Prolog
1. Akt: Inszenierung der Leistungsfähigkeit - Die Weltausstellung 1888 1. Akt. 1. Szene: Die Entwicklung von Weltausstellungen bis 1888 1. Akt. 2. Szene: Exkurs zur Stadtbaugeschichte von Barcelona bis 1888 Gründe für die Weltausstellung in Barcelona 1888
1. Akt. 3. Szene: Städtebauliche Maßnahmen anlässlich der Weltausstellung 1888 1. Akt. 4. Szene: Auswirkungen der Weltausstellung von Barcelona 1888 2. Akt: Inszenierung der spanischen Eitelkeit - Die Weltausstellung 1929 2. Akt. 1. Szene: Die Entwicklung von Weltausstellungen von 1888 bis 1929 2. Akt. 2. Szene: Exkurs zur Stadtbaugeschichte von Barcelona von 1888 bis 1929 Gründe für die Weltausstellung in Barcelona 1929
2. Akt. 3. Szene: Städtebauliche Maßnahmen anlässlich der Weltausstellung 1929 2. Akt. 4. Szene: Auswirkungen der Weltausstellung von Barcelona 1929 2. Akt. 5. Szene: Die weitere Entwicklung von Weltausstellungen 3. Akt: „Barcelona, posa’t guapa!“ - Die Olympischen Spiele 1992 3. Akt. 1. Szene: Die Entwicklung von Olympischen Spielen seit der Neuzeit 3. Akt. 2. Szene: Exkurs zur Stadtbaugeschichte von Barcelona von 1929 bis 1992 Gründe für die Olympischen Spiele in Barcelona 1992
3. Akt. 3. Szene: Städtebauliche Maßnahmen anlässlich der Olympischen Spiele 1992 3. Akt. 4. Szene: Auswirkungen der Olympischen Spiele von Barcelona 1992 4. Akt: Die Strategie - Das internationale Forum der Kulturen 2004 4. Akt. 1. Szene: Die Entwicklung von internationalen Kulturveranstaltungen 4. Akt. 2. Szene: Exkurs zur Stadtbaugeschichte von Barcelona von 1992 bis 2004 Gründe für die internationale Kulturveranstaltung in Barcelona 2004 4. Akt. 3. Szene: Städtebauliche Maßnahmen anlässlich des Forums der Kulturen 4. Akt. 4. Szene: Anmerkungen zum Forum der Kulturen von Barcelona 2004
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Epilog Quellennachweis
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Prolog
Quelle: Bearbeitung auf Grundlage von: Gausa, Manuel/ Cervello, Marta/ Pla, Maurici 2001: Barcelona: A guide to its modern architecture 1860 - 2002, Barcelona, S. O0. Vor vielen tausend Jahren, so berichtet das erste Buch Moses, regierte in Babylon der König Nabopolassar mit dem Ziel, Babylon zur prächtigsten Stadt der Welt zu machen. Er gab dem Oberbaumeister den Auftrag, den höchsten Turm der Welt zu bauen. Einen Turm, der bis zum Himmel reichen sollte. Als Gott den Übermut und das hartnäckige Bestreben der Menschen, immer höher und weiter zu bauen, sah, bestrafte er sie, indem er ihre Sprache verwirrte. Das Eindringen in die göttliche Sphäre, der Versuch, sich mit Gott zu messen, galt als moraltheologisch verwerflich und wurde zum Sinnbild des Hochmuts. Trotz der Verwerflichkeit übt das größte Turmbau-Projekt der Menschheitsgeschichte seit Generationen Faszination aus und dient als Vorbild für andere Bauvorhaben. Ein Beispiel ist Taipeh, die Hauptstadt von Taiwan. In der Stadt steht das höchste bewohnbare Gebäude der Welt. Die Süddeutsche Zeitung titelte im Oktober 2003: „Das Selbstbewusstsein von Taipeh wohnt im 101. Stock” (1). Doch sicher fühlen sich die Nutzer in dem 508 Meter hohen Haus nicht. Beunruhigend ist das Wissen, dass mehrmals pro Jahr heftige Taifune über Taiwan hinwegziehen und verheerende Schäden anrichten. Außerdem liegt die Insel in einem Erdbebengebiet. Warum nehmen die Taiwanesen diesen Bau des „Turm zu Babel” auf sich? „Wir fürchten, die Welt könne uns vergessen. Das Hochhaus werde Taipeh für alle sichtbar auf die Bühne der Welt heben”, so Harace Lin, Präsident des Baukonsortiums in Taipeh (2). Die taiwanesische Hauptstadt ist kein Einzelfall. Durch die zunehmende Standortkonkurrenz versuchen Städte weltweit sich mit waghalsigen städtebaulichen „Turmbau zu Babel“ - Projekten international bemerkbar zu machen, sich als zukunftsträchtigen Standort für internationale Unternehmen anzupreisen und externe
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Investoren anzulocken, in der Hoffnung trotz finanziell restriktiver Bedingungen neue Entwicklungen anzuschieben, Innovationen zu stimulieren und Wachstum erzeugen zu können. Mit Investitionen ins Stadtgefüge setzen Städte Zeichen, induzieren städtebauliche Entwicklung und prägen ihr Image neu. So zum Beispiel das beeindruckende Hochhaus in Taipeh, dass den Höhenrekord bricht und den üblichen baulichen Standart in jedem Aspekt überschreitet. Damit errichtete Taipeh ein Gebäude, dessen Eigenart die Ansichten der Stadtregierung widerspiegelt, mit dem Ziel internationale Finanzkonzerne für das Hochhaus begeistern zu können, die hier einziehen sollen, um 10.000 Menschen Arbeit zu