Schriftliche Prüfungsarbeit zur wissenschaftlichen
Prüfung für das Lehramt an Gymnasien im Fach Französisch
T h e m a :
Aspekte der französischen Sprachgeschichte
unter besonderer Berücksichtigung Schwarzafrikas
vorgelegt von:
Volker Joachim Wallerang
Inhaltsverzeichnis
Einleitung ... 4
I. Geschichte der französischen Kolonisierung in Schwarzafrika ... 7
I.1 Erste Kontakte mit dem afrikanischen Kontinent ... 7
I.2 Erste Handelsposten Frankreichs an der afrikanischen Westküste im 17. Jahrhundert während des ersten empire colonial ... 8
I.3. Das zweite empire colonial (1885-1939) ... 9
I.3.1 Entwicklung unter der Restauration ... 9
I.3.2 Entwicklung unter dem Second Empire ... 10
I.3.3 Entwicklung unter der III. Republik ... 11
I.3.4 Der Auftritt Belgiens auf dem internationalen Parkett der Kolonialmächte und die Berliner Afrikakonferenz (1884-1885) ... 12
I.3.5 Weiterer Fortgang der französischen Kolonisierung bis 1939 ... 13
I.4 Der Zweite Weltkrieg (1939-1945) ... 15
I.5 Die Ära der Dekolonisierung ... 16
I.6 Postkolonialer Mondialismus ... 17
II. Das französische koloniale System ... 19
II.1 Motivationsimpulse für die Errichtung der Kolonialreiche und die Maxime der Nutzung der Kolonien ... 19
II.2 Koloniale Ideologie und direkte Verwaltung ... 21
II.2.1 Zentralregierung der Kolonien ... 21
II.2.2 Lokale Praxis der Administration in den Kolonien ... 22
II.2.3 Rechtliche und soziale Unterschiede in den Kolonien ... 24
III. Die Implementierung der französischen Sprache in Schwarzafrika ... 25
III.1 Der Einfluss der Militärs bei der Verbreitung der französischen Sprache In Schwarzafrika ... 25
III.2 Die Anfänge der französischen Schulpolitik in Schwarzafrika ... 28
III.2.1 Das Engagement der Missionen ... 29
III.2.2 Jean Dard und die école mutuelle de Saint-Louis ... 32
III.2.3 Vor-und Nachteile der méthode mutuelle ... 35
III.2.4 Die Infragestellung der méthode mutuelle und deren Scheitern ... 37
III.3 Der Siegeszug der méthode directe und der Aufbau eines staatlichen Schulsystems in den Kolonien ... 40
III.3.1 Unterschiede zwischen dem belgischen und dem französischen Kolonialschulsystem ... 46
III.3.2 Entwicklung des kolonialen Unterrichtswesens nach 1945 ... 48
III.4 Die Entwicklung des Unterrichtswesens nach der Dekolonisierung ... 50
IV. Heutiger Stellenwert der französischen Sprache im sub-saharischen Afrika ... 52
IV.1 Stellenwert und rechtlicher Status des Französischen ... 52
IV.2 Sprecherzahlen ... 58
IV.3 Kontaktsituationen des Französischen mit afrikanischen Sprachen ... 60
IV.3.1 Sprachkontaktphänomene ... 67
IV.3.2 Varietäten des afrikanischen Kontinuums ... 69
IV.4 Charakteristika des Französischen im subsaharischen Afrika ... 71
IV.4.1 Phonetik ... 73
IV.4.2 Morphologie ... 74
IV.4.3 Syntax ... 76
IV.4.4 Lexik ... 77
IV.4.5 Die „manière africaine de saisir et concevoir les choses“ ... 80
IV.4.6 Illustration der linguistischen Besonderheiten anhand eines Romanauszugs ... 80
Schlussbetrachtungen ... 82
Literaturverzeichnis ... 84
Anhang ... 89
Einleitung
Wenn wir heute in den frankophonen Staaten Afrikas die französische Sprache als Amtssprache vorfinden, so mag dies auf den ersten Blick verwunderlich wirken. Unweigerlich stellt sich daher bei näherer Beschäftigung mit dieser Thematik die Frage: Wie kam es wohl dazu, dass sich auf dem für seine sprachliche Vielfalt bekannten Schwarzen Kontinent gerade eine europäische Sprache in solchem Maße implementieren konnte? Die Antwort dafür ist in der Geschichte zu suchen.
