Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung Seite 3
2. Musik im Film Der Koch, der Dieb, seine Frau und ihr Liebhaber Seite 3
2.1. Memorial Seite 4
2.2. Miserere Seite 6
2.3. Book Depository Seite 8
3. Zusammenfassung Seite 10
4. Einführung in die Geschichte der Filmmusik Seite 11
5. Literaturverzeichnis Seite 13
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Einleitung
Im Allgemeinen fallen Filmkritiken und Filmanalysen sehr umfangreich aus. Die Filmanalyse hat in den letzten Jahren einen festen Platz in der Literaturwissenschaft bekommen 1 . Deshalb ist es sinnvoll, diesen Kurs der vergleichenden Analyse zwischen filmischen und literarischen Texten durchzuführen. Der Koch, der Dieb, seine Frau und ihr Liebhaber ist keine Literaturverfilmung. Es lassen sich jedoch Symbole für die Literatur in diesem Film finden: zum Beispiel die Bücher des Liebhabers Michael. Während der Gruppenreferatsarbeit habe ich mein Thema gefunden. Dies war gezielt durch mein hohes Interesse an der Musik. Diese zugrunde gelegte Arbeit ist die Betrachtung, welche Bedeutung die Musik in dem Film Der Koch, der Dieb, seine Frau und ihr Liebhaber hat. Der Film wurde 1989 auf den Internationalen Filmfestspielen in Venedig uraufgeführt. Der Regisseur ist Peter Greenaway 2 und die Musik wurde komponiert von Michael Nyman 3 , einem britischen Komponisten, der in der Zusammenarbeit mit Peter Greenaway bekannt wurde. Außerdem schrieb Michael Nyman die Musik zu Jane Campions Film The Piano. Die Michael Nyman Band besteht aus Klavier, Streichern: Violinen, Viola, Cello, Baß und Bläsern: Klarinette, Saxophon, Trompete. Peter Greenaway räumt meiner Thematik innerhalb des Films viel Raum ein, indem er sagt: „die Musik ist in meinen Filmen sehr wichtig“ 4 .
2. Musik im Film Der Koch, der Dieb, seine Frau und ihr Liebhaber
Ich betrachte die drei musikalischen Themen: Memorial, Miserere und Book Depository. Diese drei Themen sind immer wieder während des Films zu hören. Wegen der Prägnanz der Musik untersuche ich ihre Bedeutung im Film Der Koch, der Dieb, seine Frau und ihr Liebhaber in dieser Seminararbeit. Es gibt unterschiedliche Wirkungsebenen von Filmmusik: die kognitive und die emotionale Ebene 5 . Filmmusik kann Bestandteil des optischen Geschehens sein oder Begleitung. Die Musik unterstreicht Zeit, Ort und Millieu
1 Faulstich, Werner, „Einführung in die Filmanalyse“ in: Literaturwissenschaft im Grundstudium 1,
Tübingen, 1994.
2 Labenski, Jürgen, „Greenaway“ in: Krusche, Dieter (Hg.), Reclams Filmführer, Ditzingen, 1996,
S.744.
Greenaway, Peter, „Drehbuch“ Der Koch, der Dieb, seine Frau und ihr Liebhaber, Zürich, 1989.
3 Dahlhaus, Carl, Eggebrecht, Hans Heinrich, (Hg.), „Nyman, Michael“ in: Brockhaus Riemann
Musiklexikon Ergänzungsband, Mainz, 1995, S.199.
4 Schoenemann, Cora N., „Der Tagesspiegel 26.5.1990“ in: Freunde der Deutschen Kinemathek (Hg.),
Geschichte des Films in 365 Filmen ‘So viele Filme wie das Jahr hat.’ Nr. 337.
5 Vgl.: Bundeszentrale für politische Bildung ,(Hg.), Handbuch Medienarbeit, Opladen, 1991.
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der Handlung, markiert Übergänge, intensiviert Texte, vertieft emotionale Eindrücke und schafft Atmosphäre. Sie kann außerdem Gedankenverbindungen herstellen, die über das Optische hinausgehen. Die kognitive Ebene ist die Ebene der Erkenntnis. Sie wirkt als Lernzuwachs, Erwerb neuer Fakten und Vermittlung größerer Zusammenhänge. Die Musik hat hier die Form einer Requisite. Sie sollte der Zeit oder dem Milieu wirklich entsprechen 6 . Die emotionale Wirkungsebene schafft Sympathie oder Antipathie gegenüber den Darstellern. Das bedeutet, daß die Zuschauer die Gefühlsstimmungen des Films empfinden. Dazu dienen die Vorbildfunktion und die Bekanntheit der Darsteller. Die Musik soll an dieser Stelle Empfindungen hervorrufen und intensivieren. Wenn dem Hauptdarsteller die Tränen kommen, wird eine traurige, langsame Musik gespielt 7 . In dem Film Der Koch, der Dieb, seine Frau und ihr Liebhaber steht die Musik in Verbindung mit den Personen und den Farben der Räume. Der Koch ist die einzige neutrale Person. Seine Kleidung wechselt nicht die Farbe, wenn er den Raum wechselt. Durch den Küchenjungen, der das Miserere singt, gibt es dennoch eine Verbindung zu der Person des Kochs. Der Dieb und Restaurantbesitzer, Spica, wird von dem Memorial begleitet. Seine Frau und ihr Liebhaber, Giorgina und Michael, werden von dem Book Depository begleitet. Filmmusik ist eine funktionelle Musik. Als Leitmotiv verknüpft Filmmusik bestimmte Örtlichkeiten oder Personen miteinander. Eine weitere Technik des Einsatzes von Filmmusik ist die descriptive Technik. Hier ist die Musik leise unter Geräuschen und Dialogen zu hören. Stimmungen und Wirkungen werden durch die Musik verstärkt. Ihre Funktion ist illustrativ. Eine dritte Technik von Filmmusik ist die Mood-Technik. Hier geht es um Emotionalität und psychologische Stimulation. Die Musik ist zum Beispiel Ausdrucksmittel von Wahrnehmungen, Erinnerungen, Phantasievorstellungen und Gefühlen 8 . Ich betrachte die drei musikalischen Themen des Films Der Koch, der Dieb, seine Frau und ihr Liebhaber an kennzeichnenden Szenen. 2.1.Memorial
Das Stück Memorial dominiert im Film. Diese Musik ist nicht nur während des Films zu hören, sondern außerdem auch im Vorspann u nd im Abspann. Peter Greenaway
