U D D I : Mehr als nur gelbe Seiten für B2B
Inhaltsverzeichnis
1. Vorwort 4
2. Business Process Integration 4
3. Web Services 6
4. Universal Description, Discovery and Integration 7
4.1 Die weißen, gelben und grünen Seiten des Internet 9
4.2 Technische Beschreibung 12
4.3 Registrierung 14
4.4 Nutzen 15
4.5 Risiken / Probleme 17
5. Schlusswort 18
Literaturverzeichnis 20
3
1. Vorwort
Betrachtet man das World Wide Web vor 1994, so ist zu erkennen welchen Einfluss ein paar Studenten von der Stanford University mit der Idee hatten, ein Verzeichnis mit allen auffindbaren Websites zu veröffentlichen und ständig zu aktualisieren. Yahoo! hatte eine immense Bedeutung für die Art und Weise, wie Internetnutzer he ute nach Informationen suchen. 1 Das Internet strebt in einem rasanten Wandel bereits der dritten Generation entgegen.
Die Allgemeinheit nutzte das Internet der ersten Generation kaum oder lediglich als Basis für Newsgruppen basierend auf USENET. Mit dem Internet Explorer 4 und der Integration ins Betriebssystem Win95/98 wurde das Internet dann für jedermann zugänglich. Vorrangiges Ziel der Unternehmen in den letzten Jahren war es mit der Publikation einer eigenen Website erst einmal Präsenz im World Wide Web zu zeigen. Was anfangs mühsam im HTML-Syntax programmiert werden musste, kann heute komfortabel mit Web-Publishing Programmen gestaltet werden. In der zweiten Generation kommt der Faktor Umsatz zum Zuge. Mit einem eigenen Webshop wollen viele Firmen im Internet Geld verdienen. Die meisten Lösungen sind jedoch rudimentär, kompliziert, bieten zuwenige Informationen und werden deshalb kaum besucht. Professionelle Lösungen sind teuer und brauchen Werbeunterstützung. 2
In der kommenden dritten Generation soll das Internet auf Serviceleistungen basieren. Die momentane Methode web-basierte Services zu finden, bedeutet oftmals dass Unternehmen bei der Implementierung und Verbindung in heterogenen Systemen, Protokolle offline miteinander abstimmen müssen und von manuellen Dokumentationen abhängig sind. Die Integration von Geschäftsprozessen innerhalb und außerhalb von Unternehmen bildet die Grundlage für die zukunftsträchtigen Web Services 3 . Die Arbeit geht erst kurz auf die Prozessintegration und die Web Services ein, um den Hintergrund für die etwas ungewöhnliche Abkürzung „UDDI“ zu verdeutlichen.
Business Process Integration 4 2.
E-Business-Lösungen für die Beschaffung (E-Procurement), Fertigungsplanung- und steuerung (Supply-Chain-Management), Logistik oder für Marktplätze bringen die
1 Vgl. Sleeper (2001)
2 Vgl. http://www.mailservice.ch/news.htm , 05.05.01.
3 Vgl. Gliederungspunkt 3. Web Services
4 Die Ausführungen in diesem Kapitel orientieren sich an Bauer (2001).
4
Notwendigkeit mit sich, Geschäftsprozesse zu integrieren. Dies fällt unter das Schlagwort Business Process Integration (BPI).
Grundsätzlich ist BPI nicht neu: Fertigungsindustrie, Handel oder Banken nutzen EDI (Electronic Data Interchange) mit Nachrichtenstandards wie Edifact oder Swift seit Jahren. Doch die Insta llation der notwendigen Software und die Anbindung an die eigenen Anwendungen gestalten sich aufwendig und dedizierte Leitungen sind von Nöten. Problemloser und billiger ist die Kommunikation über das Internet. Dabei dient XML 5 als Grundlage für den Datenaustausch. XML umfasst ein generelles Konzept für „selbstbeschreibende“ Daten. Eine vorherige Abstimmung über den Satzaufbau ist zwischen den Beteiligten nicht erforderlich. Beliebige Partner können durch XML kommunizieren.
