Inhaltsverzeichnis
Einleitung 4
1. Historischer Hintergrund für die Gründung von Klöstern in ottonischer Zeit 5
1.1 Das Verhältnis der Ottonen gegenüber den älteren karolingischen Klöstern 6
2. Das Kloster Corvey - Historie zu dessen Gründung und Aufstieg 8
3. Das Kloster Corvey - Weltlich-politischer Aufstieg und Fall des Klosters im Mittelalter 10
3.1 Corvey und der sächsische Adel im 9. u. 10. Jahrhundert 12
3.2 Die Reichsabtei im 11. und 12. Jahrhunderts - Wirtschaftliche Krise, innere Zerrissenheit und
politischer Statusverlust 13
3.3 Der Fall Corveys im 13. Jahrhunderts - Misswirtschaft, Verpfändungen und Opposition zu Rom. 15
4. Corvey - Reichsstellung, Reichspflichten und Privilegien 17
4.1 Die Verleihung der freien Abtswahl 17
4.2 Die Verleihung des Münzrecht an das Kloster 18
4.3. Das Kloster Corvey - Erfüllung des Servitium regis und Heerfahrt 19
4.4. Corveyer Mönche als Bischöfe zur Zeit der Ottonen 21
5. Zur Symbolik des Klosters und dessen Vorbildsfunktion 24
6. Resümee 26
7. Literaturnachweis 27
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Einleitung
Die vorliegende Hausarbeit beschäftigt sich mit dem Thema des historischen Aufstiegs und Niedergangs von karolingischen Klöstern zur Zeit der Ottonen. Beleuchtet werden soll hierbei der Hintergrund zur Gründung von Klöstern, im Zuge der Sachsenkriege Karls des Großen, sowie deren Bedeutung als geistig-kulturelle Zentren, im Sinne der Herrschaftsrepräsentation, im Übergang von karolingischer in ottonische Zeit.
Diese Thematik soll im Zuge dieser Hausarbeit, am Fallbeispiel, der von Kaiser Ludwig dem Frommen gegründeten Weserabtei Corvey, erschlossen und vertieft werden. Indem ein Blick auf die historischen Hintergründe geworfen wird, welche den Bau des Klosters zu karolingischer Zeit initialisierten, gilt es ebenso die die Frage zu beantworten, in wiefern es zu einem Bedeutungsverlust karolingischer Gründungsklöster unter ottonischer Herrschaft in Sachsen kam.
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1. Historischer Hintergrund für die Gründung von Klöstern in ottonischer Zeit
Die Gründe für die Gründung von Klöstern in ottonischer Zeit, insbesondere in Sachsen, ist auf das Bestreben Karls des Großen zurück zu führen, welcher die Eingliederung der Sachsen in das Frankenreich zu erreichen suchte (Sachsenkriege 772-804 n. Chr.). Die Sachsen ihrerseits, waren zu jener Zeit der letzte heidnische Germanenstamm und galten als königloses Volk, ohne eine monarchische Spitze. Ihre Stammesgesellschaft war gekennzeichnet von dezentralen Strukturen repräsentiert durch ein lockeres Bündnis von regionalen Herrschaftsverbänden und Sippen, welche die Geschicke des Stammes lenkten. 1 Die verbindenden Elemente, welche diese Stammesgesellschaft zusammenhielten, waren übergreifende kultische Gemeinsamkeiten und Götterglaube (Irminsul). Das Siedlungsgebiet der Sachsen erstreckte sich zwischen Elbe, Saale, Unstrut, Harz, oberer Leine, Diemel, Ruhr und Ijessel, zwischen Westfalen, Engern und Ostfalen.
Die ab dem Jahre 772 einsetzende Unterwerfung der Sachsen durch Karl den Großen war ein Teilunternehmen im Rahmen der allgemeinen Expansion des christlichen Großreiches seit der Alleinherrschaft Karls. 2 Seiner Unterwerfungspolitik lag ein geschicktes, wie auch brutales Konzept zu Grunde, bestehend nicht alleine aus militärischer Vernichtung und Okkupation, sondern ebenso aus der ethnischen und religiösen Entwurzelung der Gegner. Diese Kombination aus Missionierung und Krieg sollte dazu dienen, die Integration der unterworfenen Sachsen in das Frankenreich zu erleichtern. Im Gegensatz zu der von Karl anfangs als nicht all zu schwierig eingeschätzten Niederwerfung der Sachsen, leisteten diese jedoch, unerwarteter W eise, erbitterten Widerstand. Diesem Umstand zur Folge wurde dieses Unternehmen zu einer schweren Belastungsprobe für das fränkische Königtum und dessen Kriegsadel, welche an deren Ressourcen und Kräften zerrte und die erfolgreiche Umsetzung der fränkischen Expansionspolitik, bis zur erfolgreichen Unterwerfung der Sachsen, oft in Frage stellte. Die Umsetzung des bereits erwähnten Konzepts Karls des Großen, bestehend aus Missionierung und Krieg, hatte die Zerstörung der „Irminsul“ (Weltallsäule), des sächsischen Heiligtums zur Folge, welches in kultureller, als auch in politischer Hinsicht, die Basis der sächsischen Stammesgesellschaft repräsentierte. Daher war es von immenser Wichtigkeit, den ihrer Lebensform beraubten Unterworfenen, ein neues Werte bzw. Glaubenssystem zu offerieren,
1 Vgl.: KÖNIG, Andreas/RABE, Holger/STREICH, Gerhard: Höxter. Geschichte einer westfälischen Stadt. Bd.1. Höxter und Corvey im Früh- und Hochmittelalter. Hannover. 2003. S.40
2 König/Rabe/Streich: S.40
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an welchem sie sich neu orientieren und ihre Gesellschaft neu ausrichten konnten, als Neulinge im Fränkischen Reich.
