Inhaltsverzeichnis
1. Intro 3
2. „Ohne Moos nix los.“ 3
Kinderarmut in Deutschland - Grundlage einer medialen
Klassengesellschaft. 3
2.1 Relative Einkommensarmut 5
2.2 Sozialhilfe oder der Zusammenhang von Ursache und Wirkung 6
3. Gleicher als die anderen 8
PISA und die Armutskarrieren 8
4. Besondere Aspekte der Studie „Medienpädagogik und
soziokulturelle Unterschiede“ 12
5. Outro 15
6. Literaturverzeichnis 16
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1. Intro
Neben besonders gefährdeten Gruppen wie den Familien mit Migrationshintergrund, Behinderten, Alleinerziehenden und Langzeitarbeitslosen werde ich im Interesse des Themas ausschließlich auf die Hauptbetroffenen und zugleich die größte Gruppe der in Armut aufwachsenden Bevölkerungsgruppe eingehen, die Kinder und Jugendlichen unter 18 Jahren. Den folgenden Ausführungen möchte ich jedoch voranstellen, die Armut von Kindern nicht zu instrumentalisieren. D.h. die Aufteilung in „würdige“ und „unwürdige“ Arme künstlich und politisch manipulativ vorzunehmen, also die Armut der Kinder im Vergleich zu den Wohnungslosen, den Langzeitarbeitslosen etc. (vgl. Weiß, 2001, S.351). Armut kennt keine Grenzen und unsere Solidarität mit den Armen und sozial Benachteiligten weltweit darf nicht in eine ideologische Sackgasse laufen. Eine andere Welt ist möglich!
2. „Ohne Moos nix los.“
Kinderarmut in Deutschland - Grundlage einer medialen Klassengesellschaft
Kinderarmut in Deutschland hat viele Gesichter. So berichtet der 14jährige Daniel über Problemstellungen, die anderen Kindern in seinem Alter unbekannt sind. „Ab Mitte des Monats überlegen wir zu Hause, woher wir jetzt Geld bekommen, bei wem wir etwas borgen könnten. In den ersten Wochen ist meist noch Zitronentee da, in der zweiten Hälfte des Monats gibt es nur noch einfachen Tee oder Sirup mit Wasser. Es wird kein Fleisch mehr gekauft. Ich merke, dass bei meiner Mutter die Stimmung runter geht. Sie ist bedrückt, behält das aber für sich, weil sie so ein Mensch ist, der mit Problemen gern selber fertig wird“ (Daniel zit. in Hering und Lehmann, 2001, S.25).
Kinder mit zerschlissenen Klamotten, ohne Frühstück und Pausengeld, die nötige Sorgfalt beim Umgang mit ihren Schulsachen vermissend, sind meist Indizien für eine „verarmte Kindheit“. Für pädagogische Fachkräfte (ErzieherInnen, SozialpädagogInnen, LehrerInnen etc.) in den Einrichtungen der Grund-, Haupt- und Sonderschulen, wie auch in den Freizeitheimen und Spielhäusern gehören diese Eindrücke und Momentaufnahmen immer mehr zum alltäglichen Bild. Kindergarten- und Hortbesuch sind für viele Kinder aus einkommensschwachen Familien kaum mehr möglich. Das Spielhaus, in dem ich als Erzieher arbeite, verfolgt deshalb eine offene Konzeption, d.h. unsere Angebote können von allen
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Kindern wahrgenommen werden, die sich auf dem angrenzenden, öffentlichen Spielplatz aufhalten.
