0. Einleitung 1
1. Lächelndes Verhalten 4
1.1. Das Lächeln von Säuglingen und Kindern 4
1.2. Das Lächeln von Jugendlichen und Erwachsenen 6
1.3. Funktionen des Lächelns 6
1.3.1. Individuelles Lächeln 6
1.3.2. Soziales Lächeln 7
1.3.3. Intentionales Lächeln 8
1.4. Kurze Zusammenfassung 8
2. Das Lachen 9
2.1. Kinderlachen 9
2.2. Lachen Jugendlicher 12
2.3. Merkmale des Lächerlichen 13
2.4. Funktionen des Lachens 16
2.4.1. Zähne-Zeigen im Tierreich 17
2.4.2. Kulturgeschichtliche Aspekte 18
2.4.3. Gruppenlachen aus soziologischer Perspektive 19
2.4.4. Lachen aus anthropologischer Perspektive 21
2.4.5. Erleichterung der Kommunikation und Interaktion
mittels Lächeln, Lachen und Humor 22
2.4.6. Witze aus psychoanalytischer Perspektive 23
2.4.6.1. Die Entstehung eines Witzes 24
2.4.6.2. Der Sinn eines Witzes 25
2.4.7. Medizinische Auswirkungen des Lachens 27
2.5. Kurze Zusammenfassung 29
3. Der Humor 31
3.1. Entwicklungsgeschichte des europäischen Begriffs Humor 31
3.2. Humor als Haltung im Leben 33
3.2.1. Humor und Psyche 34
3.2.2. Humor und Moral 35
3.2.3. Humor und Wertebenen S 36
3.2.4. Humor als Zeichen von Religiösität 37
3.3. Kurze Zusammenfassung 42
4. Das Burnout-Syndrom in der Berufswelt 44
4.1. Der Begriff Belastung 44
4.1.1. Äußere Einflüsse und Belastungen auf Arbeitnehmer 45
4.1.2. Direkte Belastungen am Arbeitsplatz 46
4.2. Notwendige Faktoren zur Bewältigung der Anforderungen
des beruflichen Alltags 48
4.3. Stress 49
4.3.1. Stressbewältigung durch kognitive Neubewertung 56
4.4. Burnout-Syndrom 58
4.4.1. Geschichtliche Betrachtung 60
4.4.2. Gefährdete Personengruppen 62
4.4.3. Individuelle, problematische Aspekte in der Berufswelt 63
4.4.4. Symptome und Phasen eines Burnout 64
4.4.5. Empfehlungen und Interventionen für Betroffene 68
4.4.6. Falldarstellung einer Burnout-Entwicklung 70
4.5. Kurze Zusammenfassung 73
5. Humor als Mittel zur Problem- und Konfliktbewältigung 75
5.1. Humor in Therapien 80
5.2. Wirkung des Einsatzes von Humor im therapeutischen
Geschehen S. 84
5.2.1. Sprache als Werkzeug zur Förderung von Kreativität 85
5.3. Kurze Zusammenfassung 86
6. Mein Humorverständnis als Gegensteuerung zu einem Ausbrennen. 87
7. Schlussfolgerungen 91
8. Literaturverzeichnis
9. Abbildungen
0. Einleitung
Meinen eigenen Beobachtungen zufolge lächeln und lachen Menschen allgemein ziemlich wenig. Ich habe das Gefühl, dass viele Dinge viel zu ernst genommen werden. So ärgern sich Personen über Kleinigkeiten und machen sich das Leben allgemein viel zu schwer. Ein zerbrochener Teller kann schon für viele zu einem großem Ärgernis werden, auch wenn dieser eigentlich keine große Bedeutung hat. Dieses Ereignis führt bei einigen Menschen dazu, dass sie den ganzen Tag negativ betrachten und so folgen weitere negativ bewertete Ereignisse. Man könnte jedoch auch über eine Ungeschicklichkeit lächeln oder lachen. Viele tun es m. E. nicht und erschweren ihr Leben somit. Mein Motto lautet aber nach einer chinesischen Weisheit: Wer lächelt statt zu toben, ist immer der Stärkere. Was aber bedeutet dieses Sprichwort bezogen auf die Arbeitswelt? Können Menschen mit einer solchen Einstellung sich vor einem Burnout schützen und wenn ja, warum? Patch Adams schreibt: „I know that humor has been at the core of preventing burnout in my life“ (Adams, 1993, S. 67). Dies bestätigte meine Annahme und ich wollte herausfinden, was einerseits das Spezifische des Lächelns, des Lachens und des Humors ist. Andererseits fragte ich mich, was ein Burnout genau ist und wie man ihn verhindern bzw. ihm vorbeugen kann, um Adams bestätigen zu können. So entstand mein Thema: - Vom Lächeln zum Lachen - Kann Humor einem Burnout entgegenwirken?
