In nh ha al lt t I
Abbildungs - und Tabellenverzeichnis. iii
Teil I: Theoretische Grundlagen - Martina Korff
Geschlechter im Internet
1 Das Internet und seine Nutzer in Zahlen 2
1.1 Userstrukturen, -typologien und Nutzungsmotive 3
1.1.1 Grundlegende Statistik. 3
1.1.2 Motive der Onlinenutzung 3
1.1.3 Frauen im Internet. 4
1.1.4 Einstellungen zum Internet. 5
1.2 Das Internet ist Teil des Alltags 6
2 Die Geschlechter im Netz. 7
2.1 Grundlagen der Geschlechterforschung. 8
2.1.1 In den 70ern: Gleichheitsansatz. 9
2.1.2 In den 80ern: Differenzansatz. 10
2.1.3 In den 90ern: Geschlechterforschung. 12
2.2 Begegnungen in der virtuellen Welt 12
2.2.1 Zeitverzögert-einseitige Kommunikation 12
2.2.2 Zeitverzögert-direkte Kommunikation 13
2.2.3 Zeitgleich-direkte Kommunikation 13
2.2.3.1 Schriftlichkeit und geographische Distanz 13
2.2.3.2 Virtuelle Repräsentation: "You are who you pretend to be" 15
2.2.3.3 Exkurs: Forschung im Netz. 16
2.2.3.4 Glaubwürdigkeit und Vertrauen 17
2.3 Herausforderungen und Chancen computervermittelter Kommunikation 19
2.4 Geschlechterverhältnis in der virtuellen Welt. 20
2.4.1 Cyberfeminismus 21
2.4.2 Männerdominanz 21
3 Fazit. 22
Teil II: Empirische Analyse - Stefan Janotta
M ännerdominanz im Chat-Room
4 Der Chat-Room der Frauen-Zeitschrift Allegra als ideales Untersuchungsobjekt zur Überprüfung der
Geschlechterordnung 23
4.1 Allegra - Zielgruppe der Zeitschrift und des Online-Angebotes 24
4.2 Formaler Aufbau des Allegra Chat-Rooms 25
5 Formulierung der Forschungsfragen 26
6 Forschungsdesign 27
7 Methoden zur Operationalisierung der Forschungsfrage im Allegra-Chat-Room. 27
7.1 Formale Kriterien 28
7.2 Inhaltliche Kriterien 29
8 Die Überprüfung der Geschlechterordnung im Allegra-Chat-Room anhand einer teilnehmenden Beobachtung 30
8.1 Teilnehmende Beobachtung. 30
8.1.1 Formale Kriterien. 30
8.1.2 Inhaltliche Kriterien. 32
8.2 Bedeutung der Ergebnisse für die Forschungsfrage und ein Vergleich zu bisherigen Untersuchungen. 35
9 Fazit und Ausblick: Das Ergebnis der explorativen Analyse als Basis neuer Fragestellungen zur
Geschlechterordnung im Internet 37
Literatur - und Quellenverzeichnis. 38
Anhang 42
2001 Korff / Janotta
Die Arbeit liegt unter http://de.briefcase.yahoo.com/m tina02 im Verzeichnis „WS 00-Online-Kommunikation“ zum
Download bereit.
ii
Abbildung 1:
Struktur der "Allgera"-Leser im Vergleich zum Durchschnitt aller Zeitschriften.................................................................. 24
Abbildung 2:
Prozentualer Anteil der Teilnehmer und Statements aufgeteilt auf die Nicknames Phantasie, Frau und Mann ................ 31
Abbildung 3:
Gesamtwert der männertypischen-frauenfeindlichen Statements aufgeteilt auf die Bezugsgruppen ................................ 34
Tabelle:
Matrix zur Ableitung formaler Indikatoren........................................................................................................................... 28
iii
Projekt: Chat-Room Martina Korff / Stefan Janotta
Teil I: Theoretische Grundlagen Verfasst von Martina Korff
Internet, Online, World Wide Web - Begriffe für das derzeit wohl in der Kommunikationsforschung, der Soziologie, der Psychologie und auch den Wirtschaftswissenschaften - um nur einige zu nennenam eindringlichsten betrachtete Phänomen. Die weltweite Vernetzung eröffnet Chancen, formt neue Blickwinkel und stellt seine Nutzer vor Herausforderungen. Die geschäftlichen Möglichkeiten reizen die Phantasie von Weltmarktstrategen, die Technologien öffnen Horizonte für globalen Kontakt auf privater Basis, geographische Unabhängigkeit und steigende Verbreitungszahlen erleichtern traditionelle Alltagsprozesse.
