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1. Mobilfunknetze
Die Mobilfunkgeschichte in Deutschland begann 1958 mit der Einführung des A-Netzes, das nur von einem exklusiven Teilnehmerkreis genutzt werden konnte. Ein Standardgerät kostete zwischen 8.000 und 15.000 Mark, die Grundgebühr betrug bis zu 270 Mark pro Monat. 1 Die Vermittlung von Gesprächen erfolgte noch per Hand. In den 70er Jahren wurde das A-Netz schrittweise durch das B-Netz ersetzt. Doch auch hier waren die Geräte und die Gebühren teuer. Das Netz erreic hte 1986 mit fast 27.000 Nutzern seine höchste Teilnehmerzahl. 1985 wurde mit dem C-Netz der Deutschen Telekom das erste flächendeckende Funknetz in Deutschland geschaffen. Die C-Netz Telefone waren noch recht unhandlich und wurden als Autotelefone verwendet. Der Dienst blieb auch hier teuer und wurde hauptsächlich für geschäftliche Anwendungen genutzt. A-, B- und C-Netze waren analoge Netze.
Abbildung 3: Penetration und Zuwächse in Mobilfunknetzen
Im Juli 1991 bekam das C-Netz Konkurrenz durch das digitale D-Netz. Erster Lizenznehmer des D Netzes war die Deutsche Telekom. Durch die Digitalisierung des Mobilfunknetzes und den dadurch sinkenden Kosten wurde Mobilfunktelefonie nun massentauglich. Neben dem D1 Netz der Deutschen Telekom, kam 1992 das D2 Netz des privaten Wettbewerbers Mannesmann auf den Markt. Beide Netze nutzen den GSM Mobilfunkstandard. Im Sommer 1994 begann der dritte Wettbewerber E-Plus mit dem Sendebetrieb des GSM 1800 Netzes (E1). Das E-Netz von VIAG Interkom (heute O2) ging im Oktober 1998 an den Start. Im Jahr 1999 stieg die Zahl der Mobilfunkanschlüsse in Deutschland sprunghaft an. Seit 2001 gibt es sogar mehr mobile als Festnetzanschlüsse. 2 Ende 2003 lag die Zahl
1 Zum Vergleich: der Preis für einen VW-Käfer lag damals bei etwa 5.000 Mark (Quelle: izmf) 2 52,2 Mio Festnetzanschlüsse gegenüber 56,1 Mobilfunkanschlüsse (Quelle: regTp)
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der deutschen Mobilfunkanschlüsse bei 64,8 Mio. Dies entspricht einer Penetrationsrate von 78,3 Prozent und einem Jahreszuwachs von fast 5,7 Mio. Teilnehmern. 3 Damit dürfte der Markt seine Sättigungsgrenze erreicht haben, auch wenn der Trend zum Zweit- oder Dritthandy geht. Im Jahr 2003 wurden insgesamt 17,3 Mrd. Euro für Mobilfunkdienste und nur 9,3 Mrd. Euro für Festnetzdienste umgesetzt. Der Mobilfunk hat sich damit zum größten Wachstumsmotor im Telekommunikationsmarkt und zu einem wichtigen Wirtschaftsfaktor entwickelt. 4 Die schnelle und große Verbreitung mobiler Endgeräte bildet eine wichtige infrastrukturelle Voraussetzung für die Bereitstellung mobiler Dienste und Anwendungen. Die Vorteile des Mobiltelefons liegen klar auf der Hand: In der Regel wird es nur von einer Person benutzt und ist deren ständiger Begleiter. Das Handy ist somit ein viel genutztes und modernes Kommunikationsmittel, das sich zum festen Lebensbestandteil der Deutschen etabliert hat. Im Jahr 2002 hatten 80,1 Prozent der 14 bis 19jährigen und 87,5 Prozent der 20 bis 29jährigen ein eigenes Mobiltelefon. Mit zunehmendem Alter nimmt dann die P enetrationsrate der Handys ab. Bei den 30 bis 39jährigen sind es 78,1 Prozent, die ein Handy besitzen, danach folgen: die 40 bis 49jährigen mit 72,6 Prozent, die 50 bis 59jährigen (58,8 Prozent) und die 60 bis 64jährigen (45,8 Prozent). 