6 Beispiel: „Brautmarsch“ aus Wagners Oper Lohengrien als Musik zu einer Hochzeitsfeier.
7 Beispiel: Demme, Jonathan, Philadelphia, Musik von Bruce Springsteen,
Kieslowski, Krzyztof, Drei Farben Rot, Musik: Zbigniew Preisner
8 Vgl.:Faulstich, Werner, „Einführung in die Filmanalyse“ in Literaturwissenschaft im Grundstudium 1,
Tübingen, 1994, S.149-153.
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bezeichnet das Memorial als feierlichen Trauermarsch 9 . Dieses Musikstück ist keine typische Trauermusik. Es ist marschmäßig durchrhythmisiert und wirkt eher düster, hektisch und aufgewühlt, als traurig. Neben dem Rhythmus spielen die Instrumente, die Disharmonien und die Intensität eine große Rolle für den Charakter dieser Musik. Das Memorial erinnert durch den Rhythmus und die Instrumentation stark an die Musik aus Peter Greenaways The draughtman’s contract 10 . In dem Film Der Koch, der Dieb, seine Frau und ihr Liebhaber ist das Memorial immer in den Räumen des Restaurants zu hören. Das Memorial ist Ausdruck für Spica. Er ist der Böse und Mächtige in diesem Film. Die grundlegende Atmosphäre dieser Musik wird bereits von den Streichern geschaffen. Sie ist unheimlich und ungemütlich. Durch die Bläser wird die Stimmung gesteigert. Sie wird intensiver und noch deutlicher. Gerade die Trompete verleiht dem Stück eine zwar majestätische, aber auch klagende Charakteristik. Die Musik des Memorial paßt zu der Atmosphäre des Restaurants, ein Ort ausgeführt durch die Farbe Rot. Die Ausstattung des Restaurants wirkt geradezu monströs. Es ist eine Atmosphäre der Bonvivants. Das Essen unterstreicht dies: tote Gänse und Truthähne mit Federkleid, gebratene Schweine mit Kopf liegen zur Dekoration zwischen Weintrauben und Gemüse. Es wirkt eher abstoßend, als appetitanregend. Dies bestätigt, daß ernste Musik des Barock, der Klassik und der Romantik oft mit Edlem verbunden wird. In diesem Fall untermalt die Musik das gehobene edle Restaurant mit einer feierlichen Atmosphäre. Aber es geht keineswegs feierlich in dem Restaurant zu: Spica mit seinem ständigen Gerede und den Demütigungen gegenüber seinen Gästen und seine Kumpanen, die mit den Händen „fressen“, zerstören jegliche Feierlichkeit. Spica schikaniert alle, die sich in seiner Nähe befinden. Die Zuschauer des Films leiden mit. Hier wirkt der starke Rhythmus, der die innere Unruhe des brutalen Spica nach außen trägt und Ausdruck für die Disharmonie des musikalischen Themas ist. Dissonanzen lassen beim Hörer ein Verlangen nach Auflösung aufkommen. Die musikalischen Disharmonien sorgen für Unruhe und Anspannung innerhalb des Films. Das Stück Memorial ist immer im Restaurant zu hören. Dennoch bin ich zu dem Eindruck gelangt, daß es das Thema des Spica ist. Er ist der Herrscher des Restaurants. Ohne ihn wäre das Restaurant nicht das, was es ist. Alles richtet sich nach ihm und unterliegt seiner Gewalt. Es gibt eine Übereinstimmung zwischen der Charakteristik des Memorial und dem Charakter Spicas.
9 Schoenemann, Cora N., „Der Tagesspiegel“, siehe Fußnote Nr.4.
10 Es ist zum ersten Mal zu hören, wenn Mr. Neville sein fünftes Bild beginnt. Diese Musik wurde
ebenfalls von Michael Nyman komponiert.
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Arbeit zitieren:
Yvonne Stingel, 1998, Peter Greenaway - Der Koch, der Dieb, seine Frau und ihr Liebhaber, München, GRIN Verlag GmbH
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Peter Greenaway's Postmodern/Poststructuralist Cinema
Paula Willoquet-Maricondi, Mary Alemany-Galway
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