Inhaltsverzeichnis:
3
Vorwort
I Das Leben Goethes und das Leben Klopstocks
4
Gemeinsamkeiten und Unterschiede
I 1 Johann Wolfgang von Goethe 4
I 2 Friedrich Gottlieb Klopstock 7
I 3 Unterschiede und Gemeinsamkeiten der beiden Dichter 8
II Sturm und Drang: Die Epoche des Protests
11
II 1 Beginn des Sturm und Drang
11
II 2 Die Protestbewegung
11
II 3 Literatur dieser Epoche
11
II 4 Der Begriff des Genies und die Subjektivität
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II 5 Themen der Stürmer und Dränger
13
II 6 Sturm und Drang und die Aufklärung
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Gedichtvergleich: F G Klopstock Die Allgegenwart Gottes
III
und J W Goethe Prometheus
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III 1 Friedrich Gottlieb Klopstock: Die Allgegenwart Gottes
15
III 2 Johann Wolfgang von Goethe: Prometheus
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III 3 Vergleich der Gottesbilder der beiden Gedichte
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III 4 Einordnung des Prometheus in den Sturm und Drang
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Literaturverzeichnis
Anhang: „Die Allgegenwart Gottes von F G Klopstock
und Prometheus von J W v Goethe
Vorwort
„Das Gedicht ist ein Stück neuer Wirklichkeit wie ein Klavierstück oder eine Skulptur. Das Gedicht ist ein Bildwerk aus Sprache, das man auf sich wirken lassen muss. Vielleicht wird man dann staunen und berührt, ergriffen, beglückt oder erschüttert sein.“ 1 So lautet die Antwort des zeitgenössischen Dichters, Reiner Kunze, auf die Frage wie ein Gedicht zu lesen sei. Ich finde seine Ansicht sehr treffend. In der heutigen Zeit wird Lyrik nur noch sehr selten gelesen. Schülern ist das „Gedichte interpretieren“ in der Schule eher Last als Lust. Viele wissen nicht, wie viel hinter ein paar Versen stecken kann. Diese Vielschichtigkeit der Lyrik ist für mich faszinierend, so dass ich in dieser Hausarbeit zwei Gedichte zweier großer Schriftsteller interpretieren werde. Johann Wolfgang von Goethe und Friedrich Gottlieb Klopstock. Sie haben auf ihre Weise mit ihren Gedichten ihre Wirklichkeit dargestellt und ihre Zeit damit verändert.
Im ersten Teil meiner Arbeit stelle ich den Lebenslauf der beiden Dichter kurz vor, und vergleiche sie.
Der zweite Teil zeigt die Kerngedanken und Ideen einer Epoche, die Goethe mitbegründet hat, den Sturm und Drang.
Der letzte Teil beinhaltet die Interpretation der Gedichte „Die Allgegenwart Gottes“ von Klopstock und „Prometheus“ von Goethe. Ich werde ihr Gottesbild in diesen Texten analysieren.
1 Kunze, Reiner: Ein gutes Gedicht verändert die Welt. Aus: Deutsche Sprachwelt. Hrsg. V.
Verein für Sprachpflege e.V. Ausgabe 16, 20.Juni 2004. S. 9.
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I. Das Leben Goethes und das Leben Klopstocks.
Gemeinsamkeiten und Unterschiede
In diesem ersten Teil zeichne ich zunächst das Leben von Goethe und danach das Klopstocks nach. Im Anschluss daran werde ich das Leben der beiden Dichter auf Gemeinsamkeiten und Unterschiede untersuchen. Da das Leben der Dichter nicht der Mittelpunkt meiner Hausarbeit ist, beschränke ich mich auf die wichtigsten Aspekte in den Lebensläufen. Eine genaue und ausführliche Darstellung würde den Rahmen sprengen und nicht dem Ziel meiner Arbeit dienen.
I.1 Johann Wolfgang von Goethe 2
Johann Wolfgang von Goethe wurde am 28. August 1749 in der freien Reichsstadt Frankfurt geboren. Seine Mutter, Katharina Elisabeth, war eine gutmütige und fleißige Frau, die oft den Jähzorn und Eigensinn Goethes Vater kompensieren musste. Johann Casper Goethe war Handwerker und verfügte über ein großes Wissen der europäischen Literatur. Johann Wolfgang brachte er schon früh juristische Studien nah. Deshalb bestand er darauf, dass sein Sohn Jura in Leipzig studierte, anstatt klassischer Philologie und Poetik in Göttingen, wie es Johann Wolfgangs Wunsch war.
