III
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung 1
2. Ziele und Aufgaben der Schulbildung 2
2.1 Sozialisation 2
2.2 Ausbildung von Fähigkeiten Fertigkeiten 4
2.3 Kompetenzerwerb zur Vorbereitung auf eine berufliche
und gesellschaftliche Stellung 5
3. Volkswirtschaftliche Bedeutung von Schulbildung 8
4. Marktwirtschaftliche vs. staatliche Bereitstellung 14
5 Fazit 22
6. Literaturverzeic hnis 23
Abbildung 1: Grobdarstellung des deutschen
Bildungssystems ................................................................... 5
Abbildung 2: Wohlwollende Eltern als Agenten für ihr
schulpflichtiges Kind (hohe Schulbildungspräferenz,
neutraler Fall) ....................................................................... 18
Abbildung 3: Nichtwollende Eltern als Agenten für ihr schulpflichtiges Kind (Schulpflicht als Minderjährigenschutz
vor Unwissenheit, Fall der Wohlfahrtsmehrung) ................ 18
Abbildung 4: Wohlwollende Eltern als Agenten für ihr schulpflichtiges Kind (niedrige Schulbildungspräferenz, Fall der Wohlfahrtsminderung)................................................... 19
1
1. Einleitung
Schulbildung ist einzuordnen in den Bereich öffentlicher Güter, aufgrund bildungsbedingter externer Effekte, ist es die Aufgabe des Staates die quantitative und qualitative Ausstattung der Bevölkerung mit Bildung bereitzustellen.
Dies ist zumindest die überwiegend politische Argumentation i n der Debatte um die Bedeutung der Schulbildung. Wie aber verhält es sich wirklich? Handelt es sich bei der Schulbildung tatsächlich um ein öffentliches Gut? Gehen von im wirklich externe Effekte aus , die sich eine Gesellschaft zu Nutze machen muss? Brauchen wir mehr oder weniger Staat im Bildungssystem? Oder kann das Bildungssystem auch ohne staatliche Intervention funktionieren?
Diese Fragen sollen im Rahmen dieser Arbeit beantwortet werden. Dabei darf jedoch nicht vergessen werden, dass im Kern die Betrachtung der ökonomischen Argumentationen für ein staatliches Bildungssystem im Vordergrund stehen.
Im Verlauf der Arbeit sollen mit dem ersten Teil die Ziele und Aufgaben von Schulbildung erläutert werden. Hierbei stehen nicht nur vordergründig ökonomische Angelegenheiten im Fokus, sondern auch gesellschaftliche und soziale, um eine über wirtschaftliche Belange hinaus gehende Diskussionsbasis zu schaffen.
Im zweiten Teil der Arbeit wird die volkswirtschaftliche Bedeutung der Schulbildung aufgezeigt. Hierbei wird eine Unterteilung in mikro- und makroökonomische Faktoren unternommen, um nicht in eine zu globale Betrachtungsweise zu verfallen. Im Laufe dieses Abschnitts wird, anhand der Theorie der Kollektivgüter, der These vom öffentlichen Gut nachgegangen.
Mit den gewonnen Erkenntnissen aus den ersten beiden Teilen wird im Folgenden den ta tsächlichen Gründen für die öffentliche Bereitstellung von Bildungsleistungen nachgegangen. Hierbei werden sowohl externe Effekte, als auch Wohlfahrtseffekte der Schulbildung untersucht. Im Anschluss wird ein Fazit Auskunft über mögliche Entwicklungen geben.
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2. Ziele und Aufgaben der Schulbildung
Zur Vorbereitung einer Analyse der Schulbildung aus volkswirtschaftlicher Sicht, ist es sinnvoll die Ziele und Aufgaben der Schulbildung auch aus Sicht der Gesellschaft und der Individuen zu durchleuchten. Dies ist deshalb unumgänglich, da Ergebnisse dieser Arbeit nicht isoliert gesehen werden dürfen, sondern immer auch im Kanon von Gesellschaft und Staat. Auch kann eine rein ökonomische Betrachtung dazu verführen den Blick vom wesentlichen abzulenken, und weiterhin Wichtiges außer Acht zu lassen.
Aus diesem Grund sollen Anfangs die Ziele und Aufgaben der Schulbildung in allgemeiner Form Beachtung finden. Diese lassen sich in drei Kerna ufgaben und -ziele katalogisieren: 1. der Sozialisation,
2. der Ausbildung von Fähigkeiten & Fertigkeiten, 3. sowie dem Kompetenzerwerb zur Vorbereitung auf eine berufliche und gesellschaftliche Stellung. 1
2.1 Sozialisation
„Mit Sozialisation werden jene sozialen P rozesse bezeichnet, durch welche der Mensch die Normen, Werte, Regeln, Einstellungen, Denk - und Verhaltensmuster der Gruppe und Gesellschaft kennen- und übernehmen lernt, in die er hineingeboren wurde.“ 2
In Addition mit der politischen Sozialisation, hat d ie allgemeine Sozialisation die zentrale Aufgabe der Integration der Individuen in das Gemeinwesen und die Herstellung ihrer demokratischen Handlungsfähigkeit. 3
Zentrale Sozialisationsinstanzen sind hierbei neben dem Elternhaus und der Familie, auch Kindergärten, Schulen und Freunde, aber auch Medien und andere Instanzen, die den Entwicklungsprozess begleiten. 4
1 Vgl: Mickel, Wolfgang: Bildungspolitik; S. 32; In: Nohlen, Dieter (Hrsg.): Kleines Lexikon
der Politik; München; 2002; S. 32-35.
