INHALTSVERZEICHNIS
Einleitung
1. Programm und Ziele der Unidad Popular
1.1 Die Präsidentschaftswahlen von 1970
1.2 Voraussetzungen und Prämissen
1.3 Neugestaltung der Wirtschaftsstruktur
2. Politische Maßnahmen und deren Auswirkungen
2.1 Agrarreform
2.2 Außenpolitik
2.3 Ausbau des staatlichen Wirtschaftssektors
2.4 Innenpolitik
2.5 Wirtschaftliche Entwicklung
3. Die Regierungszeit Allende s vor dem Hintergrund der Dependenztheorie
3.1 Grundzüge der Dependenztheorie
3.2 Strategie der Unidad Popular zur Überwindung der Unterentwicklung
Zusammenfassung und Schluss
Literaturverzeichnis
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Einleitung
Beschäftigt man sich mit Entwicklungsstrategien und - Theorien in Lateinamerika, so stößt man unweigerlich auf Chile. Chile ist deshalb so interessant, weil hier wie in keinem anderen Land verschiedene Phasen d es Wandels beschritten wurden, und sich so unterschiedliche Konzepte beleuchten lassen.
Die drei Jahre der Regierung Allende (1970 - 11.9.1973) fallen unter das Konzept einer auf Dependenztheorie basierenden Entwicklungsstrategie. Dazu gehören auch die sechs Regierungsjahre seines Vorgängers Edoardo Frei (1964 - 1970). Während Freis Plan als „Dritter Weg“, also als ein Weg zwischen Kapitalismus und Kommunismus gesehen wurde, galt der „Demokratische Sozialismus“ Allendes als gewagtes Experiment, als Versuch, auf friedlichem Weg in Chile den Sozialismus einzuführen. Beide Regierungen strebten also einen sozioökonomischen Wandel in ihrem Land an, unterschieden sich aber erheblich in ihrer Zielvorstellung (Eßer, Durch freie Wahlen zum Sozialismus, S.). Vor dem Hintergrund der Dependenztheorie und den dazugehörenden Entwicklungsstrategien wird im Folgenden die Regierungszeit Allendes analysiert. Im Rahmen dieser Arbeit können dabei nicht alle Analysepunkte detailliert durchleuchtet werden, weswegen eine Beschränkung auf die wichtigsten Bereiche erfo lgt. Die Allende-Regierung kann als Modellfall für eine auf Dependenztheorie basierenden Entwicklungsstrategie herangezogen werden. Zugleich kann somit versucht werden, Mängel der Strategie der Unidad Popular herauszuarbeiten. Welche Punkte werden von ihr zu Unrecht vernachlässigt, und welche wiederum überbewertet?
1. Programm und Ziele der Unidad Popular
Die Unidad Popular (UP), die Volkseinheit, war im Dezember 1969 durch ein Bündnis der Kommunistischen Partei, der Sozialistischen Partei, den Sozialdemokraten, der MAPU (Bewegung für die Volkseinheit), der API (Unabhängige Volksaktion) und der Radikalen Partei entstanden. Die Kandidatur Salvador Allendes bei den Präsidentschaftswahlen 1970, auf den sich die UP letztlich geeinigt hatte, stand im Zeichen einer „radikalen Veränderung der Sozial- und Wirtschaftsstruktur zur Herbeiführung der Bedingungen, unter denen in Chile der Sozialismus eingeführt werden kann“ (Nohlen, Chile, S. 122). Diese Phase des Übergangs sollte friedlich und verfassungs- sowie gesetzeskonform verlaufen, weshalb man auch von einer „Revo lution in Legalität“ spricht.
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1.1 Präsidentschaftswahlen von 1970
Edoardo Frei musste 1970 nach sechs Jahren Regierungszeit sein Amt abgeben, die chilenische Verfassung verbietet eine unmittelbare Wiederwahl des Präsidenten. Am 4. September standen schließlich drei Kandidaten zur Wahl. Zum einen war dies Jorge Alessandri, Kandidat der Rechten, die sich in der Nationalpartei zusammengeschlossen hatte. Er war schon von 1958 - 1964, also in der Periode vor Frei, Präsident gewesen. Wäre er 1970 erneut ins Amt gekommen, so hätte er wohl wenig an der sozioökonomischen Struktur des Landes geändert. Seine Ziele waren Wirtschaftswachstum und die Effizienzsteigerung des bestehenden Systems.
Für die Christdemokraten kandidierte Radomiro Tomic. Er gehörte zum linken Flügel der Partei. Vor der Wahl hatte die christdemokratische Partei ein Wahlbündnis mit den linken Parteien knapp abgelehnt. Das Programm der Partei unterschied sich trotz der unterschiedlichen Ziele und der unterschiedlichen Ideologien nicht wesentlich von dem der Unidad Popular. Gemeinsamkeiten waren z.B. die Nationalisierung von Privatunternehmen oder die Agrarreform.
