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Inhaltsverzeichnis
1. Vorwort 3
2. Die Metaphysik der Sprache 5
2.1 Die philosophische Hintertreppe 5
2.2 Das Aussagesystem der Sprache 6
2.3 Exkurs: Sprachwissenschaft ade 10
2.4 Das System der Dichtung 13
3. Die Lyrik 15
3.1 Die lyrische Aussage 16
3.2 Der Dichter seine Erlebnisse sein Leser 20
3.3 An den Grenzen einer Theorie 24
3.4 Käte Hamburger ein Schlussplädoyer 27
4. Kritische Würdigung 29
4.1 Kurze Rezeptionsgeschichte 29
4.2 Die Logik der Dichtung für Gestresste 30
4.3 Käte Hamburger die Psychologin 31
4.4 Die lyrische Ich-Erzähler 32
4.5 Wie logisch ist die Logik der Dichtung 34
4.6 Das Rätsel um das lyrische Ich 36
5. Schlusswort 39
6. Literaturverzeichnis 42
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1. Vorwort
Was ist ein Gedicht? An dieser Fragestellung haben sich schon Generationen von Dichtern und Theoretikern die Zähne ausgebissen. Bis heute liegt wohl keine Antwort vor, die allgemeine Zustimmung finden würde. Aber vielleicht sollte man anders fragen, etwa: Was zeichnet ein Gedicht aus? Woran erkennt man ein Gedicht? Oder wie steht es mit dem notwendigen Gegenstück, dem Dichter? Und nicht zuletzt: Wo endet (schöne) Kunst und wo fängt „Trash“ an? Schon hier wird ersichtlich, dass die Antwort sehr unterschiedlich ausfallen wird, je nachdem wie man die Frage formuliert. Strebt man eine otologisch-philosophische Begr ündung an? Oder entscheidet man sich für eine weniger deduktive Methode und tastet sich eher üb er Abgrenzungen und unterscheidende Merkmale heran? Vielleicht aber nimmt man dieses „Ding“ einfach so, wie es uns vorliegt, als ein Artefakt, hinter dem ein tätiger Mensch steht, und geht von diesem, seinen Intentionen, seiner gesellschaftlichen Rolle bzw. Funktion aus. Aber ist ein Gedicht nicht schön? Soll es nicht schön sein? Dann käme man doch über den Begriff des „Schönen“ an eine Definition?
Man wird einwenden: Ein wenig viele Fragen für eine strukturierte Hausarbeit, oder? Der Grund für die etwas n aiv anmutende Aufzählung zu Beginn ist, dass Käte Hamburger in den 50er Jahren den Versuch unternommen hat, gleich ein ganzes Bündel dieser Fragen zu beantworten. Die Formulierung „Versuch“ wird dem G anzen aber wohl nicht gerecht, denn sie hat eine komplette Theorie der Dichtungsgattungen entworfen, die sehr kontrovers diskutiert wurde. Ihre Die Logik der Dichtung ist Thema dieser Arbeit.
Ein kurzer Nachtrag. Noch nicht zum Zuge kam das ganze mühsam erworbene germanistische Begriffs-Instrumentarium: Vers, Reim, Schweifreim, Metrum, Rhythmus, Jambus, Metapher, ect. Könnte man nicht damit arbeiten? Was fängt man aber dann mit dem vor kurzem durch alle Zeitungen gegangenen Text „Die Sonne scheint zum Fenster rein / Hak` ab, es wird schon richtig sein“ an? Zwei Verse mit 4-hebigem Trochäus, Auftakt, Paarreim und stumpfer Kadenz. Die literaturwissenschaftlichen Kategorien greifen – aber was halten sie in ihren Fängen? Wohl kein Gedicht. Noch heute würde Käte Hamburger sagen, dass sich prinzipiell alles in lyrische Form bringen lässt, ohne dass es deswegen schon Lyrik ist. Man kann aber die Kategorien nicht für „schöne Künste“ reservieren und sie der sog. „Alltagsprosa“ vorenthalten. Es fehlt also ein schlagkräftiges Kriterium.
