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4. Detailanalyse 93 - 113
4.1 Die Darstellung des Jonathan Trotz 95 - 103
4.1.1 Johnny als Erzähler: Sequenz 1 2 1 3 95 - 97
4.1.2 Johnny als Vertrauensperson: Sequenz 10 3 97 - 98
4.1.3 Johnny im Umgang mit Konflikten: Sequenz 11 0 99 - 101
4.1.4 Johnny als Freund: Sequenz 14 2 101 - 103
4.2 Abweichungen von der Romanvorlage 104 - 113
4.2.1 Johnny der Neuankömmling: Sequenz 4 2 104 - 105
4.2.2 Monas Geburtstagsfeier: Sequenz 10 2 10 2 1 105 - 108
4.2.3 Justus und der Nichtraucher: Sequenz 11 3 11 3 1 108 - 110
4.2.4 Das fliegende Klassenzimmer : Sequenz 14 0 110 - 113
5. Abschließende Betrachtung 114 - 120
6. Literatur
7. Anhang 1 - 8
7.1 Filmographie 1 - 2
7.2 Produktions- und Rezeptionsaspekte 3 4
7.3 Rezensionen und Pressenotizen 4 - 8
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EINLEITUNG
Medien bestimmen unseren Alltag, unser Leben – und natürlich auch das der Kinder.
Fernsehen, Video und Computer gehören ebenso dazu wie das Buch, die Zeitung oder
die Zeitschrift. Hier ist vor allem der Bereich der Kinder- und Jugendliteratur (KJL) von
Interesse, ihre besondere Wichtigkeit und herausgehobene Stellung ist unumstritten.
Zum einen wird die Kinder- und Jugendliteratur als eine Art Sozialisationsmittel
verstanden. Dabei sollen Kinder über Literatur dahingehend „erzogen“ werden, dass sie
ihre eigenen Wahrnehmungsmöglichkeiten weiterentwickeln, indem sie an Erlebnissen,
emotionalen Einstellungen und Erkenntnissen literarischer „Helden“ teilhaben und diese
verarbeiten. 1 Zum anderen wird Kinder- und Jugendliteratur als kindgemäße Literatur definiert. „Dazu gehört dann, dass solche Stoffe und Themen eine Rolle spielen, die
jeweils aktuelle kindliche Bedürfnisse, Wünsche erfüllen: Spiel, Abenteuer,
Tierfreundschaften, erste Liebe.“ 2 Es gilt in diesem Bereich, die Freude und das Interesse der Schüler an Kinder- und Jugendliteratur zu bewahren bzw. zunächst zu
wecken. 3 „Kinder zum Lesen und zur Literatur hinzuführen gehört zu den zentralen Aufgaben des Deutschunterrichts. Angesichts einer sich rapide verändernden
Medienumwelt steht die Schule heute vor einer schwer zu bewältigenden Aufgabe.“ 4 Diese besteht darin, die Lesesozialisation von Kindern zu übernehmen, und das macht
die Einbeziehung umfangreicher Texte, (insbesondere von Kinder- und Jugendliteratur)
in den Grundschulunterricht erforderlich. Im häuslichen Bereich wie auch in der Schule
hat sich mittlerweile allerdings ein spezielles Medium durchgesetzt, das die Kindheit in
besonderer Weise begleitet: das Fernsehen. Es fasziniert durch eine Vielzahl von
bewegten Bildern, eine Gleichzeitigkeit von Ereignis und Affekt, faszinierende Rasanz
in der Präsentation und eine Vielzahl visueller Effekte. 5
Aufgrund dieser Tatsache stellt sich die Frage: Wie leitet man Kinder - in einer
zunehmend visuell bestimmten Welt - zum richtigen Umgang mit solchen Bildern an?
Denn Bilder im Fernsehen erscheinen in besonderer Weise unmittelbar, sinnlich,
überzeugend und wahr, aber sie können auch manipulieren.
1 vgl. Hessische Rahmenrichtlinien, Wiesbaden: 1979, S. 113.
2 Carsten Gansel: Moderne Kinder- und Jugendliteratur, Berlin: Cornelsen Scriptor, 1999, S. 13.
3 vgl. Hessisches Kultusministerium: Rahmenplan für die Grundschule Hessen, Frankfurt/Main: Verlag Moritz Diesterweg, 1995, S. 106.
4 ebd.
5 vgl. Bettina Hurrelmann: Kinderkultur: Produktiver Umgang mit Büchern, in:
Grundschulzeitschrift, Sonderdruck Deutsch, S. 90-95.
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Da das Fernsehen jedoch nicht mehr aus der Realität zu verbannen ist – und das soll es auch gar nicht –, ist es besonders wichtig, Schülern und Schülerinnen schon in der Grundschule Anleitungsmuster zu geben, die sie zum kritischen Umgang mit Medien befähigen. Diese „Fähigkeit, Medien selbst aktiv für eigene Zwecke zu nutzen, setzt das
Verständnis über die Machart, Wirkungsweisen und Aussagen der Medien voraus.“ 6 Deshalb fordert der Rahmenplan für die Grundschule Hessen, dass „in Anbetracht der wachsenden Komplexität der Medienlandschaft und ihrer zunehmenden Bedeutung auch für die Kinder […] es Aufgabe der Medienerziehung [ist], zu einem bewussten Gebrauch der Medien zu führen und eine kritische Einstellung ihnen gegenüber zu
entwickeln.“ 7 Gefordert ist also eine Medienerziehung, die verhindert, dass Kinder der suggestiven Macht der Bilder ausgeliefert sind.
