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Inhaltsverzeichnis:
I. Einführung. 3
II. Kurze Biographie. 4
III. Adenauer und Erhard. 5
IV. Der Kanzler Ludwig Erhard. 7
V. Das Verhältnis zur Macht 10
VI. „Formierte Gesellschaft“ 12
VII. Zusammenfassung. 14
VIII. Literaturverzeichnis. 16
IX Anmerkungen 17
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I. Einführung
Niemand hätte es 1945 nach dem Zusammenbruch des III. Reiches für denkbar und möglich gehalten, was zehn Jahre später für selbstverständlich galt: Das deutsche Volk lebte im freien Teil des Landes, in einem demokratischen und sozialen, nach Außen und Innern sicheren Rechtsstaat und hatten sich eine konkurrenz- und leistungsfähige Wirtschaft aufgebaut, die als „deutsche Wirtschaftswunder“ weltweit Anerkennung fand.
Der Beitrag Ludwig Erhards zum Aufbau und Fortentwicklung der Bundesrepublik Deutschland war in vieler Hinsicht entscheidend. Mit seinem Namen verbindet sich der wirtschaftliche Aufstieg nach einer beispiellosen Katastrophe. Nach dem ersten Bundeskanzler Konrad Adenauer und neben ihm war Erhard der wichtigste Gestalter der jungen Bundesrepublik. 1
Der Kanzler Ludwig Erhard war ein Symbol der deutschen Wiederaufstiegs nach dem Zweiten Weltkrieg, ein personenbezogenes Symbol mehr noch als Konrad Adenauer. Der ragte aus der Weimarer Zeit und sogar noch aus dem Kaiserreich in die 1949 neu geschaffene Bundesrepublik hinein. Konrad Adenauer bezog seine politische Autorität und Durchsetzungskraft nicht nur aus seinem Machtwillen - er bezog sie ebenso aus einer g efestigten politischen Orientierung in einer orientierungslosen Zeit 2 . Das dem asketischen ersten Bundeskanzler sein gedrungener Wirtschaftsminister folgte, war mehr als ein Zufall: Nach der außenpolitischen Neuorientierung, die feste Einbindung des neuen Staates in den Westen mit sich brachte, sollte nun jener Mann an der Spitze der Regierung rücken, dessen Grundsatzentscheidungen das bewirkt hatten, was das Ausland „deutsche Wirtschaftswunder“ nannte. Im Grunde besaß Erhards wirtschaftspolitische Leistung auch eine außenpolitische Dimension, die sich freilich eher beiläufig ergab: Das außenpolitische Ansehen, das die Bonner Republik nach 1945 wider jede Erwartung errang, wäre jedenfalls nicht erreicht worden ohne seine wiedergewonnene wirtschaftliche Leistungsfähigkeit - und sie wiederum war Erhard zu danken. 3 In diesem Zusammenhang ist die Frage nach den Kriterien der parteiinternen Bewertung eines Spitzenpolitikers wie Erhard relevant. Sind es Charakter und Leistung, ist es die gesellschaftliche Stellung, sind es religiöse Überzeugungen oder seine Verdienste, die den Ausschlag geben? Hängt seine Stellung in der Partei von dem Umfang seines Betrages zur Machterwerbung und Machterhaltung ab?
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Vielleicht erspart sich mancher Politiker Enttäuschungen, wenn er etwas mehr über die Belastbarkeit und die Grenzen politischen Freundschaften nachdenken würden. Es ist überraschend, daß selbst Frauen und Männer, die ihr Leben der Politik als Beruf widmen, sich in dieser Hinsicht Illusionen machen. Wird nicht die Belastbarkeit und die Dauer politischer Freundschaft durch die gegenseitige Einschätzungen des Nutzens bestimmt, oder sind Vertrauen, Dankbarkeit und Wirkung gemeinsamer Überzeugungen wichtiger und ausschlaggebender?