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Nach Käte Hamburger waren wir der Sache aber schon viel näher, als wir glaubten. Das ausschlaggebende Kriterium ist tatsächlich die Sprache. Aber eben nicht ihre lautmalerische Seite, sondern die dahinter liegende Struktur. Daher ist ihrer Theorie der Dichtung zunächst eine spezielle Sprachtheorie vorangestellt. Sodann wird auf dieser Grundlage das System der Dichtung entfaltet. Dabei erwarten den Leser einige Überraschungen, die enorm provoziert haben und heftig kritisiert wurden. Zum Schluss stellt sich Frau Hamburger ihren Kritikern. So sieht die grobe inhaltliche Gliederung ihrer Logik der Dichtung aus, und die vorliegende Arbeit schließt sich zweckmäßig daran an.
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2. Die Metaphysik der Sprache?
Zunächst stolpert man ein wenig über den Titel des Buches. Was ist denn mit „Logik der Dichtung“ gemeint? Diese Frage – so naiv sie auch klingt – ist entscheidend für das Verständnis der Theorie. Das Buch bietet zwei eher versteckte Antworten. Zum einen bemerkt Käte Hamburger, dass der Terminus Logik hier im sprachtheoretischen Sinne verwendet wird. Im Verlaufe der Argumentation wird er durch den Terminus „Sprachtheorie“ bzw. „Aussagesystem“ ersetzt (Hamburger 1980, S.10f.). Die Logik der Dichtung erhellt sich also als eine „Sprachtheorie der Dichtung“. Warum aber hat die Autorin dann den ohne diese Erläuterung wohl eher verwirrenden Terminus „Logik“ beibehalten? Es scheint, dass Hamburger den Terminus „Sprachtheorie“ bewusst vermieden hat, weil sie sich von der herkömmlichen 1 Sprachtheorie abgrenzen wollte. Zugleich aber hat Hamburger die Konnotationen des Lexems „Logik“ wohl gezielt eingesetzt . Der Terminus „Logik“ verweist den Leser auf das Gebiet, von dem aus die Argumentation ihren Anfang nimmt: die Philosophie.
2.1 Die philosophische Hintertreppe
Käte Hamburger scheint um die im Titel angelegten möglichen Missverständnisse gewusst zu haben, wenn sie zu Be ginn schreibt, dass Kunst eigentlich Gegenstand der Ästhetik und nicht der Logik sei. Aber die Dichtung besteht als einziges Mitglied der Kunstfamilie aus Sprache. Die Sprache wiederum – sie rekurriert auf Ludwig Wittgenstein – sei Gegenstand der Logik, im Sinne einer Sprachlogik (ebd. S.9). Und zwar insofern sich die Erkenntnis durchgesetzt hat, dass eine Untersuchung unseres Denkens nicht um eine Untersuchung unserer Sprache herumkommt. Unser Denken kann sich also in Form von Sprache manifestieren bzw. über das Medium Sprache (anderen) mitteilen. Zugleich aber besteht Hamburger darauf, dass Sprache zugleich Gestaltungsmittel 2 ist. In Anlehnung an Hegel ist Dichtung also Teil des allgemeinen Vorstellungs- und Sprachsystems (ebd. S.23).