1765 ging Goethe nach Leipzig um dort sein Jura-Studium aufzunehmen. Drei Jahre später kehrte er aufgrund schwerer seelischer und körperlicher Beschwerden nach Frankfurt zurück. Hier begann er vielseitige klassische und moderne Werke zu lesen. Pietistische und mystisch-naturphilosophische Einflüsse inspirierten ihn. 1770 setzte der Student Goethe seine Studien in Straßburg fort und legte die Lizentiatenprüfung ab. 3 In dieser Stadt lernte er Johann Gottfried Herder kennen. Der ostpreußische Theologe übte den bedeutendsten Einfluss auf Goethes zukünftiges Denken aus. Durch historische und religiöse Impulse zeigte er ihm neue, kritische Perspektiven auf. Er begeisterte Goethe für Homer, Shakespeare, Pindar, gotische Baukunst und das Volkslied. Dichtung als Welt- und Völkergabe, das Originalgenie, göttliche Allgegenwart in der Natur, das sind nur einige Schlagworte Herders, die Goethe beeindruckten.
2 Den Lebenslauf J.W.v. Goethes referiere ich, wenn keine andere Anmerkung gemacht wird, nach: Lange, Victor: Johann Wolfgang Goethe. In: Deutsche Dichter. Leben und Werk deutschsprachiger Autoren. Hrsg. V. Gunter E. Grimm und Frank Rainer Max. Band 4. Philipp Reclam jun. GmbH. Stuttgart, 1989. S. 106 – 157.
3 Vgl. Bertelsmann Universallexikon auf CD-ROM. Art. Goethe. 1997.
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In dieser Zeit schrieb der junge Dichter seine Rede „Zum Shakespeare-Tag“, die Urfassung des „Faust“ und „Götz von Berlichingen“. Er verliebte sich in Frederike Brion. Sie inspirierte ihn zu neuen Gedichten (z.B. „Willkommen und Abschied“ oder „Maifest“), welche als Sesenheimer Lieder bekannt wurden. 4 Goethe wurde zum führenden Dichter des Sturm und Drang.
Mitte 1771 kehrte er zurück nach Frankfurt um sich auf den Beruf als Anwalt vorzubereiten. Während seiner Praktikantenzeit am Reichskammergericht in Wetzlar (1772) 5 , lernte Goethe Charlotte Buff kennen und leidenschaftlich lieben. Es entstand sein Briefroman „Die Leiden des jungen Werther“ (1774), der ihm den internationalen Durchbruch verschaffte.
1775 verlobte sich der Schriftsteller mit Lili Schönemann. Diese Verlobung hielt allerdings nur einige Monate. Im gleichen Jahr ging er auf Einladung des Herzogs Carl August nach Weimar. Im Dienst des herzoglichen Hofes gewann Goethe immer mehr Einfluss auf den Fürsten. 1776 wurde er Geheimer Rat, sechs Jahre später erhielt er den Adelstitel. 6 Weimar, mit seiner wenig gebildeten Bevölkerung, und die beruflichen Verpflichtungen beengten Goethe. Allein mit Charlotte von Stein konnte er aus seiner beschränkten Welt fliehen: Mit ihr las es Homer und Shakespeare. Unter ihrem Einfluss entstanden die oft melancholischen klingenden Gedichte, wie „Der Fischer“(1778) oder „Grenzen der Menschheit“(1781).
Verwaltungsaufgaben mehrten Goethes Verantwortung. Damit wuchs seine Selbstdisziplin: 7 Er war Fürstenerzieher, Staatsrat und Minister. Er interessierte sich für die vielseitige Ausbildung seines Wissens und seiner Fähigkeiten. 8 Sein besonderes Interesse galt naturwissenschaftlichen Phänomenen.