5 Die prozentual höchste Handydichte befindet sich somit in der Altersgruppe der 14 bis 29jährigen. Dies lässt sich zum einen damit erklären, dass Jugendliche und junge Erwachsene sich im allgemeinen schneller mit neuen Technologien auseinandersetzen als ältere Menschen. Zum anderen spielt für diese Zielgruppe Kommunikation mit Gleichgesinnten und Freunden eine wesentliche Rolle. „Durch das Handy wird das Telefonieren für Kinder und Jugendliche weitaus interessanter, da sie es nicht - wie bisher das Festnetztelefon - nur im familiären Kontext, sondern individueller nutzen können.“ 6 Das Handy ist das Integrationsinstrument in der Clique, dient dem Ausbau der sozialen Kontakte oder ganz einfach der Unterhaltung. 7 Darüber hinaus erfüllt das Mobiltelefon bei Jugendlichen eine Statusfunktion. Es ist davon auszugehen, dass die Marke und das Design des Mobiltelefons gerade für Jugendliche eine soziale Relevanz besitzt, die über die rein kommunikative Funktion hinausgeht. 8
Zu einem wichtigen Markttreiber könnten die subventionierten Handys der Mobilfunknetzbetreiber gehört haben. Die deutschen Mobilfunkbetreiber bezuschussten bislang einen Vertragsabschluss mit durchschnittlich 200 Euro beim Gerätepreis. Der Kunde erhielt somit alle 18 bis 24 Monate ein kostengünstiges Telefon mit aktuellen Funktionen. Die Mobilfunknetzbetreiber wollen zukünftig diese Subventionen zu Gunsten niedriger Tarife im Datenverkehr abbauen. 9
3 Jahresbericht der RegTP, S.32
4 izmf 5 ACTA 2002 6 Hasebrink, Uwe 7 S. 9, Zobel 8 S.434, M&K 52. Jahrgang 3/2004 9 Petzke, Kai
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2. Mobilfunkstandards
2.1. GSM
Global System for Mobile Communication ist die Bezeichnung für eine digitale Mobilfunktechnik und ist die Basis für die in Deutschland bekannten D- und E-Netze. In Abgrenzung zu den früheren analogen Funknetzen, wie das C-Netz wird GSM auch als die zweite Generation des Mobilfunks bezeichnet. Das GSM Netz verwendet Frequenzbänder von 900 und 1800 MHz und ist auf die Übertragung von Sprachtelefonie und Datendiensten ausgerichtet. Die SIM-Karte („Subscriber Identification Module“) stellt im GSM-System die elektronische Identität des jeweiligen GSM-Kunden dar. Der Chip enthält persönliche Daten des Nutzers zur Authentifizierung des Teilnehmers und zur Zuordnung der Rufnummer. 10 In den freien Speicherbereich der Karten können die Handy-Nutzer außerdem noch eigene Informationen wie Telefonnummern, SMS-Nachrichten, Klingeltöne usw. hinterlegen.
2.2. GPRS
General Packet Radio Service (paketvermitteltes Übertragungsverfahren) ist eine Weiterentwicklung des GSM Standards, die Daten in Paketen übermittelt, so dass die Bandbreite der verwendeten GSM Kanäle effektiver ausgenutzt wird. Das GSM Netz wird in diesem Fall nicht zeitbezogen sondern volumenbasiert beansprucht. Dies ermöglicht eine Abrechnung nach der übertragenen Datenmenge. Da GPRS als Zwischenschritt zu UMTS, der dritten Mobilfunkgeneration angesehen wird, bezeichnet man diesen auch als Mobilfunkstandard 2.5G (2,5 Generation). Der wesentliche Vorteil gegenüber GSM liegt in der schnelleren D atenÜbertragungsrate. Diese liegt in der ersten Phase bei 40 - 50 KBit/s und soll mit über 100 KBit/s in der zweiten Phase weiter erhöht werden. Doch diese Angaben gelten nur im Optima lfall und können unter Umständen nicht realisiert werden, da die Bandbreite zwischen den Nutzern in einer Funkzelle aufgeteilt wird. 11 HSCSD (High-Speed-Circuit-Switched-Data) bietet eine Alternative zu GPRS. Bei diesem Verfahren werden mehrere GSM Verkehrskanäle miteinander gebündelt, so dass die Datenrate erhöht wird. Zentraler Unterschied zu GPRS ist, dass HSCSD leitungsvermittelt arbeit und nicht paketbasiert. Bei HSCSD werden dadurch die ganze Zeit Leitungen (Zeitschlitze) belegt, während GPRS nur dann Leitungen benötigt, wenn Daten übertragen werden.