327 Millionen Menschen weltweit haben derzeit Zugang zum World Wide Web (WWW), alle 14 - 19 Monate verdoppelt sich diese Zahl (vgl. Der Markt der Online-Kommunikation 2000, S. 1). Bedingt durch seine Grenzenlosigkeit hat sich das Internet 1 in den letzten Jahren zu einem "ökonomischen Faktor von enormer Bedeutung" (ebd.) entwickelt. Neue Arbeitsplätze, neue Arbeits- und Geschäftsformen haben sich ergeben und müssen jetzt ihre Effektivität und Zukunftssicherheit unter Beweis stellen. Die Nutzer innerhalb dieser Strukturen haben die Möglichkeit von (fast) überall, (fast) immer auf die gewünschten Informationen zuzugreifen oder eigene Aussagen zu veröffentlichen - und dies nicht nur in einem geographisch begrenzten Raum, sondern weltweit und nahezu zeitgleich. "Globales Knowledge Management", "E-Business", "Virtuelle Teams", "Culture Change" oder "Online Konferenz" sind aktuelle Schlagworte und auch Herausforderungen an die Menschen, die Teil sind dieser beruflichen und wirtschaftlichen Entwicklungen. Verhalten und Verständnis eines jeden Beteiligten müssen angepasst werden an erweiterte Wirkungsbereiche, neue Kundenkreise und modifizierte Arbeitsprozesse. Doch nicht nur die Wirtschaft und das berufliche Feld haben sich unter dem Einfluss des Internet verändert, sondern gerade auch in letzter Zeit das private.
Ursprünglich für das Militär, die universitäre Bildung und Wissenschaft entwickelt, ist das Internet in aktueller Zeit deutlich zu einem Medium der Allgemeinheit avanciert. Es ermöglicht schnelle Kommunikation zwischen Privatpersonen, erleichtert den Konsum von Produkten und liefert Information und
1 Das "Internet" bezeichnet einen z.T. physikalischen Verbund (z.B. Telefonleitungen) zwischen Computern, dessen Aufgabe es ist, Datenpakete zu transportieren. Der Begriff World Wide Web (WWW) dagegen beinhaltet neben dieser grundlegenden Funktion vor allem die Art und Weise der Gestaltung dieser Datenpakete: Das WWW ermöglicht seinen Nutzer mit Hilfe einer bedienfreundlichen Oberfläche Inhalte abzurufen, und diese in multimedialer Form zu rezipieren. Sehr oft werden diese Begriffe jedoch synonym verwendet und bezeichnen das Besuchen bestimmter Homepages, die sich in Form von Text, Bild und Ton präsentieren und bestimmte Funktionen oder Informationen anbieten.
IfKW - WS 2000/2001 Seite 1
Projekt: Chat-Room Martina Korff / Stefan Janotta
Unterhaltung. Ziel dieser Arbeit ist es, diesen Aspekt des WWW unter dem speziellen Licht der Geschlechterverhältnisse zu betrachten. Fragen wie: "Was ist der typische Nutzer?", "Unter welchen Bedingungen begegnen sich User?" und "Welche Konsequenzen ergeben sich daraus für das Verhältnis der Geschlechter?" sollen zuerst theoretisch erläutert und im zweiten Teil anhand der Analyse eines Mitschnitts der Aussagen in einem Chat-Room empirisch untersucht werden.
