I N H A LT S V E R Z E I C H N I S
1. EINLEITUNG 4
2. DIE LINEARE BZW. SEGMENTALE PHONOLOGIE 4
2.1. Sound Pattern of English 5
2.2. Absolute Slicing Hypothesis 6
2.3. Von der linearen zur autosegmentalen Darstellung 6
3. DIE AUTOSEGMENTALE PHONOLOGIE 8
3.1. Die Multilinarität 8
3.2. Die autosegmentale Darstellung der Töne - wichtige Begriffsdefinitionen 9
3.3. Argumente für eine autosegmentale Schicht aus der Tonhöhenanalyse - Tonsprachen 10
3.4. Die autosegmentale Repräsentation von Tönen
3.4.1. Die Repräsentation von Konturtönen (Contour Tones)
3.4.2. Tonstabilität (stability)
3.4.3. Das Prinzip der obligatorischen Kontur (OCP)
3.4.4. Tiv-Verbal System
4. DIE ASSOZIATIONSKONVENTIONEN 15
4.1. Mapping 16 4.2. Dumping 16 4.3. Spreading 16 4.4. Das Kreuzungsverbot 17
5. DIE ERWEITERUNG DER AUTOSEGMENTALEN PHONOLOGIE AUF
ANDERE PHONOLOGISCHE BEREICHE 17
5.1. Die Vokalharmonie 18 5.2. Prenasalisierung 20 5.3. Diphthonge 20 5.4. Geminaten 21
6. ZUSAMMENFASSUNG 22
B I B L I O G R A P H I E 23
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1. Einleitung
Traditionell wurden im Bereich der Phonetik und der Phonologie sämtliche lautliche Merkmale von Sprachen ausschließlich an den einzelnen Lauten bzw. Segmentenden Phonen oder den Phonemen - in ihrer linearen Abfolge festgemacht. Dies schließt Merkmale ein, die sich über mehrere Segmente erstrecken wie etwa Intonation oder Tonhöhe. Beide werden, wenn überhaupt, an den silbischen Elementen - den Vokalen - verortet.
Bereits seit Mitte der siebziger Jahre beginnen sich jedoch davon abweichende Ansätze durchzusetzen, welche Repräsentationen entwickeln, in denen diese suprasegmentalen oder nichtlinearen Phänomene dargestellt werden können. Dabei lieferte vor allem die Analyse von Tonsprachen Evidenz dafür, dass Töne nicht zu den segmentalen Eigenschaften gehören können.
Nach einem Überblick über das Prinzip der linearen Phonologie sollen im Rahmen dieser Arbeit die wichtigsten Themen der nichtlinearen, bzw. autosegmentalen Phonologie, wie unter anderem die Repräsentation von Ton und Vokalharmonie, behandelt werden.
2. Die lineare bzw. segmentale Phonologie
Die Linguistik der sechziger Jahre war geprägt vom Modell der linearen bzw. segmentalen Phonologie, in welcher phonologische Phänomene durch Regeln formal ausgedrückt werden. Man spricht deshalb auch von einer generativen Phonologie. Dieses Modell der Phonolo gie verfügt über zwei Darstellungsebenen, nämlich einer phonetischen und einer phonemischen. Nach Nespor (1994:104ff) stehen sich im Italienischen die Begriffe der fonologia superficiale und die fonologia sottostante einander gegenüber.
Sowohl die phonetischen als auch die phonologischen Merkmale werden an den einzelnen Lauten - den Segmenten - festgemacht. Solche Merkmale werden in Merkmalsrepräsentationen bevorzugt binär betrachtet. Dabei werden genau so viele Merkmale in Betracht gezogen, wie zur Unterscheidung der Laute, bzw. der Lautklassen nötig sind. Mit den gefundenen Merkmalen und ihrer systemischen Einordnung kann jedes Wort in eine Abfolge von Merkmalsbündeln zerlegt werden. Das Phonem wird also als ein Bündel distinktiver Merkmale repräsentiert. Im Wort „Abfolge“ steckt bereits die Vorstellung der Linearität. Nach Hall spricht man
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deshalb von Linearität, weil Morpheme und Wörter dieser Theorie nach als Ketten von Merkmalsmatrizen, wie auf einer horizontalen Linie dargestellt werden. Die segmentale Darstellung von `pin´ (1) soll diese Art von Repräsenta-tion veranschaulichen.
2.1. Sound Pattern of English
Im Jahre 1968 verfassten Chomsky und Halle mit ihrem „Sound Pattern of English“ (SPE) das Hauptwerk im Bereich der segmentalen Phonologie. Bis in die 70ger Jahre war das SPE die klassische Darstellungsweise der generativen Phonologie. Diese theoretische Studie setzte sich vor allem mit der Englischen Sprache auseinander, wurde jedoch auf viele andere Sprachen übertragen. Bei der linearen Darstellung stand im allgemeinen der Derivationsprozess im Vordergrund. Dabei wurden Redeteile als Ketten von Einzelsegmenten und Grenzsymbolen aus der morphosyntaktischen Struktur abgeleitet. Bei dieser Art von Ableitung unterschied man die sog. Segmente (ital. segmenti), welche Konsonanten, Vokale und Halbvokale bzw. Halbkonsonaten beinhalteten, und die Wortgrenzen (#) und Morphemgrenzen (+) (ital. Non-segmenti oder confini). Diese Art der Notation hat Nespor (1993:104ff) anhand des folgenden Beispiels (2) veranschaulicht.
#Maria#dorm+e#profonda+mente# (2)
Die lineare oder segmentale Darstellung macht alle lautlichen bzw. das Laut-system betreffenden Merkmale ausschließlich an den einzelnen Segmenten, also den Phonen und Phonemen in ihrer linearen Abfolge fest.
