2
Inhaltsverzeichnis
Inhaltsverzeichnis 2
Fernsehen als Sozialisationsagent 3
Talkshows im Nachmittagsprogramm. 4
Daten und Methode. 4
Ergebnisse. 4
Soziale Konflikte. 5
Sex und Sexualität. 5
Schwangerschaft 6
Intoleranz / Vorurteile und Aggression / Gewalt 6
Aussehen und Süchte 7
Lebenskrisen. 7
Sonstige negative Normabweichung und sonstige Themen 7
Einordnung der Ergebnisse und Relevanz für die Sozialisation. 8
Literatur : 10
Tabelle 1: Soziale Konflikte als Talkthemen absolut und in Prozent aller Talkshows 12
Tabelle 1: Soziale Konflikte als Talkthemen absolut und in Prozent aller Talkshows 12
Tabelle 2: Sex und Sexualität als Talkthemen absolut und in Prozent aller Talkshows 13
Quelle : Eigene Berechnungen, Zahlen nach Heidkamp (1998)Tabelle 3: Schwangerschaft als
Talkthemen absolut und in Prozent aller Talkshows. 13
Tabelle 3: Schwangerschaft als Talkthemen absolut und in Prozent aller Talkshows 14
Tabelle 4: Intoleranz und Vorurteile als Talkthemen absolut und in Prozent aller Talkshows 15
3
Fernsehen als Sozialisationsagent
Wohl kaum ein anderer Bereich hat in den Sozial- und Verhaltenswissenschaften (Pädagogik, Psychologie und Soziologie) eine derart zentrale Bedeutung wie die Sozialisation. Die Sozialisation von Kindern und Jugendlichen ist mehrdimensional und wird über verschiedene Sozialisationsagenten - wie etwa die Familie oder die Schule - vermittelt (Habermas, 1971, 132). Typisch für die familiale und die schulische Sozialisation ist, daß sie zum einen intentional abläuft. Das heißt, daß der Sozialisationsagent (bspw. der Lehrer oder die Mutter) versucht, zielgerichtet und im Idealfall positiv auf die Entwicklung des Kindes einzuwirken. Die Erreichung des jeweiligen Sozialisationsszieles wird unterstützt durch die Möglichkeit, Kontroll- und Sanktionsmechanismen einzusetzen (Habermas, 1971, 140, Krebs, 1981).
In diesem Sinne kann dem Fernsehen lediglich der Status eines indirekten Sozialisationsagenten zugesprochen werden. „Wenn das Fernsehen hier als Sozialisationsagent angesprochen wird, dann im Hinblick darauf, daß beim Fernsehkonsum indirekte Sozialisationsprozesse stattfinden, die weder intendiert sind, noch mittels sozialer Kontrollmechanismen sanktionsiert werden können.“ (Krebs, 1981). Denn auch wenn Lernprozesse qua Konditionierung oder Trial-and-Error durch das Fernsehen nicht möglich sind, kann der Rezipient (jeden Alters) eine Vielzahl von Codes, Regeln, Verhaltensweisen und Normen anderer durch symbolische Kommunikation lernen. Diese sozialen Lernprozesse werden kognitiv gespeichert und können dauerhafte Handlungsorientierungen mit der Möglichkeit des Transfers auf zukünftige reale Situationen initiieren (Krebs, 1981). Exemplarisch sei die Bedeutung des TV-Konsums für die Entstehung aggressiven Verhaltens genannt (Zimbardo, 1992, 262, Groebel, ?, Huesmann, Lagerspetz, Eron, 1984, Freedman, 1984). Zwar hat einerseits die Erforschung der Medienwirkungen verschiedener medialer Darstellungen wie z.B. Gewalt, prosoziales Verhalten, Pornographie (Medienwirkungsforschung) eine lange Forschungstradition (Amelang, 1986, 311, Ausubel, 1974, 502, Groebel, 19??, Maccoby, 1964, 323), doch erfordert andererseits die sich ständig verändernde Medienlandschaft umsomehr eine dauernde aktuelle Beobachtung und Analyse der TV-Inhalte (Medieninhaltsforschung).