"War das Internet noch vor einigen Jahren ein Informations- und Kommunikationsmedium für eine relativ überschaubare, klar definierte Gruppe, so ist es inzwischen fester Bestandteil des Alltags." (Eimeren / Gerhard 2000, S. 338)
Diese Aussage fasst die augenscheinlichste Veränderung der Internetnutzung (allerdings nur für Deutschland) über die letzten Jahre prägnant zusammen. Die weltweite Vernetzung nahm ihren Anfang auf den Schreibtischen einer relativ kleinen Gruppe, die sich sehr einfach zusammenfassen lässt: männlich, formal hoch gebildet, relativ jung. Denn Mitglieder aus dem Militär und der Wissenschaft waren es, die sich voller Begeisterung in die Programmierung und Weiterentwicklung dieser Techniken gestürzt haben. Oder anders gesagt, nur diese Berufsgruppen hatten die nötigen Geldmittel für Datenbanken, vernetzte Rechner und Online-Kommunikation zur Verfügung. Doch das ist mittlerweile einige Jahre her. Die Technologie ist mittlerweile günstiger geworden, die Gesellschafts- und Berufsstrukturen haben sich verändert und die Datenverarbeitung per Computer hat ihren Einzug gehalten in den beruflichen und privaten Alltag.
36 Prozent aller Internet-User weltweit kommen derzeit aus Europa (Der Markt der Online-Kommunikation 2000, S. 1) - es stellt sich die Frage, ob es sich dabei ausschließlich um Berufstätige handelt oder ob nicht ein großer Teil auch Privatpersonen sind.
Die folgenden Kapitel werden mit Rücksicht auf den Umfang der Arbeit und vor allem auf das anschließend beschriebene Forschungsprojekt, welches sich auf eine deutsche Frauenzeitung bezieht, Aufschluss über Entwicklungen und Zahlen der Online-Bevölkerung in Deutschland gegeben.
IfKW - WS 2000/2001 Seite 2
Projekt: Chat-Room Martina Korff / Stefan Janotta
14 Jahren) in Deutschland im Netz. Das bedeutet, dass mittlerweile mehr als vier mal so viele wie 1997, nämlich 18,3 Millionen Menschen, Zugang zum WWW haben. 2 Bei der letzten Erhebung 1999 wurden erst 11, 2 Millionen, 1998 sogar nur 6,6 Millionen gezählt. Im Durchschnitt also Zuwachsraten von ca. 65 Prozent pro Jahr (Eimeren / Gerhard 2000, S. 339).
Die Verbreitung des Internets nimmt damit stetig zu. Ein Grund dafür liegt einerseits sicherlich in dem wachsenden Online-Bewusstsein seitens der Anbieter von Konsumgütern und Dienstleistungen, für die "[…] die Internetpräsenz nicht mehr ein Zeichen der Innovationsfreude, sondern ein "Muss" […]" (Eimeren / Gerhard 2000, S. 338) ist. So stieg zum Beispiel allein die Anzahl der .de-Domains von 441.000 im März 1999 auf 1.999.000 im März 2000 (vgl. Der Markt der Online-Kommunikation 2000, S. 1). Internetpräsenz bedeutet in diesem Fall nicht nur, sich selbst online zu repräsentieren, sondern in immer größerem Maße Dienstleistungen im Internet anzubieten, Produkte direkt zu (ver)kaufen oder spezielle Interessensgruppen - auch interaktiv - mit den gewünschten Daten zu versorgen. Um diese Erwartungen immer gezielter entsprechend der Kundenwünsche zu erfüllen, bauen Firmen Online-Abteilungen auf. Immer mehr Mitarbeiter, auch die ohne technischen Berufshintergrund, haben dadurch direkt in ihrem Berufsalltag mit dem Medium Internet zu tun. Andererseits hat die ARD/ZDF-Projektgruppe Multimedia herausgefunden, dass vor allem in den letzten zwei Jahren die private Nutzung des Internets die größten Zuwachsraten erlebt. So haben mittlerweile 33 Prozent, statt 14 Prozent im Jahr 1997, aller Nutzer im Beruf, am Ausbildungsplatz und zu Hause die Möglichkeit, online zu gehen. Waren es 1997 noch 59 Prozent aller Online-User, die nur am Arbeits- oder Ausbildungsplatz Internet zur Verfügung hatten, so ist dieser Anteil 2000 auf 22 Prozent gesunken. Der Anteil derjenigen, die ausschließlich zu Hause Anschluss an die virtuelle Welt haben ist dagegen von 27 auf 43 Prozent gestiegen (vgl. Eimeren / Gerhard 2000, S. 339). Es gilt zu klären, warum sich immer mehr Menschen in Deutschland einen privaten Internetanschluss anschaffen.
