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Nichts als die Wirklichkeit - Die Lyriktheorie in Käte Hamburgers "Logik der Dichtung"

Title: Nichts als die Wirklichkeit - Die Lyriktheorie in Käte Hamburgers "Logik der Dichtung"

Term Paper (Advanced seminar) , 2004 , 42 Pages , Grade: 1,0

Autor:in: Stefan Dettl (Author)

German Studies - Modern German Literature
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Was ist ein Gedicht? An dieser Fragestellung haben sich schon Generationen von Dichtern und Theoretikern die Zähne ausgebissen. Bis heute liegt wohl keine Antwort vor, die allgemeine Zustimmung finden würde. Aber vielleicht sollte man anders fragen, etwa: Was zeichnet ein Gedicht aus? Woran erkennt man ein Gedicht? Oder wie steht es mit dem notwendigen Gegenstück, dem Dichter? Und nicht zuletzt: Wo endet (schöne) Kunst und wo fängt „Trash“ an? Schon hier wird ersichtlich, dass die Antwort sehr unterschiedlich ausfallen wird, je nachdem wie man die Frage formuliert. Strebt man eine otologisch-philosophische Begr ündung an? Oder entscheidet man sich für eine weniger deduktive Methode und tastet sich eher üb er Abgrenzungen und unterscheidende Merkmale heran? Vielleicht aber nimmt man dieses „Ding“ einfach so, wie es uns vorliegt, als ein Artefakt, hinter dem ein tätiger Mensch steht, und geht von diesem, seinen Intentionen, seiner gesellschaftlichen Rolle bzw. Funktion aus. Aber ist ein Gedicht nicht schön? Soll es nicht schön sein? Dann käme man doch über den Begriff des „Schönen“ an eine Definition?

Man wird einwenden: Ein wenig viele Fragen für eine strukturierte Hausarbeit, oder? Der Grund für die etwas n aiv anmutende Aufzählung zu Beginn ist, dass Käte Hamburger in den 50er Jahren den Versuch unternommen hat, gleich ein ganzes Bündel dieser Fragen zu beantworten. Die Formulierung „Versuch“ wird dem G anzen aber wohl nicht gerecht, denn sie hat eine komplette Theorie der Dichtungsgattungen entworfen, die sehr kontrovers diskutiert wurde. Ihre Die Logik der Dichtung ist Thema dieser Arbeit.

Ein kurzer Nachtrag. Noch nicht zum Zuge kam das ganze mühsam erworbene germanistische Begriffs-Instrumentarium: Vers, Reim, Schweifreim, Metrum, Rhythmus, Jambus, Metapher, ect. Könnte man nicht damit arbeiten? Was fängt man aber dann mit dem vor kurzem durch alle Zeitungen gegangenen Text „Die Sonne scheint zum Fenster rein / Hak` ab, es wird schon richtig sein“ an? Zwei Verse mit 4-hebigem Trochäus, Auftakt, Paarreim und stumpfer Kadenz. Die literaturwissenschaftlichen Kategorien greifen - aber was halten sie in ihren Fängen? Wohl kein Gedicht. Noch heute würde Käte Hamburger sagen, dass sich prinzipiell alles in lyrische Form bringen lässt, ohne dass es deswegen schon Lyrik ist. Man kann aber die Kategorien nicht für „schöne Künste“ reservieren und sie der sog. „Alltagsprosa“ vorenthalten. Es fehlt also ein schlagkräftiges Kriterium.

Excerpt


Inhaltsverzeichnis

1. Vorwort

2. Die Metaphysik der Sprache?

2.1 Die philosophische Hintertreppe

2.2 Das Aussagesystem der Sprache

2.3 Exkurs: Sprachwissenschaft ade?

2.4 Das System der Dichtung

3. Die Lyrik

3.1 Die lyrische Aussage

3.2 Der Dichter – seine Erlebnisse, sein Leser

3.3 An den Grenzen einer Theorie

3.4 Käte Hamburger – ein Schlussplädoyer

4. Kritische Würdigung

4.1 Kurze Rezeptionsgeschichte

4.2 Die Logik der Dichtung für „Gestresste“

4.3 Käte Hamburger die Psychologin?

4.4 Die lyrische Ich-Erzähler?

4.5 Wie logisch ist die Logik der Dichtung?

4.6 Das Rätsel um das lyrische Ich

5. Schlusswort

Zielsetzung & Themen

Diese Arbeit untersucht die Lyriktheorie von Käte Hamburger, wie sie in ihrem Werk "Logik der Dichtung" dargelegt wird. Ziel ist es, Hamburgers sprachtheoretischen Ansatz, der die Lyrik als eine Form der "Wirklichkeitsaussage" definiert, nachzuvollziehen, kritisch zu hinterfragen und die dabei entstehenden Abgrenzungsprobleme zur fiktionalen Dichtung und Alltagssprache zu analysieren.

