Gliederung
I. Einleitung
II. Freilandfundstellen
II.1. Kraków-Zwierzyniec I
II.2. Góra-Pula wska II
II.3. Nowa Huta
III. Höhlenfundplätze
III.1. Mamutowa
III.2. Oblazowa
IV. Schluß
I. Einleitung
Das frühe Jungpaläolithikum in Polen fällt in die späte Weichseleiszeit (Isotopenstufe
3 ), in der Nordpolen vom Inlandeis bedeckt war, an das sich Frostschutt- und Löß
Tundra anschlossen (Schwarzbach 1961 , 163 ) Die Warmzeiten waren jeweils nur von
sehr kurzer Dauer, nachweisbar durch Bodenbildungen, die auf 32 30ka BP datiert
werden. Das Aurignacien ist in Polen an drei Bodentypen gebunden: äolischer Löß (z B
Kraków-Zwierzyniec I), verlehmter Löß und fossile Böden, meist mit Solifluktion (z B
Kraków-Spadzista A, Piecary II) (Sachse-Kozlowska 1978 , 2f )
Neben dem Aurignacien, das für die Zeit von etwa 35 30ka BP angenommen werden
kann (es gib t nur zwei absolute Datierungen: Kraków-Spadzista A mit 32 000 BP und
Piekary II mit 31 100 1100 BP), existierten in Polen weiterhin Übergangsindustrien
mit mittelpaläolithischen Blattspitzen: Bohinicien, Jerzmanowizien und Szeletien
Dieses zeitgleiche Bestehen konnte z B. an den Fundstellen Mamutowa-Höhle und
Kraków-Zwierzyniec nachgewiesen werden (Kozlowski 2000 , 84f ) Ebenfalls
zeitgleich mit dem Aurignacien ist das sogenannte Zwierzyniecien, auf das weiter unten
eingegangen wird (Kozlowski Kozlowski 1996 , Fig 7 )
Es gibt in Polen mehr als 30 Aurignacien-Fundstellen, die sich jedoch fast alle durch
Rohmaterial, Schlagtechnik und Zusammensetzung der Werkzeuge unterscheiden,
weshalb auch angenommen wird, daß es in Polen keine eigenständige Entwicklung gab,
sondern das Land eher als Korridor diente und von verschiedenen Gruppen aufgesucht
wurde (Kozlowski 2000, 84 f.). Die Fundstellen sind meist Oberflächenfunde (z.B. Lubotýn 1/10, Piotrowice Wielke 4B, Malomerice-Borki II, Krepice) und oft gestört und mit anderen Industrien vermischt. Dieser Umstand ist auf Erosion zurückzuführen, wie z.B. die Fundstelle Kraków-Spadzista C zeigt, wo in nur 20 cm starken Sedimenten drei Bodenbildungen nachweisbar sind, die mehrere Jahrtausende repräsentieren (Sachse-Kozlowska 1978, 2f.). Da bisher keine Freiland- oder Höhlenfundstellen mit ausreichender Schichtenfolge bekannt sind, gibt es kein stratifiziertes Aurignacien in Polen, das eine Entwicklung beobachten ließe.
II. Freilandfundstellen
Im Gegensatz zu Westeuropa überwiegen in Polen für das Aurignacien die Freilandfundstellen gegenüber Höhlen. Dies hat den Nachteil meist gestörter Sedimente und einer fehlenden Stratigraphie für den Ablauf des frühen Jungpaläolithikums. Es liegen sowohl Fundstellen vor, die ein einzelnes Ereignis repräsentieren und mit ihrem Inventar einen geschlossenen Fund darstellen, als auch solche, die wiederholt aufgesucht wurden und zum Teil auch mit Übergangsindustrien vermischt sind.
II.1. Kraków-Zwierzyniec I
Die Fundstelle liegt in einem westlichen Krakówer Vorort auf einem lößbedecktem Sporn zwischen Weichsel und Rudarabach. Der Komplex aus Mittel- und Jungpaläolithikum mit teilweise gestörten Schichten wurde bereits 1935/36 von Jura gegraben. Weitere Grabungen erfolgten 1948/49 durch Sawicki und 1975 durch Chmielewski.
Die Grabung durch Jura erbrachte etwa 100 Artefakte, die dem Aurignacien zugeordnet werden können, das wahrscheinlich im fossilen Boden und oberhalb der Solifluktionsschichten vorhanden war. Die Stratigraphie wird von Jura wie folgt beschrieben: über Schottern der Elstereiszeit liegt Sand, überlagert von jüngerem Löß I (mit Moustérien), einer Verlehmungszone (mit ‚typischem Mittelaurignacien’), darüber 4m jüngerer Löß II, gefolgt von einer Schicht mit jüngerem Aurignacien (Jura 1938, 63). Das Mittelaurignacien wird nach Jura durch Kielkratzer und Stichel charakterisiert. Das ‚Jungaurignacien’ dürfte mit Federmessern und Mikrolithen eher einem späteren Abschnitt zugeordnet werden, was schon aus der stratigraphischen Trennung durch 4 m
Lößaufwehungen ersichtlich wird, deshalb wird hier nicht näher darauf eingegangen. Für das ‚Mittelaurignacien’ aus der Verlehmungszone des Lösses I ist eher eine Mischung aus Kostenkien, Aurignacien und Jerzmanowizien anzunehmen (Hahn 1977, 137), die aufgrund der schlechten Dokumentation nur noch typologisch zu trennen ist.
Die Grabung Sawicki erbrachte auf etwa 100 m 2 (etwa 25 m westlich der Grabungsfläche Juras) insgesamt 184 Werkzeuge aus der nur 5 cm mächtigen Fundschicht des unteren Lösses. Neben den Artefakten erfolgte aber auch eine genauere Aufnahme des Profils. Hiernach ergaben sich als unterste Schicht etwa 8 m gelbrötlicher, sandiger Löß, überlagert von einem 0,20 - 0,64 m mächtigem fossilen Boden, der stark durch Solifluktion und Kryoturbation gestört war und die unterste Fundschicht enthielt, die jedoch verlagert und vermischt war. An den Artefakten sind zum Teil starke Frostschäden abzulesen. Die Auflage bildet ein etwa 7 m mächtiger graugelber Löß mit 11 fossilen Zonen und 5 Solifluktionsschichten. Etwa in der Mitte dieses Lößpaketes liegt die obere Fundschicht (Sachse-Kozlowska 1978, 8f.). Vergleicht man die beiden Profilaufnahmen, so scheint Juras ‚Mittelaurignacien’ mit Sawickis unterer Fundschicht identisch (beide Inventare weisen außerdem Frostschäden auf). Der Abstand von der unteren bis zur oberen Fundschicht darf als gleich angenommen werden. Damit wäre Juras Stratigraphie im wesentlichen bestätigt. Von den Steinartefakten sind alleine 101 Stichel (54,8%), daneben 53 Kratzer (28,8%), 23 retuschierte Klingen, 2 Schaber und 5 andere. Das Inventar ist wie die Sammlung
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Stefan Ertmer, 2003, Das frühe Jungpaläolithikum in Polen, Munich, GRIN Publishing GmbH
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