4.4 Variabeln 19
3.4.5 Erkenntnisse aus Pre-Test. 20
3.5 Auswertung. 21
3.5.1 Politiker 21
3.5.2 Wähler 24
3.5.3 Journalisten, Institute und Experten. 25
3.6 Fazit 34
Literaturverzeichnis 35
Stichwortregister. 37
Anhang 38
Variablenbeschreibung 38
Codebuch. 41
Codiersheet 44
Tabellen und Grafiken. 45
- 3 -
Abkürzungsverzeichnis
Abb. Abbildung
CDU Christlich Demokratische Union
CSU Christlich Soziale Union
DVU Deutsche Volksunion
f. folgende
FAZ Frankfurter Allgemeine Zeitung
FDP Freiheitlich Demokratische Partei
ff. fortfolgende
Hrsg. Herausgeber
NPD Nationaldemokratischen Partei Deutschlands
o. ohne
PDS Partei Deutscher Sozialisten
PuK Publizistik- und Kommunikationswissenschaft
S. Seite
s. siehe
SPD Sozialdemokratische Partei Deutschlands
SZ Süddeutsche Zeitung
vgl. vergleiche
z. B. zum Beispiel
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Abbildungen
Im Fließtext
Abbildung 1 „Wirkungsprozess vo n Umfrageergebnissen“
Abbildung 2 „Bundestagswahl - Sonntagsfrage“
Im Anhang
Grafik „Sprechergruppenanteil für alle Ursachenbegründungen aller Zeitungen“
Tabelle „Häufigkeit von Sprechern“
Tabelle „Kreuztabelle Sprechertyp und Vertrauen in Umfrageergebnisse“
Tabelle „Kreuztabelle Zeitungen und Seite“
Tabelle „Einbettung von Ursachenzuschreibungen in Nachrichtenformen“
Tabelle „Kreuztabelle Zeitungen und Ursachenzuschreibungen“
Tabelle „Kreuztabelle thematisierte Partei und Zeitung“
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1 Einleitung
„Be i jeder Bundestagswahl hat Wahlforschung Konjunktur. Umfragen, Projektionen, Prognosen und Hochrechnungen sind ihre Instrumente.“ 1 Die Meinungsforschung boomt. Immer mehr Medien geben selbst Wahlumfragen in Auftrag und lassen so ermitteln, welche Partei im Augenblick vorne liegt - und damit die besten Chancen hat, die nächste Wahl zu gewinnen. Wahlumfragen sind bei den Medien beliebt, weisen sie doch einen hohen Neuigkeitswert auf. In dieser vorliegenden Arbeit sollen die Einflüsse auf Umfrageergebnisse aus zwei Perspektiven beleuchtet werden. In einem ersten Teil sollen neben einigen Begriffsdefinitionen die Einflüsse aufgezeigt werden, welche die Umfrageergebnisse quasi als Ereignis auf sich selbst haben, nämlich durch die Beeinflussung der Wähler. In einem zweiten inhaltsanalytischen Teil sollen andere Ereignisse und Themen untersucht werden, welche Veränderungen in den Umfragewerten der Parteien bewirkten und damit speziell die Bundestagswahl 2002 entschieden haben könnten.
2 Die Rolle von Prognosen bei Bundestagswahlen
2.1 Begriffsdefinitionen
2.1.1 Prognose
Der Volksmund nennt alles Prognose, was in irgendeiner Weise „prophezeit“. Selbst die „Einschätzung eines Experten“ ganz ohne statistische Verfahren, wie z.B. an der Börse, werden Prognosen genannt. Auch Wissenschaftler und Institute scheinen sich nicht ganz einig darüber zu sein, was unter „Prognose“ gefasst werden soll. GÜLLNER sagt hierzu: „Was ich
vor der Wahl veröffentliche ist keine Prognose!“ 2 NEUWIRTH sieht dies anders: „Wahlprognosen sind der Versuch, auf der Grundlage von Meinungsumfragen das Wahlergebnis vorherzusagen. In der Regel werden sie einige Wochen bis wenige Tage vor
der Wahl veröffentlicht.“ 3 GALLUS/LÜHE differenzieren dies weiter: „Wahlprognosen beruhen also auf der Erklärung der Befragten üb er ihre „Wahlabsicht“ kurz vor der Wahl...“ 4 Sie unterscheiden hiervon die sogenannten „Exit polls“, welche auf einem konkreten Wahlverhalten basieren.