geben. Dieses Beispiel zeigt, dass städtebauliche Projekte eine wichtige Rolle spielen. So schaffen Städte attraktive Standortvorteile mit Anbindungen an das internationale und nationale Verkehrsnetz, stärken technisch-naturwissenschaftliche Abteilungen des Forschung- und Universitätsbereichs, investieren in Messe-, Kongress- sowie Beherbergungswesen und in städtebauliche Highlights (3). Doch im harten internationalen Standortwettbewerb sind die notwendigen städtebaulichen Projekte aufgrund leerer Kassen nur schwer zu realisieren. Darum werden Städte immer abhängiger von öffentlichen Zuschüssen, um überhaupt Standortverbesserungen als Lockmittel für internationale Investoren einsetzen zu können. Neben dem Standortwettbewerb konkurrieren die Städte auch um Subventionen und müssen viel Phantasie entwickeln, um an die Zuschusstöpfe, die von Bundes- und Landesregierungen für verschiedene Zwecke angeboten werden, heranzukommen. Mit Phantasie ist hier das erfolgreiche Mittel „Großveranstaltungen“ gemeint, das den Städten in ökonomisch prekären Situationen die Finanzierung von städtebaulichen Vorhaben erleichtert oder überhaupt erst ermöglicht. Nicht ohne Grund bezeichnen Hartmut Häußermann und Walter Siebel Großveranstaltungen als „Kind von ökonomischer Stagnation, öffentlicher Finanzkrise und Deregulierung“ (4). Großveranstaltungen sollen helfen, sich im Kampf um die Gunst von Touristen, Investoren und um Subventionen zu behaupten. Für die großen Bauvolumen anlässlich einer Großveranstaltung sind hohe Investitionssummen erforderlich. Dadurch ist neben den Finanzzuschüssen der internationalen Veranstaltungsorganisation die finanzielle Unterstützung des Staates notwendig. So dienen Großveranstaltungen zur Akquirierung externer und normalerweise unerreichbarer Fördermittel für städtebauliche Modernisierungsmaßnahmen (5). Damit sind Großveranstaltungen große Subventionsumlenkungsmaschinen, denn sie mobilisieren Gelder, um die städtebauliche Modernisierung durchzusetzen. Häußermann und Siebel ziehen den Vergleich: „Die Stadt mit dem Zuschlag für die Olympischen Spiele ist gleichsam der Vogel im Nest, der am weitesten den Hals aufsperren kann, wenn sich irgendwo eine öffentliche Hand mit Geld darin zeigt“ (6). Großveranstaltungen fokussieren auch durch die Medien den Blick der ganzen Welt für eine begrenzte Zeit auf den Austragungsort und machen die neuen städtebaulichen Investitionen einem breiten Publikum sichtbar. Die Austragungsorte versprechen sich neben den unmittelbaren Wirkungen der Großveranstaltung, wie Investitionsschub, Tourismussteigerung und Ausbau von Infrastruktureinrichtungen, auch Anstoß- und Ausstrahlungseffekte auf die Standortqualität sowie das Image und damit Folgeinvestitionen Dritter. Neben der kampagneartigen Mobilisierung von Geldern, Menschen und Medien sind Großveranstaltungen weiterhin durch einen lange feststehenden Eröffnungstermin und durch eine kurze Dauer gekennzeichnet. Das bedeutet, dass die gesamte Energie der Vorbereitungsmaßnahmen auf ein räumliches und zeitliches Ziel, auf die jeweilige Großveranstaltung hin konzentriert ist. Während die Behörden mit wachsenden Orientierungs-, Steuerungs- und Legitimationsprozessen konfrontiert sind, bedeuten Großveranstaltungen Entbürokratisierung und damit Gestaltungsspielraum. Statt
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Entscheidungsunfähigkeit durch den Konsenszwang im Planungsrecht erlauben Großveranstaltungen durch den Zeitdruck langwierige Auseinandersetzungen mit kleinteiligem Widerstand abzubrechen. So fungieren Großveranstaltungen als Zeitmaschinen, indem sie Investitionen zeitlich verkürzt realisieren und die städtebauliche Entwicklung beschleunigen. Das birgt natürlich auch Risiken. Durch das beschleunigte Planungsverfahren werden Bedenken aus Zeitmangel weggeschoben und Aufträge zu schnell vergeben und realisiert. Damit stehen Großveranstaltungen nicht im Sinne der Prozesshaftigkeit. Mögliche negative Folgen sind, dass städtebauliche Maßnahmen nur während der Großveranstaltung genutzt werden können und die Nachnutzung der Planungen eher ungewiss ist, weil die Unterhaltung zu teuer ist oder die Stadt keine langfristige Verwendung dafür hat. Erfolg durch Großveranstaltungen versprechen sich die lokalen Politiker, die sich durch diese zu profilieren versuchen. Häußermann und Siebel schrieben dazu: „Projekte haben viele Vorteile gegenüber dem grauen Alltag des phantasielosen Verwaltens von Problemen, als das die Stadtpolitik heute vielfach erscheint. Sie demonstrieren Dynamik, setzen klare und neue Ziele, und sie machen außergewöhnliche