0. Gliederung. 2
1. Einleitung. 3
2. Darstellung der Beeinflussung des Abfallbewusstseins und -verhaltens
durch psychologische Faktoren. 5
2.1. Motive als Prädikatoren für Abfallbewusstsein und -verhalten. 6
2.1.1. Motive für abfallbewusstes Verhalten. 6
2.1.2. Die Motive für umweltschädigendes Abfallverhalten. 8
2.2. Normen und ihre Wirkung hinsichtlich der Abfallproblematik. 9
2.2.1. Die „Theory of Reasoned Action“ in Bezug auf die Abfall-
Problematik. S. 10
2.2.2. Erklärung der Wirkung von Normen auf das Abfallbewusstsein
bzw. -verhalten anhand der Normentheorie von Schwartz. 12
2.2.3. Weitere Ergebnisse zu dem Einfluss von Normen auf das
Abfallverhalten. S. 13
2.3. Werte prägen das Abfallbewusstsein. 15
2.4. Einstellungen beeinflussen das Abfallverhalten. 16
2.4.1. Untersuchung des Zusammenhangs von Einstellungen und Abfallver-
halten mittels des „Drei-Komponenten Modell der Einstellung“ 17
2.4.2. Weitere Ergebnisse bezüglich der Einstellungen und dem
Abfallverhalten. S. 18
2.5. Die Wirkung von Umweltwissen auf das Abfallbewusstsein
bzw. -verhalten. 23
2.6. Der Einfluss von soziodemographischen Variablen auf
das Abfallverhalten. 27
3. Die Diskrepanz zwischen Abfallbewusstsein und -verhalten. 28
3.1.Die Schwierigkeit der Umsetzung einer umweltbewussten Haltung. 30
3.2.Erklärung von umweltschädigenden Abfallverhalten durch die
Low -Cost-These und die „Allmende-Klemme“ 31
3.3. Welche Bedingungen begünstigen umweltschädigendes
Abfallverhalten ? 33
4. Resümee. 34
5. Literaturverzeichnis. 36
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1. Einleitung
In der heutigen Konsumgesellschaft erweist sich das Thema „Müllvermeidung“ als ein wichtiger Punkt bei der Entwicklung von nachhaltigen Umweltschutzkonzepten, da die Produkt- und Verpackungsflut die Müllberge auf eine unabsehbare Größe anwachsen lässt. Verpackungen haben nicht nur die Aufgabe ein Produkt zu schützen oder zusammenzuhalten, sie sind vielmehr auch Träger von auffälligen Werbeinformationen und sollen durch ihre Aufmachung zum Kauf verführen. Dadurch bedingt kommen unterschiedliche Materialverbunde im Hausmüll zusammen und es entsteht neben dem hohen Müllaufkommen das Problem der Beseitigung oder Wiederverwertung. Es ist ersichtlich, dass das Verhalten jedes Einzelnen von Belang ist, dem zu hohen Müllaufkommen entgegenzuwirken. Die Fähigkeit und Bereitschaft, das eigene Verhalten im alltäglichen Leben hinsichtlich umweltschonender Alternativen zu überdenken und sich eventuell neu zu orientieren, ist eine wichtige Vorraussetzung für die Verringerung des Abfalls. Jedoch werden oft erst durch gesetzliche Maßnahmen die erwünschten Verhaltenskonsequenzen erzielt. Buchholz (2000, S. 13) weist darauf hin, dass durch die von Seiten der Politik ab 1991 geltend gemachte Verpackungsverordnung und durch die Einführung des Dualen Systems Deutschland GmbH eine sinkende Tendenz für das Hausmüllaufkommen pro Einwohne r (gemessen in Kilogramm) seit Anfang der 90er Jahre festzustellen war. Durch dieses Erfassungssystem sahen sich viele Bürger gezwungen, die vom Gesetzgeber geforderten Sortierquoten einzuhalten. Es stellt sich hierbei natürlich die Frage, warum ein sichtlich geringeres Müllaufkommen erst durch gesetzliche Reglementierung bewirkt werden kann, und ob die Mitwirkungsbereitschaft der Konsumenten zum umweltbewussten Verhalten auch auf anderem Wege zu erzielen ist? Die vorliegende Hausarbeit setzt sich mit dem Thema des Umweltbewusstseins und -verhaltens bezüglich der Müllproblematik auf theoretischem Wege auseinander. Die Behandlung dieser Thematik halte ich für interessant und wichtig, da die Entwicklung der Umweltkrise bedrohliche Ausmaße angenommen hat, die sich nicht allein durch technologische Strategien lösen lassen, sondern insbesondere einen Werte- und Einstellungswandel in der Gesellschaft voraussetzen, damit sich ein bewussteres Abfallverhalten etablieren kann.
