Autor: Jan Schmitt
FACHHOCHSCHULE ASCHAFFENBURG
FACHBEREICH BETRIEBSWIRTSCHAFTSLEHRE
WÜRZBURGER STRASSE 45
D-63743 ASCHAFFENBURG
Inhaltsverzeichnis
BILDVERZEICHNIS V
TABELLENVERZEICHNIS VI
1 GLOBALISIERUNG IM KONTEXT DER ZEIT 1
2 DEFINITION, MESSUNG UND URSACHEN DER
GLOBALISIERUNG 3
2.1 Die Begriffe „grenzüberschreitender Handel“,
„Internationalisierung“ und „Globalisierung“ 3
2.2 Ursachen und Ausmaße der Globalisierung, dargestellt
anhand verschiedener Kenngrößen 7
2.2.1 Entwicklung des Welthandelsvolumens 8
2.2.2 Die Rolle internationaler Direktinvestitionen im
Rahmen zunehmender Globalisierung 19
2.2.3 Entwicklung des internationalen Portfolio- und
Kreditverkehrs 22
3 AUSWIRKUNGEN DER GLOBALISIERUNG 28
3.1 Auswirkungen des internationalen Handels 28
3.2 Vor- und Nachteile von Direktinvestitionen 39
3.3 Auswirkungen internationaler Kapitalströme 51
Inhaltsverzeichnis - Seite IV
4 ABSCHLIEßENDE ZUSAMMENFASSUNG, FAZIT UND
AUSBLICK 60
5 LITERATUR- UND QUELLENVERZEICHNIS 62
Bildverzeichnis
Abb. 1: Die Karriere des Wortes „Globalisierung“
Abb. 2: Weltweiter Export von Gütern und Dienstleistungen seit 1980
Abb. 3: Offizieller Themenkatalog der Runde von Uruguay (1986-1994)
Abb. 4: Weltweite Zuflüsse von Direktinvestitionen seit 1970
Abb. 5: Deutschlands Abflüsse und Zuflüsse an Direktinvestitionen
Abb. 6: Nettokapitalflüsse in aufstrebende Volkswirtschaften
Abb. 7: Regionale Verteilung arbeitender Kinder in der Welt
Abb. 8: Motive deutscher Unternehmen für Produktionsverlagerungen
ins Ausland
Abb. 9: Entwicklung des nominalen Körperschaftsteuersatzes im
internationalen Vergleich
Abb. 10: Entwicklung des Unternehmensteuersatzes im internationalen
Vergleich
Tabellenverzeichnis
Tab. 1: Globalisierungskonzepte 6 Tab. 2: Dynamik der weltweiten Finanzmärkte 1990 bis 2000 26 Tab. 3: Zwölf Schlüsselstandards für solide Finanzsysteme 59
1 Globalisierung im Kontext der Zeit
Dezember 1999:
In Seattle, an der Westküste der USA, treffen sich rund 50.000 Globalisierungsgegner, um gegen ein Treffen der
Welthandelsorganisation WTO zu protestieren. Dabei bleibt es nicht bei friedlichen Demonstrationen. Fenster werden eingeworfen und Mülltonnen in Brand gesetzt, es gibt etliche Verletzte. Nach schweren Ausschreitungen wird über die Stadt schließlich der Ausnahmezustand verhängt. In den Augen der Demonstranten gelten die Weltbank, der internationale Währungsfonds IWF und die WTO als Verhinderer einer gerechten Weltordnung.
September 2000:
Auf der gemeinsamen Jahrestagung des IWF und der Weltbank in Prag gibt es schwere Zusammenstöße zwischen den ca. 9.000 Demonstranten und der Polizei. Auch in Prag waren zahlreiche Festnahmen waren zu verzeichnen.
Juli 2001:
In Genua findet dieses Jahr der jährlich wiederkehrende G8-Gipfel statt, auf dem sich die Regierungschefs der acht mächtigsten Staaten der Welt treffen, um Themen mit globaler Reichweite zu diskutieren. In den bis dato größten Protesten der Anti-Globalisierungsbewegung beteiligen sich hunderttausende an den Aktionen gegen das Treffen der G8. Auch hier wird von scharfen Auseinandersetzungen von Randalierern mit der Polizei berichtet. Während der Proteste wird der italienische Aktivist und Globalisierungsgegner Carlo Giuliani von der energisch einschreitenden Polizei erschossen.