Ich werde aufgrund der Komplexität meines Themas viele unterschiedliche Aspekte und Sichtweisen bezüglich des Lächelns und Lachens als Ausdrucksverhalten aufzeigen. Es wird zunächst das Typische des Lächelns von Menschen herausgearbeitet. Warum lächeln Menschen überhaupt und wann lächeln sie in welchen Situationen? Zeigt es nur Freude und Heiterkeit, oder ist es auch ein Verstehen von humorvollen Bemerkungen? Welche kommunikativen Funktionen hat ein Lächeln? Diese Fragen beziehe ich dann auch auf das menschliche Lachverhalten des westlichen Kulturkreises. Ich frage mich, wie und warum das Lachen überhaupt entstanden ist. Welche Funktionen erfüllt ein Lachen? Des weiteren stellt sich mir die Frage, ob Lächeln und Lachen ein Ausdruck dessen ist, was unter `Humor` verstanden wird. Was aber ist `Humor`? Wie und weshalb äußert er sich? Was ist das
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Wesentliche des `Humors`? Ist er ein Oberbegriff für Komisches allgemein? Oder steckt hinter dem Begriff mehr und drückt eine Haltung dem Leben gegenüber aus? Um diese Fragen zu beantworten, gehe ich auch auf die Entstehung des Begriffs `Humor` im westlichen Kulturkreis ein. M. E. beantworten philosophische Perspektiven die Frage nach dem Wesen des `Humors`, daher finden sie besondere Beachtung.
Um zu zeigen, dass Humor als Bewältigung von alltäglichen Problemen und Konflikten ein probates Mittel sein kann, ziehe ich einige Untersuchungen aus dem englisch-sprachigen Raum heran. In diesen wird deutlich, dass Humor als Oberbegriff für das Komische als Bewältigungsstrategie benutzt wird, um z. B. sensible Themen ansprechbar zu machen. Da Humor in diesem Sinne auch in Therapien angewandt wird, gehe ich auch auf die Verwendung und die Bedeutung des Humors diesbezüglich ein. M. E. sind diese Anwendungen ein klares Zeichen dafür, dass Humor einem Burnout, welcher intensive Beachtung in meinen Ausführungen findet, durch Humor abgemildert bzw. sogar verhindert werden kann.
In der Literatur finden sich eine Vielzahl von Theorien zum Bereich des Lachens und des Humors. Die Begriffe werden nicht klar von einander abgegrenzt und häufig synonym benutzt. Nach Robinson sind sie austauschbar. Für sie stellt „Humor (...) ein kognitives Phänomen dar, während das Lachen sich auf der physischen und physiologischen Ebene abspielt. Er bildet in Wirklichkeit den Stimulus, der die körperliche Reaktion des Lachens hervorbringt. Während Humor einen Kommunikationsstil verkörpert, handelt es sich beim Lachen um eine Verhaltensweise“ (Robinson, 1999, S. 4). Die Gefühlslage des Individuums steht zwischen dem Humor und dem Lachen. „Etwas muss als `komisch` empfunden werden, (ohne dies stellt sich kein) Gefühl der Belustigung, Heiterkeit, des Vergnügens, der Freude, der Überraschung oder der Absurdität“ (Robinson, 1999, S. 5) ein. Beide Ebenen haben einen gesundheitsfördernden Aspekt. Auf der mentalen Ebenedie des Humors - findet eine Befreiung des Geistes statt. Humor hat diesbezüglich eine besondere Entlastungsfunktion. Die physische und physiologische Ebene - die des Lachens - trainiert den menschlichen Körper
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in vielfältiger Art. Beides ist zur Verhinderung eines beruflichen Burnout wichtig.
Um zu verstehen, warum gerade heute viele Menschen, ohne es vielleicht selbst in den Anfängen wahr zu nehmen, einem Burnout entgegen gehen, beschreibe ich die heutige Arbeitswelt. Es stellt sich hierbei die Frage, welchen Anforderungen heutige Arbeitnehmer genügen müssen. Mit welchen Belastungen müssen sie fertig werden? Wodurch fühlen sich Menschen gestresst und überfordert? Was ist Stress und wie kann dieser bewältigt werden? Was verbirgt sich hinter dem Begriff `Burnout` und welche Interventionen gibt es, um diesen zu verhindern bzw. einzuschreiten, wenn Symptome dieses Phänomens gehäuft auftreten? Diesen Fragen gehe ich auf den Grund und versuche zu zeigen, dass m. E. Lachen einerseits und Humor als Haltung andererseits hilfreiche Mittel sein können, um eine gelassenere Einstellung im Leben allgemein und besonders im Berufsleben zu entwickeln, um so zu mehr Zufriedenheit zu gelangen.
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1. Lächelndes Verhalten
In diesem Abschnitt beschreibe ich, aus welchen Gründen Menschen lächeln. Zunächst gehe ich auf das Lächeln von Säuglingen und Kleinkindern ein, weil dieses als Grundlage für das menschliche Phänomen des Lächelns gesehen werden kann. Es zeigt sich im Folgenden, dass Lächeln einer Entwicklung unterliegt.
1.1. Das Lächeln von Säuglingen und Kindern
„Die Kommunikation von Emotionen läuft (...) über den emotionalen Ausdruck des Gesichts“ (Zimbardo, 1988, S. 451, Hervorhebung im Original). Ein allgemein positiver psychischer Gesamtzustand eines Säuglings drückt sich in seinem Lächeln aus. Babies lächeln nach Dopychai, wenn sie satt, ausgeruht, warm und trockengelegt sind. Säuglinge lächeln aber nicht nur, wenn ihre biologischen Bedürfnisse befriedigt sind. Die Bedürfnisse nach Sicherheit, Bindung und Selbstwert werden durch die Anwesenheit und Fürsorge der Bezugspersonen befriedigt. Nach Abraham Maslows Bedürfnishierarchie trägt jeder Mensch solche Bedürfnisse in sich. (vgl. Maslow, zit. nach Zimbardo 1988, S. 415 - 416). 1 Zu welchem Zeitpunkt und warum Säuglinge lächeln scheint in der Wissenschaft noch relativ unklar zu sein. Das erstmalige Lächeln eines Neugeborenen im Wachzustand tritt einige Wochen nach der Geburt auf. 2 Dopychai geht davon aus, dass noch physiologische bzw. neuronale Reifungsvorgänge durchlaufen werden müssen, bevor das Kind zum erstenmal aufgrund von externen Reizen lächelt (vgl. Dopychai, 1988, S. 85). 3 Darwin und Ahrens sehen das Lächeln eines Säuglings als instinktbedingt bzw. als reflexartig. Für sie ist es angeboren. Das Lächeln erfüllt für diese
1 Wenn die in ihrer Reihenfolge benannten Bedürfnisse angemessen befriedigt sind, münden sie in kognitive und ästhetische Bedürfnisse. In seiner Bedürfnishierarchie folgen die Bedürfnisse nach Selbstverwirklichung und Transzendenz. Dieser Ansatz zur Erklärung von Motivationen ist in der humanistischen Psychologie angesiedelt.
