Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung 1
2. Der Weg zum Antrag der SPD-Reichstagsfraktion am 31. Oktober 1928
S. 2
3. Der Konflikt zwischen den sozialdemokratischen Kabinettsmitgliedern
und ihrer Reichstagsfraktion 4
4. Die Abstimmung über den Antrag und die Folgen 6
5. Bilanz 9
6. Quellen- und Literaturverzeichnis S.12
6.1 Quellenverzeichnis S.12
6.2 Literaturverzeichnis 12
1. Einleitung
Die Bedeutung der Debatte um die Bewilligung der ersten Rate für den Bau des Panzerkreuzers „A“ ist in der Forschung ein relativ unumstrittenes Thema. Bereits 1 1959 stellte Wolfgang Wacker in einer Darstellung zu diesem Thema klar heraus,
daß die Auseinandersetzung innerhalb der SPD über die Bewilligung der ersten Rate für den Bau und die daraus resultierende kritische Haltung der Parteien des Bürgerblocks gegenüber der SPD und ihrer Regierungsbeteiligung, ein entscheidender Belastungsfaktor für die weitere Zusammenarbeit innerhalb der Großen Koalition war und zu ihrem Scheitern beitrug. Zu demselben Schluß kommt 2 Heinrich August Winkler in verschiedenen Veröffentlichungen über diese Zeit .
Sowohl Wacker als auch Winkler sehen den entscheidenden Fehler der SPD in ihrem Verhalten im Wahlkampf, d.h. in der überaus starken Fokussierung auf die Parole „Kinderspeisung statt Panzerkreuzer“ zusammen mit der KPD, als auch in dem Verhalten der SPD-Reichstagsfraktion gegenüber den Regierungsmitgliedern aus den eigenen Reihen, dem Reichskanzler Hermann Müller und den Ministern Carl Severing (Inneres), Rudolf Hilferding (Finanzen) und Rudolf Wissell (Arbeit), nachdem der Antrag auf Einstellung des Baus von der sozialdemokratischen Reichstagsfraktion gestellt worden war. 3 Gotthard Jasper hingegen sieht das Problem vielmehr im Verhalten des
Reichswehrministers Wilhelm Groener (parteilos) und des Reichspräsidenten Paul von Hindenburg. Der Reichswehrminister habe zusammen mit dem Reichspräsidenten 4 „die SPD gleichsam durch das kaudinische Joch“ gezwungen, somit geht er von
einer Krise aus, die stärker durch die äußeren, als durch die inneren Schwierigkeiten der SPD hervorgerufen wurde. Sowohl Wacker als auch Winkler erwähnen dieses ebenfalls, legen das Gewicht allerdings auf die inneren Schwierigkeiten in der SPD, nämlich den Zwang der Kabinettsmitglieder, innerhalb der Fraktionsdisziplin stimmen zu müssen. Wacker geht in seiner Darstellung des weiteren auf die Verfassungsmäßigkeit dieser Abstimmung ein, er beschäftigt sich unter anderem mit dem nach seiner Meinung offenen Verfassungsbruch der SPD-Kabinettsmitglieder, den sie mit dem Mißtrauensvotum gegen sich selber begangen. Diese verfassungsrechtliche Sichtweise ist bei Jasper nicht zu finden.
1 Wacker, Wolfgang, Der Bau des Panzerschiffes ‚A’ und der Reichstag, Tübingen 1959.
2 Winkler, Heinrich August, Der Schein der Normalität. Arbeiter und Arbeiterbewegung in der Weimarer Republik 1924 bis 1930,
Berlin/Bonn 1988.
ders., Weimar 1918-1933. Die Geschichte der ersten deutschen Demokratie, München 1998.
ders., Der Lange Weg nach Westen. Erster Band. Deutsche Geschichte vom Ende des Alten Reiches bis zum Untergang der
Weimarer Republik, München 2000.
3 Jasper, Gotthard, D ie große Koalition 1928-1930,
in: Jasper, Gotthard, Zeidler, Manfred, Die Weimarer Republik. Das Ende der Demokratie. Band 3 , München 1995.
4 nach: Jasper, Koalition, S. 28 .
1
Winkler spricht hier von nicht vorhandenem „stabilen Rückhalt im Reichstag“ der 5 Regierung aufgrund der parlamentarischen Praxis des „kaiserlichen Deutschland(s)“ .