Juli 2003:
Nachdem der letztjährige G8-Gipfel im weiträumig abgesperrten und durch Polizei und Militär geschützten kanadischen Provinzstädtchen Kananaskis ruhig verlaufen ist, versammeln sich im Jahr darauf wieder rund 100.000 Demonstranten in Genf, um gegen das Treffen der mächtigen Acht im französischen Evian zu protestieren. Evian selber gleicht in diesen Tagen einer militärischen Festung, einzelne
Zwischenfälle und Zusammenstöße zwischen Polizei und Demonstranten bleiben dennoch nicht aus.
Das Schlagwort der „Globalisierung“ ist derzeit kaum mehr aus den täglichen Nachrichten in der Medienlandschaft wegzudenken. Kaum ein anderes Thema fand in den vergangenen Jahren eine dermaßen große Beachtung wie dieses. Gerade während der jährlich stattfindenden G8-Gipfel und den mittlerweile regelmäßig parallel verlaufenden Großdemonstrationen, wird die Brisanz und Aktualität dieses Themas deutlich. Globalisierungsgegner stellen herausfordernd die Frage, ob acht Regierungschefs die Legitimität besitzen, Entscheidungen globalen Ausmaßes zu treffen und somit in das Leben von Milliarden von Menschen einzugreifen. Diese Auffassung unterstreicht auch ein gern verwendeter Slogan der G8-Protestbewegungen: „Ihr seid acht, wir sind acht Milliarden.“
Die Globalisierungsdebatte ist also in vollem Gange. Egal ob von Vertretern aus Wirtschaft, Politik, gesellschaftlichen Vereinigungen oder Interessensgemeinschaften - eine unüberschaubare Zahl von Personen und Wissenschaftlern hat das Thema bereits in Tages- und Fachpresse angegangen, kommentiert und kritisch beurteilt. Dabei werden die Chancen und Risiken der Globalisierung nicht selten äußerst unterschiedlich bewertet. So begrüßen z. B. liberal ausgerichtete Gruppen eine weltweite Gesellschaft mit möglichst geringen wirtschaftlichen Grenzen. Andere Gruppen sehen darin die nationale Wirtschaft und Politik gefährdet, nicht zuletzt auch auf Kosten von Arbeitnehmern und der Ökologie. In der Frage, ob denn nun die Vor- oder die Nachteile überwiegen, entstehen demzufolge ebenso viele gegensätzliche Standpunkte und Auffassungen. Die Komplexität des Themas und die vielschichtigen, oftmals nur schwer erfassbaren und messbaren Auswirkungen auf verschiedene Lebensbereiche, machen eine Beurteilung unter Beachtung aller Interessen nur schwer möglich. Eine objektive Meinungsbildung erfordert deshalb übergreifende Betrachtungen und differenzierte Analysen verschiedener Ansichten.
Im Rahmen dieser Arbeit sollen gängige Thesen, sowohl von Befürwortern als auch von Gegnern der Globalisierung, aufgegriffen, analysiert und kritisch beurteilt werden. Zunächst wird versucht, die zunehmend international ausgerichteten Geld- und Handelsbewegungen anhand wirtschaftlicher Zahlen zu belegen und durch statistische Aufbereitung zu veranschaulichen. Mit Hilfe dessen sollen die Ursachen und die Konsequenzen dieser anhaltenden Entwicklung aus verschiedenen Blickwinkeln beleuchtet und diskutiert werden. Dies geschieht auf Grundlage von Recherchen und Auswertungen vertrauenswürdiger Daten und verschiedenen Auffassungen aus anerkanntem, fachspezifischem Schriftgut und Literatur.
2 Definition, Messung und Ursachen der
Globalisierung
2.1
Die Begriffe „grenzüberschreitender Handel“,
„Internationalisierung“ und „Globalisierung“
Häufig werden die Begriffe des „grenzüberschreitenden Handels“, der „Internationalisierung“ und der „Globalisierung“ weniger strikt getrennt und in Literatur und Fachpresse mehr oder weniger simultan verwendet. Dennoch soll an dieser Stelle zunächst versucht werden, eine Abgrenzung dieser Begriffe vorzunehmen, um den Begriff der Globalisierung näher umreisen zu können.