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Die Zielsetzung der Hausarbeit besteht darin, einen Überblick der psychologischen Zusammenhänge des Umweltbewusstseins und - verhaltens im Hinblick auf die Problemstellung des zu hohen Abfallaufkommens zu geben. Die Arbeit ist folgendermaßen aufgebaut:
Im zweiten Kapitel wird darauf eingegangen, welche psychologischen Faktoren das Abfallbewusstsein und - verhalten beeinflussen. Es wird zunächst auf die Wirkung von Motiven bzw. Motivation hingewiesen; dann werden die Ergebnisse von Studien bezüglich der das Abfallbewusstsein und -verhalten beeinflussenden Normen und Werte im Hinblick auf die wichtigsten Konzepte diskutiert, während daraufhin der Einfluss von Einstellungen, Umweltwissen und soziodemographischen Variablen auf das Bewusstsein und Verhalten im Bezug auf die Abfallproblematik dargestellt wird. Aktuelle Forschungsergebnisse und Konzepte sollen hierbei die Argumentation der Themenpunkte unterlegen.
Im dritten Kapitel wird der Frage nachgegangen, warum sich proökologisches Abfallbewusstsein nicht immer im Verhalten ausdrückt. Welche Faktoren spielen eine Rolle, dass sich Menschen, obwohl sie sich der prekären Umweltsituation bewusst sind, nicht dem entsprechend verhalten? Es wird die Diskrepanz zwischen der Einsicht in die Relevanz des Müllproblems und dem Verhalten aufgezeigt, indem auf die Schwierigkeiten der Umsetzung einer umweltbewussten Haltung eingegangen wird, wobei psychologische Konzepte zur Erklärung hinzugezogen werden. Die Low-Cost These und das Konzept der Allmende-Klemme erweisen sich als geeignete Mittel, die Hintergründe umweltschädigenden Abfallverhaltens aufzuzeigen. Zudem soll verdeutlicht werden, welche Bedingungen und Vorraussetzung mit der Umsetzung abfallbewussten Verhaltens zusammenhängen. Gibt es Handlungsbedingungen, die sich begünstigend auf das umweltschädigende Verhalten auswirken? Mit einer abschließenden Reflexion des Diskussionsstoffes in Kapitel vier wird die Hausarbeit abgeschlossen. Im folgenden Kapitel wird also zunächst auf die psychologischen Faktoren eingegangen, die eventuell im Zusammenhang mit dem Abfallbewusstsein und -verhalten stehen.
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2. Darstellung der Beeinflussung des Abfallbewusstseins und -verhaltens
durch psychologische Faktoren
Die gesellschaftlich weit verbreitete Entwicklung des Umweltbewusstseins ist ein historisch neues Phänomen, das auf unterschiedliche Ursachen zurückzuführen ist. Zum Einen hat sich die Qualität der Umweltzerstörung seit der Industrialisierung verändert und zwar in dem Sinne, dass sie beschleunigt und global stattfindet und somit das Ausmaß der Risiken eine lebensbedrohliche Stärke angenommen hat.
Zum Anderen können auch die sozialen Veränderungen in der Gesellschaft einen Einfluss auf die Werthaltung zum Thema Umwelt nehmen. Auch die Abfallproblematik ist ein relativ neuer Diskussionspunkt der Umwelt-forschung. So v erweist Matthies (1994, S. 17-18) darauf, dass das Thema „Müll“ in der englischsprachigen Fachliteratur erst zu Beginn der siebziger Jahre erwähnt wurde. Das Forschungsinteresse bezog sich damals vorwiegend auf das achtlose Wegwerfen von Abfall auf öffentlichen Plätzen oder an Straßenrändern und nur im geringem Umfang mit der Recyclingthematik. Erst durch umweltpolitische Umbrüche, wie z.B. die Ölkrise, Ende der siebziger Jahre in den USA, wurden Forschungen zum Energiesparen durchgeführt und dem Recycling kam unter dem Aspekt der Ressourcenschonung eine öffentliche Bedeutung zu. Erst in den letzten Jahren wurde in der deutschsprachigen Forschungsliteratur neben der Perspektive, dass Müll gesundheits- und umweltbedrohlich ist, das Verhalten zur Abfallvermeidung angesprochen.