Zudem benötigt man eine einheitliche Form der Steuerungsinformationen in den Nachrichten. Diese bietet das SOAP 6 als allgemein akzeptierter Standard für HTTP oder SMTP. SOAP ist auf XML-Basis entstanden. Durch festgelegte XML-Tags lassen sich Verarbeitungsanweisungen, Fehlerinformationen und andere Daten einheitlich identifizieren. Diese Informationen kann eine einfache Web-Anwendung interpretieren d.h. eine spezielle Software ist überflüssig.
Für Fälle, in denen Betriebe bei B2B-Geschäften mit weitgehend unbekannten Partnern zusammenarbeiten, kommt der von IBM, Microsoft und Ariba entwickelte Sta ndard Universal Description, Discovery and Integration (UDDI) ins Spiel. Es handelt sich um eine Art „gelbe Seiten“ im Internet, in denen sich jeder registrieren lassen kann. Den Kern der UDDI-Architektur bildet eine Service-Registry, die erlaubt, Geschäftsadressen, -daten und Kontaktinformationen zu suchen und einzutragen. Daneben enthält eine UDDI-Registry auch technische Beschreibungen der im Inte rnet zur Verfügung gestellten Services mit Referenzen auf Files oder URLs. Das erleichtert eine standardisierte Interaktion zwischen Firmen. Der Gliederungspunkt 4 beschäftigt sich intensiv damit.
Die Beschreibungen der Services liegen in XML als WSDL 7 vor, so dass sie von Anwendungen gelesen, interpretiert und weiterverwendet werden können. UDDI defi-
5 DieExtensible Markup Language ist eine Weiterentwicklung von HTML und ein Quasi-Standard zur
Erstellung strukturierter Dokumente im Internet. XML unterstützt dynamische Inhalte wie Vi-deo/Audiostreams, Referenzen auf andere Dokumente (XML, GIF, HTML…), Such-, Datenerfas-
sungs- und Editierfunktionen. Sie gilt als ideale Plattform, um zukünftige Internetauftritte zu realisieren.
6 Das Simple Object Access Protocol bildet die Hülle, in die eine XML-Nachricht für den Transport
verpackt wird. Als standardisiertes Messaging- Protokoll erlaubt SOAP die komplexe Kommunikation
zwischen Applikationen über das Internet.
7 Web Service Description Language.
5
niert keine speziellen Services. Jedes Unternehmen kann also individuelle Web Services anbieten, die aus der Registry ersichtlich sind. Ein Beipiel soll den Zusammenhang dieser Standards verdeutlichen: Ein Händler eröffnet einen Web-Shop und lagert den Versand der Waren an ein Logistikunte rnehmen aus. Der Kunde soll bereits beim Bestellen der Ware den Liefertermin sehen. Dazu will er die Bestelldaten an das Unternehmen senden, das ihm über eine automatisierte Verbindung den möglichen Liefertermin nennt. Über das UDDI -Verzeichnis findet er im Internet ein Unternehmen, das eine entsprechenden Web Service bereitstellt. Durch die WSDL-Beschreibung der Schnittstelle weiß die DV-Abteilung ferner, welche Daten sie an den Web Service senden muss und welche sie zurückbekommt. Den Transport der Daten erledigt dann die Unternehmenssoftware über SOAP, das auf HTTP und XML beruht. 8
3. Web Services
Die Initiativgruppe von uddi.org 9 definiert Web Services folgendermaßen:
“A Web Service is a self-describing, self-contained, modular unit of application logic that provides some business functionality to other applications through an Internet connection.”