Die Liste der Vorwürfe gegen das Fernsehen und die Liste der TV-bedingten Schäden ist umfangreich: „Literaturwissenschaftler befürchten einen Sprachverfall, Soziologen entsetzen sich über die zunehmende Gewaltbereitschaft, Psychologen beklagen die Verkümmerung sozialer Kontakte, Lehrer registrieren Konzentrationsschwächen, Wahrnehmungsverzerrungen und Fantasielosigkeit bei den Schülern, Kinderärzte monieren Haltungsschäden, Bewegungsarmut und Schlafstörungen – und für all das
wird das Fernsehen verantwortlich gemacht.“ 8
Einerseits können Mediendarbietungen auf Kinder negative Wirkungen haben,
andererseits „brauchen Kinder Fernsehen“ 9 (Bruno Bettelheim), weil viele Filme Situationen beschreiben, die Kinder in ihrer eigenen Realität nicht ausleben können. Tulodziecki beschreibt die Mediennutzung von Kindern als „bedürfnisbezogene Handlung“, die der jeweiligen Lebenssituation der Kinder entspricht – nicht aber immer den Wünschen der Eltern oder der Pädagogen. Kindliche Mediennutzung geschieht nicht nur im Schutzraum der elterlichen Zuwendung beim gemeinsamen Sehen, denn so
bliebe den Kindern kein „Geheimnisraum“ 10 eines eigenständigen Lebens mehr. „Kinder brauchen diesen Raum zur Subjektkonstitution und Identitätsbildung.“ 11
6 Hessisches Kultusministerium: Rahmenplan für die Grundschule Hessen, Frankfurt/Main: Verlag Moritz Diesterweg, 1995, S. 270.
7 ebd. S. 270.
8 Michael Sahr: Kinder – Bücher – Verfilmungen – Der literarische Kinderfilm im Unterricht, Kallmünz: Verlag Michael Lassleben, 1997, S. 10.
9 ebd.
10 vgl. Gerhard Tulodziecki: Erziehung und Bildung im Medienzusammenhang – Ziele, Bedingungen, Aufgaben und Kompetenzen, in: Joachim von Gottberg / Lothar Mikos / Dieter Weidemann: Kinder an die Fernbedienung – Konzepte und Kontroversen zum Kinderfilm und Kinderfernsehen, Berlin: VISTAS Verlag GmbH, 1997, S. 175 188.
11 ebd., S. 61.
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Für die Orientierungssuche der Kinder spielen Helden und Heldinnen des Fernsehens – wie die der Kinder- und Jugendliteratur - eine entscheidende Rolle. Sie beobachten deren Charakter, deren Verhaltensweisen und deren Umgang mit anderen und mit Konflikten. Die Kinder prüfen an ihnen ihr Selbstkonzept oder projizieren auf sie ihre Wünsche.
Deshalb ist es wichtig, Kindern bereits in der Grundschule Anleitungen zum Umgang mit den Medien zu geben. Die vorliegende Arbeit beschäftigt sich daher eingehend mit dem Thema „Filmanalyse“. Es wurde dafür die Neuverfilmung des Klassikers „Das fliegende Klassenzimmer“ von Erich Kästner ausgewählt. Helga Theunert hat in ihrem Bericht „Kinder und Medien“ erkannt, dass die Identifikation mit Fernsehfiguren und das Ausprobieren von deren Handlungsweisen in Spiel, Fantasie und Tagträumen ein wichtiger Weg für Kinder ist, die vom Fernsehen angebotenen Orientierungen auf ihre
Brauchbarkeit hin „abzuklopfen“. 12 Daher erscheint der ausgewählte Film besonders geeignet; denn auf der einen Seite hat er einen Bezug zur Lebenswelt der Schüler (sonst ist keine Auseinandersetzung möglich), auf der anderen Seite vermittelt dieser Film Werte wie Freundschaft, Respekt und Loyalität: Werte und Ideale also, an denen sich die Kinder orientieren können und die sie auf ihrer Identitätssuche ein Stück weiter bringen.
Um das Thema „Verfilmte Kinderliteratur: Medienpädagogische Analyse von T. Wigands Adaption „Das fliegende Klassenzimmer“ (2003)“ angemessen zu bearbeiten, gliedere ich es in vier zentrale Schwerpunkte auf, die gleichermaßen die literarische Vorlage Kästners sowie die neueste filmische Adaption von T. Wigand untersuchen und auswerten. Im Einzelnen lauten die vier Schwerpunkte:
1. Zum Autor Erich Kästner
2. Der Film
3. Buch und Film
4. Detailanalyse
Das methodische Vorgehen bei der vorliegenden Arbeit stellt sich demnach folgendermaßen dar:
Damit ein Bezug zur literarischen Vorlage, einem Klassiker der Kinder- und Jugendliteratur, hergestellt werden kann, scheint es mir notwendig, sich mit dem Autor,
12 vgl. Helga Theunert: Kinder und Medien, in: Jürgen Hüther / Bernd Schorb / Christiane
Brehm-Klotz: Grundbegriffe Medienpädagogik, München: KoPäd Verlag, 1997, S. 189.