Hatte man in Deutschland noch bis in die 60iger Jahre hinein mit den Folgen von Armut im Alter (>65 Jahre) zu kämpfen, so machen diese heute den geringsten Anteil der Bedürftigen in Deutschland aus. Die Armut von Kindern und Jugendlichen wächst jedoch seit den 80er Jahren im Vergleich dazu kontinuierlich an. Die Armutsquote 1 für die über 65jährigen betrug 1998 5,2% im Westen und 0,9% im Osten Deutschlands (Klocke, 2001, S.5). Hurrelmann und Klocke gehen davon aus, dass zurzeit ca. 2,8 Millionen Kinder in Deutschland in einkommensschwachen Familien aufwachsen. D.h. damit wächst jedes fünfte Kind und jeder fünfte Jugendliche bis zu 15 Jahren in (Einkommens-) Armut auf, Tendenz steigend. Die Zahl der in Deutschland lebenden Straßenkinder, die in absoluter Armut „vegetieren“ wird auf 50.000 geschätzt (vgl. Klocke und Hurrelmann, 1998, S.7f.). Bereits heute sind mehr als 1/3 (37%) der Sozialhilfeempfänger in Deutschland Kinder (vgl. Toppe, 2001, S.16). Das Sozialhilferisiko der Kinder liegt damit doppelt so hoch, wie das der Bevölkerung im erwerbsfähigen Alter und mehr als viermal so hoch, wie bei den über 65jährigen (vgl. Buhr, 1998, S.72). Die Armutslage der Kinder und Jugendlichen ist so gravierend, dass sich in der hiesigen Fachliteratur der Terminus „Infantilisierung der Armut“ festgesetzt hat (vgl. Toppe, 2001, S.16).
Genauso wie der Armutsbegriff selbst, ist auch die Eindeutigkeit der definierten Zielgruppe, der von Armut betroffenen von einer politisch normativ wertenden Form. Oder mit anderen Worten, je nach politischer Wetterlage wird auf diese oder jene Armutsdefinition verwiesen, aus der sich folglich dann diese oder jene absolute Zahl von „Bedürftigen“ ergibt. Um die manipulierenden, sozialwissenschaftlichen Definitionen und Fakten zu entschlüsseln und einen aktiv selbst regulierenden Meinungs- und Diskussionsprozess anzuregen, ist dafür m.E. eine kurze Aufstellung der wichtigsten Kriterien und Untersuchungen notwendig. Dies ist (m)ein Versuch, die pädagogische „Sprachlosigkeit“ zu überwinden (in Anlehnung an die Aufforderung von Kiper in Kiper, 2001, S.12).
1 Die Armutsquote bezieht sich auf die OECD Armutsdefinition des halbierten Äquivalenzeinkommens als Festsetzung einer relativen Einkommensarmut. (1998: 2073 DM => Armutsgrenze 1998: 1036 DM). Grundlage dafür ist das SOEP: Das
Sozioökonomische Panel, kurz SOEP genannt, ist eine seit 1984 jährlich stattfindende Umfrage, in der mehrere 1000
Haushalte befragt werden.
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2.1 Relative Einkommensarmut
Die Armutsdefinition der OECD orientiert sich am jeweiligen Ressourcenansatz, sprich am Durchschnittseinkommen der BürgerInnen eines Landes. Von relativer Einkommensarmut im Sinne der EU wird dann gesprochen, wenn das Nettoeinkommen einer Person weniger als die Hälfte des durchschnittlichen äquivalenzgewichteten Nettoeinkommens in der Bundesrepublik Deutschland beträgt. Das monatliche Haushaltsnettoeinkommen wird dabei in Beziehung zu der Anzahl und dem Alter der Haushaltsmitglieder gesetzt. Durch dieses arithmetische Mittel lassen sich unterschiedlich große Personenhaushalte miteinander vergleichen (vgl. Klocke, 2001, S.4). Der Personenfaktor (Äquivalenzskala nach David Piachaud) beträgt für die erste Person: 1, die zweite Person über 18 Jahre: 0,7, die Personen unter 18 Jahren: 0,5.
Nach diesem Ansatz lag der Prozentsatz der Einkommensarmen Bevölkerung in der Bundesrepublik Deutschland 1998 bei 9,4%. Differenziert nach Altersgruppen stellt man fest, dass der Anteil der unter 18 jährigen bei 15, 2% und damit am höchsten liegt (vgl. Klocke, 2001, S.5). Die Definition der relativen Einkommensarmut wird jedoch noch weiter ausdifferenziert. So spricht man bei einem Einkommen von weniger als 40 % des Äquivalenzeinkommens von „strenger Armut“, bei einem Einkommen von 50-75% des Äquivalenzeinkommens von „prekärem Wohlstand“.
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Arbeit zitieren:
Gesamtschullehrer Tobias Baron, 2004, Die neue mediale Klassengesellschaft. Kinderarmut und Neue Medien (Bildungspartizipation von Kindern aus sozial benachteiligten Familien), München, GRIN Verlag GmbH
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