2 McGhee (1979) erkannte, dass Babies im Schlaf schon ab der ersten Woche nach ihrer Geburt lächeln. Dies geschehe durch die spontane Aktivität des zentralen Nervensystems (vgl. McGhee, 1979, S. 48)
3 Erstmaliges Lächeln lässt sich laut McGhee schon zwei Wochen im Anschluss an das Füttern beobachten, wenn Babies also satt sind (vgl. McGhee, 1979, S. 48).
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beiden Wissenschaftler nur einen biologischen Zweck. Das Gegenüber des Babys soll positiv eingestimmt werden, so dass potentielle Gewaltanwendung verhindert wird. So wird das sogenannte „Kindchenschema“ beim Lächeln verstärkt (vgl. Dopychai, 1988, S. 84 - 91). Die Pflegeperson lächelt auf das Lächeln von Babies und Kleinkindern zurück. Hierdurch zeigt sie ihre zärtliche Zuneigung und die zwischenmenschliche Bindung wird gestärkt (vgl. Bänninger-Huber, 1997, S. 31).
Als Zusammenfassung des Lächelns von Säuglingen, lässt sich Dopychai folgendermaßen zitieren: „Das Lächeln des Säuglings ist eine angeborene Ausdrucksbewegung, mit der auf positiv getönte, psychische Befindlichkeiten im weitesten Sinne reagiert wird. Sie verlangt eine gewisse Reife des Gehirns, wie sie erst einige Wochen nach der Geburt vorliegt. Schon bald führen dann Lernerfahrungen dazu, dass Lächeln auch auf die Erwartung positiver, emotionaler Zustände generalisiert wird. Als solchermaßen konditionierte Reaktion ist es aber immer noch Ausdrucksbewegung im eigentlichen Sinne, spiegelt es doch einen psychischen Zustand, ein Gefühl der Vor-Freude, das eben selbst schon freudig ist, wider“ (Dopychai, 1988, S. 91) Als direkte Fortsetzung des Säugling-Lächelns wird das Lächeln von Kindern verstanden, welches auf Lob und Anerkennung von Erwachsenen folgt. Das Lächeln als angeborene Ausdrucksbewegung in sozialen Situationen gilt noch als ungeklärt. Dopychai nimmt an, dass dieses Lächeln unbewusst und funktional 4 im alltäglichen Umgang mit anderen erfolgt (vgl. Dopychai, 1988, S. 93).
Kinder wirken sehr ernst und konzentriert, wenn sie in ihr Spiel versunken sind. Sie lächeln erst dann, wenn sie einen Erfolg ihres Wirkens sehen. In der aktiven Veränderung der kindlichen Umwelt z. B. beim Spiel im Sandkasten, erleben Kinder einen Erfolg, indem sie den Sand in verschiedene Formen bringen. Ihr Lächeln drückt positive Erfolgsgefühle aus (vgl. Dopychai, 1988, S. 91 - 93).
4 Auf die Funktionalität des Lächelns von Kindern geht der Autor leider nicht ein, obwohl dies sicherlich zu einigen Erkenntnissen führen würde.
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1.2. Das Lächeln von Jugendlichen und Erwachsenen
Wie beim Lächeln von Kindern, ist das Lächeln Jugendlicher und Erwachsener eine auf den vorher beschriebenen Phasen des Lächelns aufbauende Entwicklung. Sie lächeln nicht nur aufgrund von positiven Gefühlszuständen wie z. B. Freude (vgl. Dopychai, 1988, S. 94 - 95). Lächeln kann verschiedene Funktionen erfüllen, welche im Folgenden näher beschrieben werden.
1.3. Funktionen des Lächelns
Salisch differenziert zwischen spontanem und willensgesteuertem Lächeln. Letzteres unterliegt gesellschaftlichen Regeln und deutet darauf hin, welche Gefühle in welcher Situation gezeigt werden dürfen. Die eigenen Gefühle werden mit einem solchen Lächeln verdeckt (vgl. Salisch in Titze/Eschenröder, 2000, S. 24). Diese Form entspricht m. E. dem sozialen, aber auch dem intentionalen Lächeln 5 . Ekman spricht des weiteren von `elendem` Lächeln. Dieses wird eingesetzt, um das eigene Elend einer ungünstigen Situation dem anderen nicht zu zeigen. Es erscheint als „tapferes Grinsen“ (ebd.) und hat m. E. eine Schutzfunktion insofern, als dass Nachfragen bezüglich der wirklichen Gefühle abgewehrt werden sollen.