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seinem Lebens- und Schaffensweg sowie der Entstehung seines Werkes eingehend zu beschäftigen. In diesem Zusammenhang ist es von besonderem Interesse, zu untersuchen, ob und in wie weit biographische Züge des Autors sowie historische Hintergründe seiner Zeit in die Werke, speziell in seinen Kinderroman „Das fliegende Klassenzimmer“ einfließen.
Aufbauend auf einem ausführlichen Sequenzplan untersuche ich im zweiten Schwerpunkt der Filmbetrachtung die zentralen Strukturelemente (Kamera, Filmische Erzählweise und Erzählerfunktion, Spannung, Sprache und Musik) sowie die Personen und die Personenkonstellation. Bei dieser Untersuchung habe ich mich von der Frage leiten lassen, welche Absicht die Filmemacher mit dem gezielten Einsatz einiger filmsprachlicher Mittel verfolgen.
Nachdem an dieser Stelle die literarische Vorlage „Das fliegende Klassenzimmer“ von Erich Kästner sowie der Film selbst umfassend untersucht wurden, vergleiche ich in einem dritten Schwerpunkt Buch und Film miteinander. Diese Buch - Film – Synopse habe ich mit dem Ziel durchgeführt, Abweichungen von der Romanvorlage festzustellen. Interessant ist hierbei, herauszuarbeiten, wie der 1933 entstandene Roman ins Jahr 2003 transformiert werden konnte.
Dieser Vergleich mündet im vierten Schwerpunkt in einer Analyse, die sich nun ausschließlich auf Detailbetrachtungen konzentriert. Zum einen wird die anfangs aufgestellte These, dass sowohl literarische als auch Filmhelden Kindern als Identifikationsfiguren dienen, aufgegriffen. Dementsprechend werden im ersten Teil der Detailanalyse ausschließlich Sequenzen um Jonathan Trotz (Johnny) gezielt ausgewählt und analysiert. Zum anderen ist es von besonderer Wichtigkeit, sich dem in Punkt 3 erkannten Abweichungen / Aktualisierungen des Films gesondert zu widmen, diese filmsprachlich zu analysieren und zu hinterfragen. Demnach besteht der zweite Teil der Detailanalyse aus Szenen, die im Buch entweder gar nicht oder in abgewandelter Fassung vorkommen.
Das letzte Kapitel „Abschließende Betrachtung“ unterlegt die gewonnenen Erkenntnisse mit zusätzlichen Hintergrundinformationen und ordnet diese ein, um sie letztlich wertend vor dem Hintergrund der Aktualisierungen zu betrachten.
Die ausführliche Filmografie, Rezensionen und Pressenotizen finden sich gesondert im Anhang.
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1. Zum Autor Erich Kästner
Aufgrund meiner Vorkenntnisse über Kästners Biographie lassen sich schon jetzt einige Parallelen zum Buch „Das fliegende Klassenzimmer“ erkennen. Aus diesem Grund werden im Folgenden Kindheit und Schulzeit Kästners skizziert. Um den Blick auf die Person des Autors zu vervollständigen, wird ebenso Bezug auf sein literarisches Schaffen, besonders auf die Entstehung des „Fliegenden Klassenzimmers“ genommen.
1.1 Über seine Kindheit
Biographen und Literaturwissenschaftler sind sich darüber einig, dass Kästners Kindheit und Schulzeit eng mit der Entstehung seines Kinderromans „Das fliegende Klassenzimmer“ zusammenhängen. Der Autor selbst formuliert es so:
„Es gibt zweierlei Zeit. Die eine kann man mit der Elle messen, mit der Bussole und dem Sextanten, wie man Straßen und Grundstücke ausmisst. Unsere Erinnerung aber, die andere Zeitrechnung, hat mit Meter und Monat, mit Jahrzehnt und Hektar nichts zu schaffen. Alt ist, was man vergessen hat. Und das Unvergessliche war gestern. Der Maßstab ist nicht die Uhr, sondern der Wert. Und das Wertvollste, ob lustig oder traurig, ist die Kindheit. Vergesst das Unvergessliche nicht! Diesen Rat kann man, glaub ich, nicht früh genug geben.“ 13
Kästner wurde am 23. Februar 1899 in Dresden geboren; seine Kindheit und Jugend endeten am 1. August 1914, als er ins kaiserliche Heer eingezogen wurde. Über seine Kindheit schreibt er in seinen Erinnerungen „Als ich ein kleiner Junge war“, die er 1957 veröffentlichte. Erich Kästner war das einzige Kind von Ida und Emil Kästner. „Was Luiselotte Enderle, Kästners Lebensgefährtin, viele Jahre lang als angeblich sorgsam gehütetes ‚Familiengeheimnis’ respektiert wissen wollte, ging in der Dresdener Neustadt vor mehr als einem Menschenalter schon von Mund zu Mund: Dass nicht der Sattler Emil Kästner, sondern der Hausarzt der Familie [Dr. med. Emil Zimmermann] Erich Kästners Vater sei.“ 14
13 Erich Kästner: Als ich ein kleiner Junge war, Zürich: Atrium, 1957, S. 13.
14 Franz Josef Görtz / Hans Sarkowicz: Erich Kästner – Eine Biographie, München:
Piper Verlag GmbH, 2003, S. 16.