tanschlusses zusätzlich zum Büro oder überhaupt zu Hause erklären könnten. An erster Stelle steht die Möglichkeit auf einfachem und schnellem Wege Informationen, Produkte und Dienstleistungen abrufen zu können, die das alltägliche, private und soziale Leben erleichtern. Gefolgt wird dies von der Kommunikation per E-Mail oder Chat-Room / Newsgroups und dem Zu-
2 Dieseund auch alle nachfolgenden Zahlen schwanken je nach Anlage der Studien: Die 5. Welle des GfK Online-Monitors weist Anfang 2000 15, 9 Millionen Internetnutzer aus, die ACTA '99 spricht sogar nur von 8,6 Millionen (vgl. Der
IfKW - WS 2000/2001 Seite 3
Projekt: Chat-Room Martina Korff / Stefan Janotta
gang zu Weiter- und Fortbildungsmaterial. Kaum Relevanz dagegen haben Motive der Unterhaltung und technischen Spielereien (vgl. Eimeren / Gerhard 2000, S. 340f). Zusammenfassend lässt sich also folgern, dass die kommunikativen, informativen und gebrauchsorientierten Vorteile des Internets - zumindest bei Befragungen, die auf Selbsteinschätzungen beruhen - deutlich überwiegen. Diese Aussage wird unterstützt und weiter differenziert durch eine aktuelle W3B Studie des Marktforschungsunternehmens Fittkau & Maaß GmbH (2001). Hier wurden die besonderen Interessen derjenigen Internetuser untersucht, die im vergangenen Jahr 2000 zum ersten Mal das Internet genutzt haben. Folgende Ergebnisse zeigen sich: 58,7 Prozent der sogenannten "Newbies" interessieren sich für "Mode, Kosmetik, Körperpflege", 35,1 Prozent für "Kochen und Backen", 30,6 Prozent für "Ernährung". Auch hier eher der Anspruch an Information und Gebrauch. Noch etwas fällt auf: Alles in allem handelt es sich eher um 'weibliche' Themen, wenn man gängigen Stereotypen Glauben schenkt. Und in der Tat: "knapp 58 Prozent der Neuzugänge im Alter von 14 bis 39 Jahren [sind] weiblich" (Fittkau&Maaß 2001, Anhang 2, S. 48ff).
Das fügt eine neue Perspektive zu den Erkenntnissen des vorherigen Kapitels hinzu: nicht nur findet der Zuwachs der Internetanschlüsse mittlerweile eher im privaten Bereich statt, sondern mehr als die Hälfte aller Neuzugänge sind Frauen. Findet da gerade eine Trendwende statt?
nenutzer), männlich (72%), formal hochgebildet (62%) und zwischen 20 und 39 Jahre alt (63%)." (Eimeren / Gerhard 2000, S. 340)
Seit 1999 finden vermehrt Frauen wie auch jüngere und ältere Menschen den Anschluss an die virtuelle Welt. Der Anteil der Internetanwenderinnen an allen Frauen in der Bundesrepublik Deutschland stieg zum Beispiel von 3,3 Prozent in 1997 auf 21, 3 Prozent in 2000. Somit sind mittlerweile 39 Prozent aller Onlinenutzer Frauen - im Vergleich: 1997 waren es noch 27 Prozent (ebd.). Auf den ersten Blick vielleicht nicht revolutionär, aber auf den zweiten Blick doch interessant. Erklärend ein paar weitere Zahlen: Zwischen 1997 und 2000 stieg die Zahl der 'typischen', also männlichen Onlinenutzer um 8 Millionen auf gesamt 11 Millionen. Nahezu genauso viele Frauen, nämlich knapp 6 Millionen, sind in dieser Zeit ebenfalls zu Onlinenutzern geworden. Allerdings kommt die weibliche Beteiligung am Internet derzeit erst auf insgesamt 7 Millionen Nutzerinnen.