10 Izmf (4)
11 www.dafu.de
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2.3. UMTS
UMTS (Universal Mobile Telecommunication System) ist ein breitbandiges Übertragungsverfahren und soll leitungs- und p aketvermittelte Multimediadienste ermöglichen. „Die bis zu 200 mal höheren Übertragungsgeschwindigkeiten erlauben es über die gewohnte Nutzung als Telefon hinaus auch Online-Dienste abzurufen, umfangreiche Datenpakete zu übermitteln und Musik und bewegte Bilder per Mobiltelefon auszutauschen.“ 12 Als im Sommer 2000 die Lizenzen für die Frequenzblöcke von der Regulierungsbehörde für Post und Telekommunikation versteigert wurden, war die Euphorie noch groß. Die Lizenzkosten betrugen ca. 8 Mrd. Euro 13 je erwerbendem Unternehmen bzw. Konsortium, zu dem jeweils noch einmal ca. 5 Mrd. Euro Investionskosten für den Aufbau einer geeigneten Netzinfrastruktur kämen, was sich dann in der Summe je Unternehmen auf ca. 13 Mrd. Euro belaufen würde. 14 Unklar bleibt jedoch, ob sich diese riesigen Investitionen zukünftig auszahlen werden. Der anfänglichen Begeisterung musste Ernüchterung weichen. Der Netzaufbau dauerte länger als erwartet und es gibt Probleme bei der Kommunikation unterschiedlicher Netze und Endgeräte der v erschiedenen Hersteller, so dass der UMTS Start bereits mehrere male verschoben werden musste. Mit Quam und Mobilcom, die ihr Netz an E-Plus verkauften, gaben bereits zwei der sechs UMTS-Lizenznehmer auf. 15
Relativ unspektakulär startete dann endlich im Februar 2004 der UMTS Betrieb von Vodafone. T-Mobile und O2 folgten im April und begannen UMTS Dienste zu vermarkten. Konkrete Nutzerzahlen liegen jedoch noch nicht vor.
In Anbetracht der Mängel, die UMTS aufweist, scheint das Netz derzeit noch nicht erfolgsversprechend zu sein. UMTS ist eine Insellösung und wird vorerst nicht flächendeckend angeboten. Dem Nutzer steht also nicht ständig die Technologie zur Verfügung, so dass er ein Endgerät benötigt, das sowohl auf das GSM als auch auf das UMTS Netz zugreifen kann. Zudem sind angekündigte Übertragungsraten von 2Mbit/s eher theoretisch und könnten nur in so genannten Hotspots zur Verfügung stehen, wie z.B. in Geschäftszentren anwendungsintensiver Regionen oder sogar nur in einzelnen Gebäuden. 16 In der Regel werden Datenraten von bis zu 144kbit/s geboten. Exklusive Kunden sollen maximal 384kbit/s nutzen können. 17 Zudem soll die angebotene Datenrate erheblich sinken, wenn sich mehr als ein halbes Dutzend UMTS-Nutzer in derselben Funkzelle befinden.
12 izmf (1)
13 für die 17 Frequenzblöcke (je 5 MHz) zahlten die sechs UMTS-Netzbetreiber am Ende die gigantische Summe von insgesamt 99,3682 Mrd. DM.
