1. Einleitung
Viele Kinder lesen gar nicht oder nur sehr wenig, manche verstehen nichts von dem was sie lesen oder finden es einfacher das Werk auf DVD zu schauen. Aber Warum? Diese Frage wird in dieser Arbeit nicht geklärt, doch es wird ein Kinderroman vorgestellt, der den Interessen eines heutigen Schulkindes entspricht. Denn nur, wenn den Kindern eine entsprechend interessante Lektüre angeboten wird, werden sie wieder mehr lesen … hoffentlich!
2. Historie
In der Aufklärung war das Kind ein Erziehungsobjekt, was auf die Zeit als Erwachsener vorbereitet wird und es konnte keine kindlichen Lebenswelten entwickeln. Auch in der Frühromantik gab es noch keine Kinderliteratur, sondern die Kinder sollten Volkspoesie rezipieren (Kindheit -Erwachsensein - Höhere Kindheit).
Seit dem 18. Jahrhundert, der Romantik, wird in der Literatur das Kind als idealer Mensch dargestellt (Kind & Natur), das kindliche Wesen wird verklärt („Mythos vom Kinde“, siehe später Kästner, Spyri, Ende, Lindgren…). In der Spätromantik wurden dann erstmals Texte für Kinder geschrieben.
Das Kindheitsbild der Romantik zeigte verklärende Momente von Kindheit & Natur. Des Weiteren wurde die Kindheit als bedrohter, gefährdeter Raum dargestellt (z.B.: E.T.A. Hoffmann „Nussknacker und Mausekönig“).
Nach der Romantik gab es einen „Rückfall“ in aufklärerische Ansichten. Der „Mythos vom Kinde“ wird von Warngeschichten vor Folgen bösen Tuns und kindlicher Unarten abgelöst. (z.B.: Heinrich Hoffmann „Struwwelpeter“, Johanna Spyri „Heidi“„Mythos vom göttlichen Kinde“, Natur & Gott).
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Im 20. Jahrhundert dann, war die Sprache von dem „Mythos vom Kinde“ mit Vorbildern, Abenteuern und Moral (z.B.: Erich Kästner „Emil und die Detektive“). Man verabschiedete sich von dem einseitig extrovertierten, heiteren und ausgeglichenen Kinderfigurentypus (z.B.: Peter Härtling, Kirsten Boie, Mirjam Pressler, Gudrun Mebs).
3. Moderne Kinder- und Jugendliteratur (KJL)
Ende der 40er Jahre war die KJL wie vor der NS-Zeit, es gab z.B. Umweltgeschichten, Kunstmärchen, Mädchenliteratur, „Heidi“, „Struwwelpeter“, „Pippi Langstrumpf“. In den 50er Jahren wurde eine heile Kinderwelt und eine abenteuerliche Jugendwelt dargestellt, wie z.B. in „Hanni und Nanni“, „Emil und die Detektive“, „Robinson Crusoe“, „Gulliver´s Reisen“ und „Moby Dick“. Raum für neue Phantasie kam in den 60er Jahren auf. Neue Kinderbuchklassiker erstanden, sowie phantastische Erzählungen (z.B.: „Die kleine Hexe“, „Räuber Hotzenplotz“). Außerdem gab es Krieg, Unterdrückung und Verfolgung als Thematik und erstmals wurden auch Altersstufen für Leser eingeführt. Die Kinder- und Jugendliteratur wurde zuerst durch Anna Krüger in den Unterricht einbezogen.
In den 70er Jahren ging es eher rebellisch zu, es kam zum Einzug gesellschaftspolitischer und sozialkritischer Themen in die KJL (z.B.: „Das war der Hirbel“, „Oma“, „Ben liebt Anna“, „Vorstadtkrokodile“). Die Leser werden ernst genommen und als mündige Partner behandelt, neue Verlage wurden gegründet und es gab eine deutliche Qualitätssteigerung in der KJL. In dieser Zeit entstanden z.B. „Momo“, „Die unendliche Geschichte“, Sachbücher und erstmals auch Mädchenbücher. Pädagogische Institutionen nehmen sich in den 80er Jahren der KJL an und es kommt zu einer Erweiterung des Themenarsenals sowie zu Veränderungen im historisches Jugendbuch und
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Abenteuerbuch (Erfahrungen von Dritter Welt). Progressive Mädchenliteratur entsteht (z.B.: „Lady Punk“, „Mit Jacob wurde alles anders“). In der DDR war zu dieser Zeit Benno Pludra sehr gefragt.