Anstrengungen lohnend, denn der Zeitpunkt, an dem die Ernte eingefahren werden kann, liegt fest. Ein erfolgreiches großes Ereignis steigert nicht nur den Ruhm der Stadt, sondern auch den ihres Führungspersonals” (7). Versprochene Stadtbildverbesserungen werden realisiert und, wenn auch nur kurzfristig, Arbeitsplätze geschaffen. Denn ohne die Großveranstaltung wären die zur Verfügung stehenden Mittel bedeutend kleiner und ließen die Möglichkeiten schrumpfen. Doch gerade weil Politiker anlässlich der Großveranstaltungen ihr Ansehen und das Image der Stadt mit „Sahnestückchen” verbessern wollen, konzentrieren sie sich ausschließlich auf die rentablen Projekte, warnen Häußermann und Siebel. So gewinnt die nächste Wahl, wer sich mit Leistungen für die Mehrheit profilieren konnte. Statt in die Verkehrsinfrastruktur und in soziale Dienstleistungen zugunsten der schwächeren sozialen Gruppen zu investieren, werden städtebauliche Maßnahmen im Sinne der einkommensstarken Bevölkerungsteile, der externen Investoren und der Touristen durchgeführt, die der Stadt langfristig ökonomische Erträge, wie Steuereinnahmen und Arbeitsplätze bringen. Infrastrukturausstattungen und soziale Dienstleistungen für einkommensschwache Personen sind im Vergleich mit großen Prestigeprojekten ein politisches Verlustgeschäft, das zudem hohe Kosten verursacht. Dadurch können Großveranstaltungen zu einem Gentrifizierungsprozess führen (8). So werden die ärmeren Bewohner auf der Bühne des „urban chic“ durch den Wunsch nach internationalem Prestige der Stadt zunehmend als Störfaktor wahrgenommen, denn auf der Bühne der Großveranstaltungen sollen die lukrativen Lebensmaximen: Wachstum, Reichtum, Schönheit weltweit präsentiert werden. Nach dem Motto: „Aus dem Platz der Umsatz wartet“, werden die einkommensschwachen Bevölkerungsteile aus der Stadt verdrängt, da sie nicht mehr in das geschönte Bild passen (9).
Laut Häußermann und Siebel werden Großveranstaltungen seit den 80er Jahren bevorzugt als Instrument in der Stadtentwicklung eingesetzt. Die beiden Architektursoziologen bezeichnen dieses Instrument auch als „Stadtpolitik der Festivalisierung”. Nun fungieren Städte nicht erst seit den 80er Jahren als Austragungsorte für Weltausstellungen, Olympische Spiele oder andere Großveranstaltungen. Gewandelt hat sich aber nach Häußermann und Siebel „der Stadt- und gesellschaftspolitische Kontext, in den die Großveranstaltungen eingebettet sind” (10). Das heißt, dass Großveranstaltungen immer stärker mit sekundären städtebaulichen Vorhaben in Zusammenhang gebracht werden, die dann, so ist die These der Autoren, als Motor gelten, „um den Umbau der Stadt, den Ausbau der
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(Verkehrs)Infrastruktur und die regionale Wirtschaft anzutreiben” (11). Die Gründe dafür sehen Häußermann und Siebel in den eingeengten Handlungsbedingungen und Handlungsspielräumen der lokalen Politik, die durch den globalen Strukturwandel hervorgerufen werden. Großveranstaltungen scheinen Stadtentwicklungsprojekte zur Dynamisierung städtischer und regionaler Entwicklungen zu sein. „Von Kritik kaum tangiert, versprechen sie Fortschritt, Leistungssteigerung und Verbesserung der Lebensqualität, deren Maxime freilich durch Kommerz und Showbusiness vorgegeben wird” (12). So titelte die Neue Züricher Zeitung am 9./10. Mai 1993 über die mit Manchesters Olympia-Bewerbung verbundenen Hoffnungen des Vize-Chefs der dortigen Stadtexekutive: „Olympia als Chance zur urbanen Erneuerung” und berichtete weiter: “Olympia, und das Glück der Stadt ist gemacht. Wenn einmal der Entscheid gefallen ist, stelle sich alles von selbst ein - Geld, Ruhm, Unternehmergeist” (13). Städte hoffen, durch eine Großveranstaltung den großen Sprung nach vorn zu schaffen, und bewerben sich mit millionenschweren Etats als Austragungsorte. Kritiker bezeichnen nicht ohne Grund Großveranstaltungen als modernes Babel, denn mit spektakulären städtebaulichen Projekten wird die Stadt geschmückt, wird versucht, alles bis dahin Vorhandene zu übertreffen, um die Welt in Staunen zu versetzen. „Der sportliche, kulturelle oder wirtschaftliche Wettkampf findet im Bereich der Marktstrategien statt, das olympische altius, citius, longius ist längst auf Planungskategorien verlagert” (14). Das hat auch seinen Preis. Viele Austragungsorte wachen am Tag nach der Feier mit einem finanziellen Kater auf. Die finanzielle Verschuldung der Städte führt dazu, dass weitere notwendige Planungsprojekte für Jahre nicht mehr realisierbar sind und die Stadt erst einmal mit dem Abbezahlen der Schulden zu tun hat.
