1. Einleitung
Im Rahmen des Seminars „Sprachkritik im Journalismus“ widmete sich unsere Referatgruppe dem Thema ‚Layout und Überschrift’. Die erarbeiteten theoretischen Grundlagen verwendeten wir auf praktischer Ebene zur Analyse des ‚Landboten’. Wir analysierten neben dem Gestaltungskonzept, welches wir auf den ersten Bund der Zeitung beschränkten, auch Form, Funktion und Wirkung der Überschriften. Diese Seminar-Arbeit knüpft an die erarbeiteten Layoutgrundlagen an und berücksichtigt als Forschungsgegenstand weiterhin den ‚Landboten’, bezieht sich jedoch auf dessen Online-Ausgabe, den ‚Winti-Guide.ch’.
Wie mediengerecht die Realisierung der Online-Ausgabe erfolgt, ist die grundlegende Fragestellung dieser Arbeit, wobei im ersten, theoretischen Teil die charakteristischen Merkmale und Möglichkeiten des Internets besprochen werden. Jene Zusammenstellung der relevanten Charakteristika dient im zweiten Teil der praktischen Analyse am Gegenstand selbst.
1.1. Das Internet
Obwohl neu in der Geschichte der Medien, beinhaltet das Internet alle bereits etablierten M edien, wobei es gleichzeitig viel mehr darstellt als deren schlichte Summe oder neuartigen Verbreitungskanal. Für die Zeitung als traditionelles Medium bedeutet die Annäherung an das neue elektronische Medium eine ‚tiefgreifende medienhistorische Transformation’ 1 , die jedoch nach Bucher keinen Quantensprung in der Zeitungsgeschichte‚ ‚sondern die logische Fortsetzung eines Strukturwandels des Mediums Zeitung’ 2 darstellt. Die Neuartigkeit des digitalen Massenmediums manifestiert sich in folgenden Punkten: (1) Multimedialität, (2) Interaktivität, (3) Virtualität und (4) Nicht-Linearität 3 .
1 In: Text im digitalen Medium, S. 9
2 In: Text im digitalen Medium, S. 9
3 In: Text im digitalen Medium, S. 10-11
3
1. Das neue Medium ist multimedial, beinhaltet schriftliche, auditive, visuelldynamische, fotografische und grafische Dokumente zusammen, ist also Hörfunk, Fernsehen, Video, Zeitung, Bildband und Computeranimation in einem. Die Folge der multimedialen Erweiterungen ist eine ‚tiefgreifende
Bedeutungsänderung’ 4 der bis anhin geltenden Grenzziehung zwischen Bild, Sprache und Schrift. Allerdings muss man beim Einsatz dieser Erweiterungen den ‚Grundsatz der V erhältnismässigkeit’ 5 aufgrund der schnellen Sättigungserscheinung und der langen Übertragungszeit berücksichtigen. Jedoch unterliegt die Entwicklung der dafür benötigten Infrastruktur (Verbindungen, Hardwareleistungen) einer laufenden Verbesserung, welche einen rascheren Download und somit eine selbstverständlicher anmutende Rezeption ermöglicht.
2. Das neue Medium funktioniert interaktiv, sowohl in den unbegrenzten Selektionsmöglichkeiten seiner User, als auch durch verschiedene spezifische Kommunikationsformen, wie beispielsweise E-Mail-Leserbriefe, Chatforen, Diskussionsgruppen und WWW-TED-Abstimmungen.
Zurzeit ist das Internet noch ein demokratisches Medium, d.h. dass jede und jeder mit entsprechendem Zugang und Kenntnissen Informationen publizieren und somit das WWW mitgestalten und verändern kann. Private Anbieter konkurrenzieren mit kommerziellen, die Entscheidung bei der Wahl des Leseangebotes liegt nach wie vor beim User.
Dadurch kann die Zahl der Zugriffe auf ein bestimmtes Angebot ermittelt werden, womit das Leseverhalten zugleich über die Attraktivität der Angebote abstimmt. So bestimmt die Leserschaft über die Attraktivität des Angebotes, woraus sich zum Beispiel besonders lukrative Werbeflächen ergeben.
3. Das neue Medium ist virtuell und somit der Raum-Zeit-Begrenzung enthoben. Kommunikationsbegrenzungen durch eingeschränkten Raum entfallen, womit
4 In: Optische Labyrinthe im digitalen Journalismus
5 In: Sind Printmedien im Internet Online-Medien?, S. 195
4
die Möglichkeit der Anlegung von grossen Datenbeständen und deren gezielter Suche/Abfrage-Funktionen (Archiven, Datenbanken) besteht.