4
Talkshows im Nachmittagsprogramm
Während Inhaltanalysen zu Kinderprogrammen, Trickfilmen und Actionserien für das deutschsprachige Sendegebiet durchaus verfügbar sind (bspw. für „Pumuckl“ vgl.: Neumann-Braun, 1991, für „Sesamstraße“ vgl: Paus-Haase, 1991, für „Knight-Rider“ vgl.: Schorb, 1991), ist dies für den derzeit boomenden Bereich der Talkshows nicht der Fall. Deswegen widmet sich dieser empirische Beitrag den aktuellen Inhalten von TV-Talkshows. Nach der Darstellung des Untersuchungsdesigns des vorliegenden empirischen Beitrages folgt im Hauptteil die deskriptive, univariate Analyse der Talkshowinhalte. Abschließend wird die Relevanz der Befunde für die Sozialisation von Kindern und Jugendlichen thesenartig dargestellt.
Daten und Methode
Der Untersuchungszeitraum dieser Erhebung umfaßt drei Fernsehmonate. In diesem Zeitraum wurden die Mittags-Talkshows der Sender RTL, SAT. 1 und ProSieben in einem Datensatz erfaßt. Grundlage dieser Untersuchung sind somit die Inhalte sämtlicher zwischen dem 02. März und dem 28. Mai 1998 ausgestrahlten Talkshows der Moderatoren Arabella Kiesbauer, Bärbel Schäfer, Ilona Christen, Jörg Pilawa, Vera Int-Veen, Sonja Zietlow und Hans Meiser. Als nach Einschätzung des Autors bester Indikator für die Inhalte dieser Talkshows wurden die jeweiligen Titel der Sendungen herangezogen. Auf diese Weise flossen somit insgesamt 428 Talkshows in die folgende Analyse ein. Der verwendete Datensatz wurde bereits anderenorts unter Nennung aller 428 Sendetitel ausführlich vorgestellt (Heidkamp, 1998). Zur Verdichtung der vorliegenden Informationen wurde ein Kategorisierungsschema entwickelt. Dabei wurden die einzelnen Themen zunächst Unterkategorien zugeordnet, die daraufhin dann zu Hauptkategorien zusammengefaßt wurden. Bei der Zuordnung wurde immer diejenige Kategorie gewählt, die dem Titel der jeweiligen Talkshow am exaktesten und spezifischsten entsprach.
Ergebnisse
Zunächst fällt die große Themenvielfalt der ausgestrahlten Talkshows auf (vgl. Abbildung). Deswegen ist auch eine weitere Zusammenfassung der in der Abbildung dargestellten Hauptkategorien nicht
5
sinnvoll. Die mit Abstand häufigsten Themen sind zum einen „Soziale Konflikte“ und zum anderen „Sex und Sexualität“. Aufgrund der o.g. Themenbreite ist auch die Residualkategorie („Sonstige Themen“) relativ groß, trotzdem aber den anderen Kategorien nicht sinnvoll zuzuordnen.
Hier Abbildung einfügen
Soziale Konflikte
In fast jeder vierten Talkshow geht es um soziale Konflikte (Tabelle 1). Vor allem werden Konflikte und Probleme in der eigenen ehelichen oder nichtehelichen Partnerschaft besprochen (45 Sendungen 1 ): Die Themen kreisen dabei um das Verhalten der Partner innerhalb der Beziehung („Deine Liebe erdrückt mich“, „Ich will, daß Du Doch bei mir entschuldigst“, „Ehe ohne Liebe - ob das gutgeht“). Erst in zweiter Linie geht es bei der Hauptkategorie „Soziale Konflikte“ um Probleme oder Konflikte bei der Partnerwahl („Er könnte doch Dein Vater sein“, „Gegen alle Widerstände -und wir lieben uns doch“), oder um die Trennung zweier Partner („Bleib bei mir, wir haben doch ein Kind“). Bedeutend sind unter dieser Hauptkategorie auch Eltern-Kind-Konflikte („Meine Eltern sind das letzte“, „Mama, warum hast Du mich ins Heim abgeschoben?“).
