Inhaltsverzeichnis
1. Einführung. 1
2. Megalomanie als Staatsdoktrin
2.1. „L’art pour l’art“ als Ausdruck der Moderne. 4
2.2. Nationalsozialismus und Moderne - von der Ästhetik
nach dem 30. Januar 1933. 6
2.3. Hitlers Kunstbegriff und die Funktion der Bauten. 8
3. „Wer ein Volk zum Stolz erziehen will, muß ihm auch sichtbaren Anlaß
zum Stolz geben “ 1 - das neue Reichskanzleigebäude
3.1. Die Geschichte des Reichskanzleigebäudes von 1878-1933. 12
3.2. Der Gedanke der „Volksgemeinschaft“ im Widerspruch
architektonischer Realität - die neue Reichskanzlei. 14
3.3. Speers Architekturtheorem und die ideologische Bedeutung des
Natursteins. 19
4. Fazit. 21
5. Literatur- und Quellenverzeichnis. 24
1 JANOWITZ, Günther: Wege im Labyrinth der Kunst. Begriffe, Daten, Stile, Aspekte, Tabellen, Werke. Ein
Arbeitsbuch und Nachschlagewerk. Einhausen 1980, S.105. - zit.n. Hitler-Rede 1935.
II
1. Einführung
„Was den Städten des Altertums und des Mittelalters die charakterlichen und damit bewunderungswürdigen Züge verlieh, war nicht die Größe der bürgerlichen Privatgebäude, als vielmehr die sich weit darüber erhebenden Dokumente des Gemeinschaftslebens...“ 2 Dieses „Führer“-Zitat beinhaltet bereits ein G ros der Forderungen an die nationalsozialistische „Baukunst“, die zuvörderst gigantische „Sanktuarien“ der NS-Ideologie errichten sollte, für welche beispielsweise das Zeppelinfeld in Nürnberg oder das Berliner Olympiastadion zu nennen sind.
Diese Hausarbeit beschäftigt sich neben einem theoretischen auch noch mit einem praktischen Teil - das neue Reichskanzleigebäude. Es soll dargelegt werden, inwiefern etwaige Anlagen der Selbstreferenz Hitlers dienten, welche Bedeutung sie für die „braune Weltanschauung“ hatten und was ihre konkrete Funktion war.
Unterpunkt 2.1. „L’art pour l’art“ als Ausdruck der Moderne referiert kurz über den Neoklassizismus als signifikantes architektonisches Ausdrucksmittel, geht auf das Schönheitsempfinden der Weimarer Republik ein, wobei primär dessen Ursprung aufgeführt wird. In seinem besonderen Einfluss werden die Anfänge des „Neuen Bauens“ angesprochen und hieran letzten Endes die Politisierung der Architektur belegt. Diese hat in Hitler-Deutschland weiterhin Verwendung gefunden. Außerdem wird am Rand auf Phänomene des besiegten Kaiserreiches eingegangen.
2.2. Nationalsozialismus und Moderne - von der Ästhetik nach dem 30. Januar 1933 spricht das Ende des Bauhauses an und erläutert das Verhältnis der Nazis zur (verhassten) Weimarer Republik. In extenso setzt sich dieser Unterpunkt wie in 2.1. kurz angesprochen mit dem Neo-/ Primitivklassizismus als vermeintliche Stilrichtung totalitärer Regime auseinander und führt „Schönheit“, „Erhabenheit“, „Natürlichkeit“ sowie „Gesundheit“ als Paradigmen unter dem Hakenkreuz auf. Des weiteren kann eine Kontinuität der Bauhaus-Architektur in ihren Grundfacetten auch noch nach 1933 belegt werden, wodurch das NS-System seine
2 ebda, zit.n. Hitler-Rede 1937.
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Modernität hervorheben wollte. Besonderes Augenmerk muss dem „politisierten“ Bauwesen gelten.
Hitler avisierte eine deutsche Suprematie, wobei er sich in erster Linie an den Errungenschaften Roms orientierte. Hierüber informiert 2.3. Hitlers Kunstbegriff und die Funktion der Bauten und gibt Auskunft über die Hauptaufgaben n ationalsozialistischer Prunkanlagen. Weiterhin wird das dezentrale Bauprogramm kurz angesprochen und somit Bezug auf die in 2.2. dargelegte, nicht existente einheitliche Architekturtheorie genommen, was ergo die Frage nach der „richtigen volksgemeinschaftlichen Ausprägung“ aufdrängt, sollen die monumentalen Bauwerke doch die Symbiose „Ein Volk, ein Reich, ein Führer“ gewährleisten, also das Führerprinzip visualisieren. Bereits auf den praktischen Teil hinweisend, wird kurz die Planungsphase für das neue Reichskanzleigebäude geschildert.
