Postmodernismus in der bildenden Kunst und in der Literatur 1
Gliederung
1. Einleitung. 2
2. Definition „Postmoderne“ 2
3. Entstehung des Begriffes „Postmoderne“ 4
4. „Postmoderne“ Genealogie und Bedeutung eines umstrittenen Begriffes 5
5. Postmoderne Literatur heute 6
6. Beispiel für postmoderne Literatur : Patrick Süskind, Das Parfum 11
6.1. Erzählstruktur und Perspektivierung des Romans: Das Parfum. 13
6.2. „Das Parfum“ postmodern gelesen. 13
6.3. Epochenspezifische Bezugnahme und Beschreibung Grenouilles 14
6.4. Beispiele: Textvergleich. 15
6.5. Fazit 16
7. Kritik an die Postmoderne oder „Schreiben in der Zeit der Postmoderne“ 17
Postmodernismus in der bildenden Kunst und in der Literatur Seite 2
1. Einleitung
Das Wort „postmodern“ hat man schon oft gehört oder gelesen, da dieser Begriff nun auch nicht mehr ganz neu ist, so wie auch die Phänomene die unter diesem Abstraktum zusammengefasst werden.
Was heißt eigentlich Postmoderne? Im ersten Moment scheint es so, dass diese Begrifflichkeit noch keine klare Definition hat. Ist es überhaupt die Aufgabe von Zeitgenossen eine Definition festzulegen für eine Epoche, in der man sich befindet? Gleichzeitig darf man bei dieser Fragestellung nicht vergessen, dass es prinzipiell, was die Vorstellungsinhalte der Postmodernen anbelangt, sehr gegensätzliche Auffassungen gibt. Gerade im Bezug auf die postmoderne Literatur, hat es den Anschein, dass eine Festlegung mehr als diffizil ist. Selbst bei mühseliger Recherche stößt man immer wieder auf konträre Begrifflichkeiten und dennoch ist es möglich aus einer gewissen Perspektive und langer Betrachtung die postmoderne Literatur klar zu umreißen.
2. Definition „Postmodern“
Postmodern ist ein aus der ästhetischen und philosophischen Diskussion stammender Begriff, der bei wechselnder Bedeutung, sowohl Richtungen in der Kunst (Architektur), in der Philosophie, der Psychologie, in kulturkritischen und zeitdiagnostischen Arbeiten, eine Lebensweise bzw. Erfahrungsweise vom Leben sowie die Verfasstheit einer nicht mehr modernen Gesellschaft bzw. Kultur bezeichnet.
Als gemeinsame Merkmale können gelten: Verzicht auf geschichtsphilosophisch begründete Fortschrittsmodelle; Auflösung bzw. Dezentrierung des Subjektes als Erkenntnis-, Handlungs- und Erfahrungszentrum; Skepsis gegenüber (auch in Philosophie und Sozialwissenschaften) tradierten Wirklichkeitsbegriffen (Verweis auf die Bedeutung der Simulation, J. Beaurdrillard) Zurückweisung von allg. Prinzipien und Universalbegriffen; Suche nach alternativen Denk- und Darstellungsformen (also auch des Schreibens von philosophischen oder wissenschaftlichen Texten).
Postmodernismus in der bildenden Kunst und in der Literatur Seite 3
In einem weiteren Sinne als postmodern gelten manchmal auch die Pluralisierung, der Lebensstiele und ihre Expressivität, die Freude am Zitat und an der kulturellen Sinn überspringende Mischung von Stilelementen (etwa in der Jugendkultur), allg. die Missachtung von überkommenden kulturellen Sinngrenzen und Denkformen. Die Soziologie hat sich der Herausforderung des postmoderne n Denkens als ganzes noch kaum gestellt, im Einzelnen aber manche Anregung (etwa von M. Foucault) übernommen. 1
Während die M oderne davon lebt, dass immer nur eine einzige Art des künstlerischen Schaffens gültig sein kann (vgl. z. B. die normative Ästhetik Theodor W. Adornos), postuliert die Postmoderne den ästhetischen „Pluralismus“ und legitimiert das enthistorisierende Zitieren (Formen/Materialien älterer Kunst werden in neue Kontexte integriert). Im Unterschied zum elitären Charakter der Modernen will die Postmoderne populär sein, d. h. leicht konsumierbar und unmittelbar allgemeinverständlich (ohne Spezialkenntnisse zu erfordern); postmoderne Kunst ist daher programmatisch, demokratisch und arbeitet mit trivialem Material, wie es z.B. die Massenmedien (Fernsehen, Film, Pop-Musik) zur Verfügung stellen. Postmoderne Kunst ist die ästhetische Dimension des philosophischen Poststrukturalismus; sie praktiziert mit ästhetischen Mitteln Jacques Derridas Konzept der „Dekonstruktion“ von (gesellschaftlich/kulturell/traditionell generierten) Sinn-Hierarchien (etwa den Antagonismus von hoher und niederer Kunst) und legt ihrem Schaffen die ebenfalls auf Derrida zurückführbare Theorie der dissémination zugrunde (Streuung der Zeichen: Zeichen verweisen nicht auf Dinge, sondern wiederum nur auf Zeichen). 2
1 W. Fuchs-Heinritz, R.Lautmann, O. Rammstedt, H. Wienold; Lexikon zur Soziologie; S. 507
2 www.ndl-medien.uni-kiel.de
Postmodernismus in der bildenden Kunst und in der Literatur Seite 4
3. Entstehung des Begriffes „Postmoderne“
Erstmals wurde der Begriff „Postmoderne“ in der amerikanischen Literaturdepatte im negativen Sinn verwendet (1959) u.a. von Levin und Howe, um hier die Abflachung der Modernen zu kennzeichnen.