Vor diesem Hintergrund wird im Folgenden am Beispiel der Stadt Barcelona der Zusammenhang von Großveranstaltungen und der städtebaulichen Entwicklung dargestellt. Barcelona gilt als ein Paradebeispiel für städtebauliche Umwälzungen, die durch Großveranstaltungen ausgelöst wurden. Die Stadt versteht es, internationale Veranstaltungen in die Stadt zu holen, um lang gehegte Stadtentwicklungspläne zu realisieren und sich weltweit zu präsentieren. Im Laufe der Geschichte wurde die städtebauliche Entwicklung der katalanischen Hauptstadt von vier Großveranstaltungen geprägt: den beiden Weltausstellungen 1888 und 1929, den Olympischen Spielen 1992 sowie dem aktuellen, internationalen Forum der Kulturen 2004. Was waren und sind die Gründe für Barcelona Großveranstaltungen durchzuführen? Ein Argument könnte sein, dass die katalanische Hauptstadt die Großveranstaltungen als Motor für längst geplante städtebauliche Maßnahmen nutzte und sich damit auf Erfolg berufen konnte. Die als positiv zu bewertende, städtebauliche Entwicklung von Barcelona basiert auf Großveranstaltungen, so dass die Stadt diesen Prozess durch neue Großveranstaltungen zu verlängern versuchte und immer noch versucht (15). In meiner Arbeit möchte ich diese Argumente überprüfen sowie die folgenden Fragen beantworten:
- Erfuhr Barcelona tatsächlich durch die jeweiligen Großveranstaltungen einen enormen Modernisierungsschub in der städtebaulichen Entwicklung?
- Beschleunigte die Austragung von Großveranstaltungen in Barcelona die Durchführung ohnehin fälliger städtebaulicher Maßnahmen?
- Legte Barcelona den Schwerpunkt ausschließlich auf prestigeträchtige, städtebauliche Maßnahmen, dass das angesprochene Problem „Großveranstaltungen können Gentrifizierungsprozesse ankurbeln“ auf
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Barcelona zutrifft?
- Betrieb Barcelona erst mit den Olympischen Spielen und dem internationalen Forum der Kulturen eine handfeste Politik der Festivalisierung nach Hartmut Häußermann und Walter Siebel?
- Nahmen die städtebaulichen Dimensionen mit jeder Großveranstaltung zu? Um dem Leser das Verständnis für die Weltausstellungen, Olympischen Spiele und internationalen Kulturveranstaltungen zu erleichtern, wird die jeweilige Großveranstaltung in Barcelona in einen allgemeinen historischen Kontext eingebettet. Damit wird auch sichtbar, dass sich die Ausstellungsarchitektur in eine chronologische Abfolge bauhistorischer Kategorien einordnen lässt. Des Weiteren wird jeweils ein kleiner Exkurs zur städtebaulichen Entwicklung Barcelonas unternommen, um die Dimensionen der städtebaulichen Maßnahmen anlässlich der Großveranstaltungen deutlicher gegenüber zu stellen. Bei der Bearbeitung werde ich mich ausschließlich auf die städtebauliche Entwicklung und die städtebaulichen Maßnahmen konzentrieren. Auf die wirtschaftlichen, sozialen sowie politischen Effekte von Großveranstaltungen wird nur am Rande eingegangen, soweit die Aspekte für das zu untersuchende Thema wesentlich sind. Politologen, Wirtschaftsexperten sowie Soziologen seien damit angeregt, das Thema jeweils unter ihrem fachlichen Blickwinkel zu bearbeiten. Die Materialien für die Bearbeitung des Themas sind Bücher, Dokumente, Zeitungsveröffentlichungen, und, aufgrund der Aktualität des internationalen Forums der Kulturen 2004 Interviews mit beteiligten Planungsbüros. Ergänzt wird diese Rekonstruktion durch eigene Beobachtungen, die ich gewissermaßen als interessierter Flaneur in Barcelona anstellte. Der Aufbau der Ausarbeitung ist der eines Theaterstücks mit Prolog, vier Akten und einem Epilog. Die vier Akte geben Auskunft über die jeweils vier durchgeführten Großveranstaltungen von Barcelona. Die Idee zu dieser Form der Ausarbeitung gab Dieter Eisfeld, der in seinem Buch „Commedia dell Expo” schrieb, „Weltausstellungen seien ein Schauspiel und lassen sich unter diesem Blickwinkel am besten schildern” (16). Meiner Ansicht nach sind jedoch alle Großveranstaltungen ein Schauspiel, da sie wie in Barcelona für das Publikum inszeniert werden.
(1) Reim 2003, S. 3 (2) ebd., S. 3 (3) vgl. Häußermann/ Siebel 1993 (4) ebd., S. 13 (5) vgl. ebd. (6) ebd., S. 16 (7) ebd., S. 10 - 11 (8) vgl. ebd. (9) vgl. Dangschat 2003 (10) Häußermann/ Siebel 1993, S. 8 (11) ebd., S. 17 (12) Borngässer-Klein 1992, S. 91 (13) Häußermann/ Siebel 1993, S. 8 (14) Borngässer-Klein 1992, S. 91 (15) vgl. Ehrenberg/ Kruse 2000, S. 86 (16) zit.n. Selle 2002, S. 29
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1. Akt: Inszenierung der Leistungsfähigkeit - Die Weltausstellung 1888
Quelle: Bearbeitung auf Grundlage von: Gausa, Manuel/ Cervello, Marta/ Pla, Maurici 2001: Barcelona: A guide to its modern architecture 1860 - 2002, Barcelona, S. O0. 1. Akt. 1. Szene: Die Entwicklung von Weltausstellungen bis 1888 Mitte des 19. Jahrhunderts gewannen die nationalen Industrieausstellungen enorm an Bedeutung. Bei diesen Messen präsentierten die Industrieländer ihre Waren und neuesten technischen Errungenschaften zum Zweck des Leistungsvergleichs und zur Förderung des Absatzes. Der Engländer Henry Cole gab den Anstoß für eine internationale Industrieausstellung, die die Bestrebungen der sich universell entwickelnden Industrieländer in den Bereichen der Technik und Bildung sowie der wirtschaftlichen Vernetzung wie in einem Knotenpunkt zusammenfassen sollte. Die Idee der Weltausstellung als Mittel des friedlichen, wirtschaftlichen Wettstreits der Völker untereinander war geboren. In einem temporären Ausstellungsgebäude sollten für wenige Monate die neuesten Industriegüter und Erfindungen präsentiert und von einem internationalen Preisgericht beurteilt werden. Im Jahre 1851 lud London zur ersten “Great Exhibition of the Works of Industry of all Nations” ein (1). Für diese internationale Leistungsschau von Produkten und Produzenten wurde ein beeindruckendes Ausstellungsgebäude errichtet: Der Kristallpalast. Der Landschaftsarchitekt Joseph Paxton errichtete den Kristallpalast nicht in der damals typischen Bauweise aus festem Mauerwerk, sondern aus den modernen Materialien Eisen und Glas. Seine filigrane Konstruktion ließ eine lichtdurchflutete Halle entstehen und löste den Gegensatz von innen und außen auf. Der Palast wurde im Hyde Parc errichtet. Bäume, die auf der Baufläche standen, integrierte Joseph Paxton in seine Architektur, indem er das Querschiff mit einem 33 Meter hohen Tonnengewölbe aus Glas überdachte. Der aus Fertigbauteilen in nur sechs Monaten
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Der Kristallpalast, London 1851
Quelle: Friebe, Wolfgang 1983: Architekturen der Weltausstellungen, Leipzig, S. 28.