Hier Tabelle 1 einfügen
Sex und Sexualität
In einem weiteren knappen Viertel aller Talkshows geht es um Sex oder Sexualität (Tabelle2). Am bedeutendsten sind hier allgemeine sexuelle und pornographische Themen wie z.B. „Schmeiß Deine Pornos weg“ oder „Mein Kind hat mit 13 schon Sex“. Im übrigen wird über Seitensprünge / Sexuelle Affären („Meine Frau darf fremdgehen“), Unlust sowie über fast alle denkbaren Sexualpraktiken gesprochen. Häufig geht es z.B. um Themen wie Exhibitionismus („Schaut her - Ich zeig mich gerne nackt“), Prostitution („Anschaffen - Die lockere Mark nebenbei“), Homosexualität („Hilfe - mein Sohn ist schwul“) oder Promiskuität / Nymphomanie („Du bist ein Flittchen“).
1 Sendungen werden in der Folge mit „S.“ abgekürzt.
Arbeit zitieren:
Privatdozent Dr. Sven Schneider, 2000, Die Bedeutung des Medienkonsums für die Sozialisation von Kindern am Beispiel bundesdeutscher Talkshows - Eine empirische Analyse, München, GRIN Verlag GmbH
Dieser Text kann über folgende URL aufgerufen und zitiert werden:
Einbetten
DOI
Zweite Moderne oder Postmoderne?
Ein Architektur–Diskurs
Kunst - Architektur, Baugeschichte, Denkmalpflege
Fachbuch, 77 Seiten
Karl August Lingner - Leben und Werk eines sächsischen Großindustriell...
Geschichte Europa - Deutschland - 1848, Kaiserreich, Imperialismus
Forschungsarbeit, 125 Seiten
Entwicklungspolitik als Katalysator der europäisch-afrikanischen Bezie...
Philosophie - Praktische (Ethik, Ästhetik, Kultur, Natur, Recht, ...)
Wissenschaftlicher Aufsatz, 12 Seiten
Communist Retaliation and Persecution on Yugoslav Territory during and...
Geschichte Europa - and. Länder - Zeitalter Weltkriege
Wissenschaftlicher Aufsatz, 27 Seiten
Kalkulation und Rechnungsgrundlagen in der Lebensversicherung
Mathematik - Angewandte Mathematik
Fachbuch, 67 Seiten
Chancen und Risiken der Einführung neuer Steuerungsmodelle in der öffe...
Fachbuch, 36 Seiten
Hat die Fundamentalpoetik wirklich ausgespielt? Anwendungen für eine...
Germanistik - Komparatistik, Vergleichende Literaturwissenschaft
Wissenschaftlicher Aufsatz, 12 Seiten
Informationen zur Rechtewahrnehmung im Urheberrecht
Der Schutz von Digital Rights ...
Jura - Medienrecht, Multimediarecht, Urheberrecht
Doktorarbeit / Dissertation, 249 Seiten
Legal aspects of internet banking related to international business tr...
Jura - Andere Rechtssysteme, Rechtsvergleichung
Doktorarbeit / Dissertation, 62 Seiten
Vannocio Biringucio und die Pirotechnia
525. Geburtstag des ersten Aut...
Ingenieurwissenschaften - Metallbautechnik / Metallverarbeitung
Wissenschaftlicher Aufsatz, 16 Seiten
Sven Schneider's Text Die Bedeutung des Medienkonsums für die Sozialisation von Kindern am Beispiel bundesdeutscher Talkshows - Eine empirische Analyse ist nun auf dem Buchmarkt erhältlich
Sven Schneider hat den Text Die Bedeutung des Medienkonsums für die Sozialisation von Kindern am Beispiel bundesdeutscher Talkshows - Eine empirische Analyse veröffentlicht
Sven Schneider hat einen neuen Text hochgeladen
Psychotherapeutische Erstinterviews mit Kindern
Winnicotts Squiggletechnik in ...
Michael Günter
Zur Sozialisation Jugendlicher in ländlichen Vereinen: Eine qualitativ...
Frederik Bartels-Juretzki
0 Kommentare