Web Services etablieren einen neuen Software-Ansatz. Softwarehäuser sind künftig in der Lage, neue e-business Anwendungen zu erstellen, die aufgrund einheitlicher Spezifikationen ihrerseits wieder mit anderen Internet-Applikationen kommunizieren können. Ziel des Konzepts der Web Services ist es, Geschäftsfunktionen direkt und aktuell nach den individuellen Anforderungen und Wünschen des Anwenders oder der Geschäftsprozesse zu kombinieren. Der Vorteil liegt darin, dass der Nutzer Software nicht als fertiges, statisches Paket erwerben muss, sondern nach dem Prinzip der Web Services die gewünschten Anwendungen flexibel über das Internet verbinden kann. 10
Einfache Beispiele für einen Web Service sind die Bereitstellung von Katalogdaten, der web-basierte Auftragseingang oder die Applikation eines Carriers 11 , mit der sich die Transportkosten für ein Paket in Abhängigkeit von Gewicht und anderen Parametern ermitteln lässt.
8 Vgl. http://www.networkcomputing.de/heft/solutions/sl-2002/sl_0502_52.htm , 20.05.02.
9 Vgl. Gliederungspunkt 4
10 Vgl. http://www-5.ibm.com/de/pressroom/cebit2001/pi/software_websphere4_d.html , 05.05.01.
11 Bote, Spediteur
6
Grundlage sind, wie bereits angesprochen, neue, offene Internetstandards. Mit UD-DI, WSDL und SOAP etablieren sich Technologien, die zusammen den Anforderungen von Web Service Anwendungen gerecht werden.
Der Standard UDDI stellt eine zentrale Voraussetzung dar, damit sich die Idee der Web Services dauerhaft etabliert. Zwar leisten beispielsweise Marktplätze oder Suchmaschinen ansatzweise eine ähnliche Integrationsfunktion. Doch allein die Vielzahl unterschiedlicher Ansätze wirkt sich hemmend aus. Unterschiedliche Formate in der Web-Service-Beschreibung sowie die Schwierigkeit diese aktuell zu halten, sind beispielhafte Probleme für Suchmaschinen. UDDI leistet hier ein Zweifaches: Zum Ersten stellt es ein zentrales Verzeichnis dar, in dem Unternehmen Web Services registrieren und suchen. Zum Zweiten beschreibt UDDI ein Framework, um die Dienste des Verzeichnisses zu nutzen.
Die folgenden Ausführungen gehen näher auf die sogenannten „gelben Seiten“ des Internet ein und zeigen was UDDI darüber hinaus noch leistet.
4. Universal Description, Discovery and Integration
Wer heute einen Geschäftspartner sucht, kann dies über ein Geschäftsverzeichnis im Internet tun, beispielsweise über die Firmensuche auf www.german-business.de. Oft sind solche Verzeichnisse branchenspezifisch. Die Verzeichnisdienste stellen normalerweise ausschließlich Basisinformationen wie Firmenname, Ort, Kontaktmöglichkeit und einige Produkt- und Serviceangaben bereit. Eine Aussage darüber, ob und wie ein gefundener Partner aus technischer Sicht erreichbar ist, fehlt dagegen. Geschäftsfunktionen, wie etwa ein elektronisches Bestellwesen oder ein elektronischer Auftragseingang, die als Web-Services angeboten werden, können Unterne hmen nicht miteinander verbinden.
Je mehr Unternehmen E-Business betreiben und dafür ihre internen Applikationen zur Interaktion mit den Systemen von Geschäftspartnern öffnen, desto mehr unte rschiedliche Kommunikationsprotokolle und Methodenaufrufe werden entworfen. Der Integrationsbedarf steigt. 12
Der Director Web Services von Microsofts Business Applications Division, Utzschneider formulierte den Ursprung des UDDI-Projektes und kommentierte die Zusammenarbeit mit IBM und Ariba:
„Wir haben einige gemeinsame Interessen erkannt und festgestellt, dass es bis dato keinen vernünftigen B2B-Standard gab, auf den sich die Industrie einigen
12 Vgl. o. V. (2000).
7
Arbeit zitieren:
Sebastian Lüttig, 2002, UDDI - Mehr als nur gelbe Seiten für B2B, München, GRIN Verlag GmbH
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