Grin logo
de en es fr
Shop
GRIN Website
Publish your texts - enjoy our full service for authors
Go to shop › Politics - History of Political Systems

Regierungsstil und Entscheidungsmuster des Kanzlers Ludwig Erhard

Title: Regierungsstil und Entscheidungsmuster des Kanzlers Ludwig Erhard

Term Paper , 1999 , 17 Pages , Grade: Sehr Gut

Autor:in: Vassil Loukarsky (Author)

Politics - History of Political Systems
Excerpt & Details   Look inside the ebook
Summary Excerpt Details

Der Kanzler Ludwig Erhard war ein Symbol der deutschen Wiederaufstiegs nach dem Zweiten Weltkrieg, ein personenbezogenes Symbol mehr noch als Konrad Adenauer. Der ragte aus der Weimarer Zeit und sogar noch aus dem Kaiserreich in die 1949 neu geschaffene Bundesrepublik hinein. Konrad Adenauer bezog seine politische Autorität und Durchsetzungskraft nicht nur aus seinem Machtwillen – er bezog sie ebenso aus einer gefestigten politischen Orientierung in einer orientierungslosen Zeit2. Das dem asketischen ersten Bundeskanzler sein gedrungener Wirtschaftsminister folgte, war mehr als ein Zufall: Nach der außenpolitischen Neuorientierung, die feste Einbindung des neuen Staates in den Westen mit sich brachte, sollte nun jener Mann an der Spitze der Regierung rücken, dessen Grundsatzentscheidungen das bewirkt hatten, was das Ausland „deutsche Wirtschaftswunder“ nannte. Im Grunde besaß Erhards wirtschaftspolitische Leistung auch eine außenpolitische Dimension, die sich freilich eher beiläufig ergab: Das außenpolitische Ansehen, das die Bonner Republik nach 1945 wider jede Erwartung errang, wäre jedenfalls nicht erreicht worden ohne seine wiedergewonnene wirtschaftliche Leistungsfähigkeit – und sie wiederum war Erhard zu danken.3 In diesem Zusammenhang ist die Frage nach den Kriterien der parteiinternen Bewertung eines Spitzenpolitikers wie Erhard relevant. Sind es Charakter und Leistung, ist es die gesellschaftliche Stellung, sind es religiöse Überzeugungen oder seine Verdienste, die den Ausschlag geben? Hängt seine Stellung in der Partei von dem Umfang seines Betrages zur Machterwerbung und Machterhaltung ab? Vielleicht erspart sich mancher Politiker Enttäuschungen, wenn er etwas mehr über die Belastbarkeit und die Grenzen politischen Freundschaften nachdenken würden. Es ist überraschend, daß selbst Frauen und Männer, die ihr Leben der Politik als Beruf widmen, sich in dieser Hinsicht Illusionen machen. Wird nicht die Belastbarkeit und die Dauer politischer Freundschaft durch die gegenseitige Einschätzungen des Nutzens bestimmt, oder sind Vertrauen, Dankbarkeit und Wirkung gemeinsamer Überzeugungen wichtiger und ausschlaggebender?

Excerpt


Inhaltsverzeichnis

I. Einführung

II. Kurze Biographie

III. Adenauer und Erhard

IV. Der Kanzler Ludwig Erhard

V. Das Verhältnis zur Macht

VI. „Formierte Gesellschaft“

VII. Zusammenfassung

Zielsetzung & Themen

Diese Hausarbeit untersucht den Regierungsstil und die Entscheidungsmuster Ludwig Erhards während seiner Kanzlerschaft in der Übergangszeit der Bundesrepublik Deutschland. Dabei wird insbesondere beleuchtet, wie Erhards wirtschaftspolitische Visionen mit der politischen Realität und den parteiinternen sowie gesellschaftlichen Machtstrukturen interagierten.

  • Historischer Kontext und Erhards Rolle als Wirtschaftsreformer
  • Die komplexe Dynamik im Verhältnis zwischen Konrad Adenauer und Ludwig Erhard
  • Analyse der Regierungstätigkeit und des "Sonderkreises"
  • Das Konzept der "Formierten Gesellschaft" als innenpolitischer Reformansatz
  • Gründe für das Scheitern und den Rücktritt Erhards

Auszug aus dem Buch

VI. „Formierte Gesellschaft“

Am 31.März 1965 stellte Erhard der staunenden Öffentlichkeit, insbesondere der völlig überraschten CDU auf ihrem 13. Parteitag in Düsseldorf diese Vision eines „gesellschaftlichen Leitbildes“ vor, das er heraufkommen sah und das er mit Leben zu erfüllen willens war. Die Reaktion der Medien war gar nicht negativ, aber die Kritik unterstellte Erhard auch antipluralistische und autoritäre Manipulationsabsichten. Jenseits des Eisernen Vorhanges reagierte man ausgesprochen nervös: Walter Ulrich setzte gar eine wissenschaftliche Kommission ein, um diesem nichtfaschistischen Gegenbild zur sozialistischen Gesellschaft begegnen zu können.

