Inhaltsangabe
1 Einleitung 1
2 Politik als Beruf: Die Rede 1
2.1 Politik, Staat 2
2.2 Macht, Herrschaft 2
2.3 Politik als Beruf 3
2.4 Verwaltung 3
2.5 Berufspolitiker 4
2.6 Politischer Betrieb, ökonomischer Aspekt 5
2.7 Beamtentum, Selbstherrschaft, Parlament, leitende Politiker 5
2.8 Berufspolitiker, Haupttypen 6
2.9 Parteibeamte, Parteiwesen 7
2.10 Ethik 8
3 Die soziologische Analyse 11
3.1 „Äußere“ Betrachtung 11
3.1.1 Entwicklungsgeschichtliches Verstehen und Deuten 11
3.1.2 kulturelle Vergleiche 11
3.1.3 Idealtypen 12
3.2 „Innere“ Betrachtung 12
4 Die historische Quelle 13
5 Zusammenfassung und Frage nach der Aktualität des Textes 14
6 Literatur 16
Politik als Beruf
1 Einleitung
Ende des 19. Jahrhunderts verwandeln sich die deutschen Universitäten in spezialisierte Großbetriebe. Gegen die einseitige Anpassung des Studiums an die Erfordernisse des Berufslebens protestieren u. a. die sogenannten „Freistudenten“, die sich einem ganzheitlichen Bildungsideal verpflichtet fühlen. In diesem Zusammenhang laden sie zu einer Vortragsreihe über „Geistige Arbeit als Beruf“, für die Max Weber als Referent gewonnen wird. Seine zweite Rede, gehalten am 28.1.1919 in München, widmet er der „Politik als Beruf“.
Die sich abzeichnende Niederlage des Deutschen Reiches im Ersten Weltkrieg bzw. die chaotischen Situation der unmittelbaren Nachkriegszeit bilden unüberhörbar den zeitgeschichtlichen Hintergrund seiner Stellungnahmen. Auch die für die vorliegende Hausarbeit relevante politische Situation Deutschlands ist geprägt von zunehmender Komplexität moderner Lebensweisen, die ihren Ausdruck in Rationalisierung, Bürokratisierung und Demokratisierung finden. Max Weber sieht die Gelegenheit der Stunde als „illusionsloser wie engagierter Anwalt intellektueller Redlichkeit“ 1 die gewachsene Situation „wissenschaftlich“ zu analysieren, um dann, zumindest formal, normative Aussagen über politisches Handeln zu formulieren. Er bezieht Stellung und provoziert das Publikum zu eigener Stellungnahme.
Erkenntnisleitende Fragestellungen der vorliegenden Arbeit werden neben dem Inhalt der Rede „Politik als Beruf“ Webers sozialwissenschaftliche Vorgehensweise aber auch die Qualitäten des Textes als historische Quelle sein. Wie argumentiert Max Weber, wie belegt er seine Thesen? Formuliert er eventuell eine Theorie? Die Frage nach Methoden, Paradigmen, Schwerpunkten Perspektiven und nicht zuletzt Motivationen seiner Überlegungen? In wie weit übt sich Max Weber selbst als Historiker und nimmt so Einfluß auf das Selbstverständnis der Geschichtswissenschaft? In wie weit und unter welchen Bedingungen können Aussagen über die beschriebene Zeit extrahiert werden?
Beide Vorträge, „Wissenschaft als Beruf“ als auch „Politik als Beruf“ gelten seit langem als einzigartige und entsprechend viel diskutierte, zum Teil polarisierende Beiträge zur Analyse der theoretischen und praktischen Aspekte neuzeitlicher Rationalität 2 . Bei mancher Verstaubtheit verspürt der Leser eine tiefe persönliche und gesellschaftliche Aktualität.
2 Politik als Beruf: Die Rede
Bei der allgemeinen Frage, was Politik als Beruf ist und was es bedeuten kann, geht es vom Standpunkt einer soziologischen Betrachtung explizit nicht um Art oder Inhalt, um moralische Aspekte politischen Handelns.
