EINLEITUNG ............................................................................................................................ 1
I. STRUKTUREN KULTURELLER REPRÄSENTANZEN DES WEIBLICHEN BEI
SILVIA BOVENSCHEN (VGL. BOVENSCHEN 1980, 9-16) ............................................ 3
I.1 DIE REDUKTIONSTHEORIEN: FRAUEN ALS SOZIALE „RANDGRUPPE“ (VGL. BOVENSCHEN
1980, 19-24) ............................................................................................................................. 4 I.2 DIE ERGÄNZUNGSTHEORIEN: DIE FRAU ALS MUSE (VGL BOVENSCHEN 1980, 25FF) ....... 5
II. INWIEWEIT FINDEN SICH DIE ROLLENZUWEISUNGEN DER REDUKTIONS-UND ERGÄNZUNGSTHEORIEN IN DEN WAHLVERWANDTSCHAFTEN? ............... 6
II.1 DAS MÄDCHENPENSIONAT: GESCHLECHTSSPEZIFISCHE ASYLIERUNG ALS
ERZIEHUNGSPRINZIP .................................................................................................................. 7 II.2 DIE FRAU UND DIE KUNST: MÄNNLICHE EFFIZIENZ VERSUS WEIBLICHE METAPHYSISCHE
NATUR ........................................................................................................................................ 9
III. DIE WEIBLICHE REZEPTION DER WAHLVERWANDTSCHAFTEN
ZEITGENÖSSISCH UND HEUTE: EIN RESUMÉE ........................................................13
LITERATURVERZEICHNIS .................................................................................................15
Einleitung
In der folgenden Arbeit möchte ich Johann Wolfgang von Goethes Roman „Die Wahlverwandtschaften“ auf die darin enthaltenen Weiblichkeitsbilder untersuchen. Meine theoretische Leitlinie soll dabei der von Silvia Bovenschen entwickelte Rahmen zur Festschreibung von
Weiblichkeitsbildern in ihrem Buch „Die imaginierte Weiblichkeit Exemplarische Untersuchungen zu kulturgeschichtlichen und literarischen Präsentationsformen des Weiblichen“ sein, das im Proseminar vorgestellt wurde.
Goethes Roman wurde bei seinem Erscheinen im Herbst 1809 von der damals vorwiegend weiblichen Romanleserinnenschaft als „Skandalbuch“ aufgenommen. In einem Briefwechsel zwischen Pauline Wiesel und Rahel Varnhagen zeigt sich das Unbehagen, das beide Frauen bei der Lektüre überkommt. Ursula Krechel spricht von einem „misstrauischen Instinkt“ der in den zeitgenössischen Rezipientinnen beim Lesen der
Wahlverwandtschaften erwacht. In diesem Zusammenhang fällt bei Krechel auch das Stichwort, das in der folgenden Beschäftigung mit den Theorien von Silvia Bovenschen noch eine Rolle spielen wird: Mythologisierung. Ein Begriff, der den Frauen der damaligen Zeit wohl nicht geläufig war, ein Symptom das Krechel aber durch Bettina von Arnim in einem Brief an Goethe treffsicher diagnostiziert sieht. (vgl. Krechel 1992, 19f)
In einer gesellschaftlichen Umbruchzeit, einem noch jungen Jahrhundert, in dem sich die Frauen neue gesellschaftliche Positionen zu erobern beginnen, trifft Goethes Werk anscheinend einen Nerv. Ursula Krechel deutet die ablehnende Haltung der goetheschen Zeitgenossinnen so: „Es muss die Konstruktion des Romans sein, sein Kalkül, seine Geometrie, die Formelhaftigkeit des Experiments gegenüber der frei fließenden Leidenschaft, seine Chemie, seine Gartenbaukunst, seine als
Naturwissenschaft verbrämte Ideologie“ (Krechel 1992, 22) In den überlieferten Reaktionen der männlichen Rezipienten zeigt sich neben
1
ebenfalls sehr ablehnenden Kommentaren auch positive Beurteilungen des Romans: So sah Achim von Arnim in Charlotte und Eduard ein gut gezeichnetes Bild der gesellschaftlichen Realität des sogenannten Landadels. (vgl. Krechel, 20) Thomas Mann lobte den seiner Meinung nach hohen künstlerischen Wert des Romans. Dagegen stehen solche Aussagen wie die von Friedrich Heinrich Jacobi, der den Roman als die „Himmelfahrt der bösen Lust“ bezeichnete, wobei er sich auf das Ende Ottilies bezieht. (vgl. Bernhard 2003, 106) Oder Ludwig Wilhem Tiecks Verballhornung des Titels in „Qualverwandtschaften“ (Bernhard 2003, 107) Wobei sich die männliche Kritik von der weiblichen darin unterscheidet, dass sie nicht auf die traditionellen Weiblichkeitsbilder bezogen ist, wie es Krechel Pauline Wiesel und Rahel Varnhagen unterstellt.