1786 reiste Goethe heimlich nach Italien: Er konnte die Enge der Stadt und seine Aufgaben nicht länger ertragen. Spannung in der Beziehung zu Charlotte und dem Herzog gaben den Anstoß zur „Flucht“. Er wollte sich von seinen physischen und moralischen Leiden heilen und seinen Durst nach Kunst stillen. In Italien beendete Goethe den „Egmont“, arbeitete die Prosafassung der „Iphigenie“ in Blankverse
4 Vgl. Ebd.
5 Vgl. Wilpert, Gero von: Deutsches Dichterlexikon. Art.: Goethe. Alfred Kröner Verlag. Stuttgart, 1988. S. 255f.
6 Vgl. Ebd.
7 Vgl. Ebd.
8 Vgl. Ebd.
5
um und entwarf die „Römischen Elegien“. Er studierte die südliche Kunst und dortige Fauna. Die italienische Reise kann man als Beginn der klassischen Epoche bezeichnen.
1788 kehrte der Schriftsteller wieder nach Weimar zurück. Dort lernte er Christiane Vulpius kennen, die er 1806 heiratete. Aus dieser Ehe ging Goethes einziger Sohn August hervor. Er verfasste das Werk „Metamorphose der Pflanzen“ und begann die „Farbenlehre“. Viele Reisen und die Revolution in Frankreich brachten Goethe so viel Aufregung, dass er sich in die Einsamkeit zurückzog. Erst die Freundschaft zu Schiller (1794) inspirierte ihn zu neuer Arbeit an „Faust“ und „Wilhelm Meister“. Schiller half ihm aus der Isolation heraus und führte ihn ins gesellschaftliche Leben zurück.
1796 schließt Goethe „Wilhelm Meister“, begleitet von der Kritik seines Freundes, ab. Bald danach verfasste er die Elegien „Alexis und Dora“ (1796) und „Hermann und Dorothea“(1797). Sein Hauptaugenmerk lag allerdings auf der Arbeit am „Faust“, dessen ersten Teil er 1806 vollendete. Die Arbeit an diesem Werk beschäftigte ihn 30 Jahre lang, bis er schließlich 1833 „Faust II“ abschloss. In den Jahren 1791 bis 1817 war Goethe begeisterter Leiter des Hoftheaters. Seine Inszenierungen erreichten ein in ganz Deutschland beispielhaftes Niveau. Von 1804 bis 1807 rezensierte er Texte für eine literatur-politisch einflussreiche Zeitschrift.
1805 erkrankte Goethe zum wiederholten Male schwer: er litt an Brustfieber und Nierenstörungen. Trotzdem schloss er das Sammelwerk „Winckelmann und sein Jahrhundert“ ab. Am 9. Mai dieses Jahres starb Goethes Freund Schiller. Das Ereignis traf ihn schwer, denn kein anderer, nach Herder, hatte ihn in seinem Denken derart beeinflusst.
1810/1811 begann Goethe mit den Vorarbeiten für seine Autobiografie „Dichtung und Wahrheit“. Durch seine Missstimmung über die kulturellen und politischen Spannungen entstanden die Gedichte des west-östlich Divan (1814-19). 1816 stirbt Christiane Vulpius. Goethes Sohn kommt im August 1830 in Rom um. Am 22.3.1832 stirbt Johann Wolfgang von Goethe in Weimar. Seine Lebensrückschau “Dichtung und Wahrheit” schloss er ein Jahr zuvor ab. Goethes Leben war gezeichnet von hoher schöpferischer Leistung, bürgerlichen Wertvorstellungen und verantwortungsbewusster Arbeit. Er glaubte an die
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universale Ordnung der Natur und stellte letzte Fragen nach Sinn und Schöpfer. Er hat noch heute starken Einfluss auf die europäische Literatur und Geistesgeschichte.
