Neben besonders gefährdeten Gruppen wie den Familien mit Migrationshintergrund, Behinderten, Alleinerziehenden und Langzeitarbeitslosen werde ich im Interesse des Themas ausschließlich auf die Hauptbetroffenen und zugleich die größte Gruppe der in Armut aufwachsenden Bevölkerungsgruppe eingehen, die Kinder und Jugendlichen unter 18 Jahren. Den folgenden Ausführungen möchte ich jedoch voranstellen, die Armut von Kindern nicht zu instrumentalisieren. D.h. die Aufteilung in „würdige“ und „unwürdige“ Arme künstlich und politisch manipulativ vorzunehmen, also die Armut der Kinder im Vergleich zu den Wohnungslosen, den Langzeitarbeitslosen etc. (vgl. Weiß, 2001, S.351). Armut kennt keine Grenzen und unsere Solidarität mit den Armen und sozial Benachteiligten weltweit darf nicht in eine ideologische Sackgasse laufen. Eine andere Welt ist möglich!
Inhaltsverzeichnis
1. Intro
2. „Ohne Moos nix los.“
Kinderarmut in Deutschland – Grundlage einer medialen Klassengesellschaft
2.1 Relative Einkommensarmut
2.2 Sozialhilfe oder der Zusammenhang von Ursache und Wirkung
3. Gleicher als die anderen!
PISA und die Armutskarrieren
4. Besondere Aspekte der Studie „Medienpädagogik und soziokulturelle Unterschiede“
5. Outro
6. Literaturverzeichnis
Zielsetzung und Themen
Die Arbeit untersucht den Zusammenhang zwischen Kinderarmut und Bildungschancen in Deutschland unter Berücksichtigung der Rolle neuer Medien. Im Fokus steht die Frage, wie soziale Herkunft und ökonomische Armut den Zugang zu Bildung sowie die medienpädagogische Förderung beeinflussen und ob das deutsche Schulsystem zur sozialen Segregation beiträgt.
- Dimensionen und Ausprägungen der Kinderarmut in Deutschland
- Einfluss sozioökonomischer Faktoren auf den Bildungserfolg
- Die Rolle des Schulsystems bei der sozialen und kulturellen Auslese
- Medienpädagogik als Schlüssel zur Teilhabe an der Informationsgesellschaft
- Pygmalion-Effekt und Lehrererwartungen bei sozial benachteiligten Kindern
Auszug aus dem Buch
Die mediale Klassengesellschaft
Die Autoren der Studie erkennen die Entwicklung einer „Klassengesellschaft neuen Typs“. Auf der einen Seite gibt es die Gymnasiasten, die bereits von zu Hause aus die Möglichkeit haben Computer, Digitalkamera und die Vorzüge des Internets zu nutzen, andererseits gibt es die HauptschülerInnen, die wenn sie im Besitz eines Computers sind, diesen hauptsächlich zum spielen hernehmen (vgl. Medienpäd. und soz.kult. Unterschiede, 2000, S.36) orientiert an der Nutzung der Eltern.
Sogar das PISA-Konsortium erkennt im „aktiv handlungsorientierten Umgang mit Medien“ eine Schlüsselkompetenz für die Teilnahme an der viel zitierten Informations- und Wissensgesellschaft, „die sich immer mehr als eine der zentralen Fähigkeiten im Berufsleben etabliert hat“ (PISA 2000 – Ein differenzierter Blick auf die Länder, 2003, S.35).
Die vom Konsortium verbreitete Interpretation ist weiter gefasst, so wird die Fähigkeit der SchülerInnen die neuen Medien als Lernmedien zu nutzen, in den kommenden Jahren zwingend über „die Modernität eines Bildungssystems“ entscheiden (ebd. S.35). Glücklicherweise zeigen die deutschen SchülerInnen ein reges Interesse im Umgang mit dem Computer, das laut Studie sogar weit über dem Durchschnitt der OECD-Staaten liegt. Bei den selbst eingestuften Fähigkeiten im handlungsorientierten Umgang jedoch, liegen die deutschen SchülerInnen auf dem vorletzten Platz. Besonders schlecht schneiden hier die Bundesländer Niedersachsen und Sachsen-Anhalt ab. Diese Diskrepanz wird darauf zurückgeführt, dass der Computer a) überwiegend zu Hause eingesetzt wird und b) dort auch nur als lustig blinkendes und sonderbar sprechendes Spielzeug genutzt wird. Die Förderung eines kompetenten Umgangs mit den neuen Medien an den deutschen Schulen, wird von dem PISA-Konsortium mit mangelhaft bewertet (ebd. S. 37).