14 S.57 Link, Jörg 15 Kurp, Dr. Matthias (2003) 16 S. 910, PC& Internet Lexikon 17 Kurp, Dr. Matthias (2003)
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3. Mobile Datendienste
Unter den Begriff der Mobilen Datendienste fallen hier die von Dienste-Anbietern oder Mobilfunknetzbetreibern bereitgestellten Dienste, die mittels der beschriebenen Netze Daten übertragen und über die reine Sprachübermittlung hinausgehen. Mobile Datendienste sind Teil des gesamten Angebotes mobiler Funktionen am Endgerät und werden von Dienste-Anbietern bzw. Netzbetreibern separat bepreist und abgerechnet. Der Begriff Service wird synonym für Dienste verwendet.
3.1. SMS
SMS ist die Abkürzung für Short Message Service. Die SMS nutzt freie Kapazitäten des m obilen Sprachkanals und wird über das GSM Netzwerk übertragen. 18 Durch diesen Dienst können Mobilfunkbenutzer Kurznachrichten von ihrem Handy aus senden oder empfangen. „Die Nachricht wird entweder zwischen Mobiltelefonen verschickt bzw. mittels SMS-Multipoint-Einrichtungen. Als Adresse ist nur die Mobilfunknummer erforderlich, was die Anwendung sehr vereinfacht. Dem Empfänger wird die Sendenummer mit angezeigt.“ 19
3.1.1. Funktionsweise
Ohne ins technische Detail zu gehen, soll zum besseren Verständnis nachfolgend die Funktionsweise der SMS beschrieben werden. Die Ausführungen sollen nützliche Hintergrundinformationen und Zusammenhänge liefern. Die SMS wird in Punkt-zu-Punkt-Dienst (SMS/PP) und Cell-Broadcast-Dienst (SMS-CB) unterschieden. Der Punkt zu Punkt Dienst ermöglicht dem SMS Nutzer, entweder Nachrichten von einem entsprechend konfigurierten GSM-Telefon zu senden oder zu empfangen. Alle abgehenden Nachrichten werden als Mobile Originated (MO) und alle ankommenden als Mobile Terminated (MT) bezeichnet. Angekommene Nachrichten werden auf dem Display angezeigt und können entweder auf der SIM-Karte des Mobilteilnehmers gespeichert oder gelöscht werden. Soll e ine SMS gesendet werden gibt der Nutzer bei Verwendung des lateinischen Alphabets eine Nachricht von bis zu 160 Zeichen ein und sendet diese an die Nummer des gewünschten Empfängers. Bei längeren Nachrichten werden mehrere SMS miteinander verkettet, die dann je angefangene SMS alle einzeln abgerechnet werden. 20 Eine SMS ist aus zwei Teilen aufgebaut: den Daten, die die zu übermittelnden Informationen enthalten und der Kopfzeile, die mit einem Nachrichtenübermittlungsprotokoll verlinkt ist
18 Die SMS Übertragung durch weiterentwickelte Netze, wie GPRS und UMTS ist ebenfalls möglich. 19 Roth, Helmut
20 Die GSM-Phase 2+ sieht eine Verkettung der Nachrichten von maximal 255 SMS-Nachrichtensegmenten vor.
Arbeit zitieren:
Yvonne Trappe, 2004, Die wirtschaftliche Bedeutung mobiler Datendienste im Mobilfunkmarkt, München, GRIN Verlag GmbH
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DOI
BWL - Marketing, Unternehmenskommunikation, CRM, Marktforschung
Seminararbeit, 40 Seiten
Möglichkeiten und Grenzen des Mobile Marketing
BWL - Marketing, Unternehmenskommunikation, CRM, Marktforschung
Hausarbeit (Hauptseminar), 28 Seiten
Yvonne Trappe's Text Die wirtschaftliche Bedeutung mobiler Datendienste im Mobilfunkmarkt ist nun auf dem Buchmarkt erhältlich
Yvonne Trappe hat den Text Die wirtschaftliche Bedeutung mobiler Datendienste im Mobilfunkmarkt veröffentlicht
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