Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung 2
2. Darstellung SIT
2.1 Ursprungstheorie Tajfel / Turner 2
2.2 Weiterentwicklung durch Michael Hogg 2
2.3 Funktionsweisen von Prototypen 2
2.4 Social Categorization 3
2.5 Self-Categorization 3
2.6 Depersonalisation 4
2.7 Social Attraction 4
2.8 Entstehung von Sympathie 5
3. Darstellung SIT of Leadership
3.1 Einleitung 6
3.2 Leader Categorization Theory 6
3.3 SIT of Leadership - Statusgewinn 7
3.4 Fundamental Attribution Error 7
3.5 Correspondence Bias 8
3.6 Gefahren des S tatusunterschiedes 8
3.7 Gefahren von prototype-based Führung 8
3.8 Minderheiten in sozio - emotionalen
Gruppen 9
4. Studie - Social Categorization und gruppenbasierte Emotionen
4.1 Intention der Studie 9
4.2 Auslöser für Emotionen 9
4.3 Aufbau Experiment 1 10
4.4 Resultate Experiment 1 10
4.5 Aufbau Experiment 2 10
4.6 Resultate Experiment 2 / Auswertung 11
5. Anwendung auf die Ereignisse des 11.Septembers
5.1 Kurzbeschreibung der Anschläge 11
5.2 Kategorisierung durch Bush / Bin - Laden 12
5.3 engerer Zusammenschluss der
amerikanischen In - Group 13
5.4 Bedeutung der Anschläge für die
Führungsposition George W. Bushs 13
5.5 Entwicklung von aufgabenorientierter zu
sozio-emotionaler Führung 14
5.6 Wirkung der Bedrohungskulisse 15
5.7 Beschneidung der Bürgerrechte 16
5.8 Patriotismus - Diskriminierung 16
5.9 Irakkrieg 17
5.10 Schluß 17
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Einleitung
In dieser Hausarbeit verfolge ich die Absicht, die Auswirkungen der schwerwiegenden Anschläge auf das World Trade Center vom 11.September 2001 auf die Einstellungen der amerikanischen Bevölkerung darzustellen und so weit wie möglich zu erklären. Hierbei stelle ich zunächst die Social Identity Theory von Michael Hogg dar, welche mir als theoretische Grundlage meiner Betrachtung dient. Danach gehe ich auf eine im Dezember 2003 veröffentlichte Studie ein, welche sich mit der gruppenbasierten Angst auseinandersetzt, welche durch die Attacken ausgelöst wurde. Als Abschluss versuche ich dann, diese theoretischen Grundlagen mit der politischen und sozialen Realität in den USA zu verknüpfen, um daraus weitere Schlüsse abzuleiten.
SIT - Michael Hogg
Die Social Identity Theory, abgekürzt SIT, wurde ursprünglich 1970 von Tajfel und Turner entwickelt. Ihr Ziel war es, soziale Beziehungen zwischen verschiedenen Gruppen zu erklären. Dabei konzentriert sie sich ausschließlich auf negative Gruppeninteraktion. Die Kernthese der ursprünglichen Theorie basiert auf der Annahme, dass die Suche nach einer positiven sozialen Identität ein starkes Motiv für menschliches Handeln darstellt. Tajfel und Turner gingen davon aus, dass dieses Motiv über Vergleiche der eigenen In-Group mit anderen Gruppen erzielt wird. Diese Vergleiche werden allerdings nicht willkürlich, sondern gezielt ausgeführt. Das Ziel hinter dieser Aktion ist, die eigene Gruppe durch den Vergleich positiver darzustellen Deshalb wendet man solche Vergleiche größtenteils auch nur dann an, wenn man von einem positiven Abschneiden der eigenen Gruppe überzeugt ist ( 1, S.490, Abschnitt 6.35 ). Michael Hogg war Doktorand bei Turner und hat dessen Theorie 2001 weiterentwickelt und sich dabei besonders auf die Bedeutung der SIT für Führungsprozesse konzentriert. Hogg geht hierbei von den Grundprinzipien von Gruppen aus. Gruppen existieren danach nur in Relation zu anderen Gruppen. Somit definieren sich Gruppen primär durch ihr Verhältnis zu anderen
Gruppen in Bezug auf weltanschauliche und emotionale Unterschiede. Ähnlich sieht Hogg die Rolle des Führers. Auch dieser definiert sich nur durch einen Statusunterschied innerhalb einer Gruppe, welcher die Mitglieder in Gefolgsleute und Führer unterteilt. Die Erklärung des Zustandekommens dieses Unterschiedes ist eines der primären Ziele der von Hogg adaptierten SIT. In meinen weiteren Ausführungen zu dieser Theorie beziehe ich mich primär auf einen von Hogg verfassten und 2001 in der „Personality and Social Psychology Review“ veröffentlichten Artikel mit dem Titel „A Social Identity Theory of Leadership“ ( 3 ). Hierin beschreibt Hogg die Grundzüge und Kerngedanken seiner Theorie.