errichtete Kristallpalast war 563 Meter lang und 124 Meter breit (2). Ein Gebäude wie dieses hatte die Welt noch nicht gesehen: entsprechend groß war die Faszination der Besucher. Diese Faszination war wesentlich für den grandiosen Erfolg der ersten Weltausstellung verantwortlich und führte dazu, dass das Ausstellungsgebäude Vorbild für die folgenden Eisen-Glas-Konstruktionen wurde, die sich in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts verbreiteten. Doch nicht nur die Bauweise war neu,
Der Kristallpalast, Innenansicht
Quelle: Beutler, Christian 1973: Weltausstellungen im 19. Jahrhundert, München, S. 10. sondern auch der Zweck des Kristallpalastes. Zum ersten Mal in der Geschichte wurden die technischen Errungenschaften aller Industrienationen zu einer vergleichenden internationalen Zusammenstellung vereinigt. Die erste Weltausstellung war ein internationaler Erfolg. Durch etliche Multiplikationen wie den Ausstellungsberichten in Zeitungen, Ausstellungskatalogen oder der Mundpropaganda durch faszinierte Besucher wurde die Idee der Weltausstellung in alle Länder getragen (3). So schrieb ein deutscher Besucher nach Hause: „Wer die Ausstellung besuchte, unternahm eine industrielle Weltreise” (4). Die „Great Exhibition of the Works of Industry of all Nations“ war „die Geburtsstunde des modernen Massentourismus” (5) und „die erste moderne, kommerzielle Massenveranstaltung“ (6). London gab den Startschuss. „In einer wahren Euphorie reihte sich in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts Weltausstellung an Weltausstellung” (7). Dabei versuchte jedes Land größere, spektakulärere und sensationellere Schauen zu veranstalten, um sich der Welt in Glanz und Gloria präsentieren zu können. Mit noch beeindruckenderen Ausstellungshallen, die den Kristallpalast in den Schatten stellen sollten, noch attraktiveren und größeren
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Standorten, sowie einer noch breiteren, internationalen Beteiligung wetteiferten die Ausstellungsländer untereinander. Die Finanzierung übernahm im Regelfall der Staat. Nur so war es möglich, die immer umfangreicher werdenden städtebaulichen Projekte realisieren zu können. Bei der Weltausstellung in Paris 1855 wurde die Industrie- zur Universalausstellung erweitert. Neben Industriegütern wurde den Besuchern auch Kunst und die landestypische Kultur gezeigt. Die Folge dieser Angebotserweiterung war, dass die Industriepaläste die Fülle des Auszustellenden nicht mehr aufnehmen konnten. Die Maschinenhalle auf dem Champs de Mars war der letzte Versuch, die „überbordende Welt der Produkte und Produktionsverfahren unter ein Dach zu zwingen. Er scheiterte an der gewachsenen Komplexität der Welt” (8). Aus diesem Grund bot Paris 1867 den einzelnen Ländern Fläche zur Errichtung von eigenen
Maschinenhalle auf dem Champs de Mars, Paris 1867
Quelle: Beutler, Christian 1973: Weltausstellungen im 19. Jahrhundert, München, S. 68. temporären Ausstellungsbauten an. Mit beeindruckenden Formen und den modernsten Baumaterialien errichteten die Länder ihre Pavillons, die ein Konglomerat der jeweiligen Historie sowie Tradition in Architektur und Kultur waren. In den Pavillons zeigten die einzelnen Nationen ihre neuesten Erfindungen aus dem Bereich der Technik. Bei der nächstfolgenden Weltausstellung in Wien 1873 boomte der Pavillonbau. Weiterhin befanden sich auf dem 233 Hektar großen Gelände zahlreiche Restaurants, Kaffeehäuser und Bierhallen, in denen Musik gespielt wurde: Die internationale Industrieausstellung verkam zum Vergnügungsspektakel. Verstärkt hat diesen Trend die Weltausstellung von 1876 in Philadelphia. Damit wurde in Amerika erstmals der wirtschaftliche Nutzen erkannt, der aus dem Showcharakter dieser
Das Ausstellungsgelände von Philadelphia 1876
Quelle: Beutler, Christian 1973: Weltausstellungen im 19. Jahrhundert, München, S. 90.