Das Lächeln von Jugendlichen und Erwachsenen kann nach Dopychai in drei Formen zum Ausdruck kommen. Er unterscheidet das individuelle, soziale und intentionale Lächeln (vgl. Dopychai, 1988, S. 94 - 95), welche in den folgenden Abschnitten näher erläutert werden.
1.3.1. Individuelles Lächeln
Der Typ des individuellen Lächelns als echte Ausdrucksbewegung des inner psychischen Zustands, zeigt eine positive emotionale Befindlichkeit. Es ist das Lächeln einer echten Heiterkeit. Als Prototyp des Lächelns, beinhaltet es einerseits das Lächeln des Säuglings, andererseits wird das individuelle
5 Diese Differenzierung wird im Folgenden näher erläutert
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Lächeln als Basis für das soziale und intentionale Lächeln angesehen. Der Ausdruck einer lächelnden Person zeigt seinen Gegenüber Wohlwollen und Freundlichkeit. Es kann als nichtaggressive Zustimmung dem anderen gegenüber gewertet werden. Dieses Lächeln kann somit Brücken von einem Menschen zum anderen schlagen, denn die Ausgeglichenheit und Sicherheit einer Person überträgt sich schnell auf andere und wirkt ansteckend, denn es ist schwer auf ein Lächeln nicht zu reagieren (vgl. Dopychai, 1988, S.96 - 97). Dieses Lächeln ist ein „Ausdruck positiver Gefühle von Freude, Zufriedenheit, Humor oder körperlichem Wohlbefinden“ (Bänninger-Huber, 1997, S. 31).
1.3.2. Soziales Lächeln
Das soziale Lächeln ist stark formalisiert und ritualisiert. Rituale der Gesellschaft spiegeln das Bedürfnis ihrer Mitglieder nach offenem und nichtaggressivem Umgang im Miteinander. Einseitiges Lächeln kann als Angebot zur Befriedung einer misslichen Situation z. B. eines Streites verstanden werden. Die soziale Sicherheit wird durch reziprokes Lächeln hergestellt (vgl. Dopychai, 1988, S. 96 - 97). Bänninger-Huber pflichtet Dopychai bei, insofern als dass sie auch davon ausgeht, dass Ärger zwischen zwei Personen mit einem Lächeln wieder ausbalanciert werden soll, um „die emotionale Beziehung der Partner zu erhalten“ (Bänninger-Huber, 1997, S. 34) M. E. kann Lächeln also zur beiderseitigen Entspannung in einer kritischen Situation führen. Es hat folglich positive kommunikative Aspekte und dient der Erleichterung der Kommunikation. Bei Begrüßungen ist das soziale Lächeln in einer als sicher empfundenen Umgebung aber keine Ausdrucksbewegung eines Gefühlszustandes mehr, sondern eher standardisiert und eine Formsache. Es funktioniert als entspannendes Moment und hilft eine angenehme Atmosphäre in Interaktionen herzustellen (vgl. Dopychai, 1988, S. 96 - 97). Ich denke, dass dieses Lächeln sehr stark in die Richtung des intentionalen Lächelns abdriften kann, wenn es bewusst eingesetzt wird. Unsere kulturellen Regeln veranlassen uns fast in jedem Fall das angebotene Lächeln zu erwidern, um den anderen nicht zu beschämen (vgl. Bänninger-Huber, 1997, S. 31).
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1.3.3. Intentionales Lächeln
Das intentionale Lächeln ist Signal und Aufforderung gleichzeitig. So soll dieses Lächeln eine angenehme Situation anzeigen. Als Aufforderung dient es, um Personen zu einer bestimmten Handlung zu bewegen. Der lächelnde Verkäufer intendiert: „Kauf` mein Produkt“. M. E. ist dieses Lächeln Mittel zum Zweck und wirkt daher instrumentell. Absichtsvolles Lächeln versucht das Gegenüber zu manipulieren und die Situation soll zum eigenen Vorteil ausgenutzt werden (vgl. Dopychai, 1988, S. 97 - 98).
1.4. Kurze Zusammenfassung
Zusammenfassend lässt sich sagen, dass Lächeln einerseits angeboren ist und eine positive Gefühlslage anzeigt, andererseits kann es ein nonverbales Signal als Reaktion auf äußere Reize sein. Es deutet, abgesehen vom sozialen und intentionalen Lächeln nach Dopychai und dem elendem Lächeln nach Ekman, auf einen positiv gefärbten Gefühlszustand. Dieser wird normalerweise vom Gegenüber ohne zusätzliche verbale Erklärung verstanden und erwidert. Lächeln dient den Menschen sozusagen als „kommunikativer Schmierstoff“, um reibungslose Interaktionen gestalten zu können.
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2. Das Lachen
Lachen drückt sich im Gegensatz zum Lächeln, bei welchem nur die Mund-und Augenpartie involviert sind, deutlich anders aus. Meistens ist Lachen geräuschvoll und intensiver als das Lächeln. So werden meistens beim Lachen die Zähne entblößt und ein Lachen kann den ganzen Körper erfassen, so dass er sich „rüttelt und schüttelt“. Somit können m. E. andere Handlungen nicht parallel zum Lachen ausgeführt werden. Zunächst gehe ich auf das spezifische Kinderlachen ein als Steigerungsform des Lächelns. Im Folgenden wird dann das Lachen Jugendlicher erläutert, um anschließend die allgemeinen Merkmale des Lächerlichen in Bezug auch auf Kinder aufzuzeigen. Es folgen Überlegungen über das Lachen als Signal von Kampfbereitschaft und kulturgeschichtliche Einflüsse auf das Lachverhalten. Abschließend werden die Funktionen des Lachens zusammengefasst.