I.2 Friedrich Gottlieb Klopstock
Friedrich Gottlieb Klopstock wurde am 2. Juli 1724 in Quedlinburg geboren. Der Sohn von Anna Maria und Gottlieb Heinrich Klopstock, Stiftsadvokat und Kommissionsrat, besuchte das Gymnasium und genoss eine christliche Erziehung. 9 Nach dem Besuch der Landesschule Pforta (1739-1745) studierte er in Jena und Leipzig Theologie. 1748 veröffentlichte er in der studentischen Zeitschrift „Neue Beyträge zum Vergnügen des Verstandes und des Witzes“ die ersten drei Gesänge seines „Messias“. Dies war der Beginn seines Ruhmes. Daraufhin beschloß er den Dichterberuf zu ergreifen. 10 Im gleichen Jahr stellten ihn Verwandte als Hauslehrer ein. Dort verliebte er sich unglücklich in seine Kusine Maria Sophia Schmidt (in seinen Oden oft als „Fanny“ besungen). 1750 reiste Klopstock auf Einladung des Literaturtheoretikers Bodmer nach Zürich. Da der lebensfrohe Dichter aber den asketischen Ansichten Bodmers nicht entsprach, ging er durch die Vermittlung von Graf Bernstorff ein Jahr später nach Dänemark an den königlichen Hof. In Kopenhagen erhielt er ein Gehalt für die Fertigstellung des „Messias“. 11 1754 heiratete Klopstock die Kaufmannstochter Margareta Moller, die auch literarisch tätig war. Sie starb vier Jahre später. 12 1770 starb der dänische König Friedrich V. und der Dichter ging mit Graf Bernstorff nach Hamburg. In dieser Stadt hatte Klopstock einen großen Freundeskreis und war sehr berühmt. Er machte Bekanntschaften u.a. mit Lavater, Herder, Humboldt oder Lord Nelson. Im selben Jahr traf er in Frankfurt auf den jungen Goethe. 13
9 Vgl. Wilpert, Gero von: Deutsches Dichterlexikon. Art.: Klopstock. Alfred Kröner Verlag. Stuttgart, 1988. S. 437.
10 Vgl. Hurlebusch, Klaus: Friedrich Gottlieb Klopstock. In: Deutsche Dichter. Leben und Werk deutschsprachiger Autoren. Hrsg. V. Gunter E. Grimm und Frank Rainer Max. Band 4. Philipp Reclam jun. GmbH. Stuttgart, 1988. S. 150.
11 Vgl. ebd. S. 152.
12 Vgl. ebd.
13 Vgl. ebd.
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1791 heiratete Klopstock Elisabeth von Winthem, die Nichte seiner toten Frau. Ein Jahr später wurde er Ehrenbürger der französischen Republik. 14 Am 4. März 1803 starb Klopstock in Hamburg.
25 Jahre dauerte die Fertigstellung von Klopstocks berühmtestem Werk
„Messias“. Es erschien 1773 und wurde mehrmals überarbeitet. 15 Klopstock schrieb viele Aufsätze zur Morallehre und Dichtungstheorie, außerdem drei biblische und drei vaterländische Dramen. 16 Sein Lebensziel war die Glückseligkeit, welches er am ehesten durch die Liebe zu Margareta Moller erreichte. Er liebte sportliche Aktivitäten, wie z.B. Eislaufen, und Spiele. Kinder, Jugendliche und Frauen zählte er zu seinen Freunden. 17
I.3 Unterschiede und Gemeinsamkeiten der beiden Dichter
Nicht nur die 25 Jahre Altersunterschied kennzeichnen die Differenzen von Johann Wolfgang von Goethe und Friedrich Gottlieb Klopstock. Im Gegensatz zu Klopstock erscheint Goethes Leben sehr abwechslungsreich und turbulent: Er konzentrierte sich nie allein auf seine schriftstellerische Tätigkeit, sondern hatte vielseitige berufliche Verpflichtungen und vielfältige Interessen. Er reiste viel, hatte viele Liebschaften und musste einige Schicksalsschläge, seine mehrfachen Erkrankungen und den Tod seiner Frau, verkraften. So wie Goethe erlebte auch Klopstock den Tod seiner ersten Ehefrau.
Dennoch verlief sein Leben nicht derart unruhig: Er entschied sich recht früh für den Schriftstellerberuf und hatte keine weiteren beruflichen Pflichten zu erfüllen. Der studierte Theologe konnte sich voll und ganz auf das Schreiben konzentrieren. Seine Werke sind, im Gegensatz zu Goethe, geprägt von einem religiösen Hintergrund. Goethe verfasste vielfältige Werke über Kunst, Naturwissenschaft oder über sein eigenes Leben.
Beide Dichter machten die Bekanntschaften von Berühmtheiten ihrer Zeit, z.B. mit Herder. Sowohl Klopstock als auch Goethe waren bzw. sind selbst bedeutend, wobei Goethe bis heute der bekanntere Dichter ist.
14 Vgl. ebd. S. 155.
15 Vgl. Anm. 10.
16 Vgl. ebd.
17 Vgl. ebd.
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Silke Kattenborn, 2004, Lyrik im Sturm und Drang: Das Gottesbild in den Gedichten 'Die Allgegenwart Gottes' von Friedrich Gottlieb Klopstock und 'Prometheus' von Johann Wolfgang von Goethe., Munich, GRIN Publishing GmbH
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