Beachtenswert aus dem Blickwinkel der Geschlechterverhältnisse ist vor allem, dass 48 Prozent aller Internetnutzerinnen nur zu Hause die Möglichkeit haben, das Internet zu benutzen. Hierbei muss es sich also um Hausfrauen oder andererseits Berufstätige handeln, die sich einen ergänzenden Anschluss zuhause angeschafft haben, um entweder von dort zu arbeiten, oder die Vorzüge des Internets auch privat zu nutzen.
Markt der Online-Kommunikation 2000, S. 23).
Generell - und das ist allen Studien gleich - zeigt sich jedoch ein starker Aufwärtstrend in den Userzahlen des Internets.
IfKW - WS 2000/2001 Seite 4
Projekt: Chat-Room Martina Korff / Stefan Janotta
Dennoch muss folgendes Ergebnis der ARD/ZDF-Online-Studie 2000 im Hinterkopf bleiben: "Die absolut höchsten Zuwachszahlen resultieren weiterhin aus der Stammklientel der Internetnutzer, den 39-Jährigen und formal Hochgebildeten." (Eimeren / Gerhard 2000, S. 348) - hinzuzufügen ist "Männer".
tungsrichtungen: positiv, bejahend, neugierig und eher negativ, ablehnend, zurückhaltend. Auf der positiven Seite zeigen sich in erster Linie Meinungen, dass es leicht sei, online neue Menschen kennen zu lernen (74% aller Onlinenutzer ab 14 Jahre), dass der Onlinezugang zu Chancengleichheit verhilft (64%) oder dass das Verständnis für andere Kulturen wachsen wird (64%). Negative Einstellungen gehen davon aus, dass jugendgefährdende / extremistische Inhalte zunehmen werden (71%), Onlinenutzer seltener persönliche Kontakte haben (48%) und dass der gemeinsame Gesprächsstoff in der Gesellschaft abnehmen wird (30%) (ebd., S. 344.).
Erklären diese negativen Einstellungen die Tatsache, dass nur 18,3 Millionen Menschen in Deutsch-land online sind? Die ARD/ZDF-Projektgruppe Multimedia führt seit 1999 eine eigenständige Untersuchung, die ARD/ZDF-Offline-Studie, durch, die sich speziell den Nichtnutzern, beziehungsweise den jeweiligen Zugangsbarrieren widmet.
Nach wie vor ist die Mehrheit der deutschen Bevölkerung offline. Und auch im Jahr 2000 geben nur 17 Prozent der Gesamtbevölkerung (entspricht 24 Prozent der Offliner) an, dass Sie sich demnächst ganz bestimmt oder wahrscheinlich einen Internetzugang anschaffen wollen (vgl. Grajczyk / Mende 2000, S. 351). Gründe für diese Entscheidung liegen vor allem in dem Bestreben, den Umgang mit dem Medium zu erlernen, per E-Mail erreichbar zu sein und das umfassende Informations- und Kommunikationsangebot zu nutzen. Diese Angaben decken sich mit den Aussagen, die die Online-Studie der ARD/ZDF-Projektgruppe Multimedia hervorbrachte. Interessant ist dabei vor allem, dass sowohl die positiven als auch die negativen Einstellungen unter den Offlinern nicht von speziellen soziodemographischen Zugehörigkeiten abhängig sind. Frauen, Männer, ältere und jüngere Personen scheinen also ähnlich über das Medium zu denken.
Erklärungen für Online-Abstinenz müssen daher im Detail gesucht werden: 88 Prozent derjenigen, die in Zukunft nicht planen, online zu gehen, geben als Grund an, weder beruflich noch privat Bedarf für einen Personal Computer (PC) beziehungsweise einen Internetanschluss zu haben. 47 Prozent sagen, dass durch PC-Nutzung soziale Kontakte vernachlässigt werden und 43 Prozent geben an, sich die Bedienung dieser technischen Geräte nicht zuzutrauen (vgl. ebd.). Eine weitere wichtige Komponente stellt die Kostenbelastung dar: 47 Prozent der oben genannten Gruppe sind der Meinung, dass PCs und Internet eine zu hohe Kostenbelastung für sie darstellen, da einerseits kein allzu hoher Anstieg der Einkommen erwartet, aber andererseits das Medienbudget durch die Verbreitung von Pay-TV und ähnlichem steigen wird (vgl. ebd., S. 353f).