Die vorliegende Arbeit will versuchen nachzuzeichnen, zu welchen Problemen es nach dem Antrag auf Einstellung des Baus, vom 31. Oktober 1928, innerhalb der Großen Koalition und im Verhältnis der Reichstagsfraktion der SPD und Kabinettsmitgliedern der SPD kam. Besonderes Gewicht soll hierbei einerseits auf die Möglichkeiten gelegt werden, die die SPD und die anderen Parteien gehabt hätten, diese „Krisis des 6 Parlamentarismus“ zu verhindern, andererseits auf die Problemstellungen, die sich aus dem Abstimmungsverhalten der Kabinettsmitglieder der SPD am 16. November 1928 ergaben. 7 Neben der Studie von Wolfgang Wacker wird ein Schwerpunkt auf eine 8 Gesamtdarstellung zur Weimarer Republik von Heinrich August Winkler und die 9 Darstellung zur Arbeiterbewegung der Jahre 1924 bis 1930 desselben Autors gelegt. 10 Weiterhin findet eine Arbeit über Otto Wels von Hans J.L. Adolph Verwendung. An
Quellen werden sowohl die Akten der Reichskanzlei, der Nachlass von Gustav Stresemann, die stenographischen Berichte über die Verhandlungen des Reichstags, eine Schrift von Carl Ossietzky und einige Tageszeitungen dieser Zeit 11 herangezogen .
2. Der Weg zum Antrag der SPD-Reichstagsfraktion am 31.10.1928
Nach der Wahl am 20. Mai 1928, die mit einem deutlichen Wahlerfolg für die SPD (29,8 % gegenüber 26 % bei der vorherigen Reichstagswahl) und die KPD (10,6 % 12 gegenüber 9,0 % bei der vorherigen Reichstagswahl) ausgegangen waren,
versuchte der designierte Reichskanzler Hermann Müller (SPD) eine Große Koalition 13 ins Leben zu rufen , unter Beteiligung der SPD, der DVP, der DDP, der BVP und des Zentrums. Nach Scheitern der Koalitionsverhandlungen , unter anderem aufgrund von konträren Standpunkten zwischen der DVP und der SPD in der
5 nach: Winkler, Schein der Normalität, S. 537.
6 nach: ebenda , S. 550 .
7 Wacker, Bau.
8 Winkler, Weimar.
9 ders., Schein der Normalität.
10 Adolph, Hans, Otto Wels und die Politik der deutschen Sozialdemokratie 1894-1939. Eine politische Biographie, Berlin 1971.
11 Akten der Reichskanzlei (AdR), Weimarer Republik. Das Kabinett Müller II , 28. Juni 1928 - 27. März 1928, Band 1, bearb. v.
Martin Vogt, Boppard 1970.
Stresemann, Gustav, Vermächtnis. Der Nac hlass in drei Bänden, hrsg. v. Henry Bernhard, Berlin 1933.
Verhandlungen des Reichstags (VdR), Stenographische Berichte, IV. Wahlperiode, Band 423, Berlin 1928.
Ossietzky, Carl von, Schriften 1, hrsg. v. Frei, Bruno, Weimar 1966.
Verhandlungen des Reichstags (VdR), Anlagen, IV. Wahlperiode, Band 431, Berlin 1928.
Berliner Tageblatt und Handels -Zeitung.
Kölnische Zeitung.
Vorwärts. Berliner Volksblatt - Zentralorgan der Sozialdemokratischen Partei Deutschlands.
Vossische Zeitung.
Frankfurter Zeitung.
12 nach: Winkler, Schein der Normalität, S.521f.
13 in: Vorwärts, 10.06.1928.