Prinzipiell kann man die SIT und Hoggs Erweiterung SIT of Leadership als aufeinander aufbauend betrachten. Während die SIT die Prinzipien der Gruppenzugehörigkeit erklärt, geht die SIT of Leadership weiter und erklärt zudem noch das Entstehen von Charisma und Führungspositionen. Ich will an dieser Stelle nun zuerst die Grundzüge der SIT herausstellen, bevor ich mich dann auf die Bedeutung dieser Theorie für Führung beziehe.
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Generell gibt es verschiedene Faktoren, welche Menschen dazu motivieren, sich sozialen Gruppen anzuschließen und sich mit ihnen zu identifizieren. Hierbei spielt einerseits die Person, definiert durch ihre individuellen Einstellungen und Verhaltensweisen, und andererseits die Struktur der Gruppe eine große Rolle. Nach Tajfel und Turner strebt der Mensch nach einer positiven Selbstbewertung. In diesem Zusammenhang ist auch die Unsicherheit bezüglich der eigenen Identität und der Rolle im sozialen Kontext entscheidend. Wie schon Festinger in seiner Dissonanztheorie herausstellt, ist eine solche wahrgenommene Unsicherheit ein stark aversiver Reiz, welcher zum Handeln motiviert. Somit ist die Reduktion der eigenen Unsicherheit ein Hauptmotiv für die Identifikation mit Gruppen.
Diese Unsicherheitsreduktion basiert nach Hogg auf dem Gruppenprototyp, der in jeder sozialen Gruppe vorhanden ist und entscheidend Handlungen, Einstellungen und Emotionen beeinflusst. Hogg definiert diese Prototypen als multidimensionale Konstrukte, welche in Abhängigkeit von der Umwelt existieren. Sie liegen in Form von kognitiven Schemata vor und sind somit auch den Prinzipien von Assimilation und Akkomodation unterworfen, auf welche ich an späterer Stelle noch genauer eingehen möchte. Diese Prototypen sind Basis der Bewertung durch das Individuum, ob eine Gruppe salient und somit reizvoll erscheint oder nicht. Ist ein Mensch sich seiner eigenen Identität unsicher oder ist er unzufrieden mit seiner Rolle oder seiner Position im sozialen System, fängt er an, nach Gruppen zu suchen, die seinen Vorstellungen, Einstellungen und Verhaltensweisen entsprechen. Hierbei nimmt der Gruppenprototyp die Funktion einer Schnittstelle zwischen Individuum und Gruppe ein, an der der Einzelne testen kann, ob die Gruppe zu ihm passt oder nicht. Erscheint eine Gruppe als salient, entspricht also der im Konsens der Gruppe entstandene Prototyp den Vorstellungen, will der Einzelne mit hoher Wahrscheinlichkeit Mitglied dieser Gruppe werden. Hierbei spielt es keine Rolle, ob die Motivation in der Reduktion der eigenen Unsicherheit oder in der Suche nach einem höheren Selbstwert besteht.
Das Individuum identifiziert sich mit der salienten Gruppe, was zentrale Prozesse auslöst. Diese Identifikation basiert auf der Self-Categorization des Individuums. Dieser Vorgang ist eng verwandt mit der Social-Categorization, weshalb man ihn auch Social Categorization of Self nennt. Social-Categorization kann als einer der zentralen Prozesse innerhalb sozialer Interaktion betrachtet werden, da er speziell unter Einfluß von Unsicherheitsreduktions- und Selbstwertsteigerungsmotiven ( Self-Enhancement ) permanent abläuft. Social-Categorization beschreibt das Verhalten, Menschen in Gruppen einzuteilen und sie somit zu kategorisieren. Auch diese Kategorien liegen in Form kognitv repräsentierter Prototypen vor. Der Informationsverarbeitungsprozess ist in diesem Fall die Top-Down Verarbeitung, auch Konzeptsteuerung genannt. Aufgrund dieses Prozesses teilt man Menschen aufgrund weniger Merkmale Gruppen zu und ergänzt die fehlenden Informationen durch die bekannten Prototypen und vernachlässigt die individuellen Eigenschaften. Darum ist diese Taktik auch deutlich zeitsparender und weniger anstrengend, da Menschen in kurzer Zeit Gruppen zugeordnet und dann aufgrund dieser Gruppen eingeschätzt werden können. Es ist somit keine eigene kognitive Leistung notwendig, da bereits vorhandene Informationen die Grundlage der Einschätzung bilden.