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Die wichtigste Rolle im Leben des Autors spielte seine Mutter. Zu seinem Vater hatte er kein so inniges Verhältnis. Seinen leiblichen Vater dagegen, den Hausarzt Zimmermann, empfand Kästner als liebenswürdigen Onkel, der nicht selten die Rolle
und die Aufgabe eines Vaters zu übernehmen schien. 15 Eine solche Rollenverteilung findet man auch oft in den Werken Kästners wieder. Bezogen auf „Das fliegende Klassenzimmer“ ist es Jonathan Trotz, der von seinem Vater verlassen wird, als Jonathan vier Jahre alt ist. In Kästners Romanen fungieren Väter gewöhnlich nur als Statisten. Die Erzieherrolle wird meistens von der Mutter oder von einem guten Onkel
übernommen. Nicht anders hat der Autor Erich Kästner es als Kind tagtäglich erlebt. 16 Im Jahre 1906 wurde Erich Kästner eingeschult. Trotz seiner großen Liebe zum Lernen war seine Schulzeit überwiegend von schlechten Erlebnissen geprägt. Die Erfahrungen, die er im Laufe seines Schullebens machen musste, haben sein ganzes Leben bestimmt. Kästner war zwar ein guter und fleißiger Schüler, doch waren es die Lehrer, die ihn mehr und mehr enttäuschten. Nicht ohne Grund bezeichnete er später die Schule als „Kinderkaserne“ und die Lehrer als „Feldwebel“, die Wissen und Gehorsam mit dem Rohrstock hätten erzwingen wollen. Selbstständiges Denken war – zumindest bei den Kindern aus ärmeren Familien - weder gefordert noch erwünscht.
Ganz anders verhielt es sich auf dem Dresdener König-Georg-Gymnasium, wo Kästner 1919 das Abitur machte: Hier traf er endlich Lehrer, wie er sie sich als Kind immer gewünscht hatte.
In seinem Kinderroman „Das fliegende Klassenzimmer“ hat Kästner 1933 solchen verständnisvollen Lehrern, die durch Persönlichkeit statt Gewalt überzeugen, ein Denkmal gesetzt und in seiner „Ansprache zum Schulbeginn“ mahnt er die Schüler, kritisch und selbstbewusst zu sein, indem er fordert:
• „Lasst euch die Kindheit nicht austreiben!“
• „Haltet das Katheder weder für einen Thron, noch für eine Kanzel!
• „Nehmt Rücksicht auf diejenigen, die auf euch Rücksicht nehmen!“
• „Seid nicht zu fleißig!“
• „Lacht die Dummen nicht aus!“
• „Misstraut gelegentlich euren Schulbüchern!“
(In: Ansprache zum Schulbeginn, in: Die kleine Freiheit, S. 14ff.) 17
15 vgl. ebd., S. 17.
16 vgl. ebd., 20.
17 vgl. www.kaestner-im-netz.de, 01.10.2003.
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1.2 Über die Entstehung und die Entstehungszeit des Kinderromans „Das fliegende
Klassenzimmer“
Als Erich Kästner aus dem Ersten Weltkrieg zurückkehrte, studierte er in Leipzig Germanistik und Theatergeschichte und promovierte 1925 zum Dr. phil. Er arbeitete zunächst als Journalist und Theaterkritiker und zog 1927 nach Berlin, wo er sich seinen Lebensunterhalt als Mitarbeiter in Buchverlagen verdiente. Kästners Weg als Kinderbuchautor wurde maßgeblich von Edith Jacobsohn, der Verlegerin der Zeitschrift „Weltbühne“, bereitet. Nachdem diese einen Kinderbuchverlag übernommen hatte, versammelte sie regelmäßig ihre Mitarbeiter, zu denen auch Erich Kästner gehörte, in einem Teesalon. Hier schlug Jacobsohn dem jungen Kästner vor, für ihren Verlag ein Kinderbuch zu schreiben. Kästners erster Roman für Kinder, „Emil und die Detektive“, erschien 1929; 1931 wurde „Pünktchen und Anton“ veröffentlicht und schließlich 1933 „Das fliegende Klassenzimmer“. „Die Geschichte einer Schulklasse und ihres Lehrers Justus, die im Internat gemeinsam ein Theaterstück für den letzten Tag vor den Weihnachtsferien proben, erschien mit Illustrationen von Walter Trier Ende November 1933.“ 18 Kästner schreibt in einem Brief an seine Mutter (27.03.1933): „Heute früh kamen die ersten Exemplare vom ‚Klassenzimmer’. Sehr hübsch.“ 19
Was Kästner zu der Zeit noch nicht wissen konnte: Am 10. Mai 1933 würden seine Werke bei der Bücherverbrennung in Berlin in Flammen aufgehen und seine Bücher von den Nationalsozialisten verboten werden. Aus einem weiteren Brief an seine Mutter (26.11.1933) erfahren wir über „Das fliegende Klassenzimmer“: „Schick mir doch bitte sofort vom ‚Fliegenden Klassenzimmer’ das gedruckte, wenn auch noch ungebundene Umbruchsexemplar, das in der vorderen Stube liegt. Ich traf den Stemmle [Robert A. Stemmle, ein Freund Erich Kästners] wieder und er will’s rasch lesen, wegen evtl. Verfilmung.“ 20
18 Franz Josef Görtz / Hans Sarkowicz: Erich Kästner – Eine Biographie, München:
Piper Verlag GmbH, 2003, S. 211.