Die Kernsätze aus Erhards Parteitagsrede lauteten: „(,Formierte Gesellschaft`) heißt, daß diese Gesellschaft nicht mehr aus Klassen und Gruppen besteht, die einander ausschließende Ziele durchsetzen wollen, sondern daß sie, fernab aller ständestaatlichen Vorstellungen, ihrem Wunsch nach kooperativ ist, daß heißt, daß sie auf dem Zusammenwirken aller Gruppen und Interessen beruht. Diese Gesellschaft, deren Ansätze im System der „Sozialen Marktwirtschaft“ bereits erkennbar sind, formiert sich nicht durch autoritären Zwang, sondern aus eigener Kraft, aus eigenem Willen, aus der Erkenntnis und dem wachsenden Bewußtsein de gegenseitigen Abhängigkeit“.

Zusammenfassung der Kapitel

I. Einführung: Das Kapitel verortet Ludwig Erhard als zentralen Gestalter der jungen Bundesrepublik und stellt die Frage nach den Kriterien der parteiinternen Bewertung eines Spitzenpolitikers.

II. Kurze Biographie: Hier wird der Lebensweg Erhards von seiner Herkunft über seine akademische Prägung durch Franz Oppenheimer bis hin zu seinen ersten Schritten in der Wirtschaftspolitik nach 1945 nachgezeichnet.

III. Adenauer und Erhard: Dieses Kapitel analysiert das spannungsgeladene Verhältnis zwischen dem ersten Bundeskanzler und seinem Wirtschaftsminister, das von gegenseitiger Abhängigkeit, aber auch unterschiedlichen politischen Stilen geprägt war.

IV. Der Kanzler Ludwig Erhard: Es wird die Kanzlerschaft Erhards beleuchtet, insbesondere die Schwierigkeiten, das Erbe Adenauers zu verwalten, sowie außen- und innenpolitische Herausforderungen.

V. Das Verhältnis zur Macht: Die Untersuchung konzentriert sich auf die strukturellen Schwächen Erhards in der parteiinternen Machtausübung und die Rolle seines Beraterstabes, des "Sonderkreises".

VI. „Formierte Gesellschaft“: Dieses Kapitel widmet sich dem von Erhard initiierten gesellschaftspolitischen Leitbild, das eine kooperative Gesellschaft jenseits von Interessenkonflikten anstrebte.

VII. Zusammenfassung: Das abschließende Kapitel reflektiert über das Scheitern Erhards im Kontext mangelnden politischen Takts und des innerparteilichen Streits.

Schlüsselwörter

Ludwig Erhard, Bundeskanzler, Soziale Marktwirtschaft, Ära Adenauer, Formierte Gesellschaft, Innenpolitik, Außenpolitik, Parteipolitik, Wirtschaftsreformer, Regierungsstil, Bundestagswahl 1965, politisches Leitbild, Kooperation, Krisenbewältigung, Machtverlust.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?

Die Arbeit behandelt die Kanzlerschaft von Ludwig Erhard unter besonderer Berücksichtigung seines Regierungsstils, seiner politischen Prinzipien und der Schwierigkeiten, die er in der post-adenauerschen Ära bewältigen musste.

Was sind die zentralen Themenfelder?

Im Fokus stehen das Verhältnis zu Konrad Adenauer, die Rolle der Verbände, der Beraterstab im Kanzleramt sowie das Konzept der "Formierten Gesellschaft".

Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?

Das Ziel ist es, die Gründe für Erhards Scheitern als Bundeskanzler sowie seine Versuche, den Regierungsstil der Bundesrepublik durch eine "Formierte Gesellschaft" zu modernisieren, politisch einzuordnen.

Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?

Es handelt sich um eine historische und politikwissenschaftliche Analyse, die auf Literaturrecherche und der Auswertung von zeitgenössischen Dokumenten und Biographien basiert.

Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?

Der Hauptteil gliedert sich in eine biographische Einführung, die Analyse der Beziehung zu Adenauer, die Darstellung der Kanzlerschaft inklusive interner Organisationsstrukturen und eine detaillierte Erörterung des Konzepts der "Formierten Gesellschaft".

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?

Neben dem Namen Ludwig Erhard sind Begriffe wie "Soziale Marktwirtschaft", "Kanzlerdemokratie", "Reformstimmung" und "parteiinterner Streit" maßgeblich für das Verständnis des Inhalts.

Wie bewertet die Arbeit Erhards Verhältnis zur Partei CDU?

Die Arbeit stellt dar, dass Erhards Mangel an parteipolitischer Machtbasis und das Fehlen des Parteivorsitzes zentrale Gründe für seine Schwierigkeiten bei der Durchsetzung politischer Vorhaben waren.

Welche Rolle spielte der "Sonderkreis" für Erhards Politik?

Der "Sonderkreis" fungierte als ein externer Beraterstab, der Erhard bei der Strategiebildung unterstützte, da er innerhalb des Regierungsapparates und der Partei keine ausreichende Unterstützung für seine Reformideen fand.

Excerpt out of 17 pages  - scroll top

Details

Title
Regierungsstil und Entscheidungsmuster des Kanzlers Ludwig Erhard
College
LMU Munich
Grade
Sehr Gut
Author
Vassil Loukarsky (Author)
Publication Year
1999
Pages
17
Catalog Number
V32562
ISBN (eBook)
9783638332507
ISBN (Book)
9783638748834
Language
German
Tags
Regierungsstil Entscheidungsmuster Kanzlers Ludwig Erhard
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
Vassil Loukarsky (Author), 1999, Regierungsstil und Entscheidungsmuster des Kanzlers Ludwig Erhard, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/32562
Look inside the ebook
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
Excerpt from  17  pages
Grin logo
  • Grin.com
  • Shipping
  • Contact
  • Privacy
  • Terms
  • Imprint