IfKW - WS 2000/2001 Seite 5
Projekt: Chat-Room Martina Korff / Stefan Janotta
Soziale Folgen der weltweiten Vernetzung stellen sich also auch für die Offliner zweiseitig dar: auf der einen Seite schätzen sie die kommunikative, informierende und auch integrierende Funktion des Netzes, auf der anderen Seite thematisieren sie wesentlich stärker mögliche negative Folgen. Die erleichterte Verbreitung pornographischer, extrem politischer oder jugendgefährdender Inhalte, und die Unsicherheit bezüglich der eigenen Privatsphäre sind für sie in Zusammenspiel mit hohen Kosten, fehlendem Nutzen und umständlicher Bedienung zu hohe Barrieren, um eventuell doch online zu gehen. Daraus folgt, dass steigende Userzahlen in allen Altersgruppen unter anderem durch geringere Kosten und eine höhere Benutzerfreundlichkeit der Hard- und Software sowie der Webinhalte zu erreichen wären.
Die stärkere Einbindung des Mediums in den Alltag, die, wie in Kapitel 1 und folgende beschrieben, gerade in den letzten Jahren stattgefunden hat, zeigt, dass die Angebotspalette an Inhalten im Internet immer mehr den Wünschen und Erwartungen unterschiedlichster sozialer Gruppen entspricht. Nicht mehr nur berufstätige Männer beschäftigen sich mit der virtuellen Welt, sondern vor allem Frauen und ältere Personen entscheiden sich, online zu gehen. Gründe dafür sind eine durchweg kritische, aber positive Sicht der Möglichkeiten von Kommunikation, Information und Integration. Dennoch bestehen nach wie vor Zugangsbarrieren, die die unterschiedlichen Gruppen der Gesellschaft auf verschiedene Weise affektieren.
Warum zum Beispiel sind nach wie vor Männer die aktivste und absolut am stärksten wachsende Gruppe bei den Internetusern? Warum gehen jetzt so viele Frauen online und was machen sie da? Wie setzen sie sich mit der herrschenden Dominanz der Männer in diesem Bereich auseinander? Antworten sollen die nächsten Kapitel liefern.
IfKW - WS 2000/2001 Seite 6
Arbeit zitieren:
Martina Korff, Stefan Janotta, 2001, Geschlechterverhältnis im Internet - Projekt: Männerdominanz im Chatroom, München, GRIN Verlag GmbH
Dieser Text kann über folgende URL aufgerufen und zitiert werden:
Einbetten
DOI
Zu: "Der Garten der Lüste" von Hieronymus Bosch. Ansätze un...
Magisterarbeit, 100 Seiten
Hans von Burghausen - Architektenwerk im Ganzen
Kunst - Architektur, Baugeschichte, Denkmalpflege
Seminararbeit, 37 Seiten
Eros und Thanatos - Psychoanalytische Untersuchung zu einer Objektbezi...
Romanistik - Spanische Sprache, Literatur, Landeskunde
Hausarbeit (Hauptseminar), 27 Seiten
Oskar Schlemmer & die Bauhausbühne - Das Triadische Ballett
Seminararbeit, 25 Seiten
Martina Korff hat den Text Geschlechterverhältnis im Internet - Projekt: Männerdominanz im Chatroom veröffentlicht
Martina Korff hat einen neuen Text hochgeladen
Online-Angebote öffentlich-rechtlicher Rundfunkanstalten
Eine Untersuchung des verfassu...
Thorsten Held
Ökonomische Auswirkungen von öffentlich-rechtlichen Online-Angeboten
Marktauswirkungen innerhalb vo...
Ralf Dewenter, Justus Haucap
Zur Standardisierung der DSH-Prüfungen: Bestandsaufnahme und Perspekti...
Agnieszka Schneider
The Multilingual Internet: Language, Culture, and Communication Online
Language, Culture, and Communi...
Brenda Danet, Susan C. Herring
0 Kommentare