4. Das neue Medium ist nicht-linear. Jenes Organisationsprinzip der nicht vorgegebenen Rezeptionsabfolge schafft hypertextuelle oder hypermediale Strukturen, welche seitens der Nutzerinnen und Nutzer ein
‚autorenbestimmtes Sequenzenmuster der Rezeption’ 6 ausschliesst und eine nutzerbestimmte Rezeptionsabfolge ermöglicht. 1.2 Hypertext und Nicht-Linearität
Aber wie definiert sich ‚hyper’ an Hypertext und Hypermedien? Eine exakte Definition davon existiert nicht, viel mehr herrscht ein gewisser Konsens über spezifische Merkmale. Hypertext unterscheidet sich von anderen Informationssystemen vor allem innerhalb folgender Aspekte 7 :
1. Hypertexte sind computergestützte Informationssysteme.
2. In Hypertexten werden Informationen nicht-linear in Form eines Netzwerks aus Knoten und Verbindungskanten repräsentiert. Jeder Knoten enthält eine bestimmte Menge an Informationen. Die Knoten wiederum sind durch gerichtete Verbindungskanten miteinander verbunden.
3. Ein Hypertext-System stellt einen Mechanismus zur Verfügung, um sich entlang der Verknüpfungen nicht-linear durch dieses Informationsnetzwerk zu bewegen. Die Aktivität des Benutzers ist also ein weiteres wichtiges Merkmal von Hypertext.
Abgesehen von diesen drei Merkmalen, weist Hypertext noch andere spezifische Aspekte auf. Um die bereits erwähnte Interaktion mit dem System zu ermöglichen bzw. zu erleichtern, wurden eigene Orientierungshilfen (Browser) geschaffen. Man navigiert sich durch das Internet und läuft so gleichzeitig Gefahr, aufgrund der
6 In: Text im digitalen Medium, S. 10
7 In: Lernen mit Hypertext, S. 18
5
Unordnung im Informationsnetzwerk von Orientierungslosigkeit und Verwirrung übermannt zu werden und dadurch an den Informationen vorbeizusurfen. ‚Getting lost in hyperspace’ nennt sich dieses Phänomen.
Das folgende Kapitel bemüht sich um eine Beschreibung der strukturellen und operationalen Aspekte.
1.3. Strukturelle Aspekte: Knoten, Kanten, Netze 8
Die nicht-lineare Struktur des Hypertextes besteht aus Informationsblöcken, welche mit Verweisen miteinander verknüpft sind.
Nicht-Linearität: Dies bedeutet eine netzartige Struktur aus Informationsblöcken und Verknüpfungen ohne feste Ordnung, die eine zu lesende Sequenz festlegt. Knoten und Kanten: W ährend Knoten (nodes) eine abgeschlossene Informationsmenge beinhalten und somit das Basiselement des Hypertexts darstellen, verbinden L inks (Verknüpfungen, Kanten oder Verweise) jene Einheiten. Der Ausgangsknoten (Ankerknoten) verweist auf den Zielknoten, wobei die Richtung lediglich vom Anker- zum Zielknoten weisen kann oder aber auch bidirektional sein kann. Anker- und Zielknoten bilden als Gesamtes ein Netz, das Web, wobei der User nur den gegenwärtigen Knoten wahrnimmt, also die Präsentationsebene bzw. Benutzerschnittstelle. Die abstrakten Verknüpfungen werden im Hintergrund in einer html- bzw. xpl-Datei beschrieben.
Modularisierung: Als charakteristisch für Hypertext gilt die Modularisierung der Information bzw. deren Aufteilung in einzelne Knoten. Hierbei muss bei der Erstellung solcher Knoten beachtet werden, dass die Informationsblöcke weder zu gross (verminderte Möglichkeit der Interaktion durch eine schwerfällige Quantität der Information) noch zu klein (Zersplitterung der Information verhindert deren Zusammenhang) sind.
8 In: Lernen mit Hypertext, S. 19
6
Arbeit zitieren:
2004, Sprachkritik: eine umfassende Analyse des Winti-Guide.ch - Wie mediengerecht wurde die Online-Ausgabe des 'Landboten' realisiert?, München, GRIN Verlag GmbH
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