19 Franz Josef Görtz / Hans Sarkowicz: Erich Kästner – Eine Biographie, München:
Piper Verlag GmbH, 2003, S. 211.
20 Steck–Meier, Esther: Erich Kästner als Kinderbuchautor, Bern: Peter Lang AG,
Europäischer Verlag der Wissenschaften, 1999, S. 216.
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Dazu kam es jedoch in der Nazizeit nicht, denn ab 1934 wurde über Kästner ein Schreibverbot verhängt. Er hatte Angst vor dem Nationalsozialismus, aber „ein Salondemokrat, der nur in Caféhäusern oder in privaten Zirkeln schwadronierte, ansonsten aber politisch Abstinenz übte, um für alle Wechselfälle der Geschichte
gerüstet zu sein, war Kästner nicht.“ 21 Während viele andere Schriftsteller in die Emigration gingen, beschloss Kästner, trotz der Nazi-Herrschaft in Deutschland zu bleiben. Gründe dafür waren zum einen seine Mutter, die zu keinem Ortswechsel mehr zu bewegen gewesen wäre, zum anderen seine Freunde, die noch in Berlin lebten. Vielleicht war es auch der Plan zu einem großen Roman der Nazi-Diktatur, den er schreiben wollte, zumal er hoffte, der Spuk werde nicht so lange dauern.
1954 wurde schließlich der Klassiker „Das fliegende Klassenzimmer“ erstmals von Kurt Hoffmann verfilmt. 1973 versuchte sich Werner Jacobs an einem Remake des Stoffes. Die neueste Adaption erschien am 16.01.2003 in den Kinos; der Regisseur war Tomy Wigand.
1.3 Weitere Werke
Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde Kästner Feuilletonredakteur bei der „Neuen Zeitung“ in München und Herausgeber der Jugendzeitschrift „Pinguin“. Die Arbeit für den Pinguin nutzte er, um Kindern und Jugendlichen anhand historischer Ereignisse zu demonstrieren, wie Fehler in der Vergangenheit entstanden sind und wie sie in der Zukunft vermieden werden können. Dieses pädagogische Programm Kästners lässt
gleichzeitig auf die Motivation seines Schaffens schließen. 22 Sie bestand in der „Hoffnung, dass die Menschen vielleicht doch ein wenig, ein ganz klein wenig besser
werden könnten“ 23 , wenn man ihnen positive Figuren als Identifikationsmodelle präsentiert. „Mit diesem Anliegen wurde er zum Schulmeister und Moralisten, der einen
Humanisierungsprozess in der Gesellschaft in Gang setzen wollte.“ 24
21 Franz Josef Görtz / Hans Sarkowicz: Erich Kästner – Eine Biographie, München:
Piper Verlag GmbH, 2003, S. 194.
22 vgl. Franz Josef Görtz / Hans Sarkowicz: Erich Kästner – Eine Biographie, München:
Piper Verlag GmbH, 2003, S. 305.
23 Mounier, Barbara: Das fliegende Klassenzimmer ( Film-Heft), Köln: INSTITUT für
KINO UND FILMKULTUR (IKF), 2003, S. 17.
24 ebd., S. 17.
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Betrachtet man Erich Kästner in Bezug auf die Erwachsenenliteratur, so kann man sein Schaffen im Wesentlichen in drei Perioden einteilen:
1. Periode: Die Zeit vor dem Zweiten Weltkrieg (frühe Werke)
Kästners erster Gedichtband, „Herz auf Taille“, erschien 1928. Ihm folgten direkt drei andere Sammlungen, die hohe Auflagen erreichten: „Lärm im Spiegel“ (1929), „Ein Mann gibt Auskunft“ (1930) sowie „Gesang zwischen den Stühlen“ (1932). 1931 erschien sein zeitkritisch-satirischer Roman „Fabian“.