Käte Hamburger greift aber noch in Bezug auf einen weiteren Punkt auf Hegel zurück: Die Dichtung sei diejenige besondere Kunst, bei der sich zugleich die Kunst aufzulösen beginne bzw. Gefahr laufe in Alltagsprosa oder wissenschaftliches Denken überzugehen – gerade weil ja 1 Wie gezeigt werden soll, grenzt sich Hamburger von einer strukturalistischen Sprachbetrachtung ab. 2 Diese Funktion der Sprache wird noch an ihrem Mimesis - und Fiktionsverständnis erläutert vgl. dazu Punkt 2.4
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Dichtung als Sprachkunst und der Alltag bzw. die Nicht-Kunst beide aus Sprache bestehen (Hamburger 1980, S.21). Man geht wohl nicht zu weit, wenn man diese Einschätzung als das leitende Erkenntnisinteresse der Logik der Dichtung hinstellt. Es geht weniger darum, eine Autorität in ihre Argumentation einzubringen. Vielmehr ist es ein Warnschuss an alle, die eine nahezu ontologische Zweiteilung zwischen (hoher) Kunst und der Realität bzw. dem Alltag aufbauen. So einfach darf man es sich nach Käte Hamburger nicht machen. Vielmehr bestehen beide aus Sprache und somit müssten sich fließende Übergänge finden lassen, sodass eine einfache Zweiteilung – hier die Kunst dort der prüde Alltag - wohl nicht standhalten kann. Wenn es also eher fließende Übergänge sind, man aber gleichzeitig ein System bzw. eine Ordnung hineinbringen will, muss man unweigerlich Grenzen setzten. Um die Kriterien für die Grenzziehung wird es dann natürlich Streit geben. Könnte man dem Dilemma der Grenzendefinition nicht doch entkommen? Wie, wenn es gelänge, hinter all den willkürlichen Grenzen eine verborgene Struktur zu erkennen, die allgemein zustimmungsfähig wäre? Die Frage nach dem „Dahinter“ ist jedoch eine klassisch philosophische, womit wir Käte Hamburger auf ihrer „philosophischen Hintertreppe“ gefolgt wären. Im Folgenden soll gezeigt werden, dass Hamburger beide Varianten wählt. Sie zieht Grenzen und erkennt eine latente Struktur. Stellt sie damit die Frage nach einer Metaphysik der Sprache?
2.2 Das Aussagesystem der Sprache
Im Folgenden soll die Sprachtheorie von Käte Hamburger kurz dargestellt werden. Dabei sollte man im Hinterkopf behalten, dass sie diese Theorie aufstellt, um auf dieser Grundlage ihre Logik der Dichtung zu entfalten. Im Wesentlichen geht es dabei um zwei Fragestellungen:
1. Dichtung steht in Opposition zu Wirklichkeit, wie wohl die meisten zustimmen würden
(ebd. S.15). Wenn wir ein Drama oder einen Roman lesen, wissen wir, dass wir uns nicht in einem Wirklichkeitszusammenhang befinden (ebd. S.27). Das Verhältnis von Dichtung und Wirklichkeit kann also als ein allgemein akzeptiertes, aber daher auch etwas unscharfes, latentes Vorwissen gelten. Wie kann man dieses nun erhellen?
2. Wie erläutert besteht sowohl die Dichtung, als auch unser Alltag aus Sprache. Wird
Dichtung nun sprachtheoretisch bestimmt, so müssen die Unterschiede zwischen der dichtenden und der nicht-dichtenden Sprache, sowie deren jeweilige Besonderheiten
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gezeigt werden. Dieser Vergleich ist die Methode , mit der Hamburger die Struktur der Dichtung erkennen möchte (Hamburger 1980, S.30).
Käte Hamburger spricht nicht von der „Struktur der Sprache“ oder dem „Sprachsystem“, sondern vom Aussagesystem der Sprache. Diese begriffliche Eigenart wurde von einigen Lesern in der ersten Auflage des Werkes nicht verstanden, weswegen ab der zweiten Auflage ausführlicher darauf eingegangen wurde. Die Autorin weiß, dass der Begriff „Aussage“ Missverständnisse provoziert. Zum einen wird im philosophisch- logischen Kontext „Aussage“ synonym zu (logischem oder propositionalem) „Urteil“ verwendet. Dabei geht es, je nachdem welches logische System zu Grunde liegt, um wahre, wahrscheinliche, falsche, usw. Aussagen bzw. Urteile. Zum anderen denkt der ein oder andere Leser an den grammatischen „Aussagesatz“, mit seinem grammatischen Konstruktions-Plan und d er entsprechenden Satz-Semantik (faktische Darstellung). Das ist mit Aussage im Sinne von Hamburger nicht gemeint (vgl. ebd. S.31).