Der erste Teil der vorliegenden Arbeit soll daher einen Überblick über den Verlauf der französischen Kolonisierung für den Bereich des subsaharischen Afrika verschaffen. In diesem Rahmen sind folgende Fragen von Bedeutung: Wann und auf welche Weise erfolgten erste Kontakte Frankreichs mit dem afrikanischen Kontinent? Welche Motive trieben die Franzosen an, erste Niederlassungen in Afrika zu gründen? Wie gestaltete sich der weitere Verlauf der Kolonisierung vom Beginn des 19. Jahrhunderts bis zur Entlassung der heutigen schwarzafrikanischen Staaten in die Unabhängigkeit? In diesem Zusammenhang wird auch die koloniale Expansion Belgiens behandelt, da auch dieses frankophone Land maßgeblichen Anteil an der Verbreitung der französischen Sprache auf dem afrikanischen Kontinent hatte.
Ergänzend hierzu wird dann im zweiten Teil der Arbeit die Funktionsweise des französischen Kolonialsystems näher beleuchtet. Hierbei werden zunächst die Motivationsimpulse Frankreichs für die Errichtung seiner Kolonialreiche und die Maxime der Nutzung der Kolonien behandelt. Zum Abschluss dieses Teils der Arbeit erfolgt, neben einer kurzen Beschreibung der kolonialen Ideologie Frankreichs, auch ein Überblick über die Funktionsweise des kolonialen Verwaltungsapparates und das Rechtssystem. Dies erscheint mir insofern von besonderer Wichtigkeit, da viele der von den Franzosen und Belgiern geschaffenen Strukturen nach der Dekolonisierung weitestgehend von den jungen afrikanischen Staaten übernommen wurden und daher das Weiterleben der französischen Sprache in bestimmten Bereichen garantierten.
Der dritte Teil der Arbeit geht sodann näher auf die Implementierung der französischen Sprache in Schwarzafrika ein. Dabei ist von besonderem Interesse, welche Faktoren maßgeblich an der Verbreitung des Französischen auf dem Schwarzen Kontinent beteiligt waren. So werden in diesem Kontext die Funktion des Militärs, als erstem Medium der Verbreitung der französischen Sprache und das Engagement der Missionen im Erziehungswesen behandelt. Besonderes Interesse gilt ferner der Entstehung der ersten Schule auf afrikanischem Boden und deren Initiator Jean Dard, da dieser eine eigene Unterrichtsmethode entwickelte, die den afrikanischen Gegebenheiten weitaus besser angepasst war, als die im französischen Mutterland praktizierte méthode directe.
Die Vor- und Nachteile der von Dard praktizierten méthode mutuelle werden anschließend in einem Vergleich mit der méthode directe ausführlich besprochen. Auch die Gründe für deren letztendliches Scheitern werden thematisiert.
Der weitere Verlauf der Arbeit beschäftigt sich dann mit der Entstehung eines staatlichen Schulsystems in den Kolonien, zu Beginn des 20. Jahrhunderts. Im Zuge dessen soll besonders die Ineffizienz dieses, den afrikanischen Gegebenheiten in keiner Weise angepassten Schulsystems deutlich gemacht werden. Sein utilitärer und selektiver Charakter stand nämlich einer großflächigen Verbreitung der französischen Sprache im Wege und gestattete nur einer kleinen Zahl von privilegierten afrikanischen Schülern, von einem Unterricht in französischer Sprache zu profitieren.
In einem weiteren Kapitel werden dann die Unterschiede zwischen der französischen und der belgischen Unterrichtspraxis thematisiert. Nachfolgend wird dann die weitere Entwicklung des kolonialen Unterrichtswesens nach 1945 beschrieben. Den Abschluss dieses Teils der Arbeit ergänzt, aus Gründen der Vollständigkeit, eine Untersuchung zur Entwicklung des Unterrichtswesens in den frankophonen Staaten Afrikas, nach der Unabhängigkeit.