Schon 1969 war das Bündnis der Volkseinheit, die Unidad Popular, bestehend aus Kommunisten, Sozialisten und anderen kleineren Linksparteien entstanden. Die zentrale Aufgabe der Volksregierung bestand nach dem Programm der UP darin, die „Vorherrschaft der Imperialisten, Monopole, der landbesitzenden Oligarchie zu beenden und den Aufbau des Sozialismus in Chile zu beginnen“ ( zit. nach Nohlen, Chile, S. 120). Die Volkseinheit hatte lange Zeit Schwierigkeiten, sich überhaupt auf einen Kandidaten zu einigen, schließlich kam man jedoch überein, Salvador Allende von der Sozialistischen Partei aufzustellen. In den Umfragen vor dem Wahltag lagen die drei Kandidaten relativ nah beieinander, so dass nicht klar war, wer letztlich gewinnen würde. Schließlich siegte Allende mit 36,6% der Stimmen knapp vor Jorge Alessandri, der 35,3% der Stimmen auf sich vereinen konnte. Radomiro Tomic lag mit 28,1% erst an dritter Stelle.
1.2 Voraussetzungen und Prämissen
Um die Ziele und auch die Maßnahmen der UP-Regierung zu verstehen, muss man wissen, von welchen Vorraussetzungen und Prämissen ihre Mitglieder ausgingen. Das Programm der Unidad Popular basierte auf der Annahme, dass Unterentwicklung ein Teil, genauer
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gesagt die Folge, des von Metropolen, d.h. den kapitalistischen Staaten, strukturierten kapitalistischen Systems war. Zwischen den Entwicklungsstaaten und den Industriestaaten herrscht ein Herrschafts-Abhängigkeitsverhältnis. Die wichtigen Entscheidungen werden in den Metropolen getroffen, der in den Peripherien erwirtschaftete Gewinn fließt dorthin zurück und die nationale Bourgeoisie arbeitet mit den internationalen Monopolen zusammen. Die Rückständ igkeit Chiles ist also von äußeren Faktoren bedingt, Imperialismus und Kapitalismus sind verantwortlich für die Unterentwicklung, so das UP-Programm. Die chilenische Wirtschaft sei bisher eine abhängige kapitalistische Wirtschaft gewesen. Die Produktionsmittel lägen in den Händen weniger, durch die Herrschaft des internationalen Monopolkapitals sei man vom Ausland abhängig und außerdem werde der Staat durch die nationalen Monopole und das internationale Kapital ausgenutzt. Allende selbst meinte dazu: „Hier ist die Wurzel unserer Unterentwicklung. Deshalb haben wir ein schwaches wirtschaftliches Wachstum. Deshalb haben wir eine rückständige Landwirtschaft. Deshalb haben wir Arbeitslose und geringe Löhne. Deshalb haben wir Tausende von Kindern, die frühzeitig sterben. Deshalb herrscht bei uns Armut und Rückständigkeit“ (Allende, in: Martner, Pensamiento, S. 130, zit. nach Nohlen, Chile, S. 166). Daraus schloss man folgerichtig, dass eine Reform innerhalb dieser Struktur nutzlos sei, da ja just die Struktur selb st das Problem darstellt, das beseitigt werden müsse.
1.3 Neugestaltung der Wirtschaftsstruktur
Aus den vorausgegangenen Annahmen ergab sich also das Hauptziel, die bestehende Wirtschaftsstruktur umzukrempeln und sie neu zu gestalten, um die Erricht ung des Sozialismus vorzubereiten. Die nationale Wirtschaft sollte ich drei Bereiche aufgegliedert werden. Erstens sollte ein staatliche r Sektor geschaffen werden, der zwar nur relativ wenige, dafür aber die wichtigsten Unternehmen und Industriebereiche beinhalten sollte: Die Kupfer- und Salpeterindustrie, den Finanzsektor, also bisher private Banken und Versicherungen, den Außenhandel, den monopolistischen Großhandel, strategische Industriemonopole und darüber hinaus noch Bereiche wie Energie, Verkehr, Petrochemie und andere, die als wichtig betrachtet wurden. Zweitens war ein gemischter Sektor vorgesehen, zu dem Unternehmen gehören sollten, die sowohl in staatlicher als auch in privater Hand waren. D er mit etwa 90% zahlenmäßig größte Sektor sollte jedoch der private Bereich bleiben, zu dem aber folglich nur solche Unternehmen gehörten, die dem
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Arbeit zitieren:
Vaclav Demling, 2003, Demokratischer Sozialismus? Die Regierung Allende (1970 - 11. September 1973), München, GRIN Verlag GmbH
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