3.1. Die Geschichte des Reichskanzleigebäude von 1878-1933 erzählt von dem bereits unter Bismarck repräsentativen Charakter der Anlage und liefert eine kleine Darstellung seiner Vergangenheit, ehe der von 1928-1930 verfügte Umbau im Zeichen des Neuen Bauhauses heftige Kritik konservativer Kräfte der Weimarer Republik nach sich zog, setzten die verantwortlichen Architekten Eduard Jobst und Robert Kisch doch verstärkt auf Funktionalität.
Der Komplex in seiner baulichen Ausführung sowie besonderen Anforderungen an das Inventar ist Gegenstand von 3.2. Der Gedanke der „Volksgemeinschaft“ im Widerspruch
architektonischer Realität - die neue Reichskanzlei. Rückbesinnung auf das Handwerk war für die Nazis zumindest offiziell von erheblicher Bedeutung, aber dies steht im Widerspruch zur in 2.2. / 3.2. aufgeführten Entpersönlichung des Individuums sowie rationalisierter Produktionsweisen. Schließlich informiert dieser Unterpunkt über den Gebäudeplan und spricht den Naturstein in seiner hervorragenden Symbolkraft an, worauf der folgende Teil näher eingeht.
3.3. Speers Architekturtheorem und die Bedeutung des Natursteins referiert über dessen „Theorie vom Ruinenwert“, wobei besonderes Interesse besagtem Baumaterial in seiner ideologische n Relevanz gilt. Weiterhin wird die Genese von Speers Gestaltungsbegriff erläutert.
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Im 4. Fazit werden die Ergebnisse der einzelnen Kapitel zusammengetragen, um herzuleiten,
dass die verfügten Anlagen des „Tausendjährigen Reiches“ der Selbstreferenz Hitlers dienten, welcher sogar persönliche Interessen mit in den Planungs- und Bauzyklus hatte mit einfließen lassen.
3
2. Megalomanie als Staatsdoktrin
2.1. „L’art pour l’art“ als Ausdruck der Moderne
Wie jedes totalitäre Regime, beispielsweise die ehemaligen Sowjets in Moskau oder die „Steinzeitkommunisten“ in Pjöngjang, wollte auch die nationalsozialistische Diktatur Deutschlands ihre menschenverachtende Ideologie durch megalomane Pracht- und Kultbauten glorifizieren, welche letzten Endes das Resultat eines radikalen Kulturprogramms waren. Allerdings war der hierfür damals vorherrschende Stil des Neoklassizismus nicht ausschließlich Diktaturen vorbehalten, sondern fand auch in anderen demokratischen Systemen für den Bau von repräsentativen Staatsgebäuden Verwendung, worüber der zweite Abschnitt detaillierter berichtet. Besagtes kulturpolitisches Leitbild unter dem Swastika beruhte auf einem rassischen Dualismus gepaart mit einem kulturphilosophischen Antagonismus. 3 Was waren nun aber dessen Ausdrucksmittel sowie Intentionen und wo lag der Ursprung jenes Paradigmas?
Um die Bedeutung der Architektur herauszuarbeiten, soll dieser Unterpunkt zunächst über die Ästhetik der Moderne referieren, wobei kurz auf Phänomene des Wilhelminischen Kaiserreichs eingegangen wird. Anschließend wird das Bauwesen im Zeichen des Hakenkreuzes aufgezeigt. Hier gilt besonderes Augenmerk der Synthese von Ideologie und architektonischer Gestaltung. Den Betrachtungen muss allerdings vorausgeschickt werden, das eine Politisierung der Baukunst bereits seit 1918 im Deutschland der Weimarer Republik erfolgte, 4 doch soll hierauf an anderer Stelle näher eingegangen werden. Der Erste Weltkrieg bedeutete für die moderne Architektur eine Zäsur, welche das soziale, ökonomische und kulturpolitische Leben maßgeblich beeinflussen und schließlich im Neuen Bauen kulminieren sollte. In der Nachkriegszeit kam es europaweit zu „geistigen Revolutionen“ von Schriftstellern, Bildhauern sowie Künstlern, welche versuchten, die (angewandte) Kunst im kulturellen Bewusstsein ihres Staates einzubinden und umwälzende
3 vgl. hierfür MATHIEU, Thomas: Kunstauffassungen und Kulturpolitik im Nationalsozialismus. Studien zu
Adolf Hitler, Joseph Goebbels, Baldur von Schirach, Heinrich Himmler, Albert Speer, Wilhelm Frick.
Saarbrücken 1997, S.294.
4 vgl. hierfür MILLER-LANE, Barbara: Architektur und Politik in Deutschland 1918-1945. Braunschweig/
Wiesbaden 1986, S.205.
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Arbeit zitieren:
Daniel Mielke, Stefan Meinberg, 2004, Architektur im "Dritten Reich" - Monumentalbauten im Dienst der Ideologie. eine Untersuchung anhand des neuen Reichskanzleigebäudes, München, GRIN Verlag GmbH
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