Im Prinzip läuft bei der Self-Categorization der gleiche Prozess ab, dieser wird nur auf die eigene Person angewandt, folgt aber den gleichen Gesetzen. Zunächst fängt die Person an, die eigene
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Identität gegenüber der jetzt salienten sozialen Identität zurückzustellen. Tajfel definiert die soziale Identität als „the individual´s knowledge that he belongs to a certain social group together with some emotional and value significance to him of his group membership” ( 3, S.186 ). Die Prinzipien der sozialen Identität der jeweiligen Gruppe sind in Form der vorherrschenden Prototypen kognitiv repräsentiert. Das Individuum beginnt im Zuge der Self-Categorization, die eigenen Einstellungen und Verhaltensweisen basierend auf dem akzeptierten Prototyp zu verändern. Es findet eine Transformation der Selbstwahrnehmung statt, da sich der Prototyp zum übergeordneten Maßstab der eigenen Bewertung entwickelt. So werden Einstellungen beispielsweise aufgrund ihrer Ähnlichkeit zum Prototyp bewertet. Da diese Prototypen in Form kognitiver Schemata vorliegen, basieren sie wie andere Schemata auch auf Assimilation und Akkomodation. So werden nach erfolgreicher Übernahme der sozialen Identität der salienten Gruppe alle eigenen Einstellungen des Individuums an die Einstellungen der Gruppe assimiliert. Ähnlich läuft dieser Prozess auch für Emotionen und Verhaltensweisen ab. Somit ändert der Prozess der Self-Categorization die Person an sich, da er eine Veränderung des Denkens, Fühlens und Handelns auslöst.
Außerdem fängt der Mensch im Zuge dieser Abläufe an, sich selber zur In-Group und andere zur Out-Group zu kategorisieren. Damit geht einher, dass der Mensch beginnt, auch sein eigenes Verhalten aufgrund einer Top-Down Verarbeitung zu bewerten, da auch die eigenen Verhaltensweisen an das Schema assimiliert werden.
Dieser Prozess, welcher Menschen dazu veranlasst, Personen nicht mehr als facettenreiche Individuen, sondern als Mitglieder einer bestimmten Gruppe mit einem bestimmten vorherrschenden Prototyp zu betrachten, nennt man Depersonalisation. Die Depersonalisation bezieht sich hierbei nicht nur auf andere Personen, sondern wird auch auf die eigene Persönlichkeit angewandt. Man sieht sich einer Gruppe und deren Normen und Vorstellungen zugehörig und übernimmt diese durch die Übernahme der sozialen Identität der salienten Gruppe. Nach diesem Prozess bewertet der Mensch dann nicht mehr andere aufgrund besonderer charakterlicher Eigenschaften, sondern nur noch basierend auf ihrer Ähnlichkeit zum Gruppenprototyp. Hierbei werden besonders prototypische Mitglieder positiver wahrgenommen, als weniger prototypische.
Dieses Phänomen nennt man Social Attraction. Es beschreibt den Zusammenhang, dass Mitglieder der eigenen Gruppe grundsätzlich positiver eingeschätzt werden, als solche der Out-Group und allgemein prototypischere Mitglieder positiver als weniger prototypischere. Dies ist auch schon die erste Erklärung, die Hogg in seinem Artikel liefert. ( 3, S.184 ) Auch hier ist die Self-Categorization ein bestimmender Faktor, da sie die Übernahme der sozialen Identität und somit auch des Prototyps beeinflusst. Hogg sagt, dass ein Grund für die positivere Haltung Ingroup Mitgliedern gegenüber, die wahrgenommene prototypische Ähnlichkeit des Gegenüber zur eigenen Person ist. Da der Prozess der Self-Categorization natürlich auch bei anderen Mitgliedern der eigenen Gruppe abläuft, werden auch in ihrem Fall Verhalten, Denken und Fühlen an den Prototyp assimiliert. Nach Heiders Balancetheorie führt „wahrgenommene Einstellungsähnlichkeit zu Sympathie“ ( 1, S.314, Kapitel 3.312 ), was durch Experimente von Byrne 1961 nachgewiesen wurde. Dies ist ein Erklärungsansatz für das oben beschriebene Phänomen. Einen weiteren bietet Michael Hogg. Durch Identifikation mit der Gruppe beginnt man, sich selbst als Teil eines größeren Ganzen zu betrachten, an dem man mit der eigenen
