Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung 1
2. Frauen in der Öffentlichkeitsarbeit 2
2.1 Gender Switch: Die Entwicklung in den USA 2
2.2 Gender Switch: Die Entwicklung in Deutschland 3
2.3 Die „typische“ PR-Frau 4
2.3.1 Altersstruktur und Berufserfahrung 4
2.3.2 Familienstand und Kinder 5
2.3.3 Ausbildung und Berufszugang 5
2.3.4 Berufliche Position und Einkommen 6
2.3.5 Berufsrollen der Frauen 7
2.4 Probleme der Frauen 8
2.4.1 Einstellung 8
2.4.2 Einkommen 9
2.4.3 Aufstieg 10
3. Erklärungsansatz Genderstudies 11
3.1 Herkunft und Aufgabe der Genderstudies 11
3.2 Paradigmen der Genderstudies 12
3.2.1 Der Gleichheitsansatz 12
3.2.2 Der Differenzansatz 12
3.2.3 Der Dekonstruktivismus 13
3.3 Die Feminisierung der PR im Differenzansatz 13
3.3.1 Vermeintlich feminines Verhalten 14
3.3.2 Vermeintlich maskulines Verhalten 14
3.3.3 Erklärung der Feminisierungstendenzen in der PR 15
3.3.4 Erklärung der Gehaltsdifferenz zwischen den
Geschlechtern S. 16
3.3.5 Erklärung der schlechten Aufstiegschancen 16
II
4. Bewertung der Feminisierung in der PR 17
4.1 Die pessimistische Forschungsperspektive 17
4.2 Die optimistische Forschungsperspektive 18
5. Fazit 19
6. Literaturverzeichnis 21
III
1 Einleitung
„Sag mal Andrea, weshalb spielst du eigentlich nicht mehr mit Oskar?“ fragte die Mutter.
„Würdest du mit jemandem spielen, der dich beim kleinsten Streit immer gleich verhaut?“ entgegnete daraufhin die Tochter. „Nein, natürlich nicht.“ „Siehst du, Oskar, eben auch nicht.“
Die meisten Leser werden bei diesem Witz wohl zumindest geschmunzelt haben. Aber warum? Wie funktioniert dieser Witz? Er ist lustig, weil in der beschriebenen Alltagssituation die Pointe eine Überraschung bringt, etwas Unerwartetes. Werden die Namen Andrea und Oskar vertauscht, werden sie nichts mehr zu schmunzeln haben. Die Situation erscheint ihnen normal. Denn wir sind es gewöhnt, dass Mädchen von Buben verhauen werden. Das empfinden wir als normal! Andersherum ist es lustig. Bestimmte Stereotype bestimmen unsere Erwartungen, unser Denken und auch unser Handeln. Nicht nur, weil wir durch sie über diesen Witz lachen konnten. Auch in alltäglichen Situationen begleiten uns vorgefertigte Annahmen und Vorstellungeninsbesondere bezüglich der Verhaltensweisen und Fähigkeiten von Mann und Frau. So schenken wir kleinen Jungen wie selbstverständlich Bauklötze und Action-Figuren und bewundern „wie groß und stark sie doch geworden sind“. Mädchen hingegen spielen mit Barbie - Puppen und werden für ihre niedliche, herzliche Art gelobt. Und die geschlechtsspezifische Entwicklung setzt sich auch im Erwachsenenalter fort. Insbesondere bei der Berufswahl gibt es in unserer Gesellschaft ganz klare Vorstellungen von typischen Männer- und Frauenberufen. Schon immer galt das vermeintlich schwächere Geschlecht als prädestiniert für soziale Berufe wie die der Krankenschwester oder auch der Grundschullehrerin. Ende der 70er Jahre zeichnete sich noch ein weiterer Trend ab, der bis heute anhält: Immer mehr Frauen streben in das Berufsfeld der Public Relations. Mittlerweile sind in den USA bereits viermal so viele Frauen wie Männer für „Public Relations“ oder „Business Communication“ eingeschrieben. Auch in vielen Staaten Europas „beobachten wir seit Mitte der 80er Jahre ein kontinuierlich steigendes Interesse junger Frauen an einschlägigen Ausbildungsmöglichkeiten und Studiengängen.“ (Fröhlich 2003, S. 3f.) Kein Wunder: Denn gemeinhin gelten Frauen bei uns als das kommunikationsstärkere Geschlecht mit ausgeprägtem Taktgefühl, Selbstlosigkeit und Beziehungsorientiertheit. Frauen erscheinen also quasi als
1
wie für die Öffentlichkeitsarbeit geschaffen. Doch sind es wirklich diese Stereotype, die so viele Frauen in das Berufsfeld PR streben lässt? Und wenn ja, wie wirken sich diese Stereotype im Berufsleben der Frauen aus? Welche Vor- und Nachteile ergeben sich aus ihnen? Kurz: Wie ist die Feminisierung in den PR zu erklären und letztlich zu bewerten? Diese Frage soll im Rahmen dieser Hausarbeit versucht werden zu beantworten.