Allerdings war diese Negativdiagnose nicht als Anklage, sondern als Feststellung gemeint, die letztendlich nach dem Schema: Aufbruch der Modernen, bzw. der Novellierung, agierte.
„close the gap and cross the Border”
Erst 1966 kam es zu einer positiven Bewertung der postmodernen Literatur durch Susan Sontag und Leslie Fiedler. Für sie gab es entscheidende Merkmale der potmodernen Literatur :
- Grenzüberschreitung zwischen hoher und Massenkultur,
- zwischen Künstler und Publikum
Die Diskussion über die Postmoderne kam durch die Architektur nach Europa. Der Grundsatz, dass in der Literatur nichts Neues mehr zu schaffen sei, eine Position die bereits schon Thomas Mann vertrat, führt zu einem spielerischen Umgang mit dem bereits vorhandene n Material. Die anscheinende „Rückbesinnung“ auf Geschichte und Tradition erweist sich als Versuch, die überlieferten Verfahrensweisen zu einem neuen Ganzen zu collagieren. Dabei werden die Grenzen zwischen Kitsch und Kunst, Massenkunst und elitärer Kunstauffassung bewusst vermischt. Synonyme zu Postmoderne sind Transavantgarde und Spätmoderne, wobei der letztere Begriff die krasse Antithese zwischen Postmoderne und Moderne mildert. Ihr pluralistisches Selbstverständnis hat gerade der postmodernen Literatur des Öfteren den Vorwurf der Beliebigkeit eingebracht. 4
3 www.berg.heim.at.de
4 www.britannia.de
Postmodernismus in der bildenden Kunst und in der Literatur Seite 5
4. „Postmoderne“ Genealogie und Bedeutung eines umstrittenen Begriffs
Der Begriff der „Postmodernen“ ist mittlerweile aus keine m Bereich mehr
wegzudenken, sei es bei Tagungen, in der Kunst oder in der Literatur. Allerdings ist bis heute dieser Begriff noch immer nicht klar umrissen. Auch wissen die wenigsten, was der Begriff „Postmodern“ eigentlich zum Ausdruck bringen will. Letztendlich soll diese Bezeichnung, zur Bestimmung unserer Gegenwart und absehbaren Zukunft dienen, da wir nicht mehr in der Modernen, sondern in einer Zeit nach der Modernen leben. Dieser Ausdruck ist allerdings äußerst facettenreich und umstritten:
• hinsichtlich seiner Legitimität, da einige meinen, es gäbe keine neuen Phänomene, die die Verwendung eines neuen Terminus rechtfertigen. Dieser Begriff wäre nur künstlich aufgebauscht worden. Auch sind einige Kritiker der Meinung, dass es den Zeitgenossen nicht zustünde, Epochenabschnitte festzulegen, dies sei die Aufgabe nachfolgender Generationen und Historiker.
• hinsichtlich seines Anwendungsbereichs, da der Begriff zunehmend inflationär gebraucht wird. Ursprünglich kommt dieses Abstraktum aus den Literaturwissenschaften, und hat sich mittlerweile sukzessiv in allen Bereichen ausgebreitet.
• hinsichtlich seiner zeitlichen Ansetzung, da z.B. in den USA, dort wo die Debatte ihren Ausgangspunkt hatte, das Phänomen der Postmodernen schon in den 50er Jahren angesiedelt wurde. Als der Begriff dann nach Europa kam, sprach man in den USA bereits schon von dem Begriff des Post-Postmodernismus. Allerdings behauptete z.B. Arnold Toynbee, dass die Postmoderne bereits schon 1875 angefangen hat. Auf diese Aussage hat dann Umberto Eco (Der Name der Rose) mit einem gewissen Sarkasmus geäußert, dass demnächst der Begriff schon bereits zu Homers Zeiten angesiedelt werden kann. Umberto Eco hat wohl aber nicht damit gerechnet, dass dann Jean-Francois Lyotard, der Paradephilosoph der Postmodernen, tatsächlich denn Begriff dann zu Zeiten von Aristoteles ansetzte.
Arbeit zitieren:
Claudia Karrasch, 2002, Postmodernismus in der Literatur, München, GRIN Verlag GmbH
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