Grenzüberschreitender Handel liegt dann vor, wenn Güter oder Dienstleistungen aus dem Inland über die nationalen Grenzen hinweg ins Ausland exportiert oder im umgekehrten Falle aus dem Ausland importiert werden. Dies beinhaltet nicht ausschließlich den Handel zwischen benachbarten Nationen, sondern auch zwischen mehreren weltweit agierenden Ländern als Handelspartner. Der Schritt zum Zustand bzw. Prozess der Internationalisierung vollzieht sich nach Steger durch die Zunahme der weltwirtschaftlichen Verflechtung und mit der wachsenden Integration durch den internationalen Handel. Darunter ist nicht nur der Handel mit Gütern zu verstehen, sondern vielmehr sämtliche Bewegungen von Arbeit, Kapital und Know-how. 1
Die Gruppe von Lissabon unterscheidet die Internationalisierung nochmals von der Multinationalisierung. Die Internationalisierung begründet sich demnach aus dem zunehmenden Austausch von Waren und Dienstleistungen zwischen Ländern, welche keineswegs erst eine Erscheinung der letzten Jahre ist. Schon seit Jahrtausenden findet dagegen ein Austausch zwischen Staaten statt, lediglich Änderungen in Form und Grad der Internationalisierung sind zu verzeichnen. Neue
1 Vgl. Steger, S. 6.
2 Definition, Messung und Ursachen der Globalisierung - Seite 4
(koloniale) Großmächte entstanden, gleichzeitig aber wandelten sich auch die Interessen und Strategien der Staaten. Während die Internationalisierung durch die einzelnen Nationen und den Wettbewerb zwischen den Unternehmen vorangetrieben wird, sind es bei der Multinationalisierung auch soziale Akteure (z. B. Universitäten), Institutionen oder Systeme (z. B. Erziehungswesen), die sich in anderen nationalen Umständen zu etablieren versuchen. Hier spielen vor allem der Transfer und die Verlagerung von Ressourcen, besonders des Kapitals, sowie die Verlegung und Ausweitung von Produktionskapazitäten die entscheidenden Rollen. In diesem Zusammenhang fühlen sich nationale Regierungen oftmals zur Ergreifung protektionistischer Maßnahmen gezwungen, während gleichzeitig Unternehmen des eigenen Landes zur Durchsetzung einer effektiven und dauerhaften Multinationalisierung unterstützt werden. 2
Eine abstraktere Möglichkeit, das Wesen der Internationalisierung darzustellen, ist die Betrachtung derer aus zwei Perspektiven heraus, wie sie Kutschker vornimmt. Zum einen betrachtet er sie als ein Instrument der Unternehmensentwicklung, mit dessen Hilfe das Management eines Unternehmens versucht, seine gesteckten Ziele zu erreichen. Dieser Prozess, in dessen Verlauf das Unternehmen beispielsweise neue Auslandsmärkte betritt oder seine Standorte verlagert, kann entweder kontinuierlich und schrittweise verlaufen, sich schubweise vollziehen oder in eine langfristig angelegte Unternehmenspolitik eingebettet sein. Je nach Fall spricht Kutschker hier von einer evolutorischen, episodenhaften oder epochalen Internationalisierung. Die zweite Sichtweise beschreibt die Internationalisierung als eine Führungskonzeption oder Leitmaxime, an der ein Unternehmen alle unternehmerischen Entscheidungen ausrichtet. Dabei werden sowohl strategische Programme zur Erhöhung der internationalen Präsenz beeinflusst, als auch andere Bereiche der Unternehmensentwicklung. In Management-Development-Programmen etwa, können internationale Manager entdeckt werden oder EDV-Strukturen werden so gestaltet, daß eine bestmögliche Koordination zwischen Mutter- und Tochtergesellschaften gewährleistet wird. Für jede dieser beiden Sichtweisen gilt, daß auch die Beherrschung der Dynamik der Internationalisierung und der Unternehmensevolution unter die Managementaufgabe fällt und diese gleichzeitig in Abhängigkeit von dem bereits erreichten Internationalisierungsgrad unterschiedlich zu definieren ist. Handlungsoptionen und Führungsaufgaben in schwach
internationalisierten Unternehmen unterscheiden sich demnach von denen in stark internationalisierten Unternehmen. 3
2 Vgl. Gruppe von Lissabon, S. 44ff.
3 Vgl. Kutschker, S. 47f.
2 Definition, Messung und Ursachen der Globalisierung - Seite 5
Der Begriff der Globalisierung wurde nach Meinung vieler Autoren mit Beginn des Trends zur wachsenden Internationalisierung und vor allem während der letzten beiden Jahrzehnte geprägt. Eine Untersuchung der Enquete-Kommission des Deutschen Bundestags belegt, daß der Begriff gar erst mit Beginn der 90er Jahre medienwirksam geworden ist. So wurden die Nennungen des Wortes „Globalisierung“ in der Frankfurter Allgemeinen Zeitung registriert und grafisch dargestellt (siehe Abb. 1). Während 1993 das Wort lediglich 34 mal fiel, waren es 2001 bereits 1.136 Nennungen.