II. Kurze Biographie
Ludwig Erhard wurde am 04.02.1897 in Fürth in Bayern als Sohn eines Textilhändlers in mittelständischen Verhältnisse geboren. Ab 1903 bis 1913 besuchte er die „Königliche Bayerische Realschule mit Handelsabteilung“, später machte er Kaufmannslehre in Nürnberg (1913-1916). Als Folge einer Kriegsverletzung, die er sich 1918 in Flandern zugezogen hatte, war eine körperliche Behinderung zurückgeblieben, die es ihm unmöglich machte das Geschäft seines Vaters zu übernehmen. So absolvierte er 1922 seine Abschlußprüfung an der Handelshochschule Nürnberg und immatrikulierte sich noch im gleichen Jahr an der Universität Frankfurt. Sein dortiger Lehrer, Franz Oppenheimer, der ihn stark prägte, vertrat einen „liberalen Sozialismus“, eine wirtschaftlich theoretische Vision, die sich bei Erhard sehr viel später in die Formulierung der „sozialen Marktwirtschaft“ verwandelte. Oppenheimer gab ihm auch die Überzeugung mit, die Ökonomie im Sinne des freihändlerischen Liberalismus dürfte eine geschichtlich absolute Überlegenheit über alle Politik beanspruchen. 4
Nach seiner Promotion zum Dr. rer. pol. Im Jahre 1925 trat Erhard 1928 als Forschungsassistent in das Nürnberger Institut für Wirtschaftsbeobachtungen ein. Politisch haben ihm die Jahre der Weimarer Republik und deren Scheitern insoweit beeinflußt, als er von nun an zu erkennen glaubte, daß ein Staat nur dann Bestand haben könnte, wenn es gelänge, eine Einheit von politischem und wirtschaftlichem System zu schaffen. Im Nürnberger Institut blieb er bis zum Jahre 1943. Dann mußte er, der sich m erhfach geweigert hatte, in die „Deutsche Arbeitsfront“ der
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Nationalsozialisten beizutreten, aus politischen Gründen ausscheiden. Inzwischen waren aber seine Kontakte zur Industrie so stark, daß er ein kleines privat Institut betreiben konnte. Schon im April 1945, unmittelbar nach der Befreiung, erteilten die Amerikaner ihm den Auftrag, das Wirtschaftsamt der Stadt Fürth wieder in Gang zu setzen. In dieser Eigenschaft kam er zum ersten Mal mit Interessengruppen in praktische Berührung. Schließlich wurde er im September 1945 der erste Wirtschaftsminister in Bayern in der Regierung unter Wilhelm Hoeger. 5 Näher an die Verwirklichung seiner Vorstellungen über die Nachkriegszeit, bracht ihn da schon die Leitung der „Sonderstelle Geldwirtschaft“ bei der Verwaltung der englisch-amerikanischen Bi-Zone in Bad Homburg. Hier wirkte er an die Vorbereitung einer Wirtschaftsreform mit, die freilich jahrelang liegenblieb. Schließlich wurde er Direktor der Verwaltung für Wirtschaft der Bi-Zone in Frankfurt am Main. Als solcher setzte er mit einem Schlag Dutzende von Bewirtschaftungs- und Preisvorschriften außer Kraft. Er hatte damit gegen alle Widerstände die soziale Marktwirtschaft in der Bundesrepublik eingeführt.
III. Adenauer und Erhard
Adenauer war 73 Jahre alt, als er 1949 Kanzler wurde - ein Alter, das es wahrlich nahelegte, sich Gedanken darüber zu machen, wer der Nachfolger sein könnte. Ob Erhard damals, in der Gründungsphase der Bundesrepublik Deutschland vor 1953, bei sich selbst den Gedanken erwogen hat, daß auf ihn bei einem Ausfall Adenauers die große Aufgabe zukommen könnte, ist ungewiß.
Es hat den Anschein, als habe sich Erhard diese Frage anfangs nicht gestellt. Er fühlte sich mit Leib und Seele als Wirtschaftspolitiker: dies war seine Mission. Es gibt wenig Anzeichen dafür, daß Adenauer seinen Wirtschaftsminister in diesen Jahren ernsthaft als möglichen Rivalen eingeschätzt hätte. Das Mißtrauen, mit dem Adenauer Erhards Streben nach einer Sonderrolle im Kabinett beobachtete und zurechtzustutzen versuchte, wird man sicherlich als Ausfluß seines Machtinstinkts, aber natürlich entsprach dies einfach auch einem Erfordernis der Kabinettsräson.
Arbeit zitieren:
Vassil Loukarsky, 1999, Regierungsstil und Entscheidungsmuster des Kanzlers Ludwig Erhard, München, GRIN Verlag GmbH
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