Silvia Bovenschen geht auf die Diskrepanz zwischen einer „Geschichte des Verschweigens“ was Fakten über reale Frauen in historischen Dokumenten betrifft und den kulturgeschichtlich überlieferten (überwiegend
männlichen) Bildern und Mythen von Weiblichkeit und Frauen ein. (vgl. Bovenschen 1980, 9ff) Di esbezüglich sollen das Ziel dieser Arbeit ebenfalls ein Vergleich zwischen Weiblichkeitsbildern in der Realität der Erscheinungszeit des Romans und Weiblichkeitsbildern in Goethes Text sein. Meine Fragestellungen werden folgende sein: Welche Strukturen der kulturellen Repräsentation des Weiblichen, wie sie Silvia Bovenschen beschreibt, finden sich in den „Wahlverwandtschaften“? Wie stehen diese zur weiblichen Wirklichkeit von Frauen wie Pauline Wiesel und Rahel Varnhagen am Anfang des 19.Jahrhunderts? Lässt sich aus diesem Verhältnis von der Wirklichkeit zum Roman ihre Abneigung gegen das Werk erklären?
2
I. Strukturen kultureller Repräsentanzen des Weiblichen bei Silvia Bovenschen (vgl. Bovenschen 1980, 9-16)
Auf den Spuren der kulturgeschichtlichen Präsenzen und Präsentationen des Weiblichen stößt Bovenschen auf das Problem der Abwesenheit der Frauen in der historisch-gesellschaftlichen Entwicklung. Diese weibliche Geschichtslosigkeit durch die Abwesenheit in den Dokumentationen der kulturellen, politischen und wissenschaftlichen Entwicklungsprozesse „bewiesen“, steht wiederum im krassen Gegensatz zu der Überfülle an Bildern, Entwürfen und metaphorischen Ausstattungen des Weiblichen in der Literatur, die ihrerseits aber der männlichen Phantasie entspringen. Bovenschen verwendet in diesem Zusammenhang den Begriff des „Kunstweiblichen“, der sich in der patriarchalen Ordnung der (literarischen) Welt ohne aufzufallen erhalten konnte. Eine Erklärung für die Nichtbeachtung der Kategorie Geschlecht in der literaturtheoretischen und literaturgeschichtlichen Auseinandersetzung sieht Bovenschen im Fehlen einer begriffsgeschichtlichen Tradition dieser Kategorie. Folglich sieht sie ihre Aufgabe darin zuerst einmal eine begriffliche Grundlage zu schaffen, um eine Analyse des Weiblichen in der Kulturgeschichte angehen und die Geschichtslosigkeit des Weiblichen dokumentieren. zu können. Im ersten Teil ihres Buches geht es Silvia Bovenschen um die Darstellung der weiblichen Erscheinungsmuster in der Literatur und Kulturphilosphie, die ich in diesem Kapitel vorstelle und dann im weiteren an den Frauengestalten der „Wahlverwandtschaften“, Charlotte, Ottilie, und Luciane überprüfen werde. Bovenschen schafft zur Bestimmung dieser Weiblichkeitsmuster einen theoretischen Rahmen, den sie in erstens die Reduktionstheorien und zweitens die Ergänzungstheorien splittet.