Auch Eigenschaften wie Betonung oder Tonhöhe wurden bei einzelnen Segmenten verortet, nämlich bei den stimmhaften Lauten. Da nur Vokale laut, bzw. mit Nachdruck ausgesprochen werden können, sollten auch die Träger solcher Merkmale, wie „Hauptbetonung“, „Nebenbetonung“ oder „unbetont“ dargestellt werden, da gerade diese oft mit Lautstärke in Verbindung gebracht werden.
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2.2. Absolute Slicing Hypothesis
Die phonologische Repräsentation eines Wortes ist nun dadurch gegeben, dass man entlang der Zeitachse „Schnitte“ macht. Dabei entstehen „Scheiben“ - sogenannte „slices“- welche anschließend eine Kette von Segmenten bilden. Goldsmith (1979) veranschaulicht diesen Prozess nun anhand des englischen Wortbeispiels `pin` in Skizze (3).
Lips: .............close up.........open........................................................ (3) Tongue:......high and front................................touch the palate........ Velum:........raise............................................lower............................
Bei diesem Beispiel (3) wird dargestellt, wie sich die Artikulationstellen Lippen, Zunge und Velum bei der Artikulation des Wortes „pin“ verhalten, bzw. bewegen. Man stellt fest, dass die Slicing-Hypothese hier noch eine einleuchtende Darstellung ermöglicht.
Wenn man den Artikulationsstellen (Lippen, Zunge und Velum) eine weiteres Kriterium hinzufügt, so wie in der nachfolgenden Skizze (4) die Aktivität der Stimmbänder (je schneller die Stimmbänder schwingen, desto höher die Tonlage), so zeigt sich deutlich, dass das Slicing-Verfahren hier keine befriedigende und konkrete Darstellung liefert bzw. ermöglicht.
Lips: .............close up.........open........................................................... (4) Tongue:......high and front ................................ touch the palate .......... Velum:........ raise ............................................ lower ............................ Larynx:.....................high pitch ...................... low pitch ...................
Es wird nun deutlich, dass diese Art der linearen Repräsentation nur für die Darstellung weniger komplexer Verhalte geeignet ist, wie z.B. das Zusammenwirken der verschiedenen Artikulationsstellen (3). Für komplexere Verhalte bedarf es folglich einer alternativen Darstellungsmethode.
2.3. Von der linearen zur autosegmentalen Darstellung
In den 70ger Jahren haben viele Phonologen diese linearen Repräsentationen angezweifelt, weil es reichlich Belege dafür gab, dass tonale Merkmale einen anderen Status haben als die nicht tonalen Merkmale. Daten zeigen, dass einzelne
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Registertöne durch phonetisch- morphologische Prozesse auf eine einzige tontragende Einheit (engl. tone bearing unit) fallen und dort zu einem Konturton verschmelzen (> siehe Punkt 3.4.1.), was die Vermutung erhärtete, dass Konturtöne immer aus einzelnen Registertönen bestehen (müssen). Wenn Sie sich wirklich auf diese Art und Weise zusammensetzen, ist ein Verorten des Tonmerkmals an einem vokalischen Segment prinzipiell undenkbar. Man müsste die Erkenntnis, dass es sich bei einem steigenden Ton um die Abfolge eines tiefen und eines hohen Tones ignorieren. Man argumentierte deshalb dafür segmentale Merkmale und Tonmerkmale nicht zusammen in einem Merkmalsbündel, sonder unabhängig voneinander darzustellen (Leben 1973 / Goldsmith 1976).
Ein Segment wurde daraufhin nicht länger als diskrete, für sich allein stehende Einheit betrachtet. Man erkannte, dass Segmente, die ein Wort bilden, nicht ausschließlich linear angeordnet sein müssen. Des Weiteren stellte man fest, dass die phonologische Organisation von morphemischen und syntaktischen Segmenten nicht zwangsläufig von den Wortgrenzen vorgenommen werden muss. Schließlich erkannte man auch, dass die Domäne eines einzelnen Segments größer, jedoch auch kleiner sein kann als ein einzelnes Segment und sich dabei der Wert eines Merkmals innerhalb eines einzelnen Segments verändert, wie es z.B. bei dem Phänomen der Affrikaten der Fall ist, wie es das folgende Beispiel (5) zeigt (Nespor 1993:114ff):
/ts/ = /t/ + /s/ (5) Affrikat besteht aus Okklusiv und Frikativ
Es besteht aber auch die Möglichkeit, dass mehrere Segmente gleich spezifiziert sein können, wie z.B. bei dem Phänomen der Geminaten (Doppellaute). Dabei verhalten sich diese wie zwei Einheiten, die zusammen eine Domäne von Merkmalsbündeln bilden. Auf diese Erscheinung möchte ich zu späterem Zeitpunkt (> siehe Punkt 5.4) genauer eingehen.
Goldsmith, der zur autosegmentalen Phonologie besonders in afrikanischen und asiatischen Tonsprachen entscheidende Untersuchungen durchgeführt hat, zeigt durch seine gewonnenen Erkenntnisse, dass das lineare Modell für viele dieser Sprachen nicht erklärungsadequat ist. So treten in der Tonsprache Igbo beim Zusammentreffen hoher und tiefer Töne Assimilationsprozesse auf, die erst dann erklärbar sind, wenn das Ton-Merkmal aus dem Merkmalskomplex des Einzel-
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Arbeit zitieren:
Claudia Vannella, 2003, Die Aufwertung der Merkmale in der autosegmentalen Phonologie, München, GRIN Verlag GmbH
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