Zusammenfassung der Kapitel
1. Intro: Einleitung in die Thematik der Kinderarmut mit dem Fokus auf die Notwendigkeit, Armut nicht zu instrumentalisieren.
2. „Ohne Moos nix los.“: Analyse der Definitionen von Kinderarmut und deren Folgen sowie der Bedeutung von Sozialhilfebezug.
2.1 Relative Einkommensarmut: Erläuterung des OECD-Ressourcenansatzes zur Bestimmung von Einkommensarmut.
2.2 Sozialhilfe oder der Zusammenhang von Ursache und Wirkung: Untersuchung des Sozialhilfegesetzes und der psychosozialen Auswirkungen auf betroffene Kinder.
3. Gleicher als die anderen!: Diskussion der PISA-Ergebnisse im Kontext von sozialer Bildungsauslese und Selektionsmechanismen.
4. Besondere Aspekte der Studie „Medienpädagogik und soziokulturelle Unterschiede“: Auswertung von Experteninterviews zur medienpädagogischen Praxis und digitalen Teilhabe.
5. Outro: Zusammenfassendes Plädoyer für ein Umdenken bei Lehrkräften im Umgang mit sozial benachteiligten Schülern.
6. Literaturverzeichnis: Auflistung der verwendeten Quellen und Studien.
Schlüsselwörter
Kinderarmut, soziale Herkunft, Bildungschancen, PISA-Studie, Medienpädagogik, soziale Segregation, relative Einkommensarmut, Chancengleichheit, Pygmalion-Effekt, digitale Kompetenz, Bildungssystem, Sozialisation, Informationsgesellschaft.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit beleuchtet die prekäre Lebenssituation von Kindern aus einkommensschwachen Familien in Deutschland und untersucht, wie diese soziale Benachteiligung durch das Schulsystem und mangelnde medienpädagogische Förderung weiter zementiert wird.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die zentralen Themen sind Kinderarmut, soziale Disparitäten im Bildungssystem, die Bedeutung von Medienkompetenz und die Auswirkungen pädagogischer Erwartungshaltungen auf den Schulerfolg.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist es, den Zusammenhang zwischen Armut und Bildungspartizipation aufzuzeigen und die Notwendigkeit einer aktiven, mediengestützten Förderung für sozial benachteiligte Kinder zu untermauern.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit stützt sich primär auf die Auswertung existierender Studien, insbesondere PISA-Berichte und medienpädagogische Forschungsarbeiten, ergänzt durch soziologische Fachliteratur.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil analysiert statistische Armutsdaten, die Rolle der Sozialhilfe, den Einfluss der sozialen Herkunft auf Bildungskarrieren und die Potenziale aktiver Medienarbeit.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind insbesondere Kinderarmut, soziale Segregation, Medienkompetenz und Bildungsungleichheit.
Inwiefern beeinflusst der „Pygmalion-Effekt“ die Situation?
Der Pygmalion-Effekt führt dazu, dass Lehrkräfte aufgrund von Vorurteilen über den sozialen Hintergrund eines Kindes negative Erwartungen hegen, welche sich durch das Verhalten der Lehrkraft schließlich tatsächlich als Prophezeiung erfüllen.
Was kritisiert der Autor an der schulischen Mediennutzung?
Der Autor kritisiert, dass Computer in Schulen oft nicht kompetenzorientiert als Lernwerkzeuge genutzt werden, sondern von Schülern zu Hause eher als oberflächliches Unterhaltungsmedium wahrgenommen werden, während eine gezielte Förderung fehlt.
- Quote paper
- Gesamtschullehrer Tobias Baron (Author), 2004, Die neue mediale Klassengesellschaft. Kinderarmut und Neue Medien (Bildungspartizipation von Kindern aus sozial benachteiligten Familien), Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/32677