2 Frauen in der Öffentlichkeitsarbeit
2.1 Gender Switch: Die Entwicklung in den USA
Viel eher als in Europa machte sich in den Vereinigten Staaten eine „Feminisierung 1 der Kommunikationsberufe“ bemerkbar. Bereits Ende der 70er Jahre zeichnete sich an den Immatrikulationszahlen der (Fach-) Hochschulen für PR ein „gender switch“ ab: Immer mehr Frauen stoßen in die einstige Männerdomäne Öffentlichkeitsarbeit vor. So studieren „[...] schon seit Ende der 80er Jahre [...] an amerikanischen Universitäten viermal so viele Frauen wie Männer ‚Public Relations’, ‚Business Communication’ oder Organizational Communication’. Ein weiteres Indiz für den enormen Anstieg sind die Mitgliederzahlen der Public Relations Student Society of America (PRSSA), in der seit Anfang der 90er Jahre zehnmal mehr Studentinnen als Studenten organisiert sind [...].“ ( Fröhlich 2003, S. 3)
Die Mitte der 70er Jahre einsetzende Politik der „Affirmative Action“ bewirkte (u.a.), dass die Entwicklung der Feminisierung in Kommunikationsberufen nicht nur auf den Ausbildungssektor beschränkt blieb. „Diese Politik untersagte generell jede Gender- oder Rassendiskriminierung. Zu Beginn der 1980er Jahre folgten viele Unternehmen diesen Regierungsempfehlungen und stellten vermehrt Frauen ein, insbesondere auch im Management. In der Öffentlichkeitsarbeit wurden damals überdurchschnittlich viele Stellen mit Frauen besetzt [...].“ (Röttger, Hoffmann, Jarren 2003, S. 259)
So waren bereits Ende der 90er Jahre, laut Auskunft des U.S. Departement of Commerce, zwei Drittel der Beschäftigten in den Berufsfeldern „Public Relations“ und „Business Communication“ Frauen (Vgl.: Fröhlich 2003, S.3) Und eine gegenläufige Entwicklung ist auch zukünftig nicht zu erwarten, denn nach wie vor gelten „Public Relations [...] in den USA [...] als das Berufsfeld
mit den größten Zuwachsraten an weiblichen Arbeitskräften. (Fröhlich 2003, S.3)
2.2 Gender Switch: Die Entwicklung in Deutschland
Im Gegensatz zu den USA liegen für Deutschland relativ wenige wissenschaftliche Forschungen über die Situation der Frauen im Berufsfeld Public Relations vor. ( Vgl.: Redlich 1995, S.1) Aber „[a]Auch bei uns beobachten wir seit Mitte der 80er Jahre ein kontinuierlich steigendes Interesse junger Frauen an einschlägigen Ausbildungsmöglichkeiten und Studiengängen. [...] Den höchsten und schon seit Jahren stabilsten Frauenanteil weisen hierbei Aufbau- und Ergänzungsstudiengänge für Journalistik auf [...]. Aus ihnen rekrutiert sich übrigens eine nicht unerhebliche Zahl von PR-Fachkräften. [...] Heute machen Frauen bei den wichtigsten nicht universitären PR-Aus- und Weiterbildungsprogrammen in Deutschland je nach Institution und Kursart zwischen 70% und 90% der Kursteilnehmer aus [...].“ (Fröhlich 2003, S.3f.) Dieser „gender switch“ auf Ausbildungsebene lässt sich allerdings nicht ohne weiteres auf das Berufsfeld PR übertragen. Wie Diane R. Redlich 1995 richtig feststellte, lässt sich anhand der Mitgliederstruktur der Deutschen Public -Relations - Gesellschaft (DPRG) zwar durchaus eine starke Zunahme von Frauen im Berufsfeld PR ausmachen. „Ihr Anteil stieg von 16 Prozent im Jahre 1983 auf rund 40 Prozent 1994 und hat sich damit innerhalb von zehn Jahren mehr als verdoppelt“ (Redlich 1995, S.1). Trotzdem kann heute noch nicht von einer Frauenmehrheit in der Öffentlichkeitsarbeit gesprochen werden. Grund hierfür ist der stagnierende Frauenanteil der Mitglieder der DPRG, 2 der seit fast zehn Jahren nun bei etwa 45 % liegt (Vgl.: Fröhlich 2003, S. 5). Romy Fröhlich schlussfolgert deshalb für die BRD:
„Journalismus und PR als Frauenberufe zu bezeichnen, verbietet sich also nicht nur wegen der Tatsache, dass in beiden Berufen [...] Frauen noch nicht die 50% Marke übersprungen haben. Beide Berufe sind auch deshalb keine Frauenberufe, weil zwischen dem Berufswunsch der Frauen, ausgedrückt in sehr hohen Ausbildungsraten, und einer tatsächlichen späteren Tätigkeit in diesen Berufsfeldern immer noch eine ganz erheblich große Lücke klafft.“ (Fröhlich 2003, S. 6) Trotzdem kann von einem starken Interesse der Frauen für dieses Berufsfeld gesprochen werden, da die Mitgliederzahlen von Frauen in der DPRG innerhalb
kürzester Zeit rapide angestiegen sind und die 40% Marke auch seit Jahren zumindest nicht mehr unterschritten haben (Vgl. Fröhlich 2003, S.6).
2.3 Die „typische“ PR-Frau
Mit dem steigenden Anteil von Frauen in den PR nahmen auch die Anzahl der wissenschaftlichen Studien zu, die die berufliche Situation der Frauen in der Öffentlichkeitsarbeit untersuchten. Im Folgenden sollen hier erst einmal grundlegende demographische Daten und Ergebnisse zum Berufsbild und dem beruflichen Selbstverständnis von Frauen in der Öffentlichkeitsarbeit wiedergegeben werden. Dabei wird sowohl auf Studien für den deutschsprachigen als auch für den amerikanischen Raum zurückgegriffen. Nachfolgend wird dann unter Punkt 2.4 explizit auf Probleme hingewiesen, die sich durch die Feminisierung in den PR für die Frauen ergeben haben.
2.3.1 Altersstruktur und Berufserfahrung
Die „typische“ PR-Frau im deutschsprachigen Raum 3 ist Mitte bis Ende 30 (35,3 Jahre in Deutschland, 37,9 Jahre in Österreich) und arbeitet etwa seit 10,3 Jahren im Bereich der Öffentlichkeitsarbeit (Vgl.: Redlich 1995, S. 34; Gründl 1997, S. 34). Dabei fällt sowohl in Deutschland als auch in Österreich auf, dass insbesondere die jüngeren PR-Beschäftigten weiblich sind. Annähernd vier Fünftel der österreichischen Fachkräfte zwischen 25 und 30 Jahren sind Frauen (Vgl. Gründl 1997, S.34) und auch in der BRD zeigt sich, „daß mehr als drei Viertel der PR-Frauen der Altersgruppe von 20 bis 40 Jahren angehören.“ (Redlich 1995, S.34). Aus diesen Daten lässt sich die Entwicklung der Feminisierung im PR-Bereich ablesen:
„Zu Beginn dominierten die Männer, der Frauenanteil nahm stetig zu bis zu einer gewissen Ausgeglichenheit. Schließlich, vor allem in den vergangenen zehn Jahren, ist die Zahl der Frauen stark angestiegen, so dass sie in den jüngeren Altersstufen die Anzahl der Männer bei weitem übertrifft.“ (Gründl 1997, S. 34)
Die amerikanischen PR-Frauen sind nach der Studie von Toth und Cline durchschnittlich zwischen 30 und 34 Jahren alt und verfügen ebenfalls über gut 10 Jahre (10,1 Jahre) Berufserfahrung. (Vgl.: Cline, Toth 1993, S. 187)
Arbeit zitieren:
Christine Heinrichs, 2004, Frauen in der PR hochqualifiziert und unterbezahlt, München, GRIN Verlag GmbH
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