Die Missionierung der Sachsen und der forsch betriebene karolingische Klosterbau schienen dafür der richtige Weg zu sein, denn zum Einen waren die Klöster ein allseits unmissverständliches Mittel der Herrschaftsrepräsentation, , zum Anderen fungierten sie als geistige und kulturelle Zentren im Heidenland.
1.1 Das Verhältnis der Ottonen gegenüber den älteren karolingischen Klöstern
Zunächst empfiehlt es sich einen kurzen Blick auf das generelle Verhältnis der Ottonen zu den Karolingern zu werfen. Um die Jahrtausendwende existierte das Gesamtfrankenreich lediglich noch als Schatten seiner selbst im Bewusstsein und Handeln verschiedener politischer Gemeinschaften. 3 Jedoch hinterließen die Karolinger den Franken neben einer ausgeprägten Reichsstruktur auch eine Reichskirche, welche sich durch ein hohes Maß an Organisation und innerer Differenzierung auszeichnete. Dies galt ebenso für das Klosterwesen. Die Großklöster wie Corvey und andere hatten sich als Zentren kulturellen Lebens etabliert. Zur Zeit Heinrichs I. rangierten die Bedeutung der Reichsäbte, von ihrer Bedeutung her betrachtet, und die von ihnen geführten Klöster, auf relativ niedrigem Niveau. Nur selten waren Reichsäbte am Hof des Herrschers anzutreffen. 4 Dies änderte sich mit der Regierungszeit Otto I. Unter ihm wurden die sächsisch-fränkischen Reichsabteien recht schnell mittels Privilegierungen an das Königtum gebunden. Des Weiteren erfolgte eine Einbindung der führenden Abteien, so auch Corvey, in die politischen Vorgänge der Zeit. Einen besonderen Ausdruck fand dies im Ereignis der Inhaftierung des Bischofs Ruthard von Straßburg in Corvey, unter dem seinerzeit vorstehenden Abt Folkmar, im Jahr 930/940. 5 Dieser Vorgang stellte insofern etwas besonderes dar, da die Inhaftierung in Klöstern, mit dem Ende der karolingischen Zeit, bei den Ottonen nicht mehr gängige Praxis war. Hier
3 Vgl.: REUTER, Timothy: Ottonische Neuanfänge und karolingische Tradition. In: PUHLE, Matthias (Hrsg.): Otto der Grosse, Magdeburg und Europa. Katalog der 27. Ausstellung des Europarates und Landesausstellung Sachsen-Anhalt. Band 1. Essays. Verlag Philipp von Zabern. Mainz am Rhein. 2001. S. 180-181
4 VOGHTHERR, Thomas: Die Reichsabteien der Benediktiner und das Königtum im hohen Mittelalter (900-1125). In: SCHNEIDMÜLLER, Bernd/ WEINFURTER, Stefan (Hrsg.): Mittelalter-Forschungen. Band 5. Stuttgart. 2000. S. 276
5 VOGHTHERR, Thomas: Die Reichsabteien der Benediktiner und das Königtum im hohen Mittelalter (900-1125). In: SCHNEIDMÜLLER, Bernd/ WEINFURTER, Stefan (Hrsg.): Mittelalter-Forschungen. Band 5. Stuttgart. 2000. S. 277
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jedoch ist sie Ausdruck für die Königsnähe des Klosters. König beschreibt das Verhältnis der Ottonen zu den älteren karolingischen Klöstern wie folgt: „Die Ottonen waren zwar an freundschaftlichen Beziehungen zu Corvey interessiert, besaßen aber weniger enge familiäre Bindungen an diese karolingische Klostergründung (…).“ 6 Zusammenfassend lässt sich hierzu kurz bemerken, dass die Ottonen sich mit dem Erbe der Karolinger zwar nicht hundertprozentig identifizieren wollten, da man danach strebte eine eigene Note in punkto Herrschaft und Reichspolitik zu entwickeln. 7 Jedoch erkannte man die Gewichtung, der von den Karolingern hinterlassenen Reichsstrukturen, wie auch die Bedeutung der Reichsklöster und versuchte diese, mittels Privilegien und anderen Mitteln an das ottonische Herrscherhaus zu binden und für sich zu nutzen.