Das ökologische Problembewusstsein bezüglich des rapiden Anstiegs des Müllaufkommens ist nicht nur auf Beiträge zu dieser Thematik in den Medien und der Politik zurückzuführen, sondern beruht auch oft auf persönlichen Erfahrungen mit den Auswirkungen von Umweltschäden in verdreckten Parks, in Straßengräben und an Waldwegen. Poferl et al. (1997, S. 100 f.) sprechen in diesem Zusammenhang von den sogenannten Schlüsselbildungserlebnissen und den biographischen Erfahrungen, die als zentraler Anlass dafür angesehen werden können, sich mit der Umweltthematik auseinander zusetzen. Letztendlich spielen aber auch Motive, Normen, Werte und Einstellungen eine Rolle, umweltbezogene Überzeugungen, Intentionen und Emotionen bei dem Einzelnen in umweltrelevantes Verhalten umzusetzen.
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Im Folgenden werden die verschiedenen Faktoren aufgeführt, die eine Rolle im Hinblick auf das Bewusstsein und Verhalten bezüglich der Abfallproblematik spielen.
2.1. Motive als Prädikatoren für Abfallbewusstsein und -verhalten
Es ist bekannt, dass Motive bzw. Motivation grundlegende Antriebskräfte für menschliches Handeln in Verbindung mit einer Zielorientierung sind. Hinsichtlich der Abfallproblematik stellt sich die Frage, warum sich Konsumenten in derselben Situation unterschiedlich verhalten. Um verhaltenswirksam zu werden, bedürfen Motive der Aktivation, so dass sich eine umweltbewusste Zielsetzungen im tatsächlichen Handeln der Konsumenten ausdrücken kann. Ein Verhalten kann entweder durch intrinsische Motivation, bei der die Zielsetzung einer Handlung um ihrer selbst willen angestrebt wird, oder durch extrinsische Motivation, bei der man eine immaterielle oder materielle Belohnung erwartet, bedingt sein. Die Entstehung von ökologisch orientierten Motiven setzt ein gewisses Maß an Information über die Risiken der Umweltzerstörung voraus, auch wenn es sich hierbei um eine subjektive Einschätzung der Umweltsituation handelt. Auch das Bewusstsein über die Gefahren der Umweltverschmutzung spielt hierbei eine Rolle. Bödege-Wolf (1994, S. 42) definiert das Umweltbewusstsein, als „...die Einsicht in die Gefährdung der natürlichen Lebensgrundlagen des Menschen durch diesen selbst, verbunden mit der Bereitschaft zur Abhilfe“. Bezüglich der Abfallvermeidung, -trennung oder -reduktion wird im Anwendungskontext empirischer Untersuchungen versucht, Motive zu identifizieren, anhand derer es sich erklären lässt, warum Konsumenten entweder wenig oder sehr häufig umweltfreundliches Müllverhalten zeigen. Im folgenden Kontext werden zunächst die Motive von Personen aufgeführt, die sich abfallbewusst verhalten.
2.1.1. Motive für abfallbewusstes Verhalten
Matthies (1994, S. 44 f.) verweist auf Studien, in denen Motive im Zusammenhang mit dem Recyclingverhalten untersucht worden sind und stellt fest, dass die angegebenen Motive vor allem deshalb als interessant erscheinen, weil sie die Überzeugungen widerspiegeln, die sich hinter dem Müllvermeide- und Recyclingverhalten verbergen:
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Als wichtigstes Motiv für Recycling wird hierbei in f ast allen Studien der „Umweltschutz“ von den Befragten genannt. Lediglich in einer Untersuchung von Hetzler & Schienstock (1978), die in Hamburg durchgeführt wurde, zeigte sich ein anderes Ergebnis, da die Befragten angaben, dass karitative Motive und die Ersparnis von Rohstoffen ihre Beweggründe seien, Altpapier und Textilien zu sammeln. Zu dieser Zeit wurden jedoch Alttextilien und Altpapiersammlungen hauptsächlich von karitativen Verbänden oder Altstoffhändlern durchgeführt.
