Inhaltsverzeichnis
Einleitung 3
1. Kurze Biographie 4
2. Die Ethoslehre aus der Sicht des Boethius (Buch I, I) 5
3. Der Musikbegriff des Boethius (Buch I, II) 9
4. Die Definition des musicus (Buch I, XXXIV) 12
5. Zusammenfassung 14
Literaturverzeichnis. 16
2
Einleitung
Diese Seminararbeit ist eine analytische Betrachtung einiger ausgewählter Kapitel aus Boethius’ De institutione musica. Diese Schrift stellt das griechische Musiksystem dar, wurde aber auch im Mittelalter vielfach benutzt und nachgeahmt. 1 Es ist eine logische Schrift. Der mathematische Einschlag tritt stark hervor. Neben Platon und Aristoteles nutzte Boethius Nicomachos von Gerasa, Euklid und Ptolemaios als Quellen. 2 Die politische und kulturelle Geschichte des Mittelalters sind nicht ohne den Einfluß des Christentums zu verstehen. Das Christentum wird im vierten Jahrhundert zur römischen Staatsreligion und damit zum Träger der politischen Herrschaft und der Kultur. Es entwickelte sich eine christliche Literatur, bildende Kunst und Musik. Boethius lebte in einer Zeit, in der sich christliche Kultur und antik-heidnisches Gedankengut überschnitten. Musik war im Mittelalter rituell. Der antik-griechische Musikbegriff „mousiké“ galt als Einheit von Klang, Bewegung und zugrunde-liegendem Text. Dichtung und Tanz gehörten eng zusammen. Nach Ansicht der Theoretiker war Musik ein Mittel zur „Vervollkommnung des Geistes“. Die griechischen Philosophen haben bereits einige Jahrhunderte vor Christus untersucht, daß Musik in einer Wechselbeziehung zu seelischen Vorgängen steht. Bestimmte Arten von Musik lösen bestimmte Gefühle aus. Umgekehrt lassen sich auch Gefühle durch Musik ausdrücken. Pythagoras entdeckte, daß Musik auf Zahlengesetzen beruhe. Daraus erklärte er sich die geheimnisvollen Zusammenhänge zwischen Musik und Mensch. Musik könne sowohl die körperliche, als auch die seelische Verfassung des Menschen beeinflussen. 3 Die ethische Bewertung der Musik hat hier ihren Ursprung. Musik galt nicht nur als kathartisch, reinigend, sondern sie hatte auch erzieherische Werte und eine erheiternde, entspannende Wirkung. Es gibt keine einheitliche Ethoslehre. Die Grundlehre, daß der ganze Kosmos „Harmonie und Zahl“ sei, kann jedoch Pythagoras zugeschrieben werden. 4 Die Lehren des Pythagoras sind eine der von Boethius angegebenen Quellen. 5
1 Vgl. Lepel, Felix von, Die antike Musiktheorie im Lichte des Boethius, Berlin, 1958.
2 Vgl. Sassen, Ferdinand, „Boethius - Lehrmeister des Mittelalters“, in: Fuhrmann, Manfred und Gruber, Joachim, Boethius, Darmstadt, 1984, S.93/94.
3 Vgl. Neubecker, Annemarie Jeanette, Altgriechische Musik, Darmstadt, 1977, S.129.
4 Vgl. Neubecker, Annemarie, a.a.O., S.129-135.
5 Vgl. Sassen, Ferdinand, a.a.O., S.93/94.
3
De institutione musica ist ein Traktat in fünf Büchern. Ferdinand Sassen schreibt über den Autoren:
„Gleichwohl hat die Autorität des Boethius auf keinem Gebiet während des ganzen
Mittelalters eine derartig unbestrittene Gültigkeit behalten wie auf dem der Musik“ 6
1. Kurze Biographie
Anicius Manlius Torquatus Severinus Boethius wurde zwischen 470 und 482 nach Christus in Rom geboren. Ein genaues Datum seiner Geburt ist nicht bekannt. 7 Er stammte aus einer angesehenen römischen Familie. Er wurde früh zum Waisenkind und von seinem zukünftigen Schwiegervater Quintus Aurelius Symmachus aufgenommen. Bereits in seiner Jugend beschäftigte er sich mit philosophischen, mathematischen und musiktheoretischen Schriften. 8 Die heutige Wissenschaft ist sich nicht einig, ob er in Athen studiert hat. 9 Boethius war verheiratet und hatte zwei Kinder. Im Jahr 510 nach Christus wurde er zum römischen Konsul ernannt. Er war Mitglied des Senats. Seit 493 n. Chr. war Theoderich der Große 10 König von Italien. Unter seiner Herrschaft entwickelte sich Italien, damals das Ostgotenreich, zu hoher Blüte. 11 Wahrscheinlich durch Verleumdung wurde Boethius des Hochverrats beschuldigt. Um 524 n. Chr. wurde er verhaftet. Der Senat in Rom veranlaßte, daß Boethius in Abwesenheit zum Tode verurteilt wurde. 12 Im Jahr 524 oder 526 nach Christus wurde er hingerichtet. Nach seinem Tod erhielt Boethius den Status eines Märthyrers. Er wurde heilig gesprochen. Seit 1923 ruhen seine Gebeine in der Kirche San Pietro in Ciel d’Oro in Pavia. Unter dem Namen des Boethius wurde ein reicher literarischer Nachlaß verfaßt. Eine Schrift ist das Trostbuch der Philosophie De consolatione philosophiae. Es besteht, wie De institutione musica aus fünf
6 Sassen, Ferdinand, a.a.O., S.94.
7 Vgl. Blume, Friedrich, Die Musik in Geschichte und Gegenwart, Band 2, Kassel und Basel, 1952, S.49.
Lepel, Felix von, a.a.O., S.7f.
