Uni Heidelberg
Srache und Dialekte
von
Monika Draws-Volk
2002
0. Einleitung 1
1. Hier wird Deutsch gesprochen
1.1 Was bedeutet Deutsch? 2-4
1.2 Der Weg zur Standardsprache 4-5
2. Dialekte versus Hochsprache
2.1 Dialekte & Mundarten 5-7
2.2 Die Einheit der Hochsprache 7-8
2.3 Der Einfluss regionaler Dialekte auf die Hochsprache 8-15
2.4 Höhepunkte der deutschen Literatur 15-16
2.5 Zusammenfassung 16
0. Einleitung
Die Geschichte der deutschen Sprache beginnt mit dem Einsetzen schriftlicher Überlieferungen in deutscher Sprache im 8. Jahrhundert. Wobei die deutschen Mundarten des 7. und frühen 8. Jahrhundert ausschließlich gesprochene Sprachen waren. Erste volkssprachliche Texte, die niedergeschrieben wurden, waren ganz auf die Bedürfnisse der Mission und der religiösen Unterweisung ausgerichtet.
Im christlichen Reich Karls des Großen vollzog sich der sprachsoziologische und sprachliche Übergang von Germanisch zu Deutsch. Karl der Große bestimmte im Rahmen seiner Kulturpolitik 789 in der Admonitio generalis, dass die im Mittelpunkt der Glaubenslehre stehenden Texte des Glaubensbekenntnisses und des Vater- unsers dem Volk von Priestern vorzutragen und zu erklären seien. Die in der Admonitio generalis verlangte Erklärung der Texte liefert die bairische Pater- noster-Auslegung. Es wird jeweils ein Satz des Vater- unsers auf lateinisch zitiert, dann übersetzt und schließlich erklärt. Die Erklärung folgt dabei der Auslegung in dem Sacramentarium Gelasianum, einer Sammlung von Messtexten, die auf den römischen Papst Gelasius (5.Jh.) zurückgeführt wird. Noch enger mit der Volkssprache verbunden sind zwei weitere Textsorten: Die eine Textsorte betrifft unmittelbar die Mission, das sind die Taufgelöbnisse, bei denen an die Sprache der Neu-Missionierten angeknüpft werden musste. Die anderen Textsorte betrifft die Pflege des Glaubens in der Beichte und Buße. Die älteste überlieferte Beichtformel ist bairisch.
Die Herausbildung unserer deutschen Sprache beginnt nach dem Abschluss der Völkerwanderung mit dem Sesshaftwerden der Stammesverbände und Völkerschaften. Der Zeitraum in dem sich die älteste Stufe des Deutschen herausbildet, wird als althochdeutsch bezeichnet. Die wichtigsten Stammessprachen, aus denen das Deutsche allmählich entstand, waren das Fränkische, das Bairische, das Alemannische und das Sächsische. Das zunächst zufällige räumliche Nebeneinander von Sprechern unterschiedlicher Dialekte führte durch sprachlichen Austausch und Ausgleich, durch in wesentlichen Erscheinungen übereinstimmenden Entwicklungstendenzen, durch kulturelle, wirtschaftliche und soziale Beziehungen und durch die zumindest formale politische Vereinigung zu Ansätzen, gegen Ende dieses Zeitraumes auch zum sprachlichen Ausdruck der Erkenntnis der Zusammengehörigkeit als Deutsche.
1. Hier wird Deutsch gesprochen
1.1 Was bedeutet Deutsch?
Es stellt sich die Frage: „Was bedeutet Deutsch?“ Viele Politiker, Wissenschaftler und Künstler haben versucht, das deutsche Wesen, die deutsche Seele, den deutschen Menschen, mit einem Wort das Deutsche zu ergründen.
Um die Bedeutung von Wörtern zu beschreiben schaut man am besten auf deren Gebrauch. Im Ausdruck „Hier wird Deutsch gesprochen“ bezieht sich Deutsch auf eine Sprache. In der Wendung deutsche Frauen, deutscher Wein und deutscher Sang auf ein Volk. Deutsche Lande bezeichnet ein geographisches Gebiet, deutsche Philosophie und deutsche Musik sind Ausprägungen einer Kultur.
Der Worttyp Deutsch enthält also fünf Bedeutungsgeschichten; sie beziehen sich auf die Sprache, das Volk, das Land, die Kultur und den Staat. Geschichtlich gesehen haben sich die fünf Bedeutungen von Deutsch nacheinander ausgeprägt. Die älteste Bedeutungsgeschichte ist die sprachliche. In der latinisierten Form theodiscus ist Deutsch als Sprachname seit 786 bezeugt, als der päpstliche Nuntius Georg von Ostia dem Papst Hadrian I. über zwei Synoden, die in England stattfanden, berichtete. Dabei wurden die Beschlüsse sowohl lateinisch als auch Volkssprachlich (latine und theodisce) verlesen, damit alle sie verstehen konnten. Das lateinische theodiscus ist ein Wort der Gelehrtensprache, es ersetzt das Wort gentilis, das im 8. Jahrhundert auch noch ’heidnisch’ bedeutete, in Kontexten, in denen diese Bedeutung störte. Es beruht auf dem germanischen Wort ? þeudo ’Volk’ und dem Adjektivsuffix –iska (nhd. –isch).1 Die althochdeutsche Form diutisk ist etwa seit dem Jahre 100 belegt, wörtlich bedeutet diutisk „dem Volke eigen“, es bezeichnet die Volkssprache der Germanen im Gegensatz zur Sprache der Kirche und Gelehrten, dem Latein. In Vornamen wie Dietrich und Dietmar ist der Bestandteil diet „Volk“ heute noch erhalten.
Als Länder- und Volksname wird Deutsch seit Ende des 11. Jahrhunderts verwendet. Wendungen wie diutischi liute „deutsche Leute“ und diutsche lant „deutsche Lande“ kommen im althochdeutschen Anolied mehrfach vor. Die Einzahl Deutschland ist erst seit dem 15. Jahrhundert geläufig.
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1 Dtv-Atlas, Deutsche Sprache, 1994, S.59
Arbeit zitieren:
Monika Draws-Volk, 2002, Sprache und Dialekte, München, GRIN Verlag GmbH
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