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Großveranstaltungen zu ziehen war. Die imposanten Ausstellungsbauten waren in einem Park mit etlichen Amüsiermeilen eingebettet. Die Anlage „diente als Vorbild für reine Vergnügungsparks, wie zum Beispiel Disneyland“ (9). Ein weiterer Aspekt bei Weltausstellungen war die Aufwertung der Infrastruktur des Veranstaltungsortes durch staatliche oder private Subventionen. War das Fest dann einmal vorbei, wurde oft die Nachnutzung der immer größer werdenden Ausstellungsflächen zum Problem. Vor allem die immer höheren Kosten für die aufwendig gestalteten Weltausstellungen
bereiteten den Städten nachhaltig große Schwierigkeiten. Dennoch nahm die Euphorie, eine Weltausstellung durchzuführen, nicht ab. Die Aussicht auf Ruhm und Prestige weltweit und die Darstellung der nationalen Identität waren die Motoren dieser Entwicklung. Auch Barcelona nutzte die Popularität von Weltausstellungen als probates Mittel um die städtebaulichen Vorhaben anzukurbeln, die Stadt weltweit zu präsentieren und die Exportindustrie zu fördern. Dafür wurde der Parc de la Ciutadella anlässlich der Weltausstellung 1888 gestaltet und mit einer pompösen Ausstattung versehen.
(1) vgl. Kretschmer 1999 (2) vgl. ebd. (3) vgl. ebd. (4) ebd., S. 20 (5) ebd., S. 54 (6) ebd., S. 52 (7) ebd., S. 59 (8) ebd., S. 86 (9) ebd., S. 100
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1. Akt. 2. Szene: Exkurs zur Stadtbaugeschichte von Barcelona bis 1888
Quelle: Bearbeitung auf Grundlage von: Gerischer, Andrea 1992: Barcelonas Ensanche, Berlin, S. 13. Exkurs zur Stadtbaugeschichte von Barcelona bis 1888 Geographisch liegt Barcelona am Mittelmeer, wird im Westen sowie Norden durch die Hügelzonen des Montjuïc und Tibidabo und nach Osten hin durch das Flussbett des Riu Besós eingegrenzt. Die nahezu rechteckige Grundform der Altstadt geht auf die Regierungszeit des Kaisers Augustus zurück. Barcelona war seit dem Mittelalter bis zum frühen 18. Jahrhundert die Landeshauptstadt von Katalonien unter der Krone von Aragon mit einer eigenen Regierung, Generalität und einem eigenen Steuer-, Münz- und Militärwesen. Im spanischen Erbfolgekrieg (1701 - 1714) kämpften die Katalanen mit den Habsburgern gegen die siegreichen Bourbonen. Nach der Niederlage wurde Katalonien gemäß den Verfügungen des Friedens von Rastatt und Baden der Herrschaft der Zentralregierung von Madrid unterworfen und die freie Staatsorganisation aufgelöst. Um den Widerstand zu brechen, unterdrückten und bekämpften die neuen Machthaber jegliche katalanische Eigenheit: Die Generalität wurde aufgehoben, die katalanische Sprache und die hoheitlichen Rechte verboten. Damit verlor Katalonien seine staatsrechtliche Identität. Des Weiteren wurde der Stadt untersagt den Glacisbereich zu bebauen, wodurch eine expansive Stadterweiterung unmöglich war. Auch zwangen die neuen Machthaber Barcelona den Status einer Festungsstadt auf. Auf Befehl der Zentralregierung errichtete der Ingenieur Prosper Verboom innerhalb des Fortifikationsringes, auf dem Wohnviertel La Ribera, ein Militär- und Bürgergefängnis, die Ciutadella. Dabei verloren 4000 Katalanen ihre Häuser. Eine weitere Zwingburg wurde auf dem Montjuïc gebaut.
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Im Hintergrund das Castell de Montjuïc
Quelle: Montaner, Josep Maria 1992: Barcelona - Stadt und Architektur, Barcelona, S. 12. Dieser abrupt ins Meer abfallende 173 Meter hohe Hügel, bestimmend für das Stadtbild, wurde von dem wuchtigen Castell de Montjuïc gekrönt. Beide Gefängnisse symbolisierten die Unterdrückung der katalanischen Souveränität. Die Besatzungsstreitmacht wurde in die Bereitschaft versetzt, jeglichen Aufstand im Keim zu ersticken. Eduardo Mendoza schilderte das Szenario in seinem Buch „Stadt der Wunder“: „Auf dem Gelände der Zitadelle wurden die des Aufruhrs Bezichtigten gehängt und die leblosen Körper der hingerichteten Patrioten den Geiern zum Fraß vorgeworfen“ (1). Die Bewohner versuchten ein paar Mal die Ciutadella zu stürmen. Doch alle Aufstände wurden blutig zerschlagen. Während die Unterdrückten um die Opfer trauerten, spotteten „die Verteidiger der Festung ihrer Angreifer, indem sie durch die Schießscharten auf Tote und Verletzte urinierten“ (2). Wie sehr die Bewohner unter der Unterdrückung litten, zeigen die Bevölkerungszahlen: „Hatte Barcelona Ende des 14. Jahrhunderts noch 35.000 Einwohner, so zählte die Stadt 1718 lediglich 32.000“ (3). Mitte des 18. Jahrhunderts kam ein Nachfolger Philipps V. in Madrid an die Macht, der ein weitsichtigerer Herrscher war und Katalonien den langersehnten Zugang zu den amerikanischen Kolonien ermöglichte. Katalonien fand dadurch zu einer wenigstens wirtschaftlichen Eigenständigkeit zurück. Durch den florierenden Handel mit Baumwolle und der Krise in der Landwirtschaft kamen viele Menschen nach Barcelona. Die Bevölkerungszahl in Barcelona stieg bis 1818 auf 80.000 Einwohnern an. Gegen Ende des 18. Jahrhunderts führte das Bevölkerungswachstum und das Errichten von