  • Sprachtheoretische Grundlegung und das System der Wirklichkeitsaussagen
  • Differenzierung zwischen fiktionaler Dichtung und lyrischer Wirklichkeitsaussage
  • Die Funktion und logische Identität des lyrischen Ichs
  • Kritische Auseinandersetzung mit der Rezeption und den Sonderformen (Ballade, Rollengedicht)

Auszug aus dem Buch

Sinnzusammenhang

Wenn wir also vor Texten stehen, deren Objektzusammenhang undeutlich ist, so verstehen wir ihn nicht und er macht auch keinen Sinn. Deshalb spricht Hamburger davon, dass dies „in der mitteilenden Aussage niemals vorkommt“ (ebd. S.220). Zugleich geschieht aber etwas Weiteres. Die wenig zusammenhängenden Aussagen …

„ … haben sich aus dem Objektpol zurückgezogen, sich zueinander hin geordnet und dabei Inhalte angenommen, die sich keineswegs auf den Objektzusammenhang, jedenfalls nicht direkt beziehen. Sie sind nicht auf diesen hin orientiert, nicht von ihm her gelenkt, gesteuert. Sie bilden keinen Objekt- und d.h. auch keinen Mitteilungszusammenhang, sondern etwas anderes, das wir als Sinnzusammenhang bezeichnen. Das bedeutet, daß die Aussagen aus dem Objektpol fort in die Sphäre des Subjektpols hineingezogen sind. Dieser Prozess aber ist es, der das lyrische Kunstgebilde hervorbringt. Es entsteht dadurch, dass sich die Aussagen zueinander ordnen, gelenkt von dem Sinn, den das lyrische Ich mit ihnen ausdrücken will.“ (Hamburger, 1980, S.220).

Zusammenfassung der Kapitel

1. Vorwort: Einführung in die Fragestellung, was ein Gedicht auszeichnet, und Vorstellung von Käte Hamburgers kontrovers diskutierter Theorie.

2. Die Metaphysik der Sprache?: Untersuchung des sprachtheoretischen Rahmens und des Begriffs der "Wirklichkeitsaussage" bei Hamburger.

3. Die Lyrik: Detaillierte Analyse der lyrischen Aussage, des lyrischen Ichs und der Konstituierung von Lyrik durch das Erlebnisfeld des Aussagesubjekts.

4. Kritische Würdigung: Diskussion der Rezeptionsgeschichte und Auseinandersetzung mit Kritikern wie Asmuth, Wellek, Tarot und Weimar.

5. Schlusswort: Resümee der Ergebnisse, in dem die Stärken und Schwächen der Theorie sowie der Bedarf an einer differenzierteren Auseinandersetzung betont werden.

Schlüsselwörter

Käte Hamburger, Logik der Dichtung, Lyriktheorie, Wirklichkeitsaussage, lyrisches Ich, Aussagesubjekt, Sinnzusammenhang, Objektzusammenhang, Fiktion, Sprachphilosophie, Erlebnisfeld, Sonderformen, Literaturwissenschaft.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?

Die Arbeit analysiert die Lyriktheorie von Käte Hamburger aus ihrem Werk "Logik der Dichtung" und untersucht, wie sie Lyrik innerhalb ihres sprachtheoretischen Systems verortet.

Was sind die zentralen Themenfelder?

Im Fokus stehen die Abgrenzung von Lyrik gegenüber fiktionaler Dichtung, das Konzept der "Wirklichkeitsaussage" sowie das Verhältnis von Sprache, Dichter und Leser.

Was ist das primäre Ziel der Arbeit?

Das Ziel ist es, Hamburgers Theorie der Lyrik als Wirklichkeitsaussage verständlich zu machen und die darauf basierenden kritischen Einwände sowie die Problematik der "Sonderformen" differenziert zu beleuchten.

Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?

Es handelt sich um eine systematische, werkimmanente Analyse, die zudem den Forschungsdiskurs und die kritische Rezeption von Hamburgers Thesen einbezieht.

Was wird im Hauptteil behandelt?

Der Hauptteil gliedert sich in die Darstellung der sprachtheoretischen Grundlagen, die spezifische Lyriktheorie, die Problematik der sogenannten Sonderformen und die kritische Würdigung durch verschiedene Fachvertreter.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?

Die Arbeit lässt sich durch Begriffe wie "Wirklichkeitsaussage", "Aussagesubjekt", "Lyrisches Ich" und "Sinnzusammenhang" charakterisieren.

Warum betrachtet Käte Hamburger Lyrik als "Wirklichkeitsaussage" und nicht als Fiktion?

Für Hamburger ist Lyrik an ein reales Aussagesubjekt (den Dichter) gebunden, dessen Erlebnisfeld im Gedicht verhandelt wird; Lyrik erzeugt keinen Schein von Wirklichkeit durch fiktive Personen wie in Epik oder Drama.

Was ist das Problem mit den sogenannten "Sonderformen" in Hamburgers System?

Formen wie Ballade oder Rollengedicht passen formal zwar in die Lyrik, weisen aber strukturell fiktionale Elemente auf, was Hamburgers strikte Grenzziehung zwischen fiktionaler Dichtung und Lyrik herausfordert.

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Details

Title
Nichts als die Wirklichkeit - Die Lyriktheorie in Käte Hamburgers "Logik der Dichtung"
College
University of Augsburg
Course
Hauptseminar: Was ist ein Gedicht - Lyriktheorie?
Grade
1,0
Author
Stefan Dettl (Author)
Publication Year
2004
Pages
42
Catalog Number
V32468
ISBN (eBook)
9783638331784
Language
German
Tags
Nichts Wirklichkeit Lyriktheorie Käte Hamburgers Logik Dichtung Hauptseminar Gedicht Lyriktheorie
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
Stefan Dettl (Author), 2004, Nichts als die Wirklichkeit - Die Lyriktheorie in Käte Hamburgers "Logik der Dichtung", Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/32468
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