2. Periode: 1933 – 1945 (Unterhaltungsromane, Lustspiele und Filmdrehbücher)
1936 erschien in Zürich der Band „Doktor Kästners lyrische Hausapotheke“, ein Taschenbuch, das alte und neue Gedichte des Verfassers enthielt. Des Weiteren entstanden in dieser Zeit „Drei Männer im Schnee“ (1934) und „Die verschwundene Miniatur oder auch Die Abenteuer eines empfindsamen Fleischermeisters“ (1936). Das Schreibverbot, das ihm von den Nazis auferlegt wurde, umging er, indem er unter Pseudonymen veröffentlichte.
3. Periode: Ab 1945 (Schriftstellerische Tagesarbeit, Feuilleton,
Kabarett)
„Nach 1945 verfasste Kästner Chansons und Texte für die Münchener Kabaretts „Die Schaubühne“ und „Die kleine Freiheit“, zu deren Mitbegründern er zählte.“ 25
Die Kinderliteratur Kästners lässt sich in zwei produktive Zeitabschnitte gliedern:
1. Periode: Ab 1926
Im Zuge seiner Tätigkeit bei verschiedenen Zeitungen in Leipzig verfasste Kästner auch sehr viele Beiträge für Kinder. 1929 wurde er durch die Veröffentlichung seines ersten
25 Walter Jens: Kindlers Neues Literaturlexikon (Band 9), München: Kindler
Verlag, 1988, S. 16.
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Kinderromans „Emil und die Detektive“ schlagartig berühmt. Weitere Kinderromane wie „Pünktchen und Anton“ (1931), „Der fünfunddreißigste Mai oder Konrad reitet in die Südsee“ (1932), „Das fliegende Klassenzimmer“ (1933) sowie die beiden Bilderbücher mit Gedichten „Das verhexte Telefon“ (1930) und „Arthur mit dem langen Arm“ (1930) folgten. Weiterhin entstanden vor dem Zweiten Weltkrieg „Emil und die drei Zwillinge“ (1935) und ein Filmtreatment „Das große Geheimnis“ (1942).
2. Periode: Nach 1945
Nach dem Zweiten Weltkrieg erschienen Kästners pazifistische Märchen „Die Konferenz der Tiere“ (1948) und das vergessene Filmtreatment unter dem neuen Titel „Das doppelte Lottchen“ (1949). Mit seinen Werken „Als ich ein kleiner Junge war“ (1957), „Das Schwein beim Friseur und andere Geschichten“ (1962), „Der kleine Mann“ (1963) und „Der kleine Mann und die kleine Miss“ (1967) endet die
Aufzählung der veröffentlichten Kinderbücher von Erich Kästner. 26
Die hier aufgelisteten Kinderromane „Emil und die Detektive“, „Pünktchen und Anton“, „Das fliegende Klassenzimmer“, „Das doppelte Lottchen“ und „Die Konferenz der Tiere“ sind Werke, die sowohl an Bedeutung als auch an Aktualität nichts eingebüßt haben. So kommt es, dass man sie auch heute noch zu den beliebtesten Kinderbüchern zählt und dass deren Verfilmungen hohe Einschaltquoten erzielen. Somit ist und bleibt Erich Kästner einer der größten Schriftsteller des 20.
Jahrhunderts. 27
Auch wenn die Kästner’sche Moral jahrzehntelang als verstaubt abgestempelt war, so
gewinnt sie heute plötzlich wieder an Bedeutung. 28 Der Grund dafür liegt nicht zuletzt darin, dass die Rufe nach Erziehungswerten zunehmend lauter werden. Gerade in einer solchen Situation kann es hilfreich sein, sich den Werken und Werten Kästners zu widmen. Der Autor spricht sowohl zu Kindern als auch zu Erwachsenen altersgerecht und direkt. Es erstaunt immer wieder, „wie kompromisslos Erich Kästner vom Kinde her denkt, welche Freiheiten er ihnen einerseits lässt und welche Verantwortung er
26 vgl. Walter Jens: Kindlers Neues Literaturlexikon (Band 9), München: Kindler
Verlag, 1988.
27 vgl. Walter Jens: Kindlers Neues Literaturlexikon (Band 9), München: Kindler
Verlag,1988.
28 vgl.www.nzz.ch, 04.06.2003.
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ihnen andererseits auferlegt.“ 29 Und das alles, ohne dabei den pädagogischen Zeigefinger erheben zu müssen.
2. Der Film
Der Kinderroman „Das fliegende Klassenzimmer“ wurde in Deutschland inzwischen dreimal verfilmt. So kann man sagen, dass die letzten drei Generationen gewissermaßen ihren eigenen Kästner haben.