8 zum Beispiel: Platon, Aristoteles, Pythagoras.
9 Vgl. Blume, Friedrich, a.a.O., Lepel, Felix von, a.a.O., Neitzke, Ernst, Boethius, Trost der Philosophie, Stuttgart, 1959.
10 In den deutschen Heldensaagen ist dieser bekannt als Dietrich von Bern.
11 Schwachulla, Wolfgang, Wolf, Dr. Karl Henning, Der Brockhaus in einem Band, Leipzig, 1993, S.885.
12 „ohne, daß ihm Gelegenheit gegeben wurde, seine Unschuld, von welcher die spätere Geschichtsforschung überzeugt war, zu beweisen.“ Lepel, Felix von, a.a.O., S.5.
4
Büchern. Außerdem sind Übersetzungen, Bearbeitungen und Erläuterungen älterer Werke erhalten. Die griechische Sprache reichte nicht mehr aus und Boethius übersetzte deshalb einige Schriften ins Lateinische. 13 So machte er sie den christlichen Völkern zugänglich. Er bearbeitete vorwiegend Schriften mit mathematischem oder philosophischem Inhalt. Dazu zählen zum Beispiel die Geometrie von Euklid 14 , die Arithmetik von Nicomachos aus Gerasa 15 , die Categoriae, Analytica und andere logische Schriften des Aristoteles 16 . Dadurch übte er einen großen Einfluß auf die Mittelalterliche Scholastik aus. Dazu schreibt Ferdinand Sassen:
„Boethius hat die Scholastiker gelehrt, die Logik sowohl als Wissenschaft als auch als Kunst
zu üben.“ 17
Chronologisch stehe Boethius am Anfang des Mittelalters. Doch nach seiner Philosophie gehöre er noch dem Altertum an. 18
2. Die Ethoslehre aus der Sicht des Boethius (Buch I, I)
Musicam naturaliter nobis esse coniunctam et mores vel honestare vel evertere 19 Um die ethische Wirkung von Musik in der Vorrede zu Buch I des Traktats De institutione musica von Boethius verstehen zu können, betrachte ich im folgenden Kapitel meiner Seminararbeit die Begriffe Harmonie und Welt, die psychische Wirkung von Musik auf die Seele der Menschen im Zusammenhang mit dem Begriff Weltseele und politische, sowie kirchliche Absichten, die Wirkungsweise der Musik zu nutzen. Diesen Betrachtungen liegt die antike Weltanschauung bezogen auf Musik zugrunde.
Im römischen Altertum galt Musik als Mittel zur Erziehung. Sie war mit volkstümlichen und religiösen Kultgebräuchen verbunden. Dazu zählten unter
13 Vgl. Sassen, Ferdinand, a.a.O., S.83.
14 ca. 300 vor Christus
15 ca. 150 nach Christus
16 384-322 vor Christus
17 Sassen, Ferdinand, a.a.O., S.92.
18 Sassen, Ferdinand, a.a.O., S.82.
19 Friedlein, Gottfried, Anicii Manlii Torquati Severini Boetii De institutione musica, Frankfurt am Main, 1966, S.178, Z.22,23.
5
Arbeit zitieren:
Yvonne Stingel, 1999, Boethius "De institutione musica". Eine analytische Betrachtung ausgewählter Kapitel, München, GRIN Verlag GmbH
Dieser Text kann über folgende URL aufgerufen und zitiert werden:
Einbetten
DOI
Is He a Monster? - Caliban in William Shakespeare's 'The Tempe...
Seminararbeit, 17 Seiten
Zu: Pierre Boulez - "Structure prémiere livre à 2 pianos à 4 main...
Seminararbeit, 12 Seiten
Wirkung von Musik - Eine Bestandsaufnahme bisher vorliegender wissensc...
Studienarbeit, 46 Seiten
Herrmann - Hitchcock. A Partnership in Terror. Die Bedeutung von Berna...
Hausarbeit, 23 Seiten
Späte Streichquartette von Beethoven und Schubert
Hausarbeit (Hauptseminar), 25 Seiten
Caliban - his representation in Shakespeare's "The Tempest&qu...
Hausarbeit (Hauptseminar), 27 Seiten
Yvonne Stingel's Text Boethius "De institutione musica". Eine analytische Betrachtung ausgewählter Kapitel ist nun auf dem Buchmarkt erhältlich
Yvonne Stingel hat den Text Boethius "De institutione musica". Eine analytische Betrachtung ausgewählter Kapitel veröffentlicht
Yvonne Stingel hat einen neuen Text hochgeladen
J.L. Vives: de Institutione Feminae Christianae, Liber Primus: Introdu...
C. Fantazzi, C. Matheeussen
J.L. Vives: de Institutione Feminae Christianae: Liber Secundus & Libe...
C. Fantazzi, C. Matheeussen
Boethian Number Theory: A Translation of the de Institutione Arithmeti...
Michael Masi, Boethius
El Arbol de la Musica Tiempo de Comenzar Actividades
Louise Goss, Steve Betts, Laura Izaguirre
El negocio de la música : una guía práctica sobre el entorno profesion...
Paula Susaeta Cucalón, Paco Trinidad Barrantes
0 Kommentare