2
14 Panzerkreuzerfrage , kam die Große Koalition schließlich am 29. Juni 1928 zu Stande, nach dem Eingreifen des Parteivorsitzenden der DVP, Gustav Stresemann, 15 („Schuß von Bühlerhöhe“ ). Am 03. Juli gab Hermann Müller seine
Regierungserklärung ab, jedoch ohne zur Frage des Panzerkreuzers Stellung zu nehmen, obwohl die SPD ihren Stimmenzuwachs bei den Wahlen vor allem der strikten Ablehnung des Baus, unter dem Motto „Kinderspeisung statt 16 Panzerkreuzer“ , zu verdanken hatten. Nach einem Antrag der KPD-Reichstagsfraktion, den Panzerkreuzer nicht zu bauen und die dafür nötige, erste Rate in Höhe von 9 Mio. Reichsmark in die „Schulspeisung für Volksschulkinder“ zu 17 verwenden , erwiderte Müller, man „müsse von den Abreden ausgehen“, die die 18 vorangegangene Reichsregierung getroffen habe . Er wollte sich, um die ohnehin
schon gespannte Koalitionssituation nicht weiter zu gefährden, an die Entscheidung des Kabinett Wilhelm Marx vom 31. März 1928 halten, die erste Rate zu bewilligen, falls es keine Finanzvorbehalte mehr gäbe. Sowohl Reichstag als auch Reichsrat hatten dieser Entscheidung im März 1928 zugestimmt, unter dem Vorbehalt, daß der Haushalt durch den Ersatzbau nicht weiter strapaziert würde. Am 10. August beschloß das Kabinett die Bewilligung der ersten Rate, nachdem Reichswehrminister Groener sich bei Reichsfinanzminister Hilferding versichert hatte, daß es „gegen den Beginn des Panzerschiffbaus zum 1. September [...] keine 19 finanziellen Bedenken“ gäbe. Reichsinnenminister Severing interpretierte seine eigene Nachfrage bei Groener so, daß „nach der Erklärung des Reichswehrministers Mehrausgaben für das Panzerschiff durch Herabsetzung der Ausgaben für andere 20 Ersatzbauten [...] keine Mehrausgaben für den Wehretat entstünden“ . Dieser
Beschluß war nicht nur innenpolitisch, sondern auch außenpolitisch bedenklich, da z.B. auf der einen Seite Anfang August in Brüssel ein internationaler Arbeiter- und Sozialistenkongreß zusammentreten und am 27. August 1928 von Stresemann der 21 Kellogg-Pakt unterzeichnet werden sollte . Die Aufrüstung, selbst im engen Rahmen
des Versailler Vertrages, durch den neuen Panzerkreuzer, hatte ein schlechtes Licht auf das Deutsche Reich geworfen, wie in Pressestimmen aus Großbritannien 22 erkennbar wurde .
14 nach: Wacker, Bau, S.78f.
15 Stresemann stimmt der Koalitionsbeteiligung seiner Partei gegenüber Müller zu, ohne seine Fraktion hiervon vorher in
Kenntnis zu setzen: „[...] Ich halte die sogenannte Große Koalition für die beste praktische Möglichkeit, um
einigermaßen stabile Regierungsverhältnisse in Deutschland zu schaffen. [...]“ in: Stresemann, Nachlass, S.298f.
16 in: Wacker, Bau, S.90, Fußnote 34.
17 in: ebenda, S.80.
18 in: Winkler, Schein der Normalität, S.539.
19 in: AdR, Müller, Bd. 1, Dok. 15, S. 63 .
20 in: AdR, Müller, Bd. 1, Dok. 15, S . 63.
21 in: Wacker, Bau, S. 83.
22 vgl.: Manches ter Guardian nach Wacker, Bau, S. 55f.: „[...] jedoch der Neubau gibt Deutschland die Möglichkeit, eine
Blockade Polens durchzuführen, das die stärkste Stütze in dem französischen Bündnissystem zum Aufrechterhalten
der Vorherrschaft Frankreichs auf dem Kontinent ist. [...]“.
3
Arbeit zitieren:
Thomas Crämer, 2004, Pro und Kontra Panzerkreuzer: Der Konflikt um die Wehrpolitik (Fraktion gegen Regierung: Die parlamentarischen Auseinandersetzungen um den Panzerkreuzer A im November 1928 und ihr öffentliches Echo), München, GRIN Verlag GmbH
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DOI
Die napoleonisch-rheinbündischen Reformen 1806 - 1813
Geschichte Europa - and. Länder - Neuzeit, Absolutismus, Industrialisierung
Seminararbeit, 17 Seiten
Die Auseinandersetzung der SPD mit dem Nationalsozialismus
Gesch. Europa - Deutschland - I. Weltkrieg, Weimarer Republik
Seminararbeit, 19 Seiten
Gesch. Europa - Deutschland - I. Weltkrieg, Weimarer Republik
Seminararbeit, 15 Seiten
Thomas Crämer hat den Text Pro und Kontra Panzerkreuzer: Der Konflikt um die Wehrpolitik (Fraktion gegen Regierung: Die parlamentarischen Auseinandersetzungen um den Panzerkreuzer A im November 1928 und ihr öffentliches Echo) veröffentlicht
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