2.1. Kinderlachen
Als Steigerungsform des Lächelns scheint auch die Fähigkeit des Lachens angeboren zu sein. Zwischen der fünften Woche und dem achten Monat nach der Geburt beginnen Babys in sicheren Situationen zu lachen aufgrund von äußeren Reizen. Nach Dopychai erfordert das Lachen eine gewisse Reifung und Übung durch das Baby. Auslösende Momente sind z. B. Kitzeln, Hochwerfen und wieder Auffangen durch bekannte Personen. In unsicheren Situationen jedoch fängt es an zu weinen (vgl. Dopychai, 1988, S.100 -101).
Kinder lachen relativ viel. 6 Kinderlachen wird durch motorische Betätigung, Gelingen einer schwierigen Aufgabe, Anerkennung von Erwachsenen, Entdecken der Unvollkommenheit von Sprach- und Körperbeherrschung anderer hervorgerufen (vgl. Dopychai S. 100 - 101). „Wenn der Mensch lacht,
6 Vgl. Anmerkung Nr. 5. Ich denke, dass lachen und lächeln eines Kindes auch in Abhängigkeit zu seiner Familie gesehen werden sollte. Ein häufiges Vorleben dieser Verhaltensweisen durch Eltern und andere Bezugspersonen fördert sicherlich die Häufigkeit eines Kindes, gleich welchen Alters sich ähnlich zu verhalten.
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fühlt er sich innerlich gut“ (Grotjahn, 1974, S. 168), dies ist m. E. ein Grund, warum Menschen überhaupt lachen und trifft gerade auf das Lachen von Kindern zu.
McGhee geht davon aus, dass humorvolle Bemerkungen von Kindern einerseits aufgrund von Sinnlosigkeit bezüglich des Inhaltes von Witzen gemocht werden. Andererseits mögen Kinder aber auch Scherze, die kognitiv gelöst werden müssen. Inkongruente Bemerkungen 7 werden von Kindern ihres humorvollen Gehaltes wegen, genossen. Frühere kognitive Lösungen und Erwartungen, wie sich die Welt normalerweise präsentiert hat, sind für den Genuss dieser inkongruenten Bemerkungen, welcher sich im Lachen zeigt, Voraussetzung. McGhee drückt dies so aus: „prior cognitive mastery or a firmly established expectation of `how things should be` (McGhee, 1979, S. 38) müssen gegeben sein. Der Spaß an humorvollen Bemerkungen ist für McGhee sowohl bei Kindern als auch Erwachsenen am größten, wenn sie das mittlere kognitive Niveau des Individuums ansprechen. Der Intellekt der Person darf also weder unter- noch überfordert werden, um Gefallen an bestimmten Äußerungen zu finden. „Humor appreciation is greatest, then, when we do not immediately see the point, and yet are not required to think laboriously about it“ (McGhee, 1979, S. 39). Weiterhin finden laut McGhee einfache Scherze ihre Würze durch “the addition of sexual or aggressive elements (…) that are otherwise boring because of their simplicity” (ebd.). Titze und Eschenröder schreiben hierzu, dass McGhee davon ausging, dass Kinder für sie tabuisierte Themen mittels Wortspielereien und Reimen aufarbeiten. In ihnen werden verinnerlichte Normen und gleichzeitig lustvolle Ereignisse thematisiert. Zu ihrer eigenen Belustigung verletzen sie Tabus. Der Sexualforscher Borneman gibt u. a. folgendes Beispiel: `Der Kutscher auf dem Bock Scheißt vor Lachen in den Rock. Die Dame in dem Wagen Kann das Stinken nicht vertragen` (Borneman, zit. nach Titze/Eschenröder, 2000, S. 32).
7 Inkongruente Bemerkungen, welche besonders auch von Kindern genossen werden, werden im Kapitel 2.3. als Unterpunkt zu den Merkmalen des Lächerlichen näher erläutert.
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Das Thema dieses Reimes, aber auch die derbe Sprache und Ausdrucksweise deuten nicht nur auf Tabuverletzungen hin. Sie zeigen auch die kognitivverbalen Fähigkeiten von Kindern. Des weiteren werden aggressive Tendenzen gegenüber Autoritäten ersichtlich. Aggressiver Humor dient nach Borneman als Ventil (vgl. Titze/Eschenröder, 2000, S. 31 - 33).
McGhee zitiert Levine, um die wesentlichen Merkmale der kindlichen Entwicklung des Lachens zum Humor zu zeigen, wie folgt:
„(…) The first component is the innate pleasure in mastery. The second is the learned `whistling in the dark` or `laughing it off` phenomenon, in which we use humour to restore those familiar feelings of mastery when we are made anxious or are threatened.
As a process of adaptation, humour provides the individual with the opportunity to re-experience the gratifications of cognitive and interpersonal mastery. The child learns that humour, like play, is a source of pleasure at each stage of development by momentarily re-experiencing the mastery of functions and relations of earlier stages … Whether in reality or fantasy, and whether under stress or relaxation, humour reasserts one`s mastery over the environment. In fact, humour flourishes best when fertilized by newly mastered anxieties …” (Levine 1977, zit. n. McGhee 1979, S. 32)
Weiterhin schreibt McGhee: „There is an intrinsic source of pleasure in humor, which results simply from the enjoyment of a playful challenge to one`s intellect” (McGhee, 1979, S. 229) und: „from infancy on, we seem to derive pleasure from intellectual challenges“ (McGhee, 1979, S.152).