Die Aussage ist nach Hamburger vielmehr eine „fixierte, ablesbare Subjekt-Objekt-Relation“ (ebd. S.39). Das heißt zunächst, dass nicht von den einzelnen Elementen der Sprache ausgegangen wird, oder der Sprache eine bestimmte Funktion zugesprochen wird. Immer wenn uns Sprache vorliegt 3 , zeigt sich die erwähnte „Subjekt-Objekt-Relation“. Sie ist in der Sprache „fixiert“. Aber sie zeigt sich nicht explizit. Vielmehr muss man sie „ablesen“. Dies kann man aber nur, wenn man Hamburgers Theorie der Aussage kennt. Dabei zeigt sich, dass das von der Autorin so bezeichnete „Ablesen“ eher ein tiefer „Blick hinter die Kulissen“ ist.
Die Struktur der Sprache ist eben jene Subjekt-Objekt-Struktur. Dabei ist eine Aussage das „Aussagen eines Aussagesubjekts über ein Aussageobjekt“ (ebd. S.37). Oder anders ausgedrückt: die Sprache besteht aus lauter Aussagen eines Aussageobjekts über ein Aussageobjekt. Nun müssen noch die Begriffe Aussagesubjekt und Aussageobjekt erläutert werden, sowie deren Zusammenspiel.
Aussageobjekt. Das Aussageobjekt ist der Inhalt der Aussage, und zwar egal in welcher Satzmodalität er dargeboten wird. Im Prinzip ist jeder Satz, der vor uns liegt das Aussageobjekt im Sinne von Käte Hamburger. Als Beispiel verwendet sie den Satz (das Aussageobjekt): „Der Schüler schreibt“ (ebd. S.40). Dieser Satz kann nun verschiedene
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Käte Hamburger bespricht nur Sprache in schriftlich fixierter Form. Ihre Theorie gilt jedoch wohl auch für Sprache in mündlicher Form.
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Bedeutungen haben, je nachdem in welchem Kontext er steht bzw. geäußert wird (z.B. als Beispielsatz in einem Schulbuch, als Aussage des Lehrers, ect.). Will man nun die Struktur der Sprache über das Aussageobjekt beschreiben, so ist der Versuch vergeblich, denn: „Die Aussageinhalte und damit die Kontexte sind ihrer Zahl nach unendlich, weil alles was ist, was vorgestellt und gedacht wird, zum Aussageobjekt werden kann“ (Hamburger 1980, S.40). Daher richtet sich das Augenmerk auf das Strukturelement, das die Kontextzusammenhä nge erst hervorbringt (ebd.). Hamburger verwendet hier einen doppelten Kontext-Begriff: Kontext ist bei ihr einerseits der direkte Kontext von Lexemen und ihren semantischen Beziehungen und lexikalischen Solidaritäten. Andererseits versteht sie unter „Kontext“ den spezifischen Kontext, den das Aussagesubjekt erst hervorbringt, indem es eine Aussage in einem bestimmten Kontext hervo rbringt (z.B. Eintrag in ein Tagebuch, Frage vor der Klasse, ect.). Diesen Kontext setzt das Aussagesubjekt bewusst, um eine bestimmte Rezeption zu erreichen.
Aussagesubjekt. Das „gesamte stofflich-thematische unendliche Gebiet der Aussagen“ kann auf ein System gebracht werden. Dazu bildet Hamburger drei Kategorien von Aussagesubjekten: das historische, das theoretische und das pragmatische Aussagesubjekt. Da für diese Arbeit eigentlich nur das später genannte lyrische Aussagesubjekt interessiert, seien nur die Grundzüge rasch skizziert: Beim historischen Aussagesubjekt kommt es wesentlich auf die Individualität des Aussagesubjektes an (ein Idealtypus im Sinne Max Webers wäre der autobiographische Tagebucheintrag). Beim theoretischen Aussagesubjekt steht das Objekt der Aussage im Vordergrund (ein Extrembeispiel wäre die mathematische Formel, bei der der Inhalt der Aussage völlig unabhängig vom Aussagesubjekt ist). Alle Aussagen, die nicht in Form des Behauptungssatzes vorliegen (also Wunschsatz, Befehlsatz, Fragesatz, ect.) können dem pragmatischen Aussagesubjekt zugeordnet werden (vgl. dazu ebd. S.40-43).