4 Abb. 1: Die Karriere des Wortes „Globalisierung“
Die Globalisierung kann aus zwei Sichtweisen betrachtet werden. Aus betriebswirtschaftlicher Sicht beschreibt sie das weltorientierte Verhalten einer Unternehmung auf Absatz- oder Beschaffungsmärkten, während die gesamtwirtschaftliche Sichtweise auf ökonomische Folgen abzielt und sich auf politische Standpunkte ausweiten lässt. 5 Die Globalisierung spiegelt sich dabei nicht nur in der Entwicklung von monetären Größen, wie den Auslandsinvestitionen oder Importen und Exporten eines Landes wieder, sie tritt dagegen eher in vielfältigen Erscheinungsformen zu Tage. Häufig werden diese auch als „Ebenen“ oder „Dimensionen“ der Globalisierung bezeichnet. Darunter versteht man die unterschiedlichen Lebensbereiche, in denen sich tatsächlich stattfindende Prozesse der
4 Quelle: Enquete-Kommission (2002): Globalisierung der Weltwirtschaft -
Herausforderungen und Antworten, S.49.
5 Vgl. Bea, S. 419.
2 Definition, Messung und Ursachen der Globalisierung - Seite 6
Globalisierung nachweisen lassen. Die Gruppe von Lissabon unterteilt in sieben Konzepte (siehe Tab. 1).
6 Tab. 1: Globalisierungskonzepte
Uneinigkeit herrscht dagegen oftmals bei der Unterscheidung der Schlagworte „Globalisierung“ und „Internationalisierung“. Müller/ Kornmeier bestätigen eine mehr oder weniger synchrone Verwendung der beiden Begriffe, versuchen die Globalisierung jedoch als einen Endzustand der Internationalisierung einzuordnen. 7
In der Fachliteratur werden auch häufig Begriffe wie „Liberalisierung“ und „Protektionismus“ oder „Privatisierung“ und „Deregulierung“ in engem
6 Quelle: Gruppe von Lissabon (1998): Grenzen des Wettbewerbs, beruhend auf
Ruigrok, W. und Van Tulder, R., S. 49.
7 Vgl. Müller/Kornmeier, S. VII
2 Definition, Messung und Ursachen der Globalisierung - Seite 7
Zusammenhang zueinander behandelt. Im Zuge weltweiter Liberalisierung während der letzten 20 Jahre verbesserten sich z. B. Transporttechnologien und vor allem Informations-und
Kommunikationstechniken schlagartig. Protektionismus-Bestrebungen finden dagegen im gleichen Zeitraum immer weniger Beachtung. Die zunehmende Privatisierung wichtiger Sektoren seit Beginn der 70er Jahre stellte einen weiteren Motor der Globalisierung dar. Zum einen ermöglichen private Marktkräfte eine bestmögliche Allokation vorhandener Ressourcen zwischen Produzent und Verbraucher, zum anderen mobilisiert private Finanzierung und Investition die Fähigkeiten und Initiative der Menschen am besten. Die gleichzeitige Deregulierung bedeutet, daß die Rolle des Staates im Wirtschaftsleben kleiner wird und Staatsmonopole oder staatliche Eingriffe begrenzt werden. 8 All diese Kräfte tragen zu einer anhaltenden Globalisierungsentwicklung bei. Im folgenden Kapitel sollen daher Ursachen und Antriebskräfte näher untersucht werden.
