Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung 3
2. Fakten
3. Thesen 4
3.1 These 1: Studiengebühren stärken Wettbewerb
3.2 These 2: Studiengebühren sind sozial angemessen
3.3 These 3: Öffentliche vs. Private Finanzierung der Hochschulen
4. Auswertung / Fazit 8
5. Literaturverzeichnis 10
6. Tabellenverzeichnis
2
Die Nöte der hiesigen Hochschulen sind bekannt: die Hörsäle platzen aus allen Nähten, der Staat hat kein Geld und die Jungakademiker brauchen viel länger bis zu einem Abschluss als ihre ausländischen Kommilitonen. Zwar ist die Bundesrepublik Deutschland eine der wenigen Nationen, in der das Studieren fast umsonst ist, sie bringt aber relativ gesehen zu wenig Hochschulabsolventen hervor.
Unlängst bittet man Langzeitstudenten inzwischen zur Kasse, aber die Diskussion geht um die Abschaffung des Verbots von Studiengebühren im Erststudium. Der Sinn von Studiengebühren liegt darin, die Effizienz und Qualität der Hochschulausbildung zu erhöhen. Ein negativer gesellschaftlicher Effekt wäre, dass die Einführung von Studiengebühren den Zugang zur Hochschule für Angehörige der Unterschicht erschwert. Die Einführung solcher Gebühren würde bestehende soziale Ungleichheiten verstärken, da sie die vermeintliche Chancengleichheit aushebelt.
Der Zweck von Studiengebühren ist nicht, dass neue Quellen für die chronisch leeren Kassen der Bundesländer erschlossen werden, sondern vielmehr eine symbolische Geste, von der sich kürzere Studienzeiten erhofft werden. Wie bei Schutzgebühren für Versandhauskataloge sollen Studiengebühren die Studenten für den Wert ihrer Ausbildung sensibilisieren. Ein symbolischer Preis für das Studium wurde bereits in Form von Verwaltungsgebühren eingeführt; bei einem studentischen
Durchschnittseinkommen, das unterhalb des Sozialhilfesatzes liegt, ist dieses Signal bei den Studenten angekommen.
„Studiengebühren sind sozial ungerecht!“ - darüber besteht unter Studierenden ein breiter Konsens. Aus volkswirtschaftlicher Sicht ist diese Meinung falsch, da ein freies Hochschulstudium in Wirklichkeit die sozial Schwachen benachteiligt.
Dass Studiengebühren Jugendliche aus sozial schwachen Schichten abschrecke ein Hochschulstudium aufzunehmen klingt plausibel ist aber dennoch falsch. In Deutschland ist die Hochschulausbildung „frei“, aber das bedeutet nicht, dass sie kostenlos ist, denn sie kostet jährlich ca. 15 Milliarden Euro und nicht die Nutznießer selber, sondern Dritte kommen dafür auf. Über Steuern und Abgaben zahlen alle Bürger - egal ob Unter-, Mittel- oder Oberschicht - für eine freie Hochschulausbildung, eben auch die, deren Kinder meist nicht studieren.
Je weniger Kinder aus einkommensschwachen Familien studieren, desto ungerechter ist eine Finanzierung des Studiums durch die Allgemeinheit, weil davon überwiegend die einkommensstarken Familien profitieren. Heute studieren nur noch 8% aus einkommensschwachen Familien, bei einkommensstarken Familien sind es 72%. Daraus könnte der falsche Schluss gezogen werden, dass Studiengebühren dann ungerecht seien und die Schieflage noch verstärken würde. 1
1 vgl.: http://www.sciencegarden.de/meinung/200210/sxtudgeb/studiengebühren.php
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Das aber ist falsch, denn zu einem Studium gehört nicht nur Geld, sondern auch das Abitur. Hier liegt das Problem, denn nur ca. 10% aus der Arbeiterschicht besuchen das Gymnasium und das ist somit der wahre Grund für den geringen Anteil von Studierenden aus Arbeiterfamilien.
Was die Gesamtzahl der Studierenden betrifft, scheinen Gebühren keineswegs die Studierfreudigkeit zu hemmen. In den Ländern, in denen das Studium etwas kostet, studieren mehr als in solchen Ländern, in denen das Studium gebührenfrei ist (z.B. USA 50% eines Jahrgangs im Vergleich zu Deutschland mit 30%). Je niedriger der private Finanzierungsanteil an den Gesamtkosten einer Hochschulausbildung, desto weniger studieren (Ergebnis OECD-Studie „Bildung auf einen Blick“, Ausgabe 2004). 2
Ein oft zitiertes Argument von Studiengebühren-Gegnern ist, dass die Besserverdienenden mehr Steuern als die ärmeren Schichten zahlen. Dies würde den höheren Anteil von Akademikerkindern unter den Studierenden mehr als ausgleichen. Auch dies ist nicht ganz richtig; zwar zahlen die Besserverdienenden tatsächlich mehr Steuern, doch die Kosten, die dem Staat durch deren studierende Kinder entstehen, liegen deutlich darüber. Der Professor für Wirtschafts- und Sozialstatistik W. Krämer errechnete folgendes Ergebnis: Die Armen zahlen zwar weniger Steuern, schicken aber auch überproportional weniger Kinder auf die Universitäten, so dass sie netto die Erziehung der Reichen finanzieren. Sein Fazit daraus: Akademiker verdienen über das Leben gerechnet rund 50% mehr als unstudierte Bürger, zahlen aber weniger als die Hälfte ihrer Studienkosten über höhere Steuern an die Solidargemeinschaft zurück. 3
Die Einführung von Studiengebühren würde die Möglichkeiten der Einnahmesteigerung bei den Hochschulen verbessern. Wenn diese Mittel den Hochschulen zur eigenständigen Verfügung bleiben, werden damit erhebliche Spielräume für eine bessere Ausstattung der Hochschule bspw. im Bereich der Lehre, für die Überbrückung personeller Engpässe und für die Anschaffung neuer Literatur geschaffen, sofern die Länder ihre Hochschulfinanzierung nicht vermindern. 4
Der Kunde „Student“ studiert nur dort, wo er für sein Geld gut organisierte und gut betreute Studienangebote wahrnehmen kann. Somit werden Hochschulen untereinander zu Wettbewerbern und werben bspw. mit renommierten Professoren, die nicht nur ihre eigenen wissenschaftlichen Ziele vor Augen haben, sondern um ihre Studenten bemüht sind. Die Akademiker werden automatisch zu mehr Verantwortung durch die Selbstfinanzierung ihres Studiums gezwungen, da sie abwägen müssen, mit welchem Abschluss von welcher Hochschule sie auf dem späteren Arbeitsmarkt welchen Job finden wollen und können.
2 vgl.: http://www.sciencegarden.de/meinung/200210/sxtudgeb/studiengebühren.php
3 vgl. :Krämer, W. : Neues Lexikon der populären Irrtümer, 1998, S.313
4 vgl.: http://www.hopo-www.de/stgeb/stghrk6.html
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Arbeit zitieren:
Dipl.-Betriebswirtin (FH) Julia Zotter, 2004, Streitfaktor Studiengebühren - sozial gerecht?, München, GRIN Verlag GmbH
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