Theodor Storms Gedichtpoetik
zum Seminar Lyrik des 19. Jahrhunderts
an der
Universität-Gesamthochschule Essen
von
Max Borkowski
15.03.2000
Inhalt
1. Einführung ... 2
2. Lyrik im 19. Jahrhundert ... 6
3. Storms Lyriktheorie ... 11
4. Gedichtbeispiele ... 21
4.1 Hyazinthen ... 24
4.2 Oktoberlied ... 26
5. Fazit ... 28
6. Abkürzungsverzeichnis ... 30
7. Literaturverzeichnis ... 30
1. Einführung
Das lyrische Werk Theodor Storms ist, verglichen mit anderen Dichtern seiner Zeit, von recht geringem Umfang. Während er über die gesamte Dauer seines Schaffens hinweg, wie auch nach seinem Tode, vordergründig als Novellist zur Kenntnis genommen wurde und noch wird, so steht dies ganz im Gegensatz zu dem Bild, welches Storm von sich selbst als Schriftsteller hatte. ,,Meine Novellistik ist aus meiner Lyrik erwachsen [...]" schreibt er 1882 an den Literaturwissenschaftler Erich Schmidt.1 In einem Brief an Eduard Mörike äußert Storm folgende Selbsteinschätzung:
,,Sobald ich recht bewegt werde, bedarf ich der gebundnen Form. Daher ging von allem was an Leidenschaftlichem und Herbem, an Charakter und Humor in mir ist, die Spuhr meist nur in die Gedichte hinein. In der Prosa ruhte ich mich aus von den Erregungen des Tages; dort suchte ich grüne, stille Sommereinsamkeit."2
In diesem Sinne hat sich Storm mehrfach verschiedenen Briefpartnern gegenüber ausgesprochen. In einem Brief an Klaus Groth schreibt er sieben Jahre später:
,,Ich bin mir dessen klar genug bewußt, daß mein Talent eigentlich ein rein lyrisches ist [...]; was an Leidenschaft, Humor, Charackter in mir ist, spricht sich vorzugsweise, jedenfalls vollständig nur in den Gedichten aus."3
Dieses seine dichterische Veranlagung betreffende Urteil, welches Storm erstmals im reifen Alter von 38 Jahren artikuliert, legitimiert sich durch die Betrachtung seines schriftstellerischen Werdegangs.
Storm, am 14. September 1817 in Husum geboren, kam während seiner Jugendzeit in Husum nur in spärlichen Kontakt mit den Werken deutscher Dichter.4 Nach dem Abschluß an der Husumer Gelehrtenschule 1835 besuchte er auf Wunsch seines Vaters, des Advokaten Johann Kasimir Storm, eineinhalb Jahre das Lübecker Katharineum, bevor er sein Studium an der Kieler Universität aufnahm. In Lübeck, welches für Storm nach dem Leben im provinziellen Husum weltstädtischen Charakter gehabt haben muß, kam er erstmals mit aktueller deutscher Literatur in Form von Heine, Goethe und Eichendorff in Berührung:
,,Erst auf dem Lübecker Gymnasium [...] las ich Goethes ,Faust′ und Heines ,Buch der Lieder′, und mir war dabei, als seien durch diese beiden Zauberbücher doch erst die Pforten der deutschen Dichtung vor mir aufgesprungen."5
Besonders Heine, dessen vollendete Fähigkeit Form und Inhalt in Einklang zu bringen Storm zeit seines Lebens bewundert hat,6 war für Storms frühe lyrische Versuche, allerdings auch für sein lyrisches Gesamtwerk, von prägender Bedeutung. Doch auch Eichendorff und nicht zuletzt Goethe ließen den jungen Storm nicht unberührt. Storm selbst verpflichtete sich durch den Ausspruch ,,Jedes lyrische Gedicht soll Gelegenheitsgedicht im höhern Sinne sein [...]."7 schließlich auch der Tradition der Goetheschen Lyrik, was der zeitgenössische Zeitungsredakteur Oskar Horn in einer die ,,Zerstreuten Blätter" von Storm betreffenden Rezension hervorhebt.8
1 Theodor Storm, Theodor Storm - Erich Schmidt: Briefwechsel in zwei Bänden. Krit. Ausg., hrsg. v. K. E. Laage. Berlin: E. Schmidt, 1976. Bd. 2, S. 57.
2 Theodor Storm, Briefwechsel Theodor Storm - Eduard Mörike; Theodor Storm - Margarethe Mörike. Krit. Ausg., hrsg. v. Hildburg u. Werner Kohlschmidt. Berlin: E. Schmidt, 1978. S. 63.
3 Theodor Storm, Briefwechsel Theodor Storm - Klaus Groth. Krit. Ausg., hrsg. v. Boy Hinrichs. Berlin: E. Schmidt, 1990. S. 34.
4 Vgl. Theodor Storm, Sämtliche Werke in vier Bänden, Bd. 4, 8. Auflage. Hrsg. v. Peter Goldammer. Berlin: Aufbau-Verlag, 1995. S. 552. Im Folgenden zitiert als ,,S. W."
5 ebd. S. 503.
6 Vgl. Theodor Storm, Briefwechsel Theodor Storm - Hartmuth u. Laura Brinkmann. Krit. Ausg., hrsg. v. August Stahl. Berlin: E. Schmidt, 1986. S. 57 ff.
7 ebd. S. 72.
8 ebd. S. 215.
Arbeit zitieren:
Max Borkowski, 2000, Theodor Storms Gedichtpoetik, München, GRIN Verlag GmbH
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