In den 90er Jahren entdeckte man die „Veränderte Kindheit“ in den Themen. Es kam zu einer Umwälzung des Medienumfelds und somit zur Medienverbundliteratur (Buch zum Film, Hörbuch, häufiger Wechsel von Erzählperspektiven, schnelle Schnittfolgen). Die Unterscheidung vom Jugend- zum Erwachsenenbuch wurde immer schwieriger und es gab einen regelrechten Sachbuch-Boom. Es ging der Trend zu Philosophie, Religion und Mythen (z.B.: „Sophies Welt“). Die KJL dieser Zeit trifft das Weltverständnis, die Gefühlslage, den Erfahrungshintergrund und die Identitätsprobleme von Kindern besser. Sie nimmt die Kinder als gleichberechtigte Subjekte an und die Protagonisten sind meist im Alter der Leser. Die Bezüge von der fiktiven Welt zu den eigenen Erfahrungen nehmen zu und die vervielfachten Medienangebote haben die Nutzung und den Umgang mit der Literatur verändert und ihren Stellewert im Leben der Kinder gemindert.
4. Zweck und Charakteristik der modernen KJL
Die moderne KJL will die Kommunikation zwischen den Generationen anregen, indem Defizite und sinnvolle Beziehungen aufgezeigt werden.
Es eröffnen sich wichtige Gesprächsangebote für den Unterricht (z.B. in: M.Prssler „Stolperschritte“, K.Boie „Mit Jakob wurde alles anders“, den Büchern von Härtling). Die moderne KJL ermöglicht eine umfassende Bildung junger Menschen, die damit außerdem an Kunst, Kultur und dem literarischem Leben teilnehmen.
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Es wird die Phantasie und Kreativität beflügelt und die Kinder können sich von der Welt ein Bild machen (schon mit Bilderbüchern).
Es werden Ängste und Krisen bewältigt und es baut sich ein Verständnis für andere Kulturen auf.
Die Kinderliteratur hat drei Bedeutungslinien:
Zum einen hat sie eine pädagogische Absicht, die Kinder sollen etwas lernen.
Zum anderen sollen die Kinder von der Erwachsenenwelt abgeschirmt werden.
Außerdem bietet die KJL ein Begegnungsmedium zwischen Jung und Alt.
Charakteristische Themen der modernen KJL sind folgende:
• Familie: „Mit Jakob wurde alles anders“ (Kirsten Boie)
• Anderssein, Behinderung, Ausländerfeindlichkeit:
„Das war der Hirbel“ (Peter Härtling), „Vorstadtkrokodile“
(Max von der Grün)
• Faschismus, Krieg, Kriegsfolgen, Rassismus:
„Maikäfer flieg“, „Das Tagebuch der Anne Frank“ (Mirjam
Pressler)
• Krankheit und Tod: „Oma“ (Peter Härtling)
• Identitätssuche und neues Selbstbewusstsein der Mädchen: „Lady Punk“ (Chidolue)
• Begegnung und Liebe: „Ben liebt Anna“ (Peter Härtling)
5. Besonderheiten des Erzählens von Peter Härtling
Peter Härtling ist Autor für Erwachsene und Kinder und wurde 1933 geboren. Seinen 1.Kinderroman schrieb er 1973 („Das war der Hirbel“).
Andere wichtige Bücher sind: „Oma“ (1975), „Ben liebt Anna“ (1979, erfolgreichstes Buch) oder „Fränze“ (1989).
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Christina Kühnle, 2004, Moderne Kinderliteratur am Beispiel Peter Härtlings 'Ben liebt Anna' und allgemeine Aspekte der Lesemotivation und Leseförderung, Munich, GRIN Publishing GmbH
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