Der vierte Teil der vorliegenden Arbeit widmet sich dem heutigen Stellenwert der französischen Sprache im subsaharischen Afrika. In diesem Sinne erfolgt zunächst ein Überblick über deren Status und ihre Verwendung in der Gesellschaft. Ebenfalls werden die Gründe der afrikanischen Staaten für den Fortbestand der französischen Sprache als Amtssprache, nach der Dekolonisierung, erläutert. Ferner wird im darauf folgenden Kapitel eine Übersicht über die Zahl der frankophonen Sprecher in Afrika geboten. Da das Französische aufgrund der sprachlichen Vielfalt des afrikanischen Kontinents ständig in Kontakt zu autochthonen Sprachen steht, erfolgt im nächsten Kapitel die Besprechung der sich hierdurch ergebenden, unterschiedlichen Kontaktsituationen anhand ausgewählter Beispielländer. Auch die aus diesen Situationen des Sprachkontakts resultierenden Kontaktphänomene werden anschließend eingehend untersucht. Ein weiteres Kapitel behandelt die aus unterschiedlichen Kompetenzniveaus der afrikanischen Sprecher resultierenden Varietäten des afrikanischen Kontinuums.
Den Abschluss der Arbeit bildet ein Überblick über die sprachlichen Besonderheiten des Französischen im subsaharischen Afrika. Anhand ausgewählter Beispiele sollen die durch den Kontakt mit den autochthonen Substrat- und Adstratsprachen entstehenden Abweichungen von der Norm des hexagonalen Französisch auf den Ebenen der Phonetik, der Phonologie, der Morphologie, der Syntax, der Wortbildung, der Semantik und der Lexik skizziert werden.
I. Geschichte der französischen Kolonisierung in Schwarzafrika
I.1 Erste Kontakte mit dem afrikanischen Kontinent
Erste Informationen über einen französisch–afrikanischen Sprachkontakt lassen sich bereits für das 16. Jahrhundert belegen. Das Aufkommen eines Tauschhandels zwischen französischen Seeleuten und Einwohnern der westlichen Küsten des afrikanischen Kontinents führte zur Ausbildung eines „parler spécial, dit ’langue franque’ ou ’porto’“. 1 Elemente dieser Lingua franca lassen sich auch heute noch in einigen afrikanischen Küstensprachen sowie in Formen des francais local finden2:
Cette sorte de sabir à base de portugais, comportant des emprunts à l’arabe, au berbère, au wolof, au peul, au manden… et même parfois à des langues amérindiennes: caraïbe, tupi, galibi… s’est maintenu en usage jusqu’à l’installation des comptoirs permanents par les Anglais, puis les Français, d’abord sur le côtes, ensuite, peu à peu à l’intérieur du continent.3
Eine der ersten Erwähnungen dieses französisch-afrikanischen Sprachkontakts findet sich in einer anonymen Notiz aus dem Jahre 1540, mit dem Titel „Le langaige de Guynée et le francoys“, welche man in einem Handbuch zur Navigation fand.
Über die Ausbreitung der französischen Sprache an einigen bestimmten Punkten der afrikanischen Westküste und deren Qualität, berichtet im Jahre 1637 bereits Rev. P. Alexis de Saint Lô in seinem Reisebericht zum Kap Verde folgendes:
[....]
1 Flutre, Louis Ferdinand (1958): „De quelques termes usités aux XVIIème et XVIIIème siècles sur les côtes de l’Afrique Occidentale et qui ont passé dans les récits des voyageurs français du temps.“ In: Ethymologica. Festschrift Walther von Wartburg. Tübingen: Niemeyer. S. 209.
2 Vgl. Lafage, Suzanne (1999): „Francophonie V. Variétés régionales du français hors de l’Europe II. a) Afrique.“ In: Lexikon der romanischen Linguistik, Bd.V, 1. S.767.
3 Lafage, 1999, S. 767.
Arbeit zitieren:
Volker Joachim Wallerang, 2004, Aspekte der französischen Sprachgeschichte unter besonderer Berücksichtigung Schwarzafrikas, München, GRIN Verlag GmbH
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