Produktionsstätten zu einer Verknappung des Baugrundes. Obwohl der Platzmangel in der Stadt zum Problem wurde, duldete die Zentralregierung in Madrid weiterhin nur städtisches Wachstum innerhalb der Stadtmauer. Die einzige Ausnahme war das Fischerviertel Barceloneta. Der Stadtteil wurde von Militäringenieuren auf einer dreieckigen Landzunge in einem Rechteckraster angelegt und nachträglich in die Stadt integriert. „Im Barri de la Barceloneta wurden die Prinzipien eines neuen städtebaulichen Denkens umgesetzt: Rationalität, Wiederholung und Hygiene. Linear angelegte, eng zusammengerückte Häuserzeilen bestimmten die Anlage des am Zeichentisch entstandenen Viertels“ (4). Das Projekt sollte den Verlust an Wohnraum verursacht durch den Bau der Ciutadella nachträglich kompensieren (5). Mit Ausnahme des Hafenviertels Barceloneta
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Grundriß des Barri de la Barceloneta
Quelle: Montaner, Josep Maria 1992: Barcelona - Stadt und Architektur, Barcelona, S. 18. beschränkte sich für circa 100 Jahre jegliche Bautätigkeit auf den Raum innerhalb der mittelalterlichen Stadtmauern. Diese Tatsache führte zu einer immer höheren Ausnutzung des vorhandenen Baugrundes und damit zu einer Verdichtung und Aufstockung des Baubestandes.
Barcelona bekam von der Regierung in Madrid die Erlaubnis, die längst nutzlose innere Stadtmauer entlang der Rambla zu beseitigen. Da die Zentralregierung weiterhin an dem Bauverbot außerhalb des Schlussfeldes festhielt, konnten bis Mitte des 19. Jahrhunderts keine städtebaulichen Reformen durchgesetzt werden, die der Struktur der heranwachsenden Industriestadt förderlich gewesen wären. So behalf sich die erste Stadtverwaltung in den 1820er Jahren weiterhin mit stadterneuernden Eingriffen in das mittelalterliche Stadtgewebe. Zum Beispiel wurde 1824 eine zusätzliche Hauptstraße mit den Öffnungen der Carrer de Ferran, Jaume I und Carrer de la Princesa geschaffen. Dieser Hauptstraßenzug setzte rechtwinklig an die Rambla an und verband diese mit dem in der Umgebung der Ciutadella gelegenen Parc Jardí del General (6). Die großzügig dimensionierte Plaça del Palau ist ein weiteres Beispiel für punktuelle urbanistische Eingriffe. Doch konnten diese Einzelmaßnahmen nichts gegen die Enge in der Stadt bewirken. Im Jahre 1834, nach dem Ausbruch der Cholera-Epidemie, verstärkte sich die Unzufriedenheit in der Bevölkerung. Es folgte die Phase der umstürzlerischen Unternehmungen. Im Juli 1835 brannten die Bewohner eine Vielzahl der Klosteranlagen nieder. Die beträchtliche Fläche städtischen Territoriums gelangte gemäß einem im August 1837 erlassenen Säkularisationsgesetz via Zwangsversteigerung in die öffentliche Hand (7). Die Parkanlagen Plaça Reial und die Plaça Medinaceli sowie der Bau des Teatre del Liceu und der Plaça del Palau waren städtebauliche Realisationen, die ihre Entstehung diesen Vorgängen verdanken.
Plaça Reial
Quelle: Fischer, Volker/ Bru i Bistuer, Eduard 1991: Neue Architekturtendenzen - Barcelona, Berlin, S. 14.
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Da eine Erweiterung der Stadt seitens der Regierung in Madrid untersagt blieb, entstanden Mitte des 19. Jahrhunderts außerhalb des Schlussfeldes kleinere ländliche Siedlungsgemeinschaften wie Gràcia oder Sants (9). In diesen umliegenden Dörfern wurden Industrieanlagen und Arbeiterquartiere errichtet, die die Stadt nicht mehr aufnehmen konnte. An einer von militärischen und politischen Restriktionen befreiten Stadterweiterung war vor allem das Besitzbürgertum in Barcelona in hohem Maße interessiert, einerseits, um neue industrielle Produktionsverfahren realisieren zu können, und andererseits, um Renditen durch den Bau von Mietshäusern abschöpfen zu können. Die starke Bodennachfrage hielt in der Stadt unvermindert an. Durch die künstliche Bodenknappheit kam es zu einer Monopolisierung des Grundbesitzes und zu einer Verteuerung der Mietpreise. Eduardo Mendoza schrieb über die Situation: „Das Wohnungsproblem war schrecklich; die astronomische Miete für Zimmer verschlang den Löwenanteil der Familieneinkünfte. Einige anschauliche Zahlen mögen hier von Nutzen sein. Mitte des 19. Jahrhunderts betrug Barcelonas Fläche 427 Hektar. Zur selben Zeit verfügte Paris über 7802, Berlin über 6310 und London über 31685 Hektar. Sogar eine auf den ersten Blick kleine Stadt wie Florenz belegte eine Fläche von 4226 Hektar, also zehnmal mehr als Barcelona. Die Zahl der Einwohner pro Hektar ist ebenfalls aufschlussreich: 291 in Paris, 189 in Berlin, 128 in London, 700 in Barcelona” (10). Die Stadt Barcelona war innerhalb des Mauerringes komplett mit Industrieanlagen und Wohnhäusern zugebaut. Auch die Ciutadella nahm den Bewohnern nötigen Raum, die um so stärker als Sinnbild für die verhasste Unterdrückung von außen empfunden wurde. Die Regierung in Madrid verhinderte unter fadenscheinigen strategischen Vorwänden, dass sich Barcelona ausdehnen konnte, um damit ein Wachstum und Erstarken der katalanischen Hauptstadt zu verhindern (11).
