Inhaltsverzeichnis
Einleitung 1
1 Theorie der Autorschaft 1
2
1.1 Sigmund Freud 2
1.2 Jan Mukaˇ rovský 2
1.3 Martha Woodmansee 3
2 Die Brüder Grimm und ihre Märchen 1
4
2.1 Anfänge der Sammlung 4
2.2 Die Gewährspersonen 5
2.3 Kinder- oder Hausmärchen? 6
2.4 „Treue“ und „Wahrheit“ 6
3 Dornröschen in der Form der Gebrüder Grimm 2
8
4 Individual- und Kollektivdichtung bei den Grimmschen Märchen 2 13
Schluss 17
Literaturverzeichnis 18
1 von Daniela Rabe
2 von Lydia Fuchs
Einleitung
Das Thema der nun folgenden Darlegungen soll der literarische Einfluss der Brüder Grimm in ihren Kinder- und Hausmärchen sein. Es stellt sich die Frage, welcher Titel ihnen am ehesten gerecht wird, da sie sich selbst ausdrücklich als Sammler bezeichneten. Die moderne Märchenforschung aber zeigt, dass die Grimms die Märchen nicht nur nacherzählt haben, sondern dass man ihnen eine weitaus größere dichterische Bedeutung zusprechen muss.
Im Verlauf der Ausführungen soll versucht werden die stileigenen Merkmale der Grimms herauszuarbeiten und zu analysieren, ob ihnen der literarische Rang eines Autoren gebührt.
Unser Vorhaben ist es nun, den Anteil der Grimms an den 1812 erstmals veröffentlichten Märchen im historischen, sprachlichen und literaturwissenschaftlichen Kontext zu untersuchen.
1
1 Theorie der Autorschaft
1.1 Sigmund Freud
Freud beschäftigt sich in seinem Aufsatz mit der Frage wie der Dichter zu seinem Stoff kommt und warum den Leser derselbige so berührt. Er geht dabei von der Theorie aus, dass der Mensch, der als Kind spielt, als Erwachsener fantasiert. Er ersetzt sich also das Spiel durch Tagträume. Diese Tagträume werden durch ein Ereignis in der Gegenwart ausgelöst, welches die Erinnerung an ein Erlebnis aus der Kindheit weckt. Diese Erinnerung führt nun zum Tagtraum, welcher die Erfüllung eines Wunsches in der Zukunft beinhaltet. Bei der Dichtung werden zwei verschiedene Arten unterschieden, einmal die freie Schöpfung und einmal die Bearbeitung von fertigen Stoffen. Bei ersterem handelt es sich um eben genannte Tagträume oder Fantasien, nur in abgewandelter Form und weniger egoistisch. Bei letzteren jedoch hat der Dichter zwar die Entscheidungsfreiheit welchen Stoff er wie bearbeitet, doch die Grundgerüste dieser Sagen, Märchen und vor allem Mythen im „Volksschatz“ entstammen „den entstellten Überresten von Wunschphantasien ganzer Nationen, [. . . ]“ 1
1.2 Jan Mukaˇ rovský
Hier geht es vor allem um das Verhältnis zwischen Autor und Leser, bzw. allgemein um das Verhältnis Künstler - Aufnehmender. Er geht dabei davon aus, dass der Autor sein Werk immer für den Leser schafft, und in dem Moment, in dem er überlegt, wie der Leser sein Werk aufnehmen wird, selbst zum Leser wird. Die Grenzen zwischen Leser und Autor bzw.
1 Zitat und erklärende Angaben entnommen aus: Sigmund Freud: Der Dichter und das Phantasieren. In: Texte zur Theorie der Autorschaft. Hrsg. v. Fotis Jannidis, Gerhard Lauer u. a. Stuttgart 2000, S. 35-45.
2
zwischen Künstler und Aufnehmendem verschwimmen also. In der Volkskunst gibt es keinen Unterschied zwischen Autor und Aufnehmenden, die Rollen wechseln hier immer von Hörer zu Erzähler und zurück. 2
1.3 Martha Woodmansee
Hier wird vor allem dargestellt, wie sich das Verhältnis zur Person des Autors im laufe der Zeit geändert hat. Im gesammten Mittelalter bis zur Renaissance war das kollektive Schreiben der vorherrschende Schreibprozess. Im 13. Jahrhundert definierte der Franziskaner Bonaventura vier verschiedene Arten der Buchentstehung:
Sogar noch bis in die Mitte des 18. Jahrhunderts hinein wurde der Schriftsteller - von sich selbst und anderen - als einer von vielen Handwerkern betrachtet, die zum Entstehen eines Buches beitrugen. Erst in der Romantik kam die Vorstellung des modernen Autors als Individuum auf. Doch auch heute wird in fast allen Bereichen - abgesehen von den Geisteswissenschaft und den Künsten - kollektiv geschrieben. Gerade durch die neuen Medien wird der Schreibprozess wieder unindividueller und kollektiver. 3
2 Ich berufe mich bei dieser Darstellung auf: Jan Mukaˇ rovský: Die Persönlichkeit in der Kunst. In: ebd., S. 65-79.
3 Zitat und erklärende Angaben entnommen aus: Martha Woodmansee: Der Autor-Effekt. Zur Wiederherstellung von Kollektivität. In: ebd, S. 298-314.
3
2 Die Brüder Grimm und ihre Märchen
2.1 Anfänge der Sammlung
Einen nicht unerheblichen Einfluss auf das Entstehen der Märchensammlung übten Clemens Brentano und Achim von Arnim aus, die zu dem Zeitpunkt ihrer ersten Begegnung mit den Grimms an der Volksliedersammlung Des Knaben Wunderhorn arbeiteten. Brentano spielte mit dem Gedanken, auch eine Märchensammlung herauszugeben, allerdings hatte er von Anfang an vor, die Märchen zu bearbeiten und zu verändern. Als er 1810 die Brüder um deren Aufzeichnungen bat, schrieb er: „Da ich sie ganz frei nach meiner Art behandle, so entgeht Euch nichts dadurch, und Ihr kommt mir dadurch zu Hilfe“ 1 .
Zwei Jahre später, als die erste Ausgabe der Kinder- und Hausmärchen gerade gedruckt wird, verurteilt Jacob die Bearbeitung der Märchen durch Brentano und ist überzeugt, dass ihre „einfache, treu gesammelte Erzählung die seine jedesmal gewisslich beschämen“ 2 wird. Auch in der Vorrede zu den Kinder- und Hausmärchen erklären sich Jacob und Wilhelm „gegen sogenannte Bearbeitungen [. . . ], welche die Märchen zu verschönern und poetischer auszustatten vorhaben“, da diese lediglich den Standpunkt eines einzelnen Dichters widerspiegeln und so bloß zum „einmaligen Anhören oder Lesen“ taugen. 3
1 Zitat (S. 213) und erklärende Angaben entnommen aus: Gunhild Ginschel: Der junge Jacob Grimm 1805-1819, 2. erw. Auflage. Stuttgart 1989.
2 ebd., S. 214.
3 Zitate und erklärende Angaben entnommen aus: Vorrede zur 2. Auflage der Kinder- und Hausmärchen, entnommen aus dem Internet: http://www.maerchenlexikon.de/khm/vorrede.htm, siehe Anhang.
4
Arbeit zitieren:
Daniela Rabe, Lydia Fuchs, 2002, Sind die Gebrüder Grimm Autoren?, München, GRIN Verlag GmbH
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