Dopychai widerspricht McGhees Auffassung über das kindliche Lachen nicht explizit. Er bezieht das Lachen von Kindern auf einen philosophischen Hintergrund, insofern als dass er von einer moralischen Ordnung im Denken von Kindern ausgeht. Dopychai sieht das Kinderlachen als Integrationsleistung. Mit ihrem Lachen bejahen sie das geltende Ordnungsgefüge, welches sie bis dahin angenommen haben. Die Ordnung ihrer Welt wird z. B. durch Witze angegriffen, durch Lachen aber wieder
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hergestellt. Es scheint ein Verlachen des unsinnigen Angriffs auf die herrschende Ordnung zu sein (vgl. Dopychai, 1988, S. 101). 8
2.2. Lachen Jugendlicher
Im Jugendalter als Emanzipationsphase, lösen sich Jugendliche kontinuierlich von ihren Familien, besonders von den Eltern, um selbständiger zu werden, ab. In dieser Lebensphase suchen Jugendliche zusätzliche
Orientierungsmöglichkeiten. Sie wenden sich häufig gegen die von Eltern vermittelten Werte und Normen der Gesellschaft. Als Ausdrucksmittel dienen ihnen hierbei eine oftmals von Erwachsenen nicht akzeptierte Kleidung, sowie deren unkonventionelles „Hairstyling“. Es entwickelt sich ein bestimmter Sprachstil in Abgrenzung zur Erwachsenensprache. Das Lachen von Jugendlichen dient nach Dopychai ebenso als Abgrenzung zu anderen. Es ist der Emanzipationsleistung dienlich (vgl. Dopychai, 1988, S. 101 - 102). M. E. lachen Jugendliche nicht nur aus Freude und, um sich von anderen Personen abzugrenzen. Ich denke, dass sie häufig über Scherze mitlachen, um von der scherzenden Person akzeptiert zu werden. Z. T. wollen sie somit zeigen, dass sie den Scherz verstanden haben und auf einer ähnlichen Entwicklungsstufe wie der Scherzende stehen. Es kann also als Wunsch nach Gleichwertigkeit verstanden werden. In anderen Situationen zeigt ihr Lachen für mich vor allen Dingen Unsicherheit, welche mittels Lachen kaschiert werden soll.
Als Ausdruck sozialer Kompetenz, wird die Fähigkeit humorvoll reagieren zu können gesehen. Nach McGhee fördert Humor die kommunikativen Fähigkeiten eines Kindes. Fröhliche, lachende Kinder wirken sozial attraktiver, sie haben viele Freunde und können sich gut selbst behaupten. Somit wird ihr Selbstwertgefühl und Selbstbewusstsein gestärkt. Dies ist von besonderer Bedeutung bei einer „erfolgreiche(n) Stressbewältigung und Lebensmeisterung bei Heranwachsenden“ (Martin, zit. nach
Titze/Eschenröder, 2000, S. 35). Sie müssen sich an ihre Peer-Gruppe, welche mit fortschreitendem Alter immer wichtiger wird, anpassen. Dies erfordert
8 Vgl. auch Kapitel 3.2.3 und 3.2.4.
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eine enorme Flexibilität und Lernfähigkeit. Neue Rollen und Fertigkeiten müssen adaptiert werden. Dies bringt einigen Stress für Jugendliche mit sich. „Ein entwickelter Sinn für Humor ganz allgemein (ist) eine wesentliche Voraussetzung dafür (...), sich vor negativen Streßwirkungen zu schützen“ (Martin, zit. nach Titze/Eschenröder, 2000, S. 36). Somit fordert Martin, dass spontane humorvolle Äußerungen eines Teenagers unterstützt und ermutigt werden sollten (vgl. Titze/Eschenröder, 2000, S. ??)
2.3. Merkmale des Lächerlichen
Der Bereich dessen, worüber gelacht wird ist sehr groß und vielfältig. 9 Wir lachen über Scherze, Witze, satirische Erzählungen, Anekdoten 10 und über situative, komische Vorfälle. Zwei wesentliche Merkmale des Lächerlichen stelle ich hier kurz vor.
Einmal ist nach Dopychai „das Lächerliche immer an sich unangenehm oder unerfreulich“ (Dopychai, 1988, S. 112; Hervorhebung von Dopychai). In Witzen werden negative Charakterzüge wie Bosheit, Dummheit und Geiz eines Menschen thematisiert. In der Situationskomik spielt ungeschicktes Verhalten eine wesentliche Rolle (vgl. Dopychai, 1988, S. 111 - 113). Es sei an dieser Stelle an die Stummfilme von Buster Keaton, die Serie „Dick und Doof“ und an Vicco von Bülow alias Loriot erinnert. Als Beispiel für das Lachen Erwachsener über noch ungeschicktes Verhalten mag meine folgende Beobachtung an einem kleinen zweijährigen Kind, welches versuchte scheinbar erstmalig mit einem Teelöffel Eis zu essen, dienen. Dieser kleine Junge portionierte zunächst Eis auf den Löffel, griff sogleich mit seiner freien Hand nach dem Eis, so dass es herunter fiel und führte erst dann den Löffel zum Mund. Unzählige Versuche scheiterten das Eis zu essen. Den kleinen Jungen beobachtend, lachten die Erwachsenen herzhaft. Dieses steigerte sich mit der Häufigkeit der misslingenden Versuche. In dieser Situation als ein Beispiel für den Inhalt von Lächerlichem, führte der ungeschickte Umgang mit Besteck zu essen, für Erwachsene eine längst
9 Ich beziehe mich auf unseren Kulturkreis. In anderen Kulturen wird über gänzlich andere Dinge gelacht als in dem unseren. Des weiteren verweise ich auf sehr große individuelle Unterschiede hinsichtlich des als komisch Empfundenen.