Nach der für Jahrzehnte fast stagnierenden städtebaulichen Entwicklung stimmte die Zentralregierung in Madrid aus Angst vor weiteren Seuchen im Jahr 1854 schließlich einer Schleifung der Befestigungsanlagen und einer flächenhaften Ausdehnung von Barcelona zu. Unter der Bedingung, dass das Castell de Montjuïc und die Ciutadella erhalten blieben, wurde im Dezember 1858 die Stadterweiterung erlaubt. Im April 1859 wurde ein Wettbewerb für den Entwurf zur Stadterweiterung ausgeschrieben. „Im Vordergrund standen dabei sowohl organisatorischzweckdienliche als auch ästhetisch-repräsentative Optionen; Zweckmäßigkeit und Schönheit sollten durch geeignete Maßnahmen der Stadtgestaltung gleichermaßen realisiert werden. So war etwa die verkehrsgerechte Verknüpfung der bestehenden Stadt mit den um die Stadt herum verstreuten ländlichen Nachbargemeinden gefordert, ein zentraler Platz mit schmückenden Denkmälern und öffentliche Bauten war erwünscht; des Weiteren galt es, Straßen und Plätze als architektonische Elemente mit gefälligen und monumentalen Perspektiven zu behandeln” (12). Eine königliche Verfügung vom 31. Mai 1860 wählte den Plan des katalanischen Zivilingenieurs Ildefonso Cerdà für die Erweiterung der Stadt, der Eixample. Der Planer wollte für die Bevölkerung eine gleichmäßige, für alle gerechte Wohnqualität schaffen. Deshalb wählte Cerdà eine Gleichförmigkeit des Rasters, richtete die Stadterweiterung nicht nach der Altstadt aus und forderte die Autonomie der einzelnen Stadtteile, die er durch die gerechte Verteilung von öffentlichen und sozialen Einrichtungen garantieren wollte (13). Ein orthogonales Straßenraster wurde für das gesamte Gebiet zwischen Meer und Tibidabo, Montjuïc und Riu Besós geplant. Die Hauptachsen sollten das gesamte Gebiet der Eixample durchziehen, an die alle Straßen mit 20 Meter Breite anschlossen. Die Avinguda de la Diagonal und
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Quelle: Berlinische Galerie (Hrsg.) 1991: Barcelona - Olympia - Architektur, Berlin, S. 46. die Avinguda Meridiana verlaufen diagonal durch das gesamte Gebiet. Der Schnittpunkt der zwei Hauptachsen mit der waagerecht verlaufenden Gran Via bildet die Plaça de les Glòries. Nach Cerdà sollte das Zentrum der Stadt zur Plaça de les Glòries verlagert werden, weshalb er um den Platz nur administrative Gebäude
vorsah. Das Schachbrettmuster mit den gleich breiten Straßen sollte eine gute Orientierung und einen fließenden Verkehr garantieren. Die Straßen wurden als Boulevards mit zwanzig Metern Breite geplant, um eine ausreichende Sonneneinwirkung auf die unteren Geschosse zu ermöglichen. Die Bebauung entwarf Cerdà mit den einheitlichen Grundmaßen von 130x130 Metern. Der Planer arbeitete mehrere Variationen der Blockbebauung aus. Die favorisierte Form war die parallele Randbebauung, da diese Bauweise viel Platz für Zwischenräume bot. Auch entwarf Cerdà Karrees mit abgeschrägten Ecken, so dass an jeder Kreuzung ein kleiner Platz entstand. „Der verbleibende Zwischenraum hätte als Grünzone Grundlage einer kommunikativen Stadt werden sollen, mit optimalen hygienischen Verhältnissen und einer geringen Dichte von 250 Einwohnern/Hektar” (14). Bei den Gebäuden sah Cerdà nur einzeilige, 24 Meter tiefe Bebauungen ohne architektonische Effekte vor. Der Plan von Cerdà löste bei den Katalanen jedoch Proteste aus, da er den Prinzipien privatwirtschaftlicher Profitinteressen nicht entgegen kam. Die Folge war, dass die Planungen zur Stadterweiterung bis zum 19. Jahrhundert nur zögerlich realisiert wurden.
Während der ersten spanischen Republik 1870/ 1871 war es durch die veränderten politischen Rahmenbedingungen möglich, die Festungsanlagen abzureißen. Die Flächen mit den übrigen Gebäuden wurden der Stadt geschenkt. Die Stadtregierung beschloss, die Anlagen in öffentliche Grünflächen umzuwandeln und an die Stadt zu binden. 1871 wurde ein öffentlicher Wettbewerb für das Areal der Ciutadella ausgeschrieben den Joseph Fontsere gewann. Doch auf Grund der beachtlichen Finanzkrise konnte diese Planung vorläufig nicht umgesetzt werden.
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Arbeit zitieren:
Karolin Stahl, 2004, Inszenierung Barcelona - Städtebauliche Entwicklung durch Großveranstaltungen, München, GRIN Verlag GmbH
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