1 Jakob Ossner, Michael Rumpf, Joachim Vahland (Hg.), Weber: Wissenschaft als Beruf, Politik als Beruf, Stuttgart
1995, S.4
2 auf die Debatte der einzelnen Interpretationen, v.a. der ethischen Dimensionen, soll jedoch nicht eingegangen werden
Politik als Beruf
2.1 Politik, Staat
Wird Politik im weitesten als „jede Art selbständig leitender Tätigkeit“ 3 verstanden,
konzentriert sich die Betrachtung ausschließlich auf die „Leitung oder die Beeinflussung der Leitung eines politischen Verbandes, heute also: eines Staates“ 4 .
Der „Staat“ aber läßt sich soziologisch nur definieren aus einem Mittel, das ihm „eignet“ 5 :
der physischen Gewaltsamkeit. „Gewaltsamkeit ist natürlich nicht etwa das normale oder einzige Mittel des Staates: - davon ist keine Rede -, wohl aber: das ihm spezifische.“ 6 Das
der Gegenwart spezifische wiederum ist der Staat als „alleinige Quelle des „Rechts“ auf Gewaltsamkeit“ 7 . Somit ist Staat „diejenige menschliche Gemeinschaft, welche innerhalb
eines bestimmten Gebietes - dies: das „Gebiet“ gehört zum Merkmal - das Monopol legitimer physi scher Gewaltsamkeit für sich (mit Erfolg) beansprucht“ 8
2.2 Macht, Herrschaft
„Politik“ als Leitung oder Beeinflussung der Leitung eines solchen „Staates“ heißt also: „Streben nach Machtanteil oder nach Beeinflussung der Machtverteilung, sei es zwischen Staaten, sei es innerhalb eines Staates zwischen den Menschengruppen, die er umschließt.“ 9
So stehen hinter einer „politischen„ Frage, „politischen“ Menschen oder „politischem“ Handeln nach Max Weber immer „Machtverteilungs-, Machterhaltungs- oder Machtverschiebungsinteressen“ 10 . „Wer Politik treibt, erstrebt Macht, - Macht entweder als
Mittel im Dienst anderer Ziele - idealer oder egoistischer - oder Macht „um i hrer selbst willen“: um das Prestigegefühl, das sie gibt, zu genießen.“ 11
Wenn so der Staat „ein auf das Mittel der legitimen (das heißt: als legitim angesehenen) Gewaltsamkeit gestütztes Herrschaftsverhältnis von Menschen über Menschen“ 12
ist, auf welche inneren Rechtfertigungsgründe und auf welche äußeren Mittel stützt sich diese Herrschaft? Oder anders gefragt: W arum fügen sich die beherrschten Menschen in die Autorität der Herrschenden, wie kann dieses System funktionieren?
Auf der Suche nach „Legitimitätsgründen einer Herrschaft“ 13 arbeitet Weber derer drei heraus. „Traditionale“ Herrschaft kraft Autorität des „ewig Gestrigen“ 14 , „charismatische“
3 Max Weber, Politik als Beruf, aus Jakob Ossner, Michael Rumpf, Joachim Vahland (Hg.), Weber: Wissenschaft als Beruf, Politik als Beruf, Stuttgart, 1995, S.29
4 ebenda, Max Weber grenzt ab und schließt aus seinen Betrachtungen aus: z.B. Devisenpolitik, Schulpolitik, u.a.m.
5 ebenda
6 ebenda
7 ebenda
8 ebenda, S. 30
9 ebenda
10 ebenda
11 ebenda
12 ebenda
13 ebenda
14 ebenda
Politik als Beruf
Herrschaft kraft Autorität einer „außeralltäglichen persönlichen Gnadengabe“ 15 und
Herrschaft kraft „Legalität“ im Glauben an die „Geltung legaler Satzung und der durch rational geschaffene Regeln begründeten sachlichen „Kompetenz“ 16 . Dieser dritte Typ
von Herrschaft ist es, den der moderne „Staatsdiener“ ausübt.
