Wirtschaftswissenschaftliche Fakultät Lehrstuhl für VWL / Makroökonomik
Seminar zur Vorlesung
Konjunktur- und Wachstumstheorie Wintersemester 2001/2002
Verfahren zu Schätzung des
Produktionspotentials
6WHSKDQ:DOOEXUJ
2.1 MODELL DES SACHVERSTÄNDIGENRATES 3
2.2 MODELL VON OKUN. 7
02 '(//(0,70( 5(5(1352'8.7,216) 725(1
3.1 MODELL DER BUNDESBANK 12
:(,7(502'(//(
4.1 METHODE GLEITENDER DURCHSCHNITTE. 17
4.2 PEAK - TO - PEAK - METHODE 18
4.3 IFO - METHODE 18
/,7(5 7859(5 (, 1,6
2
(LQOHLWXQJ
Es gibt viele Versuche zur Erklärung des Konjunkturphänomens. Einer davon versucht Konjunkturschwankungen als Schwankungen der gesamtwirtschaftlichen
Kapazitätsauslastung zu erklären. Wendepunkte sind die jeweils höchsten bzw. niedrigsten Auslastungsgrade, die Ausschläge lassen sich direkt am Auslastungsgrad ablesen. Zur Berechnung der Kapazitätsauslastung benötigt man einen Wert für die maximal mögliche Produktion - das Produktionspotential. Unter diesem versteht man die gesamtwirtschaftliche Leistung, welche bei voller oder normaler ( differiert je nach Modell ) Auslastung der Produktionsfaktoren möglich wäre. Für die Ermittlung bzw. Schätzung des Produktionspotentials gibt es eine Reihe von Modellen, auf die ich im folgenden näher eingehen werde.
0RGHOOHPLWHLQHP3URGXNWLRQVIDNWRU
0RGHOOGHV6DFKYHUVWlQGLJHQUDWHV
Das Modell des Sachverständigenrates zur Schätzung des Produktionspotentials berücksichtigt lediglich den Produktionsfaktor Kapital. Der er berechnet das Potential über die Entwicklung der volkswirtschaftlichen Kapitalproduktivität. Der Auslastungsgrad des Produktionspotentials ergibt sich dann als Quotient aus dem tatsächlichen und dem potentiellen Bruttoinlandsprodukt.
λ den Auslastungsgrad des gesamtwirtschaftlichen Produktionspotentials, Y t
Wobei
¡
das reale Bruttoinlandsprodukt und * < das gesamtwirtschaftliche Produktionspotential ¢ angibt.
3
Der Normalauslastungsgrad des Produktionspotentials wird als Durchschnitt der Auslastungsgrade der letzten Produktivitätszyklen berechnet. Für die Jahre 1963 - 1993
betrug er 96
Das gesamtwirtschaftliche Produktionspotential setzt aus dem zu errechnenden Produktionspotentials des Unternehmenssektors und den Produktionspotentialen des Staates, der Land- und Forstwirtschaft, Fischerei, der Wohnungsvermietung, der privaten Haushalte, der privaten Organisationen ohne Erwerbszweck, sowie der nicht abzugsfähigen Umsatzsteuer und den Einfuhrabgaben zusammen. Es wird angenommen, daß das Produktionspotential aller genannten Sektoren, mit Ausnahme des Unternehmenssektors stets voll ausgelastet ist.
Zur Bestimmung des gesamtwirtschaftlichen Produktionspotentials muß dann nur noch das des Unternehmenssektors bestimmt werden.
Dieses ist das Produkt aus der potentiellen Kapitalproduktivität und dem durchschnittlichen Bruttoanlagevermögen des Unternehmenssektors innerhalb eines Jahres. ⋅ = * . N 3 £ Wobei * das Produktionspotential des Unternehmenssektors, * 3 N die potentielle ¤ ¥
Kapitalproduktivität und K t das durchschnittliche Bruttoanlagevermögen des Unternehmenssektors eines Jahres darstellen.
Das Bruttoanlagevermögen berechnet sich hierbei als Durchschnitt aus dem Jahresanfangs- und dem Jahresendbestand. Diese Bestände werden vom statistischen Bundesamt geschätzt und vom Sachverständigenrat übernommen. Die Abgänge werden nach einem Verfahren geschätzt, welches einer quasi - logistischen Verteilungsfunktion ähnelt. 2
Die Kapitalproduktivität, welche zur Berechnung des Produktionspotentials noch notwendig ist, wird in mehreren Schritten berechnet. Zunächst werden die trendmäßigen Kapitalproduktivitäten für abgeschlossene Produktivitätszyklen ermittelt.
1 Sachverständigenrat 1997/1998 S 255
2 Sachverständigenrat 1997/1998 S 255
4
Dies geschieht mit Hilfe einer logarithmischen Trendfunktion:
Die Variable
Koeffizienten wird mittels einer Regression durchgeführt. Der Stützbereich der Funktion entspricht dabei der Länge eines abgeschlossenen Konjunkturzyklus, gemessen vom unteren Wendepunkt zum nächsten unteren Wendepunkt. Es wird also aus den Beobachtungen für die tatsächliche durchschnittliche Kapitalproduktivität eine lineare Trendfunktion geschätzt. Abweichungen von dieser Trendfunktion werden als konjunkturell bedingte Auslastungsschwankungen interpretiert.
Um den Verlauf der potentiellen Kapitalproduktivität zu ermitteln, wird die Trendgerade für den gesamten Beobachtungszeitraum parallel durch denjenigen Wert verschoben, der empirisch gemessen am weitesten von seinem Trendwert nach oben abweicht.
* N steht hier für die potentielle Kapitalproduktivität,
N für die empirisch gemessene Kapitalproduktivität. Kapitalproduktivität und
Um die Trendwerte der Kapitalproduktivität für die kommenden bzw. das kommende Jahr zu ermitteln, wird der empirische Wert der Kapitalproduktivität des vorangegangenen Jahres mit der trendmäßigen Zunahmerate der Kapitalproduktivität des vorhergehenden Stützzeitraumes fortgeschrieben.
Folgende Graphik zeigt die Verschiebung der Trendgerade ( Kapitalproduktivität, die am weitesten von den trendmäßigen nach oben abweicht. (diese fällt auf das Jahr 1960 3 ) Man erhält dann die Gerade * N , welche die potentielle Kapitalproduktivität darstellt.
3 Sachverständigenrat 1997/1998 S. 254
5
Arbeit zitieren:
Stephan Wallburg, 2001, Verfahren zur Schätzung des Produktionspotentials, München, GRIN Verlag GmbH
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