10 Diese Aufzählung kann nur lückenhaft erfolgen. Dem Leser fallen sicherlich noch weitere Dinge, worüber gelacht wird, ein.
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erworbene Fähigkeit zu allseitiger Belustigung, Gekicher und Gelächter. Hätte sich der Kleine beim Eis essen den Löffel ins Auge gestoßen, also sich ernsthaft verletzt, hätte bestimmt niemand mehr gelacht bzw. auch nur gelächelt.
Das zweite Merkmal des Lächerlichen lässt sich aus Beobachtungen an Kindern herleiten. Sie lachen über andere Dinge als Erwachsene. Das Lachen von kleinen Kindern ist noch nicht gesellschaftlich, kulturell geprägt und deformiert. So ist es noch natürlich und ungekünstelt. Kinderlachen entlädt sich häufig explosionsartig, im Anschluss an einen Spannungsaufbau und Energiestau so Dopychai. Bei Kindern ist zu beobachten, dass sie über Fehler und Unzulänglichkeiten anderer lachen. Sie sind noch auf der Suche nach einer Ordnung und Orientierung im Leben. Fehler gelten als durchaus unangenehme Verletzung der übernommenen Ordnung. Sprache und adäquates Verhalten einer Person werden als Kennzeichen dieser Ordnung angesehen. Fehler und Abweichungen im sprachlichen Bereich werden von Kindern als nicht gefährlich oder bedrohlich erkannt und somit von ihnen verlacht (vgl. Dopychai, 1988, S. 112 - 117).
Kinder 11 lachen aber auch z. B. über Behinderte, weil ihre Defizite die übliche Norm des sogenannten Normalen verlassen. Weil viele Erwachsene wissen, dass eine Behinderung für die betroffene Person wirklich sehr schlimm sein kann, bzw. ein schweres Handicap das Leben sehr stark beeinträchtigen kann, lachen Erwachsene normalerweise nicht über eine solche Behinderung, falls sie sich in andere Menschen hineinversetzen können. Hier wird ein Unterschied hinsichtlich des Inhaltes von Komischem zwischen kindlichem und erwachsenem Lachen deutlich. In meinen Augen wird ersichtlich, dass die verschiedene Interpretation eines Geschehens von Erwachsenen und Kindern in solchen Situationen eine wesentliche Rolle spielt.
Um die Struktur von Lächerlichem zu verdeutlichen, können inkongruenztheoretische Ansätze herangezogen werden. Diese gehen davon
11 Dopychai nimmt auch an dieser Stelle keine Altersbegrenzung vor. Ich denke, dass mit zunehmendem Alter und somit kognitiver Entwicklung, aber auch durch Sozialisation Kinder in Abhängigkeit ihrer Reife immer weniger über behinderte Menschen lachen.
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aus, dass über Ungewöhnliches, Unerwartetes und Widersinniges gelacht wird.
Lächerliches bzw. Komisches entsteht dadurch, dass Konflikte und Deckungsungleichheiten mehrerer Gedanken, welche irgendwie
zusammengehören aufeinander treffen. Unähnliches gerät zusammen und es entsteht eine ungewöhnliche Verknüpfung des eigentlich Unähnlichen. Koestler prägte hierfür den Begriff der „Bisoziation“ (vgl. Birkenbihl, 2001, S. 54 - 58). Es entstehen also scheinbar unlogische, neue Verbindungen. In der Pointe eines Witzes treffen diese zwei verschiedenen mit Assoziationen verknüpften Vorstellungen aufeinander. Es werden zwei unterschiedliche Bereiche verbunden, die normalerweise nicht zusammen gehören. Die nicht erfüllten Erwartungen werden in einen anderen Horizont überführt. Ein neuer, anderer Bezugsrahmen entsteht. Das eigentlich Lustige wird in der Pointe nicht direkt benannt, es muss vom Betrachter bzw. Zuhörer selbst erfasst werden (vgl. Dopychai, 1988, S. 125 - 135). Seine intellektuellen, kognitiven Fähigkeiten werden angesprochen.
Birkenbihl schreibt über die Bisoziation, dass „die Pointe die unlogische Ver-BIND-ung (schafft), die eben nicht unseren Erfahrungen und Erwartungen entspricht, und diese Bisoziation kreiert die Überraschung“ (Birkenbihl, 2001, S. 55, Hervorhebungen im Original), sie wird als „nicht rational, un-logisch, ver-rückt“ (Birkenbihl, 2001, S. 55, Hervorhebung im Original) von den Menschen eingestuft.
Inkongruenzen an sich können jedoch nicht komisch sein. Um Lachen hervorzurufen müssen weitere Bedingungen erfüllt werden. So müssen sich die verschiedenen Ebenen in einem gemeinsamen Punkt treffen. Der nachfolgende Gedanke muss auf einer niedrigeren Ebene als der erste liegen, so dass das Ereignis die Erwartung unterschreitet (vgl. Dopychai, 1988, S. 127). Außerdem müssen Inkongruenzen plötzlich auftreten, um nicht zu verpuffen. Für Birkenbihl ist dies das Moment der Überraschung (vgl. Birkenbihl, 2001, S. 55).