2 Wasmuth, Ulrike: Politische Sozialisation; S. 395; In: Nohlen, Dieter (Hrsg.): Kleines
Lexikon der Politik; München; 2002; S. 395-396.
3 Vgl: Wewer, Göttrik: Demokratie, Demokratisierung; S. 122; In: Schäfers, Bernhard und
Wolfgang Zapf: Handwörterbuch zur Gesellschaft Deutschlands; Bonn; 2001; S. 115-126.
4 Vgl: Ebenda.
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Die Sozialisation von Individuen ist niemals ein abgeschlossener Prozess sondern immer eine fortlaufende Entwicklung, obwohl sie besonders im Kindesalter außerordentlich prägend und intensiv ist. Auch deshalb kann die Sozialisation als Teil der Bildung, welche auch vom Schulsystem mit übernommen wird, nicht nur auf dieses beschränkt werden. „It’s clearly absurd to limit the term ,education’ to a person’s formal Schooling. He is learning all the time.” 5 „Bildung erfährt schon das Kleinkind in der Familie, indem es beispielsweise die Sprache oder soziale Verhaltensweisen lernt.“ 6
Die Sozialisation lässt sich im Kern in zwei Phasen einteilen: der primären und der sekundären Sozialisation. Die primäre Sozialisation verläuft in den frühen Lebensjahren mit der Weichenstellung für die weitere soziokulturelle Entwicklung des Individuums. Dem Prozess
Soziabilisierung, also der Entwicklung von Fähigkeiten zum Überleben überhaupt, folgt in der sekundären Sozialisationsphase die Enkulturation (Vermittlung kultureller Wertmuster). In der ersten Sozialisationsphase wird das Individuum nur auf gesellschaftliche Rollen eingestimmt, wohingegen es in der sekundären Sozialisationsphase mit diesen Vertraut wird. Im Verlauf dieses Entwicklungsabschnitts wird der Umgang mit gesellschaftlichen Rollen und Leistungsanforderungen erlernt. 7 Insgesamt verbindet die Sozialisation die Persönlichkeitsbildung, die Vermittlung gesamtgesellschaftlich bedeutenden Einstellungen und Fähigkeiten. 8 Auch wenn man unter Umständen dazu neigt die Sozialisation vorwiegend im familiären Bereich anzusiedeln, darf die Bedeutung der Schule hierbei nicht verkannt werden, besonders unter der Prämisse einer immer stärkeren Auflösung von familiären Bindungen. „Die Schule bestimmt den Alltag von Kindern und Jugendlichen zu erheblichen Anteilen und sorgt damit für gesellschaftliche […]“ 9 Integrationsprozesse.
5 Rothbard, Murray: Education -Free & Compulsory -; Auburn; 1999; S. 2; Künftig zitiert:
Rothbard - Education.
6 Statistisches Bundesamt: Datenreport 2002; Bonn; 2002; S. 55; Künftig zitiert:
Statistisches Bundesamt - Datenreport 2002.
7 Vgl: Kevenhörster, Paul: Politikwissenschaft - Band 1: Entscheidungen und Strukturen
der Politik; München; 1997; S. 60.
8 Vgl: Gukenbiehl, Hermann: Bildung und Bildungssystem; S. 90; In: Schäfers, Bernhard
und Wolfgang Zapf: Handwörterbuch zur Gesellschaft Deutschlands; Bonn; 2001; S. 89-
103; Künftig zitiert: Gukenbiehl - Bildung und Bildungssystem.
9 Faulstich-Wieland, Hannelore: Sozialisation in Schule und Unterricht; Neuwied; 2002; S.
11.
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2.2 Ausbildung von Fähigkeiten & Fertigkeiten Definiert auf den kleinsten Nenner, sind Schulen die Reproduktion kultureller Systeme, welche in der Regel charakterisiert sind als die Vermittlung von Wissen und Fertigkeiten. Diese reichen von der Beherrschung grundlegender Basiselemente, wie etwa Sprache oder Schrift, bis zum Erwerb spezifischer Berufsqualifikationen. 10 Diese „[…] Basiskulturtechniken […]“ 11 sind für das spätere Leben eine unentbehrliche Vorraussetzung und sollen schon in der frühen Lebensphase eines Kindes vermittelt werden. 12 Daher soll jedes Kind mit Abschluss der Grundschule • „ […] lesen, schreiben und rechnen können, • mit dem Erlernen einer Fremdsprache begonnen haben, • erste Schritte zum Umgang mit den modernen Informations - und Kommunikations -Technologien zur ückgelegt haben […]“ und • „[…] über eine musisch-künstlerische und sportliche Grundausbildung verfügen […]“ 13 .
Diese Basiselemente der Bildung werden benötigt, um im zukünftigen Entwicklungsprozess das Erlernen weiterer Disziplinen zu ermöglichen. 14 Zudem müssen die noch brachliegenden Fähigkeiten des Kindes geweckt werden. „The need for formal instruction stems from the fact that child`s faculties are undeveloped and only potential, and that they need experience in order to develop.“ 15
10 Vgl: Fend, Helmut: Theorie der Schule; München; 1981; S. 15; Künftig zitiert: Fend -
Theorie der Schule.
11 Bohr, Kurt und Rüdiger Pernice: Absturz in die zweite Liga? Plädoyer für einen
Kurswechsel in der deutschen Bildungspolitik; Baden-Baden; 2002; S. 56; Künftig zitiert:
Bohr - Absturz in die zweite Liga?
12 Vgl: Ebenda.
13 Ebenda.
14 Vgl: Rothbard - Education; S. 4.
15 Ebenda; S. 3.
Arbeit zitieren:
M.A. Eike Senger, 2004, Ökonomische Analyse der Schulbildung in Deutschland, München, GRIN Verlag GmbH
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