Das erste Mal wurde die Romanvorlage 1954 in Schwarzweiß verfilmt (Regie: Kurt Hoffmann, 88 min.). Erich Kästner schrieb das Drehbuch selbst und blieb dabei sehr nah an der Romanvorlage. „In den Kritiken der 54er Verfilmung wurde die heile Welt mit ihren Idealcharakteren hervorgehoben. Zum einen konnten sich die Zuschauer mit
den Filmschauspielern sehr gut identifizieren.“ 30 Zum anderen entsprachen die positiven Ansätze und die nach vorne gerichtete Perspektive (in Anbetracht der Tatsache, dass der Zweite Weltkrieg erst vor neun Jahren beendet worden war) dem
damaligen Publikumsgeschmack. 31
Die filmische Adaption von 1954 wurde Kästners moralpädagogischen Forderungen gerecht, die sich in Werten wie Verantwortung, Vertrauen, Kompetenz und gegenseitigem Verständnis äußern. Paul Dahlke verkörperte hier den „Idealpädagogen“
im Sinne Kästners. 32
1973 kam die Neuverfilmung in Farbe in die Kinos (Regie: Werner Jacobs, 88 min.). Das Drehbuch zu dem Remake schrieb der Produzent Franz Seitz unter seinem Paukerfilm-Pseudonym Georg Laforet. Diese Version des „Fliegenden Klassenzimmers“ bekam überwiegend schlechte Kritiken. So wurde dem Regisseur Jacobs vorgeworfen, den Film zu sehr in die damalige „Lümmel- und Paukerfilm- Mentalität“ gezwängt zu haben. Kästners pädagogische Utopie stand in diesem Film
29 vgl. Sibylle Thelen: Kleine Persönlichkeiten - Es wäre schade , würden Kinder ohne Kästners Bücher groß, in: Stuttgarter Zeitung: Pro & Kontra: Was gilt uns Erich Kästner heut als Kinderbuchautor?, 14.01.2003, S.25.
30 www.bildung.hessen.de, 04.06.2003.
31 vgl. ebd.
32 vgl. ebd.
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nicht mehr im Mittelpunkt. Der Lehrer wurde nicht mehr als „Idealpädagoge“, sondern
als Kumpel der Schüler dargestellt. 33
Die dritte Adaption kam schließlich 2003 in die Kinos. Auffällig an T. Wigands Neuverfilmung sind die Bezüge zur deutsch-deutschen Geschichte und - über die Figur der Mona - die Einführung des Themas der ersten Liebe. Zusätzlich bekommen mit Mona und mit der Tanzlehrerin Kathrin auch Zuschauerinnen eine Identifikationsfigur.
Die „Ost-West-Geschichte hat Erich Kästner in seinem ‚Fliegenden Klassenzimmer’ nicht erzählen können. Aber sie hätte nicht schlecht gepasst zu dem moralisch korrekten
Ton, den dieser Autor mit erzählerischer Leichtigkeit verband.“ 34 Als Produzenten der Version von 2003 sind zwei Filmschaffende verantwortlich, die bereits in der Vergangenheit bewiesen haben, dass man die Stoffe des renommierten deutschen Literaten adäquat in die heutige Zeit transformieren kann: Uschi Reich und Peter Zenk, die zuletzt Caroline Links „Pünktchen und Anton“ und Franziska Buchs „Emil und die Detektive“ gemeinsam realisiert haben.
„Das fliegende Klassenzimmer“ (2003) ist zwar eine Literaturverfilmung im klassischen Sinn, doch nicht alle typischen Standards der Literaturverfilmung treffen auf die neueste Adaption des Kästner-Klassikers zu. So arbeitet der Film neben der chronologischen Erzählung auch mit Rückblenden und greift (wie im Buch) auf einen Erzähler zurück. „Indem wir mit Rückblenden arbeiten, verstoßen wir gegen die Gesetze des gradlinig erzählten Kinderfilms. Ich bin aber davon überzeugt, dass man das den Kindern von
heute zumuten kann“, behauptet Uschi Reich. 35
Der Hauptdarstellungsort der Erzählung ist das renommierte Thomaner-Internat in Leipzig. Der junge Schüler Jonathan, auch Johnny genannt, ist neu an der Schule. Er ist ein Findelkind, welches von einem Kapitän adoptiert worden ist. Der Vater, berufsbedingt immer unterwegs, muss den Jungen auf ein Internat geben. Da Johnny es aber nie lange an einem Ort aushält, glaubt er nicht, dass er lange am Internat des berühmten Thomanerchors bleiben wird. Am Flughafen findet Johnny einen Hund, der offensichtlich ausgesetzt worden ist – so wie er. Kurzerhand nimmt er ihn mit, obwohl er genau weiß, dass Tiere im Internat nicht erlaubt sind.
Der Zuschauer begleitet Johnny nun, wie er im Internat ankommt und wie der Internatsleiter Dr. Johann Bökh sich seiner annimmt. Schnell findet der neue Schüler
33 vgl. www.bildung.hessen.de, 04.06.2003.
34 www.echo-online.de, 04.06.2003.
35 vgl. www.cyberkino.de, 15.05.2003.
