Fertigungswirtschaft 3
Skript
Dipl. Wirt.-Ing. Rolf Mohr
1 Die Organisation der Arbeitsvorbereitung
1.1 Das Wesen der Arbeitsvorbereitung
1.2 Die Fertigungsplanung
1.2.1 Die Arbeitsplanung
1.2.2 Der Arbeitsplan
1.2.3 Die Organisation der Arbeitsplanung
1.2.4 Die Betriebsmittelplanung
1.2.5 Die Kapazitätsplanung
1.2.6 Die Materialbedarfsplanung
1.3 Die Fertigungssteuerung
1.3.1 Die Disposition (Veranlassung)
1.3.2 Kapazitätsauslastung und Terminüberwachung
2 Netzplantechnik als terminliches Planungs- und Überwachungsinstrument der Produktion
2.1 Bedeutung der Netzplantechnik in der Fertigungswirtschaft
2.2 Grundbegriffe der Netzplantechnik
2.2.1 Das Projekt
2.2.2 Der Vorgang
2.2.3 Das Ereignis
2.2.4 Der Puffer
2.2.5 Der kritische Weg
2.3 Die Methoden der Netzplantechnik
2.3.1 Allgemeines
2.3.2 CPM (Critical Path Method) und allgemeine Projektbeschreibung
2.3.3 PERT (Program Evaluation and Review Technique)
2.3.4 MPM (Metra Potential Methode)
1 Die Organisation der Arbeitsvorbereitung
1.1 Das Wesen der Arbeitsvorbereitung
Die AV umfaßt alle Tätigkeiten, die nach dem Abschluß der Konstruktion und vor dem Beginn der Produktion durchgeführt werden müssen. Die Aufgabenstellung ist unterschiedlich komplex, je nach Art des Betriebes und des Produktes. Die Größe der AV ist abhängig von der Größe des Betriebes und der Kompliziertheit des Produktes. Kompliziertheit kann heißen, daß der Betrieb wenige unterschiedliche Produkte herstellt, die aber viele komplizierte Einzelteile enthalten, oder daß der Betrieb viele unterschiedliche Produkte herstellt, die relativ einfach sind.
Beispiel für die Aufbauorganisation einer AV:
Das Beispiel zeigt das Organigramm einer Arbeitsvorbereitung eines Betriebes mit folgenden Kenngrößen:
Bei der Einordnung der AV in die Organisation des Unternehmens gibt es folgende Möglichkeiten:
AV als eigenständige Abteilung zwischen Konstruktion und Produktion
AV als Untergruppe der Produktion
AV als Stabsstelle bei der Produktion
1.2 Die Fertigungsplanung
Alle Tätigkeiten der Fertigungsplanung werden durchgeführt bevor ein neues Produkt oder ein geändertes Produkt zum ersten Mal gefertigt wird. Sie ist einmalig durchzuführen.
1.2.1 Die Arbeitssplanung
Die Arbeitsplanung ist ein Bindeglied zwischen Konstruktion und Fertigung. Sie hat für sämtliche fertigungstechnischen Maßnahmen zu sorgen, die für die Einleitung einer Produktion erforderlich sind.
[Abb. in Downloadversion enthalten]
Aufgaben der Arbeitsplanung:
(1) Durchsicht der Konstruktionsunterlagen nach fertigungstechnischen Gesichtspunkten
(2) Aufstellung der Arbeitspläne und der sich evtl. ergänzenden Arbeitsbeschreibungen
(3) Festlegung aller erforderlichen Fertigungs- und Prüfmittel und deren Betstellung bei der Betriebsmittelplanung
(4) Anstoß zur Beschaffung von Kaufteilen und Federführung in der technischen Korrespondenz mit Lieferanten zu Fertigungsfragen
(5) Betreuung von Ausfallmusterbegutachtungen bei neu anlaufenden oder geänderten Kaufteilen in Zusammenarbeit mit der Qualitätssicherung
(6) Betreuung der laufenden Fertigung zur Beseitigung von Mängeln in Konstruktions-zeichnungen, Arbeitsplänen und Fertigungsmitteln.