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Person partizipiert. Somit sind dann auch andere Mitglieder Teil dieses Ganzen. Der eigene Selbstwert steigt, die Unsicherheit bezüglich der eigenen Person sinkt und man fängt an, andere Mitglieder der Gruppe als prototypische Erweiterungen des Selbst zu betrachten. Vereinfacht dargestellt, erkennt man andere Mitglieder als ähnliche Teile des sozialen Systems an, die genau wie man selbst, das Wohl der Gruppe als wichtige Prämisse erachten. Man ergänzt sich sozusagen gegenseitig und hilft dadurch der Weiterentwicklung und dem Fortbestand der Gruppe. Diese Erklärungen lassen sich natürlich von Intra-Group Prozessen auch leicht auf Inter-Group Prozesse übertragen. Auch hier spielt natürlich der Prototyp die maßgebliche Rolle, da er durch die Self-Categorization Grundlage der eigenen Wahrnehmung wird und alle aufgefangenen Informationen zuerst den Filter der schemabedingten Top-Down Verarbeitung passieren müssen. Allerdings ist natürlich die Einschätzung von Out-Group Mitgliedern aufgrund der genannten Gründe immer negativer als die von In-Group Mitgliedern, da diese In-Group Mitglieder nie an Prototyp-Ähnlichkeit übertreffen können. Hogg führt darauf die Existenz eines sogenannten „prototype-based social attraction gradient“ ( 3, S.184 ) zurück, welcher angibt, wie groß die Ähnlichkeit zum Prototyp und die daraus resultierende Sympathie für das jeweilige Gruppenmitglied ist.
Im Zuge von Self-Categorization und Depersonalisation bei denen das Individuum eine In-Group Homogenisierung durchläuft, bei der es die Normen und Vorstellungen der Gruppe in Form eines Prototypes übernimmt, tendiert der Mensch zu einer Diskriminierung der Out-Group. Er nimmt diese als grundlegend verschieden und aus Gründen der Social Attraction auch grundsätzlich negativer wahr als die eigene In-Group. Aus dieser Wahrnehmung resultieren dann Verhaltenstendenzen, welche die Out-Group herabsetzen sollen.
Im weiteren Verlauf des Anschlusses an eine Gruppe bemüht sich die Person permanent um eine Steigerung der eigenen Ähnlichkeit zum vorherrschenden Prototyp. Dieser liegt allerdings nicht starr vor. Er wird ständig durch Akkomodation und Assimilation beeinflusst. Passt beispielsweise ein gezeigtes Verhalten eines Gruppenmitgliedes nicht zu der eigenen Vorstellung, gibt es zwei Möglichkeiten, dieses Verhalten zu verarbeiten. Entweder muss der vorhandene Prototyp durch Akkomodation verändert werden, so dass das Verhalten wieder in das bekannte Schema eingepasst werden kann, oder das gezeigte Verhalten wird durch einen Assimilationsprozess uminterpretiert, so dass es im Zuge des Schemas Sinn ergibt und verarbeitet werden kann. Diese Prozesse laufen natürlich, wie schon oben gesagt, nicht nur für das Verhalten anderer, sondern auch für die eigene Person und eigene Verhaltensstrukturen ab.
Nimmt nun die einzelne Person im Laufe der Zeit eine immer größere Anpassung des eigenen Verhaltens an die Gruppennormen vor, wächst also die Konformität zum Gruppenprototyp, fördert dies auch automatisch die eigene Selbstbewertung. Durch die Anerkennung der eigenen Person als Mitglied der Gruppe durch Andere steigt die eigene Selbstachtung. Wird man nun von anderen Mitgliedern als prototypisch wahrgenommen, entwickeln diese aus den oben genannten Gründen ein Gefühl der Sympathie. Aus der Balancetheorie Heiders kann man nun ableiten, dass die so genannte „Reziprozität der interpersonellen Bewertung“ ( 1, S.316 Kapitel 5.312 ), also der Fakt, dass wahrgenommene Zuneigung in der „Regel zur Erwiderung dieser Zuneigung führt“ ( 1, S.316 Kapitel 5.312 ). Es handelt sich um eine „Tendenz zur symmetrischen Sympathie“ ( 1, S.316, Kapitel 5.312 ), welche im Zusammenhang mit den In-Group Phänomenen dazu führt, dass die wahrgenommene Prototypähnlichkeit zu Sympathie einer Person gegenüber führt, diese
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Arbeit zitieren:
Patrick Gunia, 2004, Die Anschläge des 11.September auf das World Trade Center New York und ihre Auswirkungen auf die Einstellungen der amerikanischen Bevölkerung als In-Group basierend auf der SIT of Leadership von Michael Hogg, München, GRIN Verlag GmbH
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