3
Arbeit zitieren:
Sarah Kraushaar, 2004, Weiblichkeitsbilder in Goethes Skandalroman "Die Wahlverwandtschaften", München, GRIN Verlag GmbH
Dieser Text kann über folgende URL aufgerufen und zitiert werden:
Einbetten
DOI
Der Tempuswechsel in Johann Wolfgang Goethes Wahlverwandtschaften
Germanistik - Neuere Deutsche Literatur
Hausarbeit (Hauptseminar), 16 Seiten
Die wissenschaftliche Spur in Johann Wolfgang von Goethes Wahlverwandt...
Hausarbeit (Hauptseminar), 26 Seiten
Charlotte und Ottilie - Zum Frauenbild in Goethes Wahlverwandtschafte...
Germanistik - Literaturgeschichte, Epochen
Seminararbeit, 18 Seiten
Die wunderlichen Nachbarskinder in Goethes Wahlverwandtschaften
Germanistik - Neuere Deutsche Literatur
Seminararbeit, 16 Seiten
Die Welt der Bilder - Ottilie, Luciane und die Rolle der Kunst in Joha...
Germanistik - Neuere Deutsche Literatur
Hausarbeit, 20 Seiten
Goethes Roman "Die Wahlverwandtschaften" im Urteil seiner Ze...
Germanistik - Neuere Deutsche Literatur
Seminararbeit, 16 Seiten
Erzählte Bilder und deren Zeit(en) in Goethes Wahlverwandtschaften
Germanistik - Neuere Deutsche Literatur
Hausarbeit, 16 Seiten
Theatralität und Authentizität des Zeichens in Johann Wolfgang Goethes...
Analyse der Konzeption von Zei...
Hausarbeit (Hauptseminar), 36 Seiten
Romantische Aspekte in Goethes Wahlverwandtschaften
Germanistik - Neuere Deutsche Literatur
Seminararbeit, 28 Seiten
Das Kind Otto in Goethes Wahlverwandtschaften
Germanistik - Neuere Deutsche Literatur
Hausarbeit (Hauptseminar), 24 Seiten
Voyeurismus im Kino: Michael Powells PEEPING TOM
Hausarbeit (Hauptseminar), 31 Seiten
Das Bild der "neuen Frau" bei Autorinnen und Autoren der Wei...
Germanistik - Neuere Deutsche Literatur
Hausarbeit (Hauptseminar), 25 Seiten
Die Fabel als Lernformat für Kinder? Eine Untersuchung
Hausarbeit (Hauptseminar), 33 Seiten
Zählt Kafkas ´Verschollener´ zur Gattung der Bildungsromane?
Germanistik - Neuere Deutsche Literatur
Hausarbeit, 20 Seiten
Unterrichtseinheit: Satzglieder - Sätze durch Umstellen verändern
Deutsch - Pädagogik, Didaktik, Sprachwissenschaft
Unterrichtsentwurf, 24 Seiten
Germanistik - Neuere Deutsche Literatur: Weiblichkeitsbilder in Goethes Skandalroman "Die Wahlverwandtschaften" ist nun auf dem Buchmarkt erhältlich
Sarah Kraushaar hat den Text Weiblichkeitsbilder in Goethes Skandalroman "Die Wahlverwandtschaften" veröffentlicht
Sarah Kraushaar hat einen neuen Text hochgeladen
Goethes "Wahlverwandtschaften" und das Andere der Vernunft
Die Mikro- und Makrokonstellat...
Jang-Hyok An
0 Kommentare