zu (1) ... heißt zunächst feststellen, welche Werkstücke werden vollständig selbst hergestellt, welche werden als Rohlinge gekauft und selbst weiterverarbeitet, und welche werden als Fertigteile gekauft. Weiterhin wird überlegt, welche Arbeitsgänge an welchem Werkstück in welcher Reihenfolge durchzuführen sind. Für jeden Arbeitsgang ist zu überlegen, mit welchen Werkzeugen auf welchen Maschinen er durchzuführen ist.
zu (2) ... Der Arbeitsplan ist die Festlegung der Ergebnisse aus Punkt (1). Dies erfolgt heute vielfach über CAP-Systeme, die zumindest ermöglichen, die Arbeitsplan - Maske aus einer Datenbank abzurufen und unter Umständen auch Erleichterung bieten, in dem sie das Abrufen von Vorgabezeiten bzw. geplanten Arbeitsgängen ermöglichen. Ergänzende Arbeitsgangbeschreibungen auf eigenen Blättern werden immer dann nötig, wenn ein Arbeitsgang so umfangreich ist, daß seine Beschreibung wegen des beschränkten Platzes auf dem Arbeitsplan nicht untergebracht werden kann.
zu (3) ... Der Arbeitsplan versucht die Arbeitsgänge so zu planen, daß die Produktion mit geringstmöglichen Kosten durchgeführt werden kann. Dazu gehört auch, daß für jeden Arbeitsgang die optimal geeigneten Vorrichtungen und Werkzeuge eingesetzt werden. Es wird also bei jedem Arbeitsgang entschieden, auf welcher Maschine mit welchen Werkzeugen gearbeitet wird. Spezialwerkzeuge und Vorrichtungen wie z.B. Schnitte, Prägestanzen usw. werden bei der Betriebsmittelplanung angefordert.
zu (4) ... Unter Punkt (1) wird entschieden, welche Werkstücke als Fertigteile oder als Rohling gekauft werden sollen. Daher muß die Einkaufsabteilung entsprechend benachrichtigt werden. Sie erfahren welche Werkstücke in welcher Stückzahl zu beschaffen sind. In Frage kommende Lieferanten haben oft Änderungswünsche hinsichtlich der Konstruktion der Werkstücke. Dies führt zu einer technischen Korrespondenz, die zu den sichersten Ergebnissen führt, wenn sie von der Arbeitsplanung durchgeführt wird. Diese muß die technischen Details auch mit der Konstruktion abklären.
zu (5) ... Es ist oft so, daß die Lieferanten erst mal ein Muster herstellen (Bsp: Schmiedegesenke nach der Fertigstellung der Modelle), um zu zeigen wie die Werkstücke ausfallen. Diese werden in der Regel von der Qualitätssicherung des Kunden vermessen. Dieser Vorgang wird von der Arbeitsplanung betreut, die ja auch vorher die technische Korrespondenz mit den Lieferanten geführt hat.
zu (6) ... Vielfach treten in der Anfangsphase der Produktion Probleme auf, die bei der Konstruktion der Teile, bei der Erstellung der Arbeitspläne oder bei der Konstruktion und Herstellung von Werkzeugen so nicht gesehen werden konnten. Die Beseitigung diese Mängel wird von der Arbeitsplanung koordiniert.
1.2.2 Der Arbeitsplan
Das für die Fertigung wichtigste Ergebnis der Arbeitsplanung ist der Arbeitsplan. Der Arbeitsplan muß eindeutig und restlos aussagen, was wo woraus wie und womit zu fertigen und zu prüfen ist. Für jedes Werkstück, an dem eine Bearbeitung vorgenommen werden muß, ist ein Arbeitsplan anzufertigen. Ebenso für alle Vormontagen, Teilmontagen und Endmontagen.
Der Arbeitsplan besteht aus 2 Teilen:
Der Kopfteil oder Identifizierungsteil enthält:
Der Hauptteil oder Ausführungsteil enthält:
[...]
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Rolf Mohr, 2004, Skript: Fertigungswirtschaft 3, München, GRIN Verlag GmbH
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