Subjekt-Objekt-Relation. Mit Hilfe ihres Systems kann Hamburger nun die allerorts gebräuchlichen, aber wenig klaren Adjektive subjektiv und objektiv präzisieren. Ob eine Aussage nun eher subjektiv oder eher objektiv ist, ist zunächst unabhängig vom Aussagesubjekt (edb. S.44). Ein Satz in einem philosophischen Werk kann stark subjektiv sein, aber dennoch liegt klar ein theoretisches Aussagesubjekt vor, denn im Vordergrund steht nicht die Individualität des Philosophen, sondern der Gegenstand seiner Aussage. Das gesamte System der von den drei verschiedenen Typen von Aussagesubjekten getätigten
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Aussagen kann mehr oder weniger subjektiv bzw. objektiv sein im polaren Spannungsverhältnis von Subjekt und Objekt (ebd. S.45). Gemeinsam ist aber allen dreien, dass sie vom Subjektpol weg auf den Objektpol gerichtet sind – seien sie auch noch so subjektiv geprägt (ebd. 209). Käte Hamburger spricht davon, dass alle Aussagen den Charakter der Mitteilung 4 haben.
Mitteilung. Unter Mitteilung versteht Hamburger dabei, dass alle Aussagen eine Funktion in einem Objektzusammenhang bzw. einem Wirklichkeitszusammenhang ausüben, weil das Aussagesubjekt seine Aussage bewusst in den entsprechenden Kontext (vgl. dazu oben) setzt. Gibt ein Aussagesubjekt seiner Aussage auch noch so sehr seine „persönliche Note“, die Aussage bleibt objektgerichtet, als eine fragende, behauptende, informierende, ect. (vgl. hierzu ebd. S.209f.). Bei dieser Präzision des Sprachsystems als ein System von Aussagen mit Mitteilungscharakter fiel das Stichwort der Wirklichkeit. Wie oben vermerkt geht es Hamburger darum, die Dichtung in ihrer Opposition zur Wirklichkeit zu zeigen. Mit den Ausführungen zum Wirklichkeitsbegriff, erfährt die Sprachtheorie von Käte Hamburger ihre Vollendung.
Wirklichkeitsaussage. Ein bekannt gewordener Satz der Logik der Dichtung lautet: „Aussage ist immer Wirklichkeitsaussage, weil das Aussagesubjekt wirklich ist, weil, mit anderen Worten, Aussage nur durch ein reales, echtes Aussagesubjekt konstituiert wird“ (ebd. S.48). Käte Hamburger weiß, dass die Frage nach dem, was wirklich ist, vor allem philosophisch und erkenntnistheoretisch umstritten ist. Aber welcher Schule man auch anhängt, für ihre Aussagetheorie kann man nicht die Wirklichkeit der Objekte als Kriterium für die Wirklichkeit der Aussage nehmen, denn die Dinge wären ja auch wirklich, wenn sie nicht ausgesagt worden wären (ebd. S.47). Jede Aussage ist eben darum Wirklichkeitsaussage, weil das Aussagesubjekt wirklich ist, und zwar weil es räumlich und zeitlich fixierbar ist (ebd. S.49). Andererseits gilt auch, dass „ das Ausgesagte das Erfahrungs- oder Erlebnisfeld des Aussagesubjekts ist“ (ebd. S.53). Im Umkehrschluss heißt dies aber auch, dass wir uns im System der Wirklichkeit befinden, sobald wir uns aktiv oder passiv, sprechend-schreibend oder hörend- lesend im Aussagesystem bewegen (ebd.). Dieser von erkenntnistheoretischen Fragen befreite Begriff der Wirklichkeit hat den Vorteil, dass auch die Phantasie und die Lüge Wirklichkeitsaussagen sind, denn es sind Aussagen eines
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Die Nähe des Begriffs Mitteilung zu Kommunikation hat natürlich Missverständnisse provoziert.
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Stefan Dettl, 2004, Nichts als die Wirklichkeit - Die Lyriktheorie in Käte Hamburgers "Logik der Dichtung", Munich, GRIN Publishing GmbH
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