McGhee geht davon aus, dass Inkongruenzen eine humorvolle Situation bestimmen. Er schreibt dazu Folgendes: „Incongruity (...) that is, something unexpected, out of context, inappropriate, unreasonable, illogical, exaggerated, and so forth, must serve as the basic vehicle for the humor
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of an event, even though additional elements like sex and aggression maximize funniness “ (McGhee, 1979, S. 10). Zur Verdeutlichung einer Inkongruenz dient mir der folgende Witz einer Siebenjährigen:
„Warum steht eine Schildkröte an der Straße?“ „Sie will sie überqueren.“
Inkongruente Äußerungen können aber auch andere Verhaltensweisen als Lachen nach sich ziehen wie z. B. Verwirrung, Interesse und Neugier, aber auch Angst. So sind Inkongruenzen also hinreichende, aber nicht notwendige Bedingungen für Humor. In verschiedenen kognitiven Bereichen wird psychische Energie bezogen auf Erwartungen aufgewendet. Durch wahrgenommene Inkongruenzen fließt die zur Verfügung gestellte Energie in einer neuen, anderen Bahn ab 12 . Die Energiedifferenz muss sich in einer Abwärtsrichtung befinden, d. h. der Energieaufwand der Erwartung muss höher sein, als der des Ereignisses. Nur so kann die Differenz in Lachen abfließen. Das Abfließen der Energie wird durch Plötzlichkeit erleichtert. Wie mehrfach erwähnt ist eine Energieabfuhr oder auch Spannungsentladung lustvoll. Sie führt zur Wiederherstellung des inneren Gleichgewichts. Psychische Stabilität steigert unser Selbstwertgefühl. In ihr finden wir Sicherheit und auch Überlegenheit. Der Druck bestimmter Situationen lässt nach und wirkt positiv auf unser Wohlbefinden (vgl. Dopychai, 1988, S. 129 -130).
2.4. Funktionen des Lachens
Es gibt sehr viele unterschiedliche Sichtweisen auf das Lachen an sich. Theoretiker finden jeweils eine andere Begründung und Herkunft des Lachens. Ich subsumiere die verschiedenen Perspektiven unter Funktionen des Lachens, weil sie alle bestimmte Ziele beabsichtigen. So gebe ich Impulse aus dem Tierreich, aus kulturgeschichtlicher, aus soziologischer und anthropologischer, aus psychoanalytischer und medizinischer Sicht. Das
12 Vgl. auch Kapitel 2.4.6.2. und 3.2.1., in welchem ich Freuds Annahmen über „Energieaufbau und -abfuhr“ erkläre.
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Lachen erfüllt aber auch als Erleichterung der Kommunikation und Interaktion bestimmte Funktionen.
2.4.1. Zähne-Zeigen im Tierreich
Im Tierreich hat das Zähne-Zeigen nach Ch. Darwin eine aggressive Bedeutung. Es ist eine Drohgebärde. Winterhoff-Spurk dagegen versteht es als defensive Geste. Sutermeister sieht hierin ein spielerisches Scheinbeißen. Eine umfassendere Erklärung des Zähne-Zeigens bietet D. Hayworth. Er ordnet die Entstehung des Lachens in die Übergangsphase vom Tier zum Urmensch ein. In dieser Entwicklungsphase zur Menschheit gab es noch keine Sprache im heutigen Sinne. Die Lautäußerungen unserer Vorfahren hatten alle, so Hayworth, eine Signalfunktion. So wurde zur Entwarnung einer gefährlichen Situation vermutlich gelacht. Das durch Schrecken und Anspannung verursachte schnelle Ausstoßen des Atems war weit hörbar und erreichte dadurch die ganze Gruppe über weite Distanzen. Es erregte allseitige Aufmerksamkeit als arhythmische Lautäußerung. Diese weite Verbreitung war für die Urzeitmenschen eminent wichtig, denn sie waren von der Kommunikation über vorherrschende Zustände abhängig. Die wiederhergestellte Sicherheit, angezeigt durch Lachen, war
überlebenswichtig, nicht nur für die Gruppe zur Arterhaltung, sondern auch für das einzelne Individuum (vgl. Dopychai, 1988, S. 102 - 105). Beim Lachen werden auch heute noch die Zähne entblößt. Ch. Darwin würde wahrscheinlich dies als Aggression und Drohgebärde deuten. Ich denke, dass das Zähne-Zeigen beim Lachen z. T. immer noch eine solche Funktion i. S. von „lass` mich in Ruhe“ bzw. „halte dich fern“ und „komm` mir nicht zu nahe“ haben kann. Dieses Verhalten ist dann m. E. eher eine Abwehr von z. B. negativer Kritik, die die Person nicht an sich heran kommen lassen will. Es soll dann eine gewisse Stärke gezeigt werden, insofern als dass der Betroffene signalisieren will, dass er über den Dingen steht und nicht wirklich angreifbar ist.
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Arbeit zitieren:
Gudrun Pelster, 2004, Vom Lächeln zum Lachen - Kann Humor einem Burnout entgegenwirken?, München, GRIN Verlag GmbH
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Gudrun Pelster hat den Text Vom Lächeln zum Lachen - Kann Humor einem Burnout entgegenwirken? veröffentlicht
Peter Cubasch Super Thema...aber wahnsinnig teuer der Text!!!
am Wednesday, December 15, 2010
Gudrun Pelster hat einen neuen Text hochgeladen
"Kann man denn auch nicht lachend sehr ernsthaft sein?"
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