Inhaltsverzeichnis:
Einleitung 3
1. Bildsamkeit 4
2. Selbsttätigkeit 7
3. Sprache und pädagogische Kunst 9
Literatur: 9
Einleitung
Doktor Dietrich Benner, zeitgenössischer Professor für Erziehungswissenschaft an
der Humboldt-Universität zu Berlin, untersucht in seinen Prinzipien pädagogischen
Denkens und Handelns den Zusammenhang konstitutiver und regulativer Prinzipien
derselben
Dabei geht Benner mit dem Anspruch an sein Thema, die pädagogischen
Professionen mit der pädagogischen Praxis und anderen Praxen zu konfrontieren und
deren Beziehungen offen zu legen, und nicht, wie häufig geschehen, die Pädagogik
isoliert zu betrachten, pädagogische Professionen auseinander zu differenzieren und
losgelöst von anderen Bereichen zu betrachten
Benner benutzt bewusst den Terminus pädagogisches Denken und Handeln, um klar
aufzuzeigen, dass für ihn Theorie und Praxis des Unterrichtens und Erziehens und
des Nachdenkens darüber zusammenhängen und einander bedingen
Er stellt vier Prinzipien des pädagogischen Denken und Handelns vor, die er in
konstitutive, also begründende bzw. grundlegende Prinzipien, und in regulative,
somit steuernde und ausgleichende Prinzipien unterscheidet
Zu den konstitutiven Prinzipien gehören die Bildsamkeit und die Aufforderung zur
Selbsttätigkeit, die hier noch weiter ausgeführt und behandelt werden, zu den
regulativen Prinzipien gehört die Überführung gesellschaftlicher in pädagogische
Determination sowie die „Ausrichtung der menschlichen Gesamtpraxis an der
Aufgabe einer nicht-hierarchischen und nicht-teleologischen Verhältnisbestimmung
der Einzelpraxen ausdifferenzierter Humanität“
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Auf die erstgenannten, kons titutiven Prinzipien werde ich im folgenden näher eingehen.
1. Bildsamkeit
Bildsamkeit und Aufforderung zur Selbsttätigkeit wurden im achtzehnten und zu Beginn des neunzehnten Jahrhunderts formuliert, aber, so Benner, sie sind so fundamental, dass sie schon mit Beginn des Menschen existent waren. Benner sagt sogar: „Die pädagogische Praxis ist ebenso wenig wie die anderen Praxen eine Erfindung des Menschen, sondern konstitutiv für die menschliche Koexistenz“.
Er spricht von einer „übergeschichtliche(n) Geltung eines historischen Aprioris“, und meint damit, dass nicht erst die Erkenntnis und Ausformulierung der Begrifflichkeiten um die Erziehung die Erziehung geschaffen hat, sondern dass sie eine grundlegende Eigenschaft des Menschseins ist; eine Zukunft ohne Pädagogik sei eine Zukunft ohne Menschen.
Dies gelte nicht im gleichen Maße für die anfänglich genannten regulativen Prinzipien.
Zur Historie der konstitutiven Prinzipien, der Bildsamkeit und der Aufforderung zur Selbsttätigkeit, führt Benner weiter a us, dass deren begriffliche Formulierung maßgeblich mit der Frage der Freiheit und Gleichheit zusammenhängt. In einer Gesellschaft der ständischen Hierarchie gibt es jedoch keine individuelle Gleichheit, und schon gar keine Freiheit, da jedes Menschen Schicksal festgelegt und gottgewollt ist.
In einer bürgerlichen Gesellschaft freier, brüderlicher und gleicher Menschen aber gilt es ungleichen Individuen durch Leistungsförderung zur Leistungsfähigkeit zu verhelfen, zur Chance auf Gleichheit.
Zu den politischen, ökonomischen und ethischen kam jetzt die pädagogische Diskussion.
Es stellte sich zunächst die Frage, ob die Menschen denn von Natur aus gleich oder ungleich seien, ob sie anlagedeterminiert oder umweltdeterminiert seien, und in
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Folge formulierte die bürgerliche Pädagogik die Prinzipien der Bildsamkeit und der Aufforderung zur Selbsttätigkeit.
Benner führt weiter aus, dass die Frage nach Anlage- oder Umweltprägung des Individuums nicht entscheidbar und daher unfruchtbar ist, da sie die geschichtliche Erfahrung, dass der Mensch erst durch seine Erziehung seine Bestimmtheit erlangt, ignoriert.
Die Position, welche die anlagebedingte Gleichheit des Menschen vertritt ist, wird als pädagogisch-naive bezeichnet; die Position der anlagebedingten Ungleichheit wird von der politisch-pragmatischen Seite vertreten.
Sowohl der Standpunkt der Anlagedetermination als auch der Standpunkt Umweltdetermination widersprechen pädagogischem Denken und Handeln, da der Weg des zu erziehenden Individuums vorgezeichnet wäre. Die pädagogischen Prinzipien der Bildsamkeit und der Aufforderung zur Selbsttätigkeit wären ohne Bestand, denn wie ließe sich die Bildsamkeit als Bestimmtsein des Menschen zu produktiver Freiheit, Geschichtlichkeit und Sprache und der Aufforderung zur Selbsttätigkeit verwirklichen, wenn der Lebensweg des Zöglings vorbestimmt ist?
Der Mensch wird aber durch Erziehung erst zum Menschen, wie schon Rousseau, Kant, Fichte und andere erkannten, und nicht durch seine Umwelt- oder Anlagen-Determiniertheit. Die Pädagogik würde den Prinzipien der Bildsamkeit und der Aufforderung zur Selbsttätigkeit nicht nachkommen können.
Benner schreibt: „Wer unter den Kategorien einer Anlagebedingtheit und Umweltbedingtheit pädagogische Prozesse analysiert, unterstellt damit ja immer schon, die Bestimmtheit, die Menschen erlangen, sei ein Resultat gewisser, teils von den Anlagen, teils von der Umwelt ausgehender Einflüsse und Wirkungen“. Weil aber die Bestimmtheit des Menschen erst durch das Wirken der Menschen auf den Menschen h ervorgebracht wird, kann man nicht auf Anlagen und Umwelt zurückschließen.
Daher, so Benner, ist die menschliche Wirken und somit die pädagogische ein geschichtliches Apriori aller Bestimmtheiten des Menschen:
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Frank Christian Petersen, 2002, Eine systematisch-problemgeschichtliche Einführung in die Grundstrukturen des pädagogischen Denken und Handelns, Munich, GRIN Publishing GmbH
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