Auffallend ist bei den von Matthies (1994, S. 44 f.) vorgestellten Befragungsergebnissen, dass das Motiv „Umweltschutz“ von den Befragten am häufigsten angegeben wird und sich keine generellen Aussagen über die Bedeutsamkeit von Motiven wie „Entlastung der eigenen Müllproduktion“ oder über „Ersparnis von Rohstoffen“ treffen lassen. Es ist also festzustellen, dass ein Großteil der Befragten dieser Studien keine konkreten Motive genannt hat, die sich direkt auf die Abfallreduktion beziehen. Es besteht die Möglichkeit, dass dieses Ergebnis auf den Untersuchungsmethoden oder Fragestellungen beruht. Es wäre aber auch anzunehmen, dass die Befragten zwar ein Bewusstsein für die ökologische Problematik des hohen Müllaufkommens besitzen, jedoch unter Umständen nicht über konkrete Informationen verfügen. In einer anderen Untersuchung von Schultz et al. (1995, zit n. Klocke & Wagner 2000, S. 73.) hat konnte jedoch belegt werden, dass Recycling vor allem mit spezifischen Recycling-Wissen im Zusammenhang steht, und nur zu einem geringem Anteil mit allgemeinem Umweltwissen.
Buchholz (2000, S. 138 f.) hat verschiedene amerikanische Studien dahingehend untersucht, einen Zusammenhang zwischen Motiven bzw. Motivation mit dem Abfallverhalten festzustellen. Sie merkte an, dass im wesentlichen zwischen Recyclern und Nicht-Recyclern unterschieden wird, um die Beweggründe des jeweiligen Verhaltens erklären zu können. Es hat sich gezeigt, dass die Motive der Befragten Personen zum Abfallverhalten sehr heterogen sind. Jedoch konnte die grundlegende Tendenz festgestellt werden, dass insbesondere intrinsische Motive von den Befragten angegeben wurden, um umweltrelevantes Abfallverhalten zu begründen. Als intrinsische Motive wurden zum Beispiel Selbstgenügsamkeit (self sufficientcy), Beteiligung (participation), Sparsamkeit (frugality) und Luxusstreben (luxuries) genannt.
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Bei den extrinsischen Motiven handelt es sich vorwiegend um monetäre Belohnungen, aufgrund derer ein proökologisches Recyclingverhalten angestrebt wird. Buchholz (2000, S. 140) äußert die Annahme, dass besonders Personen aus niedrigen Einkommensschichten durch monetäre Anreize dazu motiviert werden können, eine höhere Beteiligung bei der Trennung von Abfällen zu zeigen, während intrinsisch motivierte Personen vorwiegend aus höheren Einkommensschichten stammen und keinerlei Anreize von außen bedürfen. Es stellt sich letztendlich die Frage, welche Motive von Nicht-Recyclern angegeben werden, um ihr Verhalten zu erklären. Hierzu wird im Folgenden Bezug genommen.
2.1.2. Die Motive für umweltschädigendes Abfallverhalten
Klocke & Wagner (2000, S. 71) weisen darauf hin, dass ein Studie von Boldero (1995) ergeben hat, dass als wichtige Beweggründe der „Mangel an Überzeugung“ und „Unbequemlichkeit“ genannt wurden, um die fehlende Motivation des Recycelns zu begründen. Vinning & Ebero (1990, S. 65) haben in einer Studie zu den motivationalen Faktoren von Recyclern und Nicht-Recyclern Folgendes festgestellt: „ Nonrecyclers believed that nuisance and household inconveniences were more important reasons for not recycling than did recyclers. Nonrecyclers also thought that economic incentives and rewards were more important than did recyclers.“ In dieser Studie wird also neben der Erwartung einer finanziellen Belohnung für umweltfreundliches Verhalten als Motiv der Nicht-Recycler „Unbequemlichkeit“ (inconvenience) angegeben. Auch eine Studie von Kossakowski (1999, S. 82) hat ergeben, dass Testpersonen, die ihre Wertstoffen nicht trennen, angaben, dass ihnen der Glauben an die Wiederverwertung fehlt oder das Trennen ablehnten, wenn ihre Küche Wohnfunktion hat. Das letztere Motiv erweist sich zunächst als unklar, da man in einer Küche, die Wohnfunktion hat, ebenso wie in einer funktional ausgerichteten Küche recyceln kann. Eine Erklärung bestände darin, dass der Müll außerhalb der Wohnküche gesammelt wird, um unangenehme Gerüche zu vermeiden, da man sich darin aufhalten will. Unbequemlichkeit kann auch hierbei wieder ein Grund sein, umweltschädigendes Verhalten zu zeigen, da man auch außerhalb der Wohnküche die Abfälle trennen kann.
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Arbeit zitieren:
Birgit Brenncke, 2003, Umweltbewusstsein und Umweltverhalten im Hinblick auf die Müllproblematik, München, GRIN Verlag GmbH
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