6 KÖNIG, Andreas/RABE, Holger/STREICH, Gerhard: Höxter. Geschichte einer westfälischen Stadt. Bd.1. Höxter und Corvey im Früh- und Hochmittelalter. Hannover. 2003. S.83
7 Vgl.: REUTER, Timothy: Ottonische Neuanfänge und karolingische Tradition. In: PUHLE, Matthias (Hrsg.): Otto der Grosse, Magdeburg und Europa. Katalog der 27. Ausstellung des Europarates und Landesausstellung Sachsen-Anhalt. Band 1. Essays. Verlag Philipp von Zabern. Mainz am Rhein. 2001. S. 186-187
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2. Das Kloster Corvey - Historie zu dessen Gründung und Aufstieg
Im Zuge der Missionierung Sachsens vermied das karolingische Reich eine einheitliche Kirchenprovinz für ganz Sachsen zu errichten. Im Zuge der Missionierung war Karl der Große bestrebt, im eroberten Sachsenland ein großes Reichskloster zu errichten, nach dem Vorbild der großen fränkischen Abteien, welches als neues religiöses und kulturelles Zentrum fungieren sollte. 8 Jedoch sollte es dem Kaiser nicht mehr gelingen, dieses Vorhaben durch zu führen, da er im Jahre 814 verstarb. Dem Tod Karls des Großen vorangegangen war jedoch eine Initiative des westfränkischen Reichsklosters Corbie an der Somme, unter dessen Abt Adalhart dem Älteren und dessen sächsischen Halbbruder Wala, welche beide Vettern Karls des Großen und sächsische Mönchen waren, im Hinblick auf die mögliche Gründung eines Filialklosters auf sächsischen Boden.
Nachdem im 9. Jahrhundert die Aufteilung Sachsens in Bistümer erfolgt war und der Sohn Karls des Großen, Ludwig der Fromme, den Thron seines verstorbenen Vaters bestiegen hatte, stand der Realisierung des Vorhabens nichts mehr im Weg.
Im Verlauf der Reichsversammlung zu Paderborn im Jahre 815, erging der Beschluss Ludwigs des Frommen, unter Zustimmung des zuständigen Diöszesanbischofs Hathumar, das Gründungsvorhaben umzusetzen. 9
Infolge dessen kam es im Jahre 814/815 zur Entsendung einer Gruppe, mit der Sachsenmission betrauten Mönchen, welche dem großen westfränkischen Kloster Corbie an der Somme entstammten, in das Gebiet an der Oberweser. Im Jahre 816 gründeten diese Mönche, auf dem Besitz ihres Mutterklosters in Hethi (mit der Kirche St. Martin) (bei Neuhaus im Hochsolling), eine Propstei (heutiger Solingerwald). Die Standortwahl sollte sich jedoch als fehlerhaft erweisen 10 , woraufhin es im Jahre 822, mit kaiserlicher Einwilligung, zur Umsiedlung der Mönche nach Corvey, bei Höxter, kam und die Abtei unter neuem Namen (Neu-)Corbie errichtet wurde (Seinen Namen erhielt die Reichsabtei von seinem Mutterkloster Corbie, das auf lateinisch „Corbeia“ hieß. Aus „Corbeia Nova“ - dem „neuen Corbie“ wurde schließlich der Name Corvey). Am 6. August des Jahres 822 kam es dann zur feierlichen Grundsteinlegung des neuen Klosters. Ludwig der Fromme schenkte der
8 Vgl.: STEPHAN: Die Reichsabtei Corvey - Geschichte und Archäologie. S. 80
9 Vgl.: KÖNIG, Andreas/RABE, Holger/STREICH, Gerhard: Höxter. Geschichte einer westfälischen Stadt. Bd.1. Höxter und Corvey im Früh- und Hochmittelalter. Hannover. 2003. S.40 ff.
10 KRÜGER, Karl Heinrich: Studien zur Corveyer Gründungsüberlieferung. (Veröffentlichungen der Historischen Kommission Westfalen 10, Abhandlungen zur Corveyer Geschichtsschreibung 9) Münster. 2001.
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Christian Alexander Klinke, 2004, Ottonische Klöster - Die Weserabtei Corvey - Ein karolingisches Gründungskloster im Wandel der ottonischen Zeit, München, GRIN Verlag GmbH
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