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Anschluss. Die Jungen aus seinem Schlafsaal werden seine Freunde: der besonnene Martin und der schmächtige Uli ebenso wie der experimentierfreudige Kreuzkamm junior und der stets hungrige Kraftprotz Matz. Natürlich entdecken die vier Jungen Johnnys Hund sehr schnell und auch Theo, der Stubenälteste und damit Tutor der Schüler, bekommt das mit und will den Hund ins Tierheim abschieben. Die Kinder jedoch zeigen Johnny ihr Geheimversteck, wo sie den Hund unterbringen wollen. Dieser Geheimtreff ist ein alter Eisenbahnwaggon, der auf einem Brachgrundstück steht. Am gleichen Abend werden sie dort von einem mysteriösen Mann, dem Nichtraucher, überrascht, dem der Waggon gehört. Sie schließen Freundschaft mit ihm und übergeben ihm die Hundepflege. Es kommt ihnen aber sehr merkwürdig vor, dass der Nichtraucher so viel über das Internat weiß und sich seltsam verhält, als die Kinder ihm von Justus erzählen (die Schüler nennen ihren Kantor Dr. Bökh freundschaftlich Justus, der „Gerechte“). Eigentlich ist das Internat ein reines Jungeninternat, doch es besuchen auch externe Schüler und Schülerinnen den Unterricht („Externe“ sind die Schüler, die nicht im Internat wohnen). Eine der Schülerinnen ist Mona. Zwischen ihr und Johnny entwickeln sich Zuneigung und Vertrautheit. Doch es gibt ein Problem: Zwischen den Externen und den Thomanern herrscht schon seit ewigen Zeiten ein Konflikt.
Als an einem Morgen eine Konzertaufzeichnung in der Thomaskirche stattfinden soll, entführen die Externen Kreuzkamm jun. und verbrennen die Konzertnoten. Die Internatsschüler kommen ihrem Freund zwar zu Hilfe, doch verpassen sie währenddessen den Anfang der Konzertaufzeichnung. Als „Strafe“ erhalten die Jungen von Justus die Aufgabe, eine exzellente Weihnachtsaufführung zu organisieren.
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„Bestrafung“ nach der verpatzten Konzertaufzeichnung
Ein gutes Stück dafür zu finden erweist sich aber als sehr schwierig. Doch entdecken die Kinder zufällig im Eisenbahnwaggon eine vergilbte Mappe mit einem Theaterstück: „Das fliegende Klassenzimmer“. Die Kinder sind begeistert und wollen eine Art Weltraumoper à la Raumschiff Enterprise auf die Bühne bringen. Für das nahende Weihnachtsfest im Internat plant Johnny, das Stück in ein modisches Hip-Hop-Musical umzuschreiben. Sogar die „Externen“ sollen ihren Part dabei spielen.
Als Justus jedoch bei einer Probe vorbeischaut, gerät er unerwartet in Zorn und verbietet kurzerhand die Aufführung des Stückes. Johnny ist außer sich vor Wut. In einer Schlüsselszene beschimpft er den eigentlich sehr liebenswerten Lehrer Dr. Bökh: „…Sie [sind] nichts als ein Einschleimer!“ Weiterhin tobt er, Justus’ Versprechungen seien „alles nur beschissene Lügen“ (Sequenz 11.0). Anschließend tritt Johnny gegen die Bühnendekoration und entfacht dadurch einen Brand.
Nachdem sich die Wogen wieder etwas geglättet haben, kommt es zur Aussprache zwischen Lehrer und Schülern. Justus begründet sein unkontrolliertes Verhalten: Er selbst und sein bester Freund Robert hätten das Stück in ihrer Jugend verfasst. Und auch sie hatten es als Weihnachtsaufführung geplant. Doch dazu sei es nie kommen: Robert sei noch vor der Premiere in den Westen geflohen und Justus sei vom Internat verwiesen worden. Beide Freunde hätten sich seitdem nicht wieder gesehen.
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Schließlich haben die Kinder gleich zwei Überraschungen für ihren Lieblingslehrer: Sie führen die beiden alten Internatsfreunde wieder zusammen. Denn wie sich herausstellt, ist der Nichtraucher niemand anderes als Justus’ alter Freund Robert. Und es gibt doch noch eine improvisierte Weihnachtsaufführung, bei der die Thomaner gemeinsam mit den „Externen“ rappen. Am Ende freut sich Jonathan sogar darauf, noch eine lange Zeit auf diesem Internat bleiben zu dürfen, wo er endlich Freunde gefunden hat. Nicht zuletzt ist es Mona, mit der er über den Dächern Leipzigs Weihnachten feiert.
2.1 Sequenzplan: „Das fliegende Klassenzimmer“ (2003)
Der Sequenzplan gliedert den Film in inhaltliche sowie zeitliche Abschnitte und führt somit schon Schwerpunkte verschiedenster Bereiche (Häufigkeit der Auftritte von Personen, Länge der Sequenzen und Musikbeispiele sowie Kameraeinstellungen und Perspektiven) vor Augen.
Dieses ausführliche Vorgehen ist Grundlage für etliche Schlussfolgerungen sowie im Verlauf der Arbeit eine Erleichterung, um verschiedene Situationen im Film durch die genannte Sequenz leichter auffinden und präziser benennen zu können. Eine detaillierte Filmografie findet sich im Anhang auf den Seiten 1-2.
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Claire Bäcker, 2003, Verfilmte Kinderliteratur: Medienpädagogische Analyse von T. Wigands Adaption Das fliegende Klassenzimmer (2003), Munich, GRIN Publishing GmbH
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