2.1.2 Umfrage
2.1.2.1 Zweck
Umfrageergebnisse „...helfen den Wählern, den Politkern und den Parteien, sich ein Bild über
die Stimmenverteilung bei den bevorstehenden Wahlen zu machen.“ 5 Es wird die Popularität von Politikern oder deren Entscheidungen ermittelt.
1 Bechtel, Michael, Bundestagswahlen 2002, Bundeszentrale für politische Bildung, Bonn, 2002, S. 17.
2 Güllner, Manfred, forsa, Teilnahme an Seminar der FU Berlin, Institut für PuK am 13.11.02
3 Neuwirth, Erich, Statistische Methoden für Wahlanalysen und Wahlprognosen unter http://sunsite.univie.ac.at
4 Gallus, Alexander und Lühe, Marion, Öffentliche Meinung und Demoskopie, Verwaltungsdruckerei Berlin, 1998, S. 130.
5 Gallus, Alexander und Lühe, Marion, Öffentliche Meinung und Demoskopie, 1998, S. 131
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Das bekannteste Instrument der Umfrageforschung ist die sogenannte „Sonntagsfrage“. Sie ist keine Prognose, also keine Vorhersage des Wahlergebnisses. Vielmehr ist sie eine Methode, mit der Stimmungen eingefangen und zugleich langfristige Parteipräferenzen erfasst werden. Alle am Wahltag vor 18 Uhr veröffentlichten Vorhersagen zeigen nur aktuelle Stimmungen und basieren nicht auf tatsächlichem Abstimmungsverhalten. 6 Infratest-dimap beschreibt diesen Unterschied zur Prognose wie folgt: „Bitte beachten Sie, dass die hier erhobenen Daten die momentane Stimmung in der Wahlbevölkerung wiedergeben. Rückschlüsse auf ihr tatsächliches Wahlverhalten sind nur bedingt möglich, da erfahrungsgemäß bei konkreten Wahlentscheidungen die jeweiligen politischen Grundhaltungen, bzw. taktisch-strategische
Überlegungen stärker zum Tragen kommen.“ 7
Befragungsmethoden bei Umfragen sind das Telefoninterview, das persönliche Interview und die schriftliche Befragung. „Die meisten Umfragen werden heutzutage telefonisch durchgeführt.“ 8 Zu persönlichen Interviews zählen das Straßen- bzw. Passanten-Interview und das Interview in der Wohnung des Befragten. Bei der schriftlichen Befragung wird ein
Fragebogen per Post zugeschickt, dies geschieht neuerdings auch per e- mail. 9
2.1.2.2 Arten von Stimmungsbildern
Wähler möchten sich nicht durch riesige Datenmengen lesen; eine Aggregierung ist für sie verständlicher. Für den Wähler von besonderem Interesse sind solche Informationen, welche ein eindeutiges Bild von der Situation vermitteln. Besonders beliebt, sind die Ergebnisse der Sonntagsfrage. Die Sonntagsfrage ( „Wenn am nächsten Sonntag Bundestagswahl wäre, welche Partei würden Sie wählen?“) zeigt die individuelle Meinung eines Befragten, welche er durch seine persönliche Betroffenheit von Politik bekommen hat. 10
Die Sonntagsfrage besitzt in der Bevölkerung einen hohen Bekanntheitsgrad. 11 Daher ist anzunehmen, dass die Antwort „weiß nicht“ auf Unentschlossenheit zurückgeführt werden
kann und nicht etwa darauf, dass die Frage nicht verstanden wurde. 12 Die Sonntagsfrage wird häufig verknüpft mit Fragen zur Absicht überhaupt zur Wahl zu gehen. 13
Die Sonntagsfrage entspricht nicht genau der Situation am Wahltag, denn dort muss der Wähler nicht nur eine Stimme, sondern seine Erst- und seine Zweitstimme abgeben. Trotzdem hat die Sonntagsfrage mit anschließenden Gewichtungen und Anpassungen durch die Institute
6 Vortrag von forsa -Chef, Manfred Güllner, am 14.12.02.
7 http://www.infratest-dimap.de/sonntagsfrage/default.htm © Infratest dimap 1998-2002 | Letzte Änderung: 12/20/02 16:08:31
8 Brettschneider, Frank http://www.dradio.de/cgi -bin/es/neu-hintergrund/728.html 6.9.2002
9 Vortrag von forsa -Chef, Manfred Güllner, am 14.12.02.
10 vgl. Gallus, Alexander und Lühe, Marion, Öffentliche Meinung und Demoskopie, 1998, S. 128f.
11 Sie bietet besonders gute Möglichkeiten zum Vergleich der Institute, weil sie weitgehend standardisiert ist. s. Kirchgässner, Gebhard, Der
Einfluss von Meinungsumfragen auf das Wahlergebnis, in: Klingemann, Hans-D. und Kaase, Ma x (Hrsg.), Wahl und politischer Prozeß, o.
Ort, Opladen, 1986, S. 243.
12 s. Gallus, Alexander und Lühe, Marion, Öffentliche Meinung und Demoskopie, 1998, S. 104.
13 „Wenn am nächsten Sonntag Bundestagswahl wäre, würden Sie dann zur Wahl gehen? Und welche Partei würden Sie wählen?“ unter:
http://www.zdf.de/ZDFde/inhalt/0,1872,1020771,FF.html
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in der Vergangenheit gute Vorhersagen ermöglicht. 14 Durch „Exit-Polls“ werden am Wahltag indes solche Wähler befragt, die ihre Stimme bereits abgegeben haben und das Wahlbüro verlassen. 15 Hierbei gibt es keine Unentschlossene n mehr und auch Nichtwähler sind automatisch ausgeschlossen, daher wird die Vorhersage präziser. Hierzu werden 200-300 Wahllokale nach repräsentativen und praktischen Gesichtspunkten ausgewählt. Vor diesen werden Wähler, die ihre Stimme bereits abgegeben haben, um eine zweite Stimmabgabe für die Meinungsforschung gebeten und außerdem nach einigen sozialstrukturellen Daten (Alter, Geschlecht, Schulbildung, Berufsgruppenzugehörigkeit, Konfession) gefragt.
In der Vorwahlzeit stattfindende Sympathie- und Kompetenzbefragungen dienen der Ermittlung des Beliebtheitswertes und der Fähigkeit von Politikern, insbesondere der Kanzlerkandidaten. Diese beiden Größen waren im Bundestagswahlkampf 2002 von besonderer und miteinander konkurrierender Bedeutung. Sie werden durch Fragen wie bspw. „Welche Partei kann Ihrer Meinung nach am besten die momentanen wirtschaftlichen Probleme in Deutschland lösen?“ 16 ermittelt. So präsentierte sich Stoiber als kompetenter Probleme zu lösen, Schröder hingegen war den Wählern weitaus sympathischer. Insbesondere durch Umfragen nach dem ersten Kanzler-Duell erhöhte sich die Kompetenzeinstufung Stoibers durch die Befragten. 17 Unabhängig von der Frage nach der Partei werden die Bürger auch befragt, wen sie sich als zukünftigen Bundeskanzler wünschen. Bezüglich der Kanzlerpräferenz lag Schröder im Wahlkampf stets vor Stoiber. 18 Die Wähler werden aber nicht nur nach ihren eigenen Präferenzen gefragt, sondern auch dazu aufgefordert, das gesellschaftliche Klima zu beurteilen. Die Frage nach der Siegeserwartung zeigt die durch den Befragten geschätzte gesellschaftliche Meinung, welche sich dieser u.a. aus dem Gespräch mit Freunden oder durch die Medien gebildet hat. 19 „Was glauben Sie wer die nächste Bundestagswahl gewinnt?“, diese Frage bringt andere Ergebnisse als die Sonntagsfrage.
2.1.2.3 Formen der Darstellung von Umfrageergebnissen
Veröffentlichte Umfrageergebnisse zeigen Häufigkeiten von Nennungen, Durchschnittswerte, sicher herauskristallisierende Mehrheiten. Häufig geschieht dies auch unter Kontrolle einer demografischen Variable („Frauen würden ... wählen!“) und durch das Aufzeigen von Korrelation 20 Einige Daten sind jedoch darüber hinaus für die Darstellung unverzichtbar. 21 Bestimmte Angaben zur Umfrage sollten nach Ansicht von KIRCHGÄSSNER neben den Ergebnissen der Umfrage veröffentlicht werden. So würden Angaben zu der Anzahl der
14 Nach der Zweitstimme zu fragen wäre allerdings problematisch, denn die Leute kennen den Unterschied zwischen Erst- und Zweitstimme
häufig nicht: „Man könnte die Erst- und Zweitstimme als gezielte Verwirrung des Wählers verstehen.“, Ph.D. Erbring, Lutz, Vorlesung am
18.12.02. Dies sieht auch Manfred Güllner so, Vortrag von forsa-Chef, Manfred Güllner, am 14.12.02.
15 s. Gallus, Alexander und Lühe, Marion, Öffentliche Meinung und Demoskopie, 1998, S. 130.
16 unter: http://www.zdf.de/ZDFde/inhalt/0,1872,1020771,FF.html
17 Solche Befragungsergebnisse wiederum bewirken nach ihrer Veröffentlichung, dass sich einige Wähler den Aussagen anschließen, weil sie
diese als Bewertungsmaßstäbe für Kompetenz nutzen.
18 Vortrag von forsa -Chef, Manfred Güllner, am 14.12.02.
19 vgl. Gallus, Alexander und Lü he, Marion, Öffentliche Meinung und Demoskopie, 1998, S. 128ff.
20 s. Gallus, Alexander und Lühe, Marion, Öffentliche Meinung und Demoskopie, 1998, S. 97-99.
21 s. Gallus, Alexander und Lühe, Marion, Öffentliche Meinung und Demoskopie, 1998, S. 102.
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befragten Personen, dem Zeitraum der Befragung sowie dem durchführenden Institut die Möglichkeit der Manipulation einschränken. 22 Aber nicht nur um Manipulationen zu verhindern sind Zusatzangaben zweckmäßig, sondern auch wegen einer besseren Nachvollziehbarkeit und einer besseren Verständlichkeit der Umfrage.
2.1.3 Hochrechnung und amtliches Endergebnis
Das genauste Instrument zur Ermittlung der öffentlichen Meinung ist Demoskopie bei Wahlen, also die Befragung aller. Die am Wahlabend nach und nach erstellten Hochrechnungen basieren nicht mehr auf Wahlabsichten, sondern sind die Ergebnisse der
amtlichen Zählung der tatsächlich abgegebenen Stimmzettel. 23 Das amtliche Endergebnis dient als Aggregat wiederum der Gewichtung und Fehlerbehebung zukünftiger Umfragen. „Die Aggregatdatenanalyse erfasst anhand amtlicher Statistiken den Stimmenanteil, den die Parteien bei vergangenen Wahlen in einem Wahlkreis oder einer Gemeinde erzielt haben, und setzt diese Daten in Beziehung zu Angaben über die wirtschaftliche und soziale Zusammensetzung der Bevölkerung im Untersuchungsgebiet.“ 24 Hierbei kommt man ohne Befragungen aus.
2.2 Einfluss von Umfrageergebnissen
2.2.1 Manipulation durch veröffentlichte Umfrageergebnisse?
Es gibt Theorien, dass veröffentlichte Umfrageergebnisse geeignet sind, Wähler zu beeinflussen. Viel möchten sie daher verbieten. Diese Diskussion über den Einfluss von Wahlumfragen auf das Wahlverhalten wird meist nicht auf wissenschaftlichen Grundlagen ausgetragen. 25
„Das ist in gewisser Weise pharisäerhaft. Auf der einen Seite Geld auszugeben für die Durchführung von Meinungsumfragen, um die eigene Wahlkampfstrategie verbessern
zu können, und auf der anderen Seite aber zu sagen, die Wähler sollen von diesen Umfragen verschont bleiben in den letzten Wochen der Bundestagswahl, weil die ja
dadurch manipuliert werden könnten. Also man möchte da einerseits von Seiten der
Parteien die Informationen, die Demoskopie liefert, gerne verarbeiten, und auf der
anderen Seite aber Wählern diese Information vorenthalten.“ 26
Eine ausschließliche Weitergabe der Prognosen nur an Politiker wäre demokratisch nicht vereinbar, weder wegen einer Beeinflussung des Abstimmungsverhaltens, noch einer
Auswirkung auf die Wahlbeteiligung. 27 Beeinflussungen oder gar gezielte Lenkungen der Wähler durch die Umfrageergebnisse sind bisher noch nicht 28 oder nur für bestimmte
22 s. Kirchgässner, Gebhard, Der Einfluss von Meinungsumfragen, S. 246.
23 s. Gallus, Alexander und Lühe, Marion, Öffentliche Meinung und Demoskopie, 1998, S. 130f.
24 Gallus, Alexander und Lühe, Marion, Öffentliche Meinung und Demoskopie, 1998, S. 120.
25 s. Brettschneider, Frank, Der taktische und rationale Wähler. Über den Einfluss von Wahlumfragen auf das Wählerverhalten bei den
Bundestagswahlen 1983 bis 1990, in: o. Titel, o. Verlag, o. Ort, o. Jahr, S. 56.
26 o.V., http://www.dradio.de/cgi -bin/es/neu-hintergrund/728.html 6.9.2002
27 s. Kirchgässner, Gebhard, Der Einfluss von Meinungsumfragen, S. 232ff,245.
28 s. Gallus, Alexander und Lühe, Marion, Öffentliche Meinung und Demoskopie, 1998, S. 131.
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Bereiche nachgewiesen worden. 29 Den besten Schutz vor einseitiger Darstellung der Stimmungslage durch ein Institut bietet die Vielfalt von veröffentlichten Umfrageergebnissen. 30 Durch eine Befragung hat sich gezeigt, dass Personen häufiger glauben, dass andere sich von Medienkonsum und Wahlkampf beeinflussen lassen als sie selbst (Third-Person-Effekt) 31 . Eine Befragung wie sehr sie sich bei ihrer Wahlentscheidung nach Umfrageergebnissen richten konnte nicht gefunden werden. Es bestünde aber die Möglichkeit nach der Wahl zu ermitteln, wie viele Wähler sich gewünscht hätten anders gestimmt zu haben, nachdem die Wahlergebnisse bekannt gegeben waren. 32 Solche Untersuchungen werden bereits seit 1957 von LUPRI, seit 1983 von der Forschungsgruppe Wahlen und seit 1984 von DONSBACH durchgeführt. Die Forschungsgruppe Wahlen stellte Fragen zur Wahrnehmung (1990 auch Stärke der Wahrnehmung) von Umfrageergebnissen und zu deren Einfluss (1990 auch Richtung der Veränderung) auf die Wahlentscheidung . 33
Es scheint als seien Parteien weit stärker beeinflussbar durch die Ergebnisse der Meinungsforscher als die Wähler. Und so entbehrt es nicht einer gewissen Ironie, wenn Politiker zu bedenken geben, dass veröffentlichte Wahlumfragen die Willensbildung der Bürgerinnen und Bürger auf illegitime Weise beeinflussen könnten. Es gibt eine Ausnahme, das sind die so genannten taktischen Wähler, viele Wechselwähler gehören dazu, welche versuchen, den Wert ihrer Stimme zu maximieren, d.h. ihr besonders viel Gewicht zu verleihen. 34
2.2.2 Einfluss auf Wahlentscheidung
Es ist generell schwer nachzuweisen, dass sich die Wähler bei ihrer Wahlentscheidung an den Ergebnissen von Meinungsumfragen orientieren. 35 Erschwert werden Untersuchungen zudem davon, dass erwartet werden muss, dass von Umfrage zu Umfrage neue Informationen (Themen) zur Verfügung stehen, welche auch die Wahlabsichten beeinflussen können. 36
Bekannte Theorien zur Veränderung des Stimmverhaltens durch Umfrageergebnisse sind:
Ø der Mitläufereffekt oder auch Bandwagon-Effekt
Ø der Mitleidseffekt (Underdog-Effekt) besagt: „Je weniger Stimmen für die kleinere
Ø die typische Eigenheit des deutschen Wahlsystems, die 5%-Hürde, bewirkt den
29 s. 2.2.2 dieser Arbeit
30 s. Gallus, Alexander und Lühe, Marion, Öffentliche Meinung und Demoskopie, 1998, S. 131.
31 s. Davidson, W. Phillips, The Third-Person-Effect in Communication, o. Verlag, POQ 47, 1983, S. 4f..
32 s. Kirchgässner, Gebhard, Der Einfluss von Meinungsumfragen, S. 235.
33 s. Brettschneider, Frank, Der taktische und rationale Wähler. Über den Einfluss von Wahlumfragen auf das Wählerverhalten bei den
Bundestagswahlen 1983 bis 1990, in: o. Titel, o. Verlag, o. Ort, o. Jahr, S. 57 (Schaubild).
34 Brettschneider, Frank http://www.dradio.de/cgi -bin/es/neu-hintergrund/728.html 6.9.2002
35 s. Donsbach, Wolfgang, Die Rolle der Demoskopie in der Wahlkampf -Kommunikation, mimero, Universität Mainz 1983, S. 1ff.
36 s. Kirchgässner, Gebhard, Der Einfluss von Meinungsumfragen, S. 237.
37 Kirchgässner, Gebhard, Der Einfluss von Meinungsumfragen, S. 236.
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Ø 2/3-Mehrheit wg. Verfassungsändernder Mehrheit (Viele Wähler hätten 1983 nicht
Ø dynamischer Effekt im Zweiparteienmodell (Prognose --> Anpassung -->
Prognose) 43
Damit aber tatsächlich eine veränderte Handlung, also eine wahlaktbezogene Veränderung durch die Ergebnisse erzielt werden könnte, müssten diese nicht nur veröffentlicht, sondern
auch von Rezipienten wahrgenommen werden. 44 Es gibt, wenn auch teilweise unwesentliche, Unterschiede zwischen einzelnen Bevölkerungsgruppen 45 bezüglich deren Wahrnehmung von Umfrageergebnissen.
Außerdem müsste sich der Wähler daran erinnern, seine Wahlentscheidung treffen oder verändern und am Wahltag entsprechend wählen. Die Manipulation bereits in der Veröffentlichung zu sehen ist daher übertrieben.
2.2.3 Einfluss auf Wahlbeteiligung
Umfragergebnisse und andere Faktoren können nicht nur Auswirkungen auf Stimmverhalten bei einer Wahl haben, sondern auch darauf, ob die Bürger überhaupt zur Wahl gehen. Da es keine gesetzliche Pflicht zur Wahl gibt kann es von Jahr zu Jahr unterschiedliche
38 s. Kirchgässner, Gebhard, Der Einfluss von Meinungsumfragen, S. 240.
39 s. Kirchgässner, Gebhard, Der Einfluss von Meinungsumfragen, S. 240 (Schaubild).
40 s. Kirchgässner, Gebhard, Der Einfluss von Meinungsumfragen, S. 241.
41 s. Kirchgässner, Gebhard, Der Einfluss von Meinungsumfragen, S. 234.
42 s. Kirchgässner, Gebhard, Der Einfluss von Meinungsumfragen, S. 240 (Schaubild).
43 s. Kirchgässner, Gebhard, Der Einfluss von Meinungsumfragen, S. 236 (Schaubild).
44 s. Brettschneider, Frank, Der taktische und rationale Wähler. Über den Einfluss von Wahlumfragen auf das Wählerverhalten bei den
Bundestagswahlen 1983 bis 1990, S. 57.
45 nach Alter, Geschlecht, Berufsgruppenzugehörigkeit und Bildung.
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Wahlbeteiligungen geben. Dies ist ein landesspezifisches Problem, denn in Ländern mit Wahlpflicht liegt die Wahlbeteiligung bei nahezu 100%.
Weitere Faktoren (z.B. das Wetter am Wahltag) machen es schwierig, einen direkten Zusammenhang zwischen Umfrageergebnissen und der Wahlbeteiligung nachzuweisen. DONSBACH sieht jedoch eine erhöhte Wahlbeteiligung bei einem erwarteten knappen Wahlausgang als wissenschaftlich nachgewiesen. Eine Studie von ASHENFELTER und KELLEY bestätigt dies, jedoch für den umgekehrten Fall, nämlich einem Ergebnis, dass Wähler nicht zur Wahl gingen, weil der sichere Sieg eines US-Präsidentschaftskandidaten
erwartet wurde. 46 Solch ein Effekt kann mehrere Prozent betragen. Wem die erhöhte Wahlbeteiligung allerdings zugute kommt ist offen. 47
Falls Anhänger des vermeidlichen Siegers nicht zur Wahl gehen, weil sie aufgrund von Umfrageergebnissen davon ausgehen können, d ass ein Wahlsieg sicher scheint, spricht BRETTSCHNEIDER vom Lethargieeffekt. Der Defätismuseffekt kann Angehörigen der schwächeren Partei vermutet werden. Dieser wird von BRETTSCHNEIDER im Gedanken der Wähler begründet, dass die Wahlniederlage ohnehin feststehe. 48 Hierzu ist ein eindeutiges Wahlumfrageergebnis Voraussetzung. Der Defätismuseffekt soll erdrutschartige Siege zur Folge haben können.
BRETTSCHNEIDER beschreibt umgekehrt den Mobilisierungseffekt, als Ansporn zur Teilnahme an knappen Wahlen, „...weil jede einzelne Stimme ausschlaggebend sein könnte...“. Dieser Ansporn komme erst dann zum tragen, wenn das knappe Ergebnis durch entsprechende Umfragen bekannt gegeben wurde. 49 Die humorvolle Erklärung, „dass bei knappen Wahlausgängen keiner Segeln geht“ erklärt die Theorie äußerst anschaulich jedoch nicht, warum das knappe erwartete Ergebnis im Bundestagswahlkampf 2002 nicht mehr, sondern weniger Wähler an die Urnen geführt hat, als 1998.
2.2.4 Einflüsse auf Bundestagswahlkampf 2002
Wodurch ergab sich die besondere Bedeutung von Prognosen im Bundestagswahlkampf 2002? Umfragen hatten im Bundeswahlkampf 2002 einen hohen Stellenwert, weil Prognosen als sehr wichtige Information für Politiker, Wähler und Medien gelten. Diese Wahl war die erste Bundestagswahl, welche bis zuletzt nicht entschieden war. Durch den offenen Ausgang des „Rennens“ war der Bedarf an solchen Umfragen hoch. Die deutschen Medien liefen dadurch jedoch Gefahr, nicht die Themen des Wahlkampfes ins Rampenlicht zu setzen; das Kopf-an-Kopf-Rennen (Horse-Race-Journalismus). „Wer wird Kanzler?“ war die zentrale Frage. Der Wahlausgang lässt sich nicht alleine - ja, vielleicht noch nicht einmal hauptsächlich - durch die Medienberichterstattung erklären und schon gar nicht durch
46 Ashenfelter, Orley C. und Kelley, Stanley, Determinants of Partisipation in Presidential Elections, in: The Journal of Law and Economics,
18. Jg., 1975, S. 721.
47 s. Kirchgässner, Gebhard, Der Einfluss von Meinungsumfragen, S. 233.
48 s. Brettschneider, Frank, Der taktische und rationale Wähler, S. 55 und 61.
49 s. Brettschneider, Frank, Der taktische und rationale Wähler ,S. 61.
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veröffentlichte Umfrageergebnisse, dennoch soll die Rolle dieser Veröffentlichungen im Bundestagswahlkampf 2002 dargestellt werden.
Durch die Vielfalt von veröffentlichten Umfrageergebnissen im Wahlkampf 2002 konnte sich jeder Wähler ein ausreichendes Bild über die Chancen der einzelnen Parteien machen. Im diesjährigen Bundeswahlkampf lieferten die Institute einen Monat vor der Wahl noch höchst
unterschiedliche Umfrageergebnisse. 50 Anfang September, konnte die Regierung in der Wahlabsichtsfrage erstmals die Opposition überholen. 51 Auch wenn einige Wähler vielleicht am liebsten anders gestimmt hätten, nachdem die Wahlergebnisse bekannt gegeben wurden, ist dennoch zu sagen, dass ganz ohne Veröffentlichung von Umfrageergebnissen die Ungewissheit sicher noch höher gewesen wäre. 52 „Während der Großteil der Wähler sich nicht von Wahlumfragen beeinflussen lässt, werden diese von der Minderheit der sogenannten Taktischen Wähler hingegen durchaus genutzt, und dies ist vor allem für die FDP und die Grünen von Bedeutung.“ 53
Der Mobilisierungseffekt durch das Kopf-an-Kopf-Rennen bei der Bundestagswahl 2002, durch welchen angeblich die Wahlberechtigten zur Teilnahme an der Wahl angespornt werden, zeigte keinen Effekt, weil s ich die mobilisierende Wirkung der
Umfrageberichterstattung auf die Anhänger aller Parteien auswirkte. 54
50 „Deutschlands Demoskopen liefern derzeit höchst widersprüchliche Umfrageergebnisse für die Parteien und Kandidaten...“,
SpiegelOnline 27. August 2002.
51 s. Brettschneider, Frank, Die Medienwahl 2002: Themenmanagement und Berichterstattung. In: Bundeszentrale für politische Bildung
(Hrsg.), Aus Politik und Zeitgeschichte (B 49-50/2002), Bonn, 2002, S. 1ff.
52 s. Kirchgässner, Gebhard, Der Einfluss von Meinungsumfragen, S. 245.
53 Brettschneider, Frank, "Datenhexer", "moderne Orakel", "Auguren der Neuzeit": Was Journalisten über Wahlumfragen denken - und wie
Wahlumfragen auf die Wähler wirken. Pressemitteilung der Universität Augburg vom 4.8.2002 unter http://www.presse.uni -
augsburg.de/unipressedienst/2002/pm2002_087.html
54 vgl. Brettschneider, Frank, "Datenhexer"
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Arbeit zitieren:
Christian Rell, 2003, Prognosen und Ursachen im Bundestagswahlkampf 2002. Eine inhaltsanalytische Untersuchung von Ursachenzuschreibungen., München, GRIN Verlag GmbH
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