2.2
Ursachen und Ausmaße der Globalisierung, dargestellt
anhand verschiedener Kenngrößen
Globalisierungsbewegungen sind durchaus nicht erst ein Phänomen der letzten Jahre. Bereits die römisch dominierte Antike oder die Hanse des Mittelalters stellten Systeme dar, welche die internationale Zusammenarbeit vorantreiben sollten. Neu scheinen allerdings die Ausmaße der Globalisierung zu sein, die zum ersten mal wirklich als weltumspannend bezeichnet werden kann. Bea unterteilt in vier Arten von Ursachen, die globale Entfaltung begünstigen. Neben wirtschaftlichen Aspekten treiben auch politische, technische und gesellschaftliche Umstände die Entwicklung der letzten Jahre an. 9 Diese Felder sollten jedoch keinesfalls isoliert oder als unabhängig voneinander betrachtet werden. Wie die folgenden Ausführungen belegen, stehen vielmehr die Wechselbeziehungen zwischen den einzelnen Bereichen im Vordergrund. Veränderungen in den Größenordnungen einiger wirtschaftlicher Kennzahlen und Indizes lassen zudem Trends zur Globalisierung belegen und mittels statistischer Aufbereitung veranschaulichen. Dazu gehört die Entwicklung des weltweiten Handels sowie der grenzüberschreitenden Investitionen und Finanzströme. Zudem lassen Vergleiche zwischen Europa und Amerika oder anderen Erdteilen, Rückschlüsse auf bestehende Strukturen oder vergangene Strukturveränderungen zu.
8 Vgl. Gruppe von Lissabon, S. 63ff.
9 Vgl. Bea, S. 419.
2 Definition, Messung und Ursachen der Globalisierung - Seite 8
2.2.1
Entwicklung des Welthandelsvolumens
Das Welthandelsvolumen beinhaltet alle Exporte und Importe von Gütern oder Dienstleistungen sämtlicher Nationen der Welt. Bereits in der Vergangenheit gab es zeitliche Epochen, die - zum Teil durch politische, zum Teil durch wirtschaftliche Entwicklungen motiviert - eine zunehmende Internationalisierung von Unternehmen begünstigten und somit die Globalisierung der Wirtschaft hervorbrachten. In einem historischen Rückblick ist zu beobachten, daß bereits in früherer Zeit ganze Völker oder Bevölkerungsgruppen entstanden, die es verstanden, den internationalen Handel zu ihren Vorteilen zu nutzen und sich durch materiellen Reichtum von anderen absetzten. Auch wirtschaftliche und politische Interessensgemeinschaften, wie z. B. heute die EU oder die WTO, sind durchaus keine Erfindung der letzten Jahrzehnte. Bereits vor mehreren hundert Jahren bildeten sich Zusammenschlüsse von Händlern, die untereinander einen grenzüberschreitendenden Austausch von Waren betrieben.
Erste Ansätze internationaler Unternehmenstätigkeit sieht Dülfer bereits in Zeiten der Antike, wo erste Handelsbeziehungen mittels Wägen oder Seefahrt aufgebaut wurden. Später, in der kulturgeschichtlichen Epoche des Hellenismus, wurde durch die Schaffung einer neuen Silberwährung ein einheitlicher Weltwirtschaftsraum hergestellt. Im frühen Mittelalter entwickelten sich nach der arabischen Handelspraxis bereits Finanzierungsmodelle für grenzüberschreitenden Karawanenhandel, deren Grundsätze auch noch heute im islamischen Bereich Anwendung finden. Eine herausragende wirtschaftliche Aktivität mit
grenzüberschreitendem und interkulturellem Charakter entwickelten später die Mauren, die sowohl Künstler als auch Handwerker aus anderen Ländern beschäftigten. Mit Beginn des 12. Jahrhunderts entwickelten schließlich norddeutsche, holländische und russische Kaufleute mit der Hanse ein
Unternehmensnetzwerk, grenzüberschreitende und gewinnbringende Handel war. Durch politische Vereinbarungen und vertragliche Regelungen wurde dieses Netzwerk durch eine Vielzahl von Mitgliedsstädten erweitert, wodurch neue Handelsräume erschlossen wurden. Die Phase der Renaissance war durch den Handel italienischer Küstenstädte mit dem Orient geprägt, wodurch sich bald auch nördlich der Alpen das Patriziertum bildete - ein durch wirtschaftliche Kontakte herausgebildeter Geld- und Finanzadel. 10
Das frühe Kolonialzeitalter führte wiederum über den Handel der großen Seefahrer-Nationen zu einem Höhepunkt der internationalen
10 Vgl. Dülfer, S. 73ff.
Arbeit zitieren:
Jan Schmitt, 2004, Die Globalisierungsdebatte - Vor- und Nachteile der Globalisierung, München, GRIN Verlag GmbH
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