Auf der Suche nach der verborgenen Struktur der Herrschaft begnügt sich Max Weber mit diesen drei „reinen“ Typen. 17
2.3 Politik als Beruf
Um den „Gedanken des Berufes“ 18 zu verfolgen stellt er die Herrschaft kraft Hingabe der
Gehorchenden an das rein persönliche „Charisma“ des „Führers“ in den Mittelpunkt seiner
Überlegungen. Der Führer gilt als persönlich innerlich „berufene“ Leiter der Menschen, seiner
Person und ihren Qualitäten gilt die Fügsamkeit oder Hingabe seines Anhanges weder kraft Sitte oder Satzung, noch aufgrund des“ Werkes“ nachdem dieser „trachtet“ 19 , sondern weil sie
an ihn glauben. Dabei wiederum liegt das Hauptaugenmerk auf dem „politischen“ Führertum in der Gestalt des freien „Demagogen“, und des parlamentarischen „Parteiführers“. 20
Doch: Wie fangen die politisch herrschenden Gewalten es an, sich in ihrer Herrschaft zu
behaupten? Die Frage gilt für jede Art von Herrschaft, also auch für die politische Herrschaft
in allen ihren Formen: für die traditionale ebenso wie für die legale und die charismatische.
2.4 Verwaltung
Jeder Herrschaftsbetrieb benötigt einen personalen Verwaltungsstab und sachliche
Verwaltungsmittel. Zur Garantie des Gehorsams gegenüber jegliche n Herren kommen zwei Mittel, welche an das „persönliche Interesse“ appellieren, ins Spiel 21 : Materielles Entgelt und
soziale Ehre 22 . Die Notwendigkeit materieller äußerer Sachgüter ist jeder Herrschaft mit
einem wirtschaftlichen Betrieb gemein, wenn es um das eigene Bestehen geht.
Staatsordnungen lassen sich nun in diesem Zusammenhang in zwei Kathegorien einteilen: Entweder der Verwaltungsstab ist im eigenen Besitz der Verwaltungsmittel 23 oder der
Verwaltungsstab ist von den Mitteln getrennt. 24 Dieser Unterschied, konstatiert Max Weber,
geht durch alle Verwaltungsorganisationen der Vergangenheit hindurch. Während im
15 ebenda
16 Max Weber, Politik als Beruf, aus Jakob Ossner, Michael Rumpf, Joachim Vahland (Hg.), Weber: Wissenschaft als Beruf, Politik als Beruf, Stuttgart, 1995, S.31
17 wiederum werden abgegrenzt und aus der Betrachtung ausgeschlossen z.B Motive der Furcht und der Hoffnung -Furcht vor der Rache magischer Mächte oder des Machthabers, Hoffnung auf jenseitigen oder diesseitigen Lohn
18 ebenda
19 vgl. ebenda
20 abgegrenzt und aus der Betrachtung ausgeschlossen werden z.B. Magier und Propheten, gekorene Kriegsfürsten, Bandenführer, Kondottiere, vgl. ebenda
21 ebenda, S.32
22 Max Weber führt als Beispiele an: Lehen der Vasallen, Pfründen der Patrimonialbeamten, Gehalt der modernen Staatsdiener, - Ritterehre, ständische Privilegien, Beamtenehre; Kriegsehre und Beute für die kriegerische, die „spoils“: Ausbeutung der Beherrschten durch Ämtermonopol, politisch bedingte Profite und Eitelkeitsprämien
23 Max Weber führt als Beispiele an: Geld, Gebäude, Kriegsmaterial, Wagenparks, Pferde
24 in Analogie der Trennung des Proletariers im kapitalistischen Betrieb von den Produktionsmitteln, vgl. ebenda
Arbeit zitieren:
Joachim Klenk